Afrika-Investments holen auf

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Jörg Löbe

Als Wettlauf um Afrika wurde die Kolonialisierung des afrikanischen Kontinentes zwischen 1880 und dem Ersten Weltkrieg bezeichnet. Innerhalb von weniger als 20 Jahren kam es zur Besetzung fast des gesamten Kontinents. Nun steht Afrika verstärkt im Fokus.

Auf der Kongokonferenz in Berlin wurde 1884/85 der größte Teil Innerafrika/Schwarzafrikas zwischen den europäischen Mächten aufgeteilt. Im Zuge der Dekolonisation Afrikas wurden mehrere Staaten in den 1950er Jahren unabhängig. 1960 gilt als das Jahr der afrikanischen Unabhängigkeit, da der Großteil der französischen Kolonien in diesem Jahr in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Diese Zeit prägt gerade heute wieder viele afrikanische Länder.

Afrika hat ein Imageproblem. Kriege, Entführungen, Hungersnot, Armut: All das eignet sich für die Acht Uhr-Nachrichten. Warum sollte sich der Deutsche Anleger gerade jetzt mit diesem Kontinent beschäftigen?

Der Stoff aus dem die Träume sind heißt: Demokratie und Wachstum

Der Kontinent ist auch 50 Jahre nach der Unabhängigkeit in weiten Teilen im Vergleich zu vielen anderen Emerging Markets unterentwickelt. Allerdings tauchen jetzt neben Südafrika auch Länder wie Ghana, Kenia, Angola, Nigeria und Simbabwe in den Beobachtungslisten internationaler Investoren auf. Was ist geschehen?

Demokratie
Untersuchungen des Center for Systematic Peace zeigen 1988 erst acht, 2012 bereits 40 Länder mit demokratischen Grundzügen. Im Gleichschritt nimmt die Korruption ab.
Der “Doing Business Report 2014″ der Weltbank diagnostiziert: Subsahara-Afrika macht weltweit größte Fortschritte. In den letzten fünf Jahren haben die Länder Subsahara-Afrika es geschafft regulatorische Lücken und Hindernisse dreimal schneller zu schließen als viele OECD-Länder. Unter den 20 Staaten, die weltweit den meisten Fortschritt bei der Reform unternehmerischer Regulierungen machten, liegen neun in Subsahara-Afrika. Unter den „Top-Ten”.

Wachstum
Und war Afrika in der Vergangenheit ein Lieferant von Rohstoffen aller Art so sieht man jetzt mit anderen Augen auf den erwachenden Kontinent.
170 Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutieren auf der Africa2030 in Berlin: Laut neuer Prognosen werden 2030 mehr als 1,6 Mrd. Menschen auf dem afrikanischen Kontinent leben. Mehr als die Hälfte davon wird voraussichtlich einer kaufkräftigen Mittelschicht angehören und in Städten wohnen. Das Arbeitskräftepotential des Kontinents wird größer als das von Indien und China sein. McKinsey prognostiziert 600 Millionen Internetuser in Afrika bis 2025.
Afrika hat mit ca. 200 Millionen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren die jüngste Bevölkerung weltweit. Bei dieser Altersgruppe sind neue Technologien besonders gefragt. Das wird in Zukunft einer der Haupttreiber von Investition und Wachstum sein.

Mein Fazit: Der Wettlauf um Afrika ist bei den institutionellen Investoren vor allem aus China, Indien und Arabien längst gestartet und geht bereits in die Zielgerade. Jetzt kommt die zweite Welle, die der Privatanleger. Die sollten aber wissen, dass große Chancen auch immer kurzfristig große Risiken bergen. Aber “on the long run” darf man die Chance Afrika nicht verpassen.

finanzwelt berichtet in der Printausgabe 03/2014 zum Thema „Investitionschancen in Afrika”


(Autor: Jörg Löbe, Geschäftsführer der Aubilia Vermögensmanagement GmbH in Düsseldorf)