Aktien weiterhin mit guter Gewinndynamik

Dr. Thomas Heidel, Leitung Research Fidal AG /Foto: © Fidal AG

Die US-Berichtssaison für das zweite Quartal 2017 hat einen positiven Anfang genommen – besonders durch die guten Geschäftsberichte der Banken –, was die Anleger besonders bei Technologieaktien auch schon mit neuen Höchstkursen quittiert haben. Am Quartalsende gingen die Analysten der Research-Firma FactSet noch von einem Umsatzwachstum der S&P 500-Unternehmen von knapp fünf Prozent und einer Gewinnsteigerung von 6,6 Prozent aus. Inzwischen zeichnet sich ab, dass beide Werte übertroffen werden.

Im Vergleich mit der historischen Entwicklung konnten ungewöhnlich viele S&P Firmen, selbst Ölfirmen trotz der negativen Preistendenz, bisher die Umsatzprognosen übertreffen. Besonders Firmen aus den Sektoren Gesundheit, Technologie, Industrie und Finanzen schlugen sehr häufig die Analystenerwartungen über die Gewinn- bzw. Umsatzentwicklung.

S&P 500-Unternehmen, deren Hauptgeschäft nicht auf dem heimischen Markt liegt, sondern die den überwiegenden Anteil ihrer Umsätze im Ausland erzielten, schnitten wegen der Dollarschwäche, das heißt der tendenziellen Aufwertung der ausländischen Währungen im Vergleich zum US-Dollar bei der Ertragsentwicklung deutlich besser ab. Die beiden Sektoren, die bei der S&P Index-Berechnung die höchsten Gewichtsanteile besitzen (Technologie und Finanzen), werden erwartungsgemäß im zweiten Quartal ihre Gewinne prozentual zweistellig steigern.

Probleme im Energiesektor?

Die Kurse der Energieaktien haben sich bisher in 2017 in der Spitze bis zu minus 14 Prozent konträr zur allgemeinen Aktienmarkttendenz entwickelt. Ursache dafür ist die negative Preistendenz beim Öl, weswegen die Analysten ihre Ertragserwartungen für die Energiefirmen in den letzten drei Monaten deutlich heruntergeschraubt haben. Die Gewinnentwicklung des Energiesektors ist allerdings von großer Bedeutung für das Profitwachstum der S&P 500-Unternehmen insgesamt. Ohne den Energiebereich würde der Gewinnanstieg im S&P 500-Index um ein Drittel geringer ausfallen.

Wichtig als Bezugsgröße für die Geschäftsentwicklung der US-Ölgesellschaften ist der West Texas Intermediate Ölpreis, der im Durchschnitt des zweiten Quartals 2016 bei 45,6 US-Dollar gelegen hat. Die Analysten prognostizieren also für die nächsten zwölf Monate eine relativ kontinuierliche knapp zweistellige prozentuale Ölpreissteigerung.

Gewinnentwicklung der US-Firmen

Die wichtigen Zentralbanken scheinen sich mit dem Anziehen der Zinsen noch sehr viel Zeit zu lassen, so dass mit einem sogenannten „Goldilock-Szenario“ zu rechnen ist: moderater Anstieg der Wirtschaftsleistung, geringe Lohnzuwächse und niedrige Inflationsraten. Die Analysten erwarten für das Gesamtjahr 2017 einen Gewinnanstieg der S&P-Firmen von knapp zehn Prozent. 2018 soll der Ertragszuwachs sogar noch ein wenig höher ausfallen.

Europäische Unternehmen

Die Analysten gehen davon aus, dass die Profite der europäischen Aktiengesellschaften im zweiten Quartal um neun Prozent zugelegt haben. Die politischen Risiken in Europa haben sich durch den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen verringert. Dem hoch verschuldeten Krisenland Griechenland ist es seit 2014 kürzlich wieder erstmals gelungen, eine Anleihe zu einem für Griechenland niedrigen effektiven Zinssatz von 4,625 Prozent am Kapitalmarkt zu platzieren.

Die Eurozone profitiert von der sehr lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und als Exportregion vom stabilen Wachstum in China, der verbesserten Situation der Rohstoffländer und allgemein von dem guten globalen Wirtschaftswachstum. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einem Konjunkturaufschwung in der Eurozone von 1,9 Prozent in 2017, speziell mit einem guten Wachstum in Frankreich, Deutschland, Italien und besonders in Spanien. In seinem jüngsten „Weltwirtschaftlichen Ausblick“ macht der IWF Europa sogar als Treiber der Weltkonjunktur aus. Die IWF-Experten rechnen mit einem breiten synchronen Aufschwung der Weltwirtschaft und prognostizieren ein Wachstum der globalen Wirtschaft von 3,5 Prozent in 2017 und von 3,6 Prozent in 2018.

Kolumne von Dr. Thomas Heidel, Leitung Research FIDAL AG