„Angst“ vor „Lust“ als Sparanreiz

„Geiz ist geil“ war einmal. Inzwischen ist das Hauptmotiv für Sparen die Angst vor schlechten Zeiten. Der Abbau der Staatsschulden zu Lasten der Vorsorgesparer verunsichert die deutschen Sparer sehr.

2014-12-01 (fw/db) Die eingetrübten Wirtschaftsaussichten fördern offensichtlich das „Angst-Sparen“. Dieses ersetzt auch mangels Alternative zunehmend das „Lust-Sparen“. Das ergibt sich aus der Herbstumfrage 2014 zum Sparverhalten der Deutschen. In einer aktuellen Studie befragte das Marktforschungs-Institut TNS Emnid aus Bielefeld für den Verband der Privaten Bausparkassen zum 52. Mal über 2.000 Bundesbürger im Alter von über 14 Jahren.

Nachdem im Sommer 2014 die Sparbereitschaft auf den mit Abstand tiefsten Wert seit Beginn dieser Umfragereihe gefallen war, stieg der Sparer-Anteil im Herbst 2014 um 10 Prozentpunkte auf 50 Prozent.

Die damalige Reaktion auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, den Leitzins auf einen neuen Rekord-Tiefstand zu senken, ist offenbar der Einsicht gewichen, für die Zukunft trotzdem mehr vorsorgen zu müssen.

„Durch die trüben Konjunkturaussichten findet ein verstärktes Angst-Sparen statt“, erklärte dazu der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Andreas J. Zehnder. „Geld unter das Kopfkissen zu legen, ist selbst bei Mini-Zinsen eben keine Alternative.“

So sparen die Deutschen – die Rangliste der Motive

Die „Altersvorsorge“ steht nach einem Anstieg um 13 Prozentpunkte auf 64 Prozent auf dem ersten Rang.

Das Sparmotiv „Konsum/Anschaffungen“ verlor gegenüber der letzten Umfrage sechs Prozentpunkte und liegt jetzt mit 59 Prozent auf den zweiten Rang.

Der Wunsch nach mehr Sicherheit drückt sich auch im deutlichen Zuwachs des drittwichtigsten Sparmotivs „Erwerb/Renovierung von Wohneigentum“ aus. 54 Prozent der Deutschen nennen es – nach 46 Prozent im Sommer 2014.

Das Sparmotiv „Kapitalanlage“ folgt abgeschlagen, aber konstant, mit 32 Prozent der Nennungen. Zuletzt waren es 31 Prozent.

Sparverhalten in der Zukunft

Nach ihrem zukünftigen Sparverhalten befragt, erklärten acht Prozent, demnächst mehr sparen zu wollen. Im Sommer 2014 gaben dies sechs Prozent an. Weniger sparen wollen 12 Prozent – nach zuvor 11,1 Prozent.

Der Sparklima-Index des Verbandes stieg deshalb von -4,4 auf -3,5 an. Dieser wird als Saldo aus den Prozent-Anteilen derjenigen berechnet, die künftig mehr sparen wollen, und derjenigen, die künftig weniger sparen wollen.

Dietmar Braun