Alternativen zur klassischen Depot-Absicherung

Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG / Foto: © wikifolio

Zum ersten Mal seit dem vergangenen November hat der DAX im Juni einen Monat im Minus beendet. Bei diversen kleineren Aktien fielen die Rückschläge sogar deutlich größer aus. Hier stellt sich einmal mehr die Frage nach der Depot-Absicherung. wikifolio.com hat einige Vermögensverwalter um ihre Meinung gebeten.

Nach der mittlerweile recht langandauernden Kursrally nehmen die ersten Marktteilnehmer ihre Gewinne mit. Allzu groß scheinen die Sorgen der Investoren vor einer Korrektur – trotz der als relativ kritisch geltenden Jahreszeit – nicht zu sein. Laut jüngsten Berichten der Terminbörsen waren die Anlegerdepots mit Blick auf den Optionsmarkt in diesem Jahr noch nie so wenig gegen fallende Kurse abgesichert wie aktuell.

Aktienquote reduzieren

Peter Kugel von der PRIVALOR AG sieht nach den starken Kursanstiegen der vergangenen Jahre und den aktuell geführten Diskussionen über steigende Zinsen ganz klar ein erhöhtes Risiko von Kursrückgängen. Er teilt die Ansicht, dass die meisten Investoren darauf nicht vorbereitet seien. Dies führe dazu, dass viele Anleger im Falle sinkender Kurse zwangsläufig gleichzeitig reagieren, weshalb auch eine deutlichere Korrektur denkbar sei.

Für seine Kunden hat er bereits Vorsorge getroffen und die Aktienquoten in den Kundendepots reduziert. Im Gegenzug wurden sichere, kurzfristig verfügbare Anlagen aufgebaut. Klassische Absicherungen über Futures, Optionen oder Zertifikate nutzen die Vermögensverwalter nur selten. „Wir möchten mit der Mehrzahl unserer Kunden nicht am Terminmarkt aktiv werden und auch kein Emittenten-Risiko eingehen“, begründet Kugel.

Selbst entwickelter Börsenindikator als Signalgeber

Auch Oliver Stoermer von der Mademann & Kollegen GmbH hält solche Depot-Absicherungen für wenig zielführend: „Sie kosten Geld und verringern die Wertentwicklung. Unserer Meinung nach sollte man eine klar fundierte Meinung zum Aktienmarkt haben und dementsprechend investieren oder desinvestieren.“

Die entsprechenden Signale zum Ein- und Ausstieg liefert den Experten ein selbst entwickelter Börsenindikator. „Wir verkaufen unsere Bestände komplett, sobald unser Indikatormodell das Signal dazu gibt“, erklärt Stoermer die Herangehensweise der Vermögensverwalter. Tatsächlich erfolgte der Ausstieg aus den Aktienmärkten am 27. Juni, da der Indikator ein Verkaufs-Signal generierte.

Fälle für eine klassische Depot-Absicherung

Grundsätzlich aufgeschlossen für die gängigen Arten der Absicherung gegen fallende Kurse ist Gottfried Urban von der Bayerische Vermögen AG. Er hält sie allerdings mit Blick auf das richtige Timing für sehr anspruchsvoll. Solche Strategien sind aus seiner Sicht erst in Zeiten großer Euphorie sinnvoll.

Urban rät zur Skepsis, „wenn an der Börse die Optimisten auf breiter Ebene zunehmen und in der Eurozone fast Vollbeschäftigung herrscht.“ Vorsichtig solle man auch sein, „wenn Anleger bereit sind umfangreich Aktien auf Kredit zu kaufen, viele Unternehmen den Gang an die Börse wagen und neue Finanzinstrumente mit spektakulären Performancezahlen im Schaufenster der Finanzindustrie auftauchen.“

Aktuell sieht Urban ein solches Szenario nicht. Deshalb sind die Anlageprofis davon überzeugt, dass die Märkte in diesem Jahrzehnt vor allem dank der Geldschwemme der Notenbanken weiter zwei Schritte nach vorne und einen Schritt zurück machen: „Der Schritt zurück war nach dem starken Anstieg überfällig, ändert allerdings nichts an den grundsätzlich noch vorhandenen Kurspotenzialen.“ Dies gelte gerade für Aktien aus Europa und den Schwellenländern.

Kolumne von Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG