9. Convertible Symposium

Alexander El Alaoui, Analyst für Nachhaltigkeit (li.), und Frederik G. Hildner Portoliomanager Salm-Salm & Partner / Foto: © Salm-Salm & Partner

Bereits zum neunten Mal lud die auf Wandelanleihen spezialisierte Vermögensverwaltung Salm-Salm zum Convertible Symposium nach Frankfurt ein. Erneut stand die Erkenntnis im Fokus, dass Wandelanleihen die Stärken zweier Asset-Klassen ideal kombinieren: Die Sicherheit einer Anleihe mit dem Ertragspotenzial einer Aktie.

Nach den einführenden Worten von Constantin Freiherr von Wendt, geschäftsführender Gesellschafter Salm-Salm & Partner GmbH, ging die ehemalige finnische Premierministerin und heutige stellvertretende Generalsekretärin der OECD, Mari Kiviniemi, anschaulich und detailliert auf die Bedeutung eines offenen, zollfreien Welthandels für die globalen Volkswirtschaften ein. Sie legte dar, dass die Öffnung der internationalen Märkte dem Handel und dem Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahrzehnten weltweit zusätzlichen Schwung verliehen hat. Hingegen stellten Zölle nach wie vor eines der wichtigsten Hindernisse für den Marktzugang dar. Die Beseitigung aller Zölle würde den globalen Wohlstand nachhaltig steigern.

Constantin Prinz zu Salm-Salm, geschäftsführender Gesellschafter der Salm-Salm & Partner GmbH, unterstrich in seinem Vortrag „Wandelanleihen – Nichts ist beständiger als der Wandel“, dass Convertibles dank ihres sogenannten hybriden Charakters Aktien- und Rentenportfolios gleichermaßen optimieren könnten. Insofern seien Wandelanleihen speziell auch in dem aktuell herausfordernden Marktumfeld ein renditeträchtiger Baustein in einem diversifizierten Portfolio.

finanzwelt sprach im Anschluss der Tagung mit Frederik G. Hildner, Portfoliomanager aus dem Hause Salm-Salm und Alexander El Alaoui, Analyst für Nachhaltigkeit im Hause Salm-Salm.

finanzwelt: Wenn Sie ein Zwischenfazit ziehen, wie läuft das bisherige Jahresgeschäft mit Wandelanleihen?

Hildner: Das Wachstum der durch Salm-Salm verwalteten Mittel erlaubt uns konsequente Investitionen in unser Team. Seit September 2018 verstärkt Herr Jonas Landgraf unsere Kapazitäten in der Analyse. Das organische Wachstum unserer verwalteten Mittel findet damit erneut die personelle Entsprechung unmittelbar in unserem Haus.

Seit Jahresbeginn hat sich an den Märkten das Bild der haussierenden US-Technologiewerte verfestigt. Allerdings gilt nach wie vor, dass US Large Cap Technologie, Amazon und der Healthcare Sektor zusammen mehr als 90 % der Performance des S&P 500-Index in diesem Jahr ausmachen. Die Wertentwicklung der übrigen Marktbreite ist im S&P 500 demnach eher flach oder leicht negativ in diesem Jahr, ebenso wie in Europa und Japan. China und die Emerging Markets sind allesamt deutlich schwächer. Auch von der Rentenseite kam keine Unterstützung, da globale Anleiherenditen überwiegend fester tendierten. Gemessen an den werttreibenden Input-Faktoren (Aktien und Renten) haben Wandelanleihen die Erwartungshaltung erfüllt, wenngleich wir natürlich stets versuchen, in jedem Kalenderjahr eine absolut positive Rendite zu erwirtschaften.

finanzwelt: Das Neuemissionsvolumen lässt den Schluss zu, dass 2018 mitunter das beste Jahr seit der Finanzkrise werden könnte. Was bedeutet das für die Qualität und ihre Selektion?

Hildner: In den USA wurden in diesem Jahr bereits mehr als 35 Mrd. US-Dollar nominal emittiert, insbesondere im Technologiesektor. Global betrachtet kamen im laufenden Jahr neue Wandelanleihen im Gegenwert von mehr als 70 Mrd. USD äquivalent zu Markte. Die Emissionstätigkeit freut uns, da ausstehende Wandelanleihen durch Wandlung und Fälligkeit das investierbare Universum regelmäßig verlassen. Außerdem erlauben uns junge Wandelanleihen, langlaufende Wandlungsrechte und geringe Abstände zum Anleihewert (Bondfloor) einzugehen, erzeugen also hohe Asymmetrie.

Das gegenwärtige Spektrum globaler Wandelanleihen ist gut über alle Wertbereiche, Kreditqualitäten und Regionen verteilt und ermöglicht somit eine ausgewogene, gut diversifizierte Portfolioallokation. Einzig Unternehmen aus Asien ex Japan dürften gerne mehr Neuemissionen hervorbringen.

Neue Emissionen beleben auch die ohnehin gute Liquidität. Allein das jährliche Handelsvolumen in den USA und Europa beträgt rund 400 Mrd. USD und entspricht somit in etwa der Größe des gesamten Wandelanleihemarktes.

finanzwelt: Sie beziehen auch ESG-Aspekte mit ein. Nachhaltigkeit ist mehr denn je en vogue. Leidet die Rendite unter Einbeziehung von Nachhaltigkeitskriterien?

El Alaoui: Die Annahme, dass Nachhaltigkeit der Performance schadet, ist genau das: eine Annahme. Und zwar eine, die mehr Mythos als Realität ist. Unzählige Studien kommen zum selben Schluss: Nachhaltigkeit fördert eher die Rendite, als dass es sie schmälert. Nachhaltigkeit führt zu schlankeren Portfolios und hilft, extreme Risiken (sog. „Tail Risks“) zu vermeiden. Wir sprechen aus Erfahrung: Unser Nachhaltigkeitsfonds war 2017 der renditeträchtigste unseres Hauses. Auch im Mehrjahresvergleich erhält der Fonds Bestnoten für Performance und Nachhaltigkeit.“

finanzwelt: Den Blick nach vorne gerichtet, wo setzen Sie vermehrt Akzente in 2019?

Hildner: Aktives Management heißt für uns, jeden Tag aufs Neue zu überprüfen, wie wir unseren Kunden die bestmögliche Konvexität der Erträge darstellen können und gegebenenfalls das Portfolio anzupassen. Unser Investitionsverhalten folgt festen Grundsätzen, deren Ausprägung abhängig von der jeweiligen Marktphase ist: In angespannten und fallenden Märkten liegt der Fokus grundsätzlich auf der Stabilität des Bond-Floors, sowie auf einem dynamischen, aber stringenten Delta-Management. In sich erholenden und steigen Märkten liegt der Fokus auf einer disziplinierten Gewinnmitnahme, verbunden mit einem konsequenten Re-Investment im asymmetrischen Bereich.

Da die Welt sich derzeit in der Spätphase des gegenwärtigen Kreditzyklus befindet, liegt unser Fokus in der goldenen Mitte: Stabilität und Wachstum, etwas von beidem. Dies entspricht der Natur der Wandelanleihe ohnehin am besten.