Anleger sollten die Schwellen(länder)-Angst überwinden

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Gottfried Urban

Was ist mit den Schwellenländeraktien los? Deren Wertentwicklung hinkt seit Jahren hinterher. Anleger haben in den vergangenen fünf Jahren dort nichts verdient. Deutsche Aktien oder auch der Weltaktienindex dagegen konnten in dieser Zeit um 80 Prozent zulegen.

Besonders Brasilien, Russland, Indien und China waren vor fünf Jahren in vielen Depots gesetzt. Schließlich sind es die großen Volkswirtschaften, die die Märkte am besten widerspiegeln. Doch BRIC konnte in der Kombination nicht überzeugen. Brasilien und Russland macht der Verfall der Rohstoffpreise zu schaffen. In Russland belasten zudem die Sanktionen des Westens. Beide Länder stecken in einer Rezession. Chinas Wirtschaft wächst zwar weiter, aber langsamer. In Indien gab es durch die neue Regierung zwar 2014 eine gute Entwicklung, das war es aber auch schon.

Viele dieser Länder sind in US-Dollar verschuldet. Ein Zinsanstieg würde das Wachstum belasten. Zudem macht der starke US-Dollar die Rückführung von Schulden teuer. Die Bereitschaft der Profis, in Schwellenländer zu investieren, liegt deshalb auf Krisenniveau.

Könnten die Märkte dennoch vor einer Erholung stehen? Seit Jahren war das Interesse der Kapitalsammelstellen an den aufstrebenden Volkswirtschaften nicht so niedrig wie aktuell. Das ist ein Hoffnungszeichen, denn meist ist der Wendepunkt dann nicht mehr weit.

Die Börsen der Schwellenländer müssten um rund 50 Prozent zulegen, um eine gleiche Bewertung zu erfahren wie die Wall Street. Nun mag man einwenden, dass in den USA ein deutlich niedrigeres Zinsumfeld vorherrscht. Aber umso interessanter sollten Investments in den Emerging Markets gerade für amerikanische Investoren sein. Denn diese Märkte bieten nicht nur eine höhere Dividendenrendite, sondern in den kommenden Jahren auch ein höheres Wachstum der Unternehmensgewinne. Selbst wenn die institutionellen Investoren diese Unterbewertung noch nicht nutzen wollen, könnte für Privatanleger ein Einstieg mit einer ersten Position sinnvoll sein.

Allein in Asien soll die Mittelschicht, die mit einem Einkommen ab zehn Dollar bis 100 Dollar pro Tag und Kopf definiert wird, von aktuell gut 600 Millionen auf über drei Milliarden Menschen steigen.

Einen breit streuenden Schwellenländerfonds, der ohne Einschränkungen in konsumorientierte Unternehmen investiert oder einen globalen Aktienfonds, der auf Hersteller von Produkten des täglichen Bedarfs setzt, sollte man trotz großer Schwankungen im Portfolio haben. Warum nicht mit einem Sparplan ratierlich die Position aufbauen? Langfristinvestoren können je nach Risikoneigung bis zu einem Drittel des Aktienanteils in breit gefächerte Aktienfonds mit Schwerpunkt Emerging Markets anlegen. Wer schon investiert ist, der kann ein Auffüllen auf die genannte Quote erwägen.

Autor: Gottfried Urban, Vorstand Bayerische Vermögen AG