Zwei Schritte vor – ein Schritt zurück

Gottfried Urban / Foto: © Bayerische Vermögen

Das Jahrzehnt der Aktie ist noch nicht zu Ende. Zwei Schritte nach vorne und ein Schritt zurück bleibt allerdings die Devise. Nach den Rekordständen an den Märkten stehen wir kurz davor wieder einen Schritt zurück zu gehen, um einen neuen Anlauf auf neue Höchstmarken zu nehmen.

Nein, die Börse ist wirklich keine Einbahnstraße. Doch perspektivisch heißt die Richtung weiterhin „aufwärts“. Dafür sprechen die anhaltend niedrigen Zinsen und die Aussicht auf ein großes Steuersenkungspaket, verbunden mit den verbesserten Konjunkturaussichten.

Vor diesem Hintergrund hat auch der deutsche Leitindex DAX gute Chancen neue Höchststände zu schaffen. Betrachtet man den Kursindex (das heißt ohne die automatische Wiederanlage der Dividendenzahlungen), so liegt er beim DAX nicht über den Höchstständen von 2000 bzw. 2007. Kurzfristig deuten einige Signale jedoch eine Verschnaufpause an. Die Verhaltensökonomie zeigt, dass die Marktteilnehmer den Markt kurzfristig zu positiv sehen.

Der legendäre Finanzexperte André Kostolany verglich die Börse mit einem Hund und die Wirtschaft mit seinem spazierenden Herrchen. Beizeiten läuft der Hund weit voraus, um dann wieder zurückzufallen und hinter seinem Herrchen her zu trotten. In den USA ist die Hund zu weit vorausgelaufen. In Europa liegt die Börse etwa gleichauf mit der Wirtschaft, in den Schwellenländern liegt sie sogar zurück.

Vergleicht man das Verhältnis der Aktienkurse zu den Buchwerten der Gesellschaften, sind die europäischen Aktien und Schwellenländeraktien mit etwa dem Faktor 1,5 nur knapp halb so hoch bewertet wie US-Aktien. Zwar feiern die Anleger Trumps Ankündigung massiver Steuersenkungen, doch das birgt natürlich auch Enttäuschungspotenzial.

In Euroland brauchen wir eine starke wirtschaftliche Entwicklung. Die Basis dafür ist gelegt: Unternehmen, die gutes Geld verdienen, und eine Notenbankpolitik des billigen Geldes. Wir sind der Meinung, dass uns die Aktienmärkte hierzulande noch viel Freude bereiten könnten. Bei einem Depot mit guten Aktien, die dazu noch nicht überbewertet sind, sollten Kursrückgänge – die mit Sicherheit kommen werden – keine großen Sorgen bereiten.

Kolumne von Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen AG, Traunstein