Aktienrente jetzt? Die Politik sollte nicht weiter zögern

Robert Peres, Rechtsanwalt und Vorsitzender der Initiative Minderheitsaktionäre / Foto: © Robert Peres

Die Einführung einer aktienbasierten Fondslösung als zusätzliches Element der gesetzlichen Altersversorgung wurde in der Politik und am Markt schon lange diskutiert und im Koalitionsvertrag der Ampel im Herbst schriftlich niedergelegt. Aus dem Finanzministerium hört man, man wolle noch dieses Jahr mit der Umsetzung der Aktienrente beginnen. Eine Forsa-Umfrage hat nun ergeben, dass auch eine Mehrheit in Deutschland dieses Vorgehen begrüßt.

Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: Zur „langfristigen Stabilisierung von Rentenniveau und Rentenbeitragssatz“ will die Regierung in eine „teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung einsteigen“. Geschehen soll dies über einen dauerhaften Fonds, der global anlegt und „von einer unabhängigen öffentlich-rechtlichen Stelle professionell verwaltet“ wird.

Grundsätzlich hört sich das gut an und ist daher zu begrüßen. Der Zuschuss des Bundes zur Rentenversicherung übersteigt in diesem Jahr bereits die 100-Milliarden-Euro-Marke. In wenigen Jahren werden zwei Beitragszahler einen Rentner finanzieren müssen. Die demografische Entwicklung lässt im Grunde keine andere Lösung zu, als Aktien in die gesetzliche Altersvorsorge mit einzubeziehen. Gute Beispiele gibt es im Ausland, etwa in Schweden, den Niederlanden und den USA. Auch wenn hier die Systematik unterschiedlich ist – das Prinzip, Wertpapiere zur Altersvorsorge zu nutzen, ist gleich. In Deutschland soll ein Bürgerfonds extern verwaltet werden und die Erträge in die Rentensumme fließen. Ob später auch eine eigene Portfolioverwaltung dazukommt, muss abgewartet werden.

Richtige Aufklärung ist entscheidend

Die FDP hat vorgeschlagen, dass zunächst ein Kapitalstock von 10 Mrd. Euro an der Börse investiert wird. Diese doch sehr geringe Summe soll sich langfristig erhöhen. Ein solches, teilweise kapitalgedecktes System würde mittelfristig zu einer Entlastung der Umlagefinanzierung führen und damit eine wichtige Rolle zur Sicherung des Rentenniveaus leisten.

Die deutsche Aktienrente hat nicht nur das Ziel, langfristig das aktuelle Umlageverfahren unseres Rentensystems zu entlasten, sondern auch die Rentner am Wachstum der Wirtschaft direkt zu beteiligen. Hier wird es aber kritisch, denn wie wir gerade erleben, gibt es nicht nur Wachstumsphasen, sondern auch Wirtschafts- und Börsenkrisen sowie derzeit den Beginn einer Rezession. Für die Akzeptanz einer Aktienrente ist es also notwendig, diese gut zu erklären. Börsenprofis wissen, dass man nicht kurzfristig denken darf, auf Dauer ist und bleibt die Aktie das renditestärkste Investment am Markt.

Gesetzliche Vorsorge bleibt wichtig

Die Initiative Minderheitsaktionäre hat diesen Sommer zum zweiten Mal eine repräsentative Umfrage vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa durchführen lassen, welche die Bereitschaft zur Aktienrente bei bestimmten demografischen Gruppen untersucht hat. Dabei war eine große Mehrheit (83 %) der Befragten der Ansicht, dass das Rentenniveau absinken und es zu einer Versorgungslücke kommen wird. Das Problembewusstsein ist also vorhanden. 56 %  der Befragten befürworten die Einführung einer Aktienrente, vor allem die Jüngeren. Hier wird klar, dass man die Aktienrente nicht als Sofortlösung begreift, sondern als langfristiges Mittel zur Sicherung der Renten.

Nicht überraschend: Die gestiegenen Lebenshaltungskosten stellen für viele deutsche Haushalte eine große Herausforderung dar. Rund ein Sechstel (16 %) gab an, aufgrund der aktuellen Inflation derzeit weniger als noch vor einem Jahr für die Altersvorsorge zurückzulegen. Übertragen auf die Bevölkerung bedeutet dies, dass aktuell rund 13 Millionen Menschen in Deutschland ihr Sparverhalten bereits angepasst haben. Bei geringerer Eigenvorsorge ist es umso wichtiger, dass der Staat intelligente, marktgerechte Instrumente bereitstellt, um für die Bürger vorzusorgen.

Langfristige Lösungen

Die Herausforderungen für das deutsche Rentensystem sind in den vergangenen zwölf Monaten insbesondere aufgrund der stark gestiegenen Inflation und der steigenden Energiepreise nochmals größer geworden. Die offizielle Teuerungsrate, die sich aktuell um  8 % bewegt (eigentlich ist sie höher), entwertet die Ersparnisse der Bevölkerung, die immer noch überwiegend auf schwach verzinste Versicherungsprodukte setzt, anstatt den langfristigen Inflationsschutz der Aktie zu nutzen. Da sollte die Politik nicht weiter zögern und bei der gesetzlichen Rente ein dynamisches, kapitalgedecktes Element einführen, um den Schwung der zukünftigen Erholung, die unzweifelhaft kommen wird, für die Bürger zu nutzen.

Gastbeitrag von Robert Peres, Rechtsanwalt und Vorsitzender der Initiative Minderheitsaktionäre, die sich für die Stärkung der Aktionärsrechte in Deutschland einsetzt