Altersvorsorge mittels Indexpolicen

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60 % mehr als noch vor 15 Jahren müssen die Deutschen für eine garantierte private Altersvorsorge aufwenden. Mit Fondspolicen und endfälligen Garantieformen steuert die Lebensversicherungsbranche dagegen.

In jüngster Zeit gewinnen neuartige Indexmodelle an Zuspruch. Doch auch dagegen formiert sich bereits Widerstand. Allerdings unberechtigt, wie Experten sagen. Schlechter hätten Studienergebnisse für Altersvorsorgesparer – und damit indirekt auch für Makler – kaum ausfallen können. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat untersucht, wie sich die Niedrigzinsphase und ihre Begleiterscheinungen auf die Finanzplanung der Bundesbürger auswirken – so sie denn fürs Alter eine klassische Rentenversicherung wünschen. Das DIA kommt zu folgendem Fazit: „So ist zum Beispiel die Einmalprämie, die für 100 Euro lebenslange Garantierente pro Monat benötigt wird, in den zurückliegenden 15 Jahren um 60 % angestiegen. Zur Jahrtausendwende mussten Sparer für eine lebenslang garantierte Rente in Höhe von 100 Euro monatlich etwa 18.200 Euro aufbringen. Schließt ein Versicherungsnehmer heute eine solche Leibrente ab, so fallen für die identische Leistung mehr als 29.100 Euro an.“ Altersvorsorgesparer müssten heute also wesentlich größere Beträge aufbringen, um den späteren Ruhestand abzusichern. Für Prof. Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), steht der Sündenbock fest: „Das ist der Preis, den die Altersvorsorgesparer für die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bezahlen.“ Seiner Einschätzung nach würden deshalb künftig kapitalmarktnähere Verrentungskonzepte an Bedeutung gewinnen, die je nach Ausprägung geringere Garantierenten mit der Chance auf deutlich höhere Rentensteigerungen als bei der konventionellen Verrentung kombinierten. Das wissen natürlich auch die Lebensversicherer selbst. Und sie antworten mit möglichst kreativen Konzepten wie die sogenannte Indexrente.

Indexprodukte vs. klassische Fondsvarianten.

Bei Indexpolicen haben die Kunden in aller Regel vor einem festgelegten Stichtag das Wahlrecht, ob sie am Index selbst oder aber an der normalen Überschussbeteiligung inklusive garantierter Verzinsung teilhaben wollen. Zum Ende eines jeden Indexjahres errechnet der Versicherer das jeweilige Guthaben und sichert es garantiemäßig als Mindestgröße für den Policenablauf zu. Wer sich für den Index entscheidet, kann durch mögliche Kursverluste danach keine Einbuße mehr am gesammelten Guthaben erleiden. Wer die sichere Überschussbeteiligung wählt, ist von diesem Risiko ohnehin nicht betroffen. Nun gibt es auch die altbekannten fondsgebundenen Rentenversicherungen mit Garantie, auch solche, die sich an einem Index, etwa dem DAX oder STOXX 50, orientieren. Von daher besteht durchaus eine Verwechslungsgefahr. Der große Unterschied besteht darin, dass bei den „klassischen“ Fondsprodukten nur die Überschüsse in die Indexanlage fließen, das Guthaben jedoch in der konservativen und deswegen eher niedrig verzinsten Deckungsstockanlage bleibt. Bei den neuen Indexprodukten hingegen kann – je nach Kundenwunsch – das vollständige Deckungskapital am Index partizipieren. Weil das Geld dort nicht direkt in Fonds, sondern in Optionen investiert wird, lässt sich eine Hebelwirkung erzielen, die sich positiv auf die Rendite-chancen auswirkt. Zusätzlich kann sich hier die jährlich wiederkehrende Wahlfreiheit zwischen Index- und Deckungsstockanlage als Plus erweisen.

Kein Licht ohne Schatten…

Zumindest wenn es um Kritik seitens des Bundes der Versicherten (BdV) geht. Grundlage dafür war eine Untersuchung des Verbrauchermagazins Öko-Test. Nach Sichtung der Studienergebnisse fühlte sich die Organisation in ihrer kritischen Haltung bestätigt. „Indexpolicen sind hochgradig intransparent, bergen hohe Risiken auf Verlust der Überschussbeteiligung und sind ungeeignet für eine verlässliche Altersvorsorge“, resümiert Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV. Öko-Test habe offengelegt, dass die Versicherungsunternehmen bei den neuartigen Tarifen keine Anlage in Fonds oder Indizes vornehmen, obgleich dies den Verbrauchern suggeriert werde. Stattdessen investiere der Sparer indirekt in hochgradig komplexe und teilweise ungesicherte Finanzkonstruktionen. „Die Versicherungsunternehmen verlagern zunehmend Risiken auf den Kunden“, so Kleinlein. Obgleich das Risiko steige, minderten die Unternehmen auch noch die Garantieleistungen. Gerade bei den neuartigen Angeboten seien zudem die Verrentungskonditionen oft schlechter als bei vergleichbaren klassischen Angeboten. „Diese neuartigen Tarife verbinden gleich mehrere Nachteile: niedrigere Garantien, höhere Überschussrisiken und massive Intransparenz“, fasst Kleinlein zusammen. „Wir warnen vor dem Abschluss solcher Index-Verträge, da sie zum Sparen oder für die Altersvorsorge ungeeignet sind.“

Indexpolicen – doch eine sinnvolle Alternative zu klassischen Produkten?

So hat eine Studie des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) aus dem Jahr 2014 gezeigt, dass Indexpolicen in der andauernden Niedrigzinsphase eine sinnvolle Alternative zu klassischen Rentenversicherungen darstellen können. Im vergangenen Oktober hatte das IVFP nochmal nachgehakt und festgestellt, dass Versicherungsnehmer mittlerweile aus einer Vielzahl von Indexmodellen wählen können, die sich allerdings in der Art der Partizipationsbeschränkung (Cap oder Quote) und des zugrunde liegenden Index teilweise erheblich differenzieren. Insgesamt zwölf Angebote namhafter Gesellschaften wurden auf Herz und Nieren überprüft. Noch nicht berücksichtigt werden konnte dabei das neueste Angebot, die PrivatRente Index der Barmenia, zu der Barmenia-Vertriebsvorstand Frank Lamsfuß anmerkt: „Die neue Barmenia PrivatRente Index bietet Versorgung durch eine garantierte, lebenslange Rentenzahlung, Flexibilität, Renditechancen des europäischen und deutschen Aktienmarkts mit gleichzeitigem Schutz vor Kurs- und Kapitalverlusten.“ Auch für IVFP-Geschäftsführer Hauer zeigt sich ein anderes Bild als das vom Bund der Versicherten gezeichnete: „Das Ergebnis unserer Analyse zeigt ganz klar, dass Indexpolicen weiterhin eine attraktive Alternative zur klassischen Rentenversicherung bilden.“ Sie seien für alle diejenigen interessant, die die Ertragschancen einer risikoreicheren Anlage verbunden mit einem Sicherheitsmechanismus in Form von Garantien suchten. (hwt) (Indexpolicen / finanzwelt 02/2016)