Anleihen der aufstrebenden Regionen zählen zu den Gewinnern

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Thierry Larose

Schwellenländer sollten in einem breit diversifizierten Portfolio nie fehlen. Die aufstrebenden Regionen überzeugen mit überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial. Sind hier Rentenpapiere besser als Aktien? finanzwelt sprach mit Thierry Larose, Senior Portfolio Manager bei Petercam Institutional Asset Management SA.

finanzwelt: Im letzten Jahr bereiteten die Leistungsbilanzdefizite und die Abhängigkeit einiger Schwellenländer von Auslandskapital vielen Anlegern Sorge. Gleichzeitig stiegen die Renditen von US-Staatsanleihen und das Wachstum in den Schwellenländern ließ nach. Die Folge waren enorme Mittelabflüsse aus dieser Region. Wie ist die Situation im Spätsommer 2014?
Larose: Die enormen Mittelabflüsse aus Rentenfonds der Schwellenländer, die im Verlauf der Verkaufswelle des vergangenen Jahres zu beobachten waren, kamen in erster Linie von börsengehandelten Fonds (ETFs) und notierten Investmentfonds allgemein. Diese Kategorie von Anlegern (Privatanleger und Dachfonds) ist extrem sensibel, was die Performance der jüngsten Vergangenheit betrifft. Nennen wir sie die „vorübergehenden Mittel”.
Hingegen denken institutionelle Anleger in Kategorien wie strategische Allokation auf der Grundlage langfristiger zukunftsgerichteter Einschätzungen. Nennen wir sie die „bleibenden Mittel”. Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die „vorübergehenden Mittel” weniger als 20 % aller Inhaber von Schwellenländeranleihen ausmachen, während die übrigen Anleihen von unterschiedlichen Anlegergruppen der „bleibenden Mittel” gehalten werden: Finanzinstitute, Versicherungsgesellschaften, Pensions-/Vermögensfonds und in gewissem Umfang Private Banking-Konten.
Ex post verfügbare Daten aus Leistungsbilanzen von Schwellenländern zeigen, dass die Gesamtnachfrage nach Schwellenländeranleihen während der Verkaufswelle trotz spektakulärer Mittelabflüsse bei den EMD-Kapitalströmen recht stabil geblieben ist (z.B. EPFR-Daten).
Der Grund für die schmerzhafte Neubewertung der EMD während der Gespräche über die Drosselung des Anleihenkaufprogramms der US-Notenbank war bis dahin eher auf marginale Einbrüche als auf einen Rückgang der Gesamtnachfrage zurückzuführen.
In diesem Zusammenhang wurde die Entwicklung durch die fehlende Unterstützung der Banken, die als Markt Maker fungieren, infolge der Änderung des aufsichtsrechtlichen Umfelds im Investmentbanking noch verstärkt.
Heute ist der Markt in einer stärkeren und robusteren technischen Position. Die Nachfrage institutioneller Anleger setzt sich unvermindert fort, während die „vorübergehenden Mittel” in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres abflossen. Dies in Kombination mit attraktiveren Bewertungen und ausgewogeneren Leistungsbilanzen in den Schwellenländern dürfte nach unserer Auffassung dazu führen, dass der Aufwärtstrend am EMD-Markt noch länger anhalten wird.

finanzwelt: Wo sehen Sie derzeit die größten Chancen im Schwellenländeranleihen-Segment (Hartwährung versus Lokalwährung)?
Larose: Bessere Gelegenheiten sehen wir bei den Lokalwährungen, da die Wahrscheinlichkeit eines Renditerückgangs bei den Hartwährungen geringer geworden ist, weil dort die realen Zinsen künstlich niedrig gehalten werden.
Vor dem Hintergrund einer niedrigen ausländischen Beteiligung an Staatsanleihen und der Bereitschaft der Behörden, Reformen voranzubringen, unterstützt durch einen Anstieg der totalen Faktorproduktivität und ferner durch eine glaubwürdige Haushalts- und Geldpolitik, bieten einige Lokalwährungen attraktive Carry Trade-Gelegenheiten bei hohen Realzinsen und niedriger Devisenvolatilität.

finanzwelt: Sind im Vergleich zu anderen Anleihenkategorien die Renditen von Schwellenländeranleihen noch äußerst attraktiv?
Larose: Die realen Renditen in den Schwellenländern sind attraktiver als in den Industrieländern. Im Durchschnitt beträgt die 10-jährige reale Rendite der Schwellenländeranleihen 1,46 %, während sie in den USA bei nur 0,62 % liegt (basierend auf der Inflation 2009 – 2015). Sie ist also um knapp 0,80 % attraktiver als noch im April 2013, kurz bevor die Verkaufswelle infolge der Rückführung des US-Anleihenkaufprogramms einsetzte.
Betrachtet man die Währungen der Schwellenländer getrennt, fällt auf, dass sich in einigen Fällen, bei denen die Renditen angesichts der impliziten und realisierten Volatilität an den Devisenmärkten besonders attraktiv zu sein scheinen, eine Effizienzgrenze zwischen den realen Renditen und der Volatilität abzeichnet: z.B. beim thailändischen Baht, dem malaysischen Ringgit, der tschechischen Krone, dem mexikanischen Peso, dem ungarischen Forint und dem brasilianischen Real, um die Währungen mit den besten risikoangepassten realen Renditen zu nennen.

finanzwelt: Ist ein Zinsanstieg in den USA bereits eingepreist?
Larose: Ja, der Markt geht davon aus, dass die Fed die Zinsen im Verlauf der ersten Hälfte des nächsten Jahres anheben wird, möglicherweise bereits im März 2015.

finanzwelt: “Emerging market debt issuance hits record high”, titelte die FT am 20.07.2014 und fügt an, dass man sich zunehmend Sorgen um die Qualität der Begeber machen sollte. Ist das übertrieben oder spiegelt es die Realität wider?
Larose: Es ist klug und vernünftig, dass die Wirtschaftsteilnehmer von niedrigen Finanzierungskosten profitieren, um ihr Laufzeitenprofil anzupassen und ihr Liability-Management allgemein zu optimieren. Umso mehr als sich die relative Verschuldung in den Schwellenländern nicht erhöht hat.

finanzwelt: Was zeichnet Petercam S.A. in diesem Segment aus; wie laufen die Produkte?
Larose: Petercam Institutional Asset Management bietet den Petercam L Bonds Emerging Markets Sustainable Fonds an. Dieser Rentenfonds investiert auf der Grundlage eines disziplinierten Verfahrens und von Research-Anstrengungen in Lokalwährungs- und Hartwährungsstaatsanleihen der Schwellenländer. Dank seines Nachhaltigkeitsfilters vermeidet der Fonds Anlagen in Ländern mit dubiosen ESG-Eigenschaften und repressiven Regimen.

Das Interview führte Alexander Heftrich