Wie hast du’s mit der Digitalisierung?

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FIS wollte in einer aktuellen Studie wissen, wie Banken zur zunehmenden Digitalisierung stehen. Ergebnis: Die Technik kann keinen Menschen ersetzen. Technologiebedarf teilweise noch ausbaufähig.

Als Folge der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt müssen sich Banken heute mit einer stetigen Flut von regulatorischen Aufwand auseinandersetzen. Die aktuelle Niedrigzinspolitik trägt ihren Teil dazu bei, dass die Banken unter enormen Kostendruck geraten. Zudem müssen die Banken enorme Summen aufbringen, um mit der Zeit zu gehen und sich den Anforderungen der voranschreitenden Digitalisierung zu stellen. Der zunehmende Einsatz neuer Technologie ermöglicht andererseits aber auch, Prozesse zu automatisieren, outzusourcen und Prozesse zu optimieren. Auch kann das Thema Kundenerlebnis/ Kundenzufriedenheit, dem besonders in den deutschsprachigen Ländern ein hoher Wert beigemessen wird, durch innovative Technologien entscheidend beeinflusst werden.

FIS, einer der weltweit führenden Anbieter von Finanztechnologie, hat in seiner neuen globalen „Sell Side Banking“ Studie aktuelle Technologietrends, potentielle Risiken und technologiebezogene strategische Entwicklungen auf der Sell-Side untersucht. Dazu wurden fast 500 Senior-Level-Experten aus Investmentbanken/ Geschäftsbanken sowie aus dem Broker-Dealer Segment zu ihren Einschätzungen befragt. Unter ihnen waren auch 74 Personen aus der DACH Region (Deutschland, Österreich, Schweiz).

In der Studie wurde die Dominanz des Einflussfaktors „Regulatorik“ bestätigt. So gaben drei Viertel der Befragten an, davon auszugehen, dass ihr Geschäft in den nächsten zwei Jahren massiv durch regulatorische Änderungen beeinflusst wird – inklusive signifikanter Auswirkungen auf aktuelle Ertragsmodelle.

Dass die Automatisierung nach wie vor als Trend gilt, zeigt sich in der Tatsache, dass 84 Prozent der Befragten der Meinung waren, dass sich hierdurch in naher Zukunft relevante Veränderungen für ihr Geschäft ergeben. Der tendenziell höhere Automatisierungsgrad in deutschen Finanzunternehmen könnte ein Grund sein, warum die Auswirkungen der Automatisierung in der DACH-Region etwas schwächer bewertet wurden. Hier teilten nur 74 Prozent diese Meinung. Die Mehrzahl der Studienteilnehmer geht nicht davon aus, dass der technische Fortschritt und die zunehmende Automatisierung menschliche Experten überflüssig macht. So gehen nur 34 Prozent der befragten aus der DACH Region davon aus, dass menschliche Analysten innerhalb der nächsten vier Jahre komplett durch Technologie ersetzt werden. Vielmehr glauben 57 Prozent, dass Technologie kein Ersatz sondern eher eine Ergänzung zu Menschen ist.

Auch der weltweite Trend der Finanzindustrie, Geschäftsbereiche outzusourcen wurde durch die Studie bestätigt. Diese Bereitschaft ist in der DACH Region etwas stärker ausgeprägt als im Rest der Welt. So gaben 55 Prozent der Befragten aus den deutschsprachigen Ländern an, bereit zu sein, Back-Office Tätigkeiten auszulagern, während es in den anderen Ländern nur 50 Prozent waren. Auch im Bereich Front-Office liegt die Bereitschaft zum Outsourcing mit 42 Prozent in der DACH-Region etwas höher als im Rest der Welt mit 39 Prozent.

Auch im Bereich kundenbezogene Strategien erreicht die DACH-Region höhere Werte als die übrigen Teile der Welt. So versprechen sich in den deutschsprachigen Ländern 31 Prozent der Studienteilnehmer durch „Big Data“ Technologien vorrangig mehr „Customer Experience“ während es in den übrigen Regionen nur 20 Prozent sind. Allerdings liegt die DACH Region in der Modernität ihrer Technologieangebotes hinter den anderen Ländern. So gaben in der deutschsprachigen Region 14 Prozent an, den Technologiebedarf für ihre Kunden seit mehr als fünf Jahren nicht erneut zu haben, während es in den übrigen Ländern nur acht Prozent waren.

Als wichtigste technologische Kursrichtung ermittelte die Studie das Thema Cybersecurity, gefolgt vom Einsatz mobiler Services. Andere Themen – inklusive Blockchain – finden zwar schon Beachtung, spielen im Gesamtkontext aber offenbar noch eine untergeordnete Rolle.

Christian U. Haas, Geschäftsführer FIS Deutschland und Österreich, fasst zusammen: „Die Finanzindustrie befindet sich in einer bedeutenden Transformationsphase. Selbst große, etablierte Institute müssen erkennen, dass für den Erfolg im digitalen Ökosystem Größe allein nicht mehr der entscheidende Faktor ist. Auch die traditionellen Einkunftsmodelle Ertragsmodelle sind zu überdenken. Hier kann es sinnvoll sein, sich von den innovativen Methoden findiger Finanz-Start-Ups inspirieren zu lassen – auch wenn es um die Optimierung von Kundenerlebnis und Kundenzufriedenheit geht. Finanzinstitute, die die Möglichkeiten der Digitalisierung als Chance begreifen und diese frühzeitig in ihre Strategien einbinden, werden nicht nur dem Kosten- und Regulierungsdruck standhalten, sondern haben beste Voraussetzungen, sich nachhaltig erfolgreich im Markt zu positionieren.“ (ah)

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