Anlegen am Wendepunkt der Konjunktur

Foto: © Holger Luck - stock.adobe.com

Die Chefs des französischen Investmentmanagers Carmignac Gestion mit Edouard Carmignac an der Spitze sind auf Tour und präsentieren ihre aktualisierte Einschätzung der globalen Wirtschaft und die darauf aufbauende Anlagestrategie. Hintergrund des starken Zugs in die Öffentlichkeit dürften die schwachen Ergebnisse der letzten beiden Jahre gewesen sein, die das Haus Carmignac Renommee und Geschäftsvolumen gekostet haben. Und so standen am Anfang der Präsentation auch ein paar leise selbstkritische Anmerkungen. Offenbar hatte man auch bei Carmignac die Risiken hinter der ultra-expansiven Geldpolitik der letzten Jahre über- und deren Chancen unterschätzt, wie es jüngst in einer vor allem auf die Rentenfonds bezogenen Analyse aus dem Hause Morningstar zu lesen war. Das alte Flaggschiff Carmignac Patrimoine verschwindet im Hintergrund, stattdessen wird jetzt der Carmignac Portfolio Long-Short European Equities ins Rampenlicht geschoben. Edouard Carmignac sorgte zusammen mit seinem Managing Director Didier Saint-Georges als Showmaster für die nötige Aufmerksamkeit.

Die Carmignac-Crew sieht die globale Konjunktur nahe am Höhepunkt des laufenden Zyklus mit steigender Inflation und sinkendem Wachstum, die Märkte werden von den derzeit gut performenden Rohstoffen dominiert.

Dass die Konjunktur vor der Wende nach unten stehen lässt sich an der relativen Schwäche etwa des Standard & Poor´s 500 zur Entwicklung der US-Renditen ablesen: Die globale Straffung der Geldpolitik bremst die Konjunktur und bringt die Aktien unter Druck. Das ist in den USA auch an der Abschwächung der Indikatoren der einzelnen FED-Banken (namentlich der Philadelphia-FED) ablesbar. Es geht auf eine Abschwächung der Investitionen und einen schwächeren Konsumtrend zu, so die Carmignac-Einschätzung. Für Europa gilt ähnliches, wobei hier noch die ungelösten Strukturprobleme der Eurozone hinzu kommen. So hat die Industrieproduktion in Frankreich und Italien bis heute nicht das Niveau vor der Krise von 2008/9 wieder erreicht. „Hausaufgaben nicht erledigt“, könnte Carmignacs Diagnose kurz zusammengefasst werden. Schon von daher ergibt sich auch die Währungsgewichtung von 47 % Dollar zu 27 % für den Euro. Erstaunlich positiv dagegen die Einschätzung Chinas, das aus Sicht der französischen Analysten klar auf Wachstumskurs bleibt und damit weiter Impulse für das gesamte Universum der Emerging Markets liefert.

Die Anlagestrategie ist mit 46 % Anleihen, 45 % Aktien, 5 % Cash und 4 % Gold unspektakulär und ausgewogen. Auf der Aktienseite stehen die USA vorne mit insgesamt 20 % Gewicht, gefolgt von den Emerging Markets mit 11 %. Hier setzt die Carmignac-Crew vor allem auf Chancen mit Technologie-Titeln. Hinzu kommen 9 % in Europa und 5 % Erdöltitel, die offenbar nach dem Kriterium „Break-even bei maximal 40 $/barrel“ gewählt wurden. Bei den Anleihen dominieren die Unternehmenspapiere (19 %) sowie die EU-Peripherieländer (17 %) mit ihren hohen Verzinsungen. Hinzu kommen 9 % Schwellenländer während die weithin negativ rentierenden EU-Kernstaaten nur 9 % Gewicht erhalten. (mk)

www.carmignac.de