Ästhetische Geldanlagen – Luxus oder lohnenswert?

Foto: © Nejron Photo – stock.adobe.com

Die Kreativität der Investoren nahm angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen zu. Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, um noch eine Rendite erzielen zu können. In den Blick rücken dabei auch Geldanlagen, die zunächst nicht mit Privatanlegern in Verbindung zu bringen sind. Doch welche Chancen stecken hinter diesen Angeboten und wann lohnt es sich, diese in Anspruch zu nehmen?

Oldtimer als Chance

Wer im Internet nach Oldtimern sucht, kann sehr schnell auf hochpreisige Inserate aufmerksam werden. Preise, die bis in den sechsstelligen Bereich hineinragen, werden in der Regel für die Fahrzeuge passionierter Sammler gezahlt. Diese machten sich die Mühe, die werten Stücke über Jahrzehnte zu pflegen, um sie letztlich mit einem Gewinn zu verkaufen. Natürlich gibt es einige Beispiele dafür, dass sich alte Fahrzeuge in höhere Preisklassen hineinbewegen. Doch Vorsicht ist bei einem Investment dennoch gefragt.

Zunächst mangelt es nicht an Interessenten für klassische Fahrzeuge. Unter Liebhabern wird oft ein Ratenkredit gewählt, um sich das liebste Stück zu sichern. Die aktuell niedrigen Zinsen lassen eine solche Finanzierung zu. Doch um von einer lohnenden Geldanlage sprechen zu können, muss der Besitzer sehr genau auf den Zustand des Wagens achten. Sonntagsfahrten wirken sich bereits negativ aus, da sie den Kilometerstand nach oben treiben und zu Gebrauchsspuren führen können.

Zudem legt nicht jedes Auto eine Preissteigerung hin, wie sie etwa beim Mercedes 300 SL zu beobachten war. So mancher Oldtimer in gutem Zustand wird zwar Abnehmer finden, liefert dem Besitzer jedoch nur eine magere Rendite von etwa fünf Prozent. Angesichts der vielen Jahre, die dafür verstreichen müssen, stellt sich die Frage, ob von einem Investment für die breite Masse gesprochen werden kann. Fachkenntnis ist dafür in jedem Fall erforderlich.

Wein und Whiskey

Für kein anderes weit verbreitetes Getränk werden solch hohe Preise bezahlt, wie für Wein und Whiskey. Wem es gelingt, an die letzten Flaschen besonderer Jahrgänge zu kommen, der kann sich großen Gewinnen sicher sein. Warum sollte die eigene Geldanlage also nicht in einen gut gesicherten Weinkeller passen? An und für sich gelingt es einigen Winzern, Entwicklungen am Markt zu erahnen und sich rechtzeitig mit den begehrten Flaschen einzudecken. Doch ein langer Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren raubt dem Investment etwas die Attraktivität.

Inzwischen gibt es Ratingagenturen für Wein, welche einen Blick auf die stärksten Preisentwicklungen werfen. Doch insgesamt bleibt das Fachwissen des Käufers eine wichtige Grundvoraussetzung. Um Anlagen wie die 2003 Trockenbeerenauslese vom Weingut Egon Müller in Wiltingen an der Saar zu erwischen, die zuletzt Preise von 12.000 Euro pro Flasche erreichte, sind viel Glück und Können erforderlich. Auch die Lagerbedingungen müssen perfekt abgestimmt sein, damit der edle Tropfen Jahre später noch genießbar ist.

Eine nette Erweiterung

Wer bereits über ein Portfolio mit guter Diversifikation verfügt, kann in diesen Bereichen auf neue interessante Ideen hoffen. Für den klassischen Privatanleger stellen Aktien, Immobilien und Edelmetalle noch immer die beste Option dar. Denn auf diese Weise ist weit weniger Expertise erforderlich, um im Laufe der Jahre eine Rendite aufbauen zu können. So schön es sein mag, einen begehrten Oldtimer oder einen besonders edlen Tropfen zu besitzen, so schwer ist es auf diese Weise einen Wertzuwachs zu erzielen. So bleiben diese Investments in einer Zeit niedriger Zinsen weiterhin ein Weg, den vor allem sehr gut betuchte Anleger einschlagen. Für die breite Masse ist der Einstieg kaum eine realistische Option.

Gastbeitrag