An Tagen wie diesen..

9:10 Uhr – Du und der Busfahrer

Mächtig bedient verlässt du die Bäckerei. Deine Gedanken kreisen noch ein wenig um den Flegel aus der Bäckerei, da pöbelt dich der Busfahrer schon an: »Hey, Alter, zacki-zacki, wir können hier nicht ewig warten!« Gedankenverloren musst du wohl den Bus übersehen haben. Du kannst kaum fassen, was heute alles schiefläuft und fragst dich, ob da irgendwo eine versteckte Kamera läuft. Aus den Augenwickel siehst  du die erheiterten Buspassagiere. Doch anstatt dem forschen Busfahrer Paroli zu bieten, erfasst dich der Abwärtsstrudel und dein »braves Kind-Ich« kommt zum Vorschein: Du entschuldigst dich. Vorgeführt und klein beigebend verkriechst du dich in die hinterste Ecke des Busses.

Bleib konsequent im Erwachsenen-Ich, egal was dir angetan wird. Bleib auf Augenhöhe, sach- und lösungsorientiert. Geh nicht runter ins bockige oder brave Kind-Ich und geh nicht hoch ins strenge oder fürsorgliche Eltern-Ich, denn Kind-Ich und Eltern-Ich sind Haltungen zwischen Eltern und Kindern. Zwischen Busfahrer und dir ist Augenhöhe, auch wenn der Busfahrer es kurzzeitig vergessen hat. Er hat ein Machtspiel mit dir begonnen, ob bewusst oder unbewusst, und du reagierst reflexhaft mit einem inneren »Dafür stehe ich nicht zur Verfügung«. Gegen eine solch liebevoll-rücksichtslose Begegnung auf Augenhöhe kann er sich nicht wehren. Vorausgesetzt du gibst sie nicht auf.

10:15 Uhr – Du und der Pförtner

Endlich hast du das alles zurückgelassen und erreichst die Firma. »Dort sollte es doch gemächlicher zugehen«, denkst du noch. Aber diese Rechnung hast du ohne den Pförtner gemacht. Entgegen seiner sonstigen Art lächelt er kaum bis gar nicht und guckt desinteressiert bis gelangweilt. An einem normalen Tag würdest du das locker weglächeln. Aber an Tagen wie diesen suchst du Gründe, warum er etwas gegen dich haben könnte anstatt es auf sich beruhen zu lassen.

Wann auch immer deine Mitmenschen sich reduzierter verhalten als sonst, beziehe es nicht auf dich geschweige denn auf mögliches Fehlverhalten von dir. Stelle fest, was ist und vermute einen Grund beim Gegenüber. Irgendetwas muss heute bei deinem Gegenüber ungünstiger verlaufen sein als sonst. Wenn du gelassen bist, sprich ihn an, wenn du eher auf Rückzug aus bist, schweige und geh weiter. Das Leben ist zu kurz für unnötige Selbstvorwürfe.

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