Weniger Pot, weniger Kokain und keine Bordelle mehr

Ein Mann, zwei Gesichter. Florian Homm, jetzt und wie er früher war. / Foto: © Homm

Hedgefondsmanager, Bestsellerautor, Profisportler, Diplomat, Entrepreneur, Milliardär und einige Zeit auch auf der FBI Most Wanted Liste. Florian Homm hat alles erlebt. Viel gewonnen, viel verloren, aber stets ein Mensch geblieben. Im finanzwelt Interview lüftet er das Geheimnis seines Erfolgs und gewährt Einblicke in seine dunkelsten Stunden. Nebenbei räumt er mit einigen Gerüchten auf und erklärt, was er heute anders machen würde.

finanzwelt: Sehr geehrter Herr Homm, über 40 Jahre in der Branche, da ist sicher einiges passiert. Finanzkrise, Dotcomblase, Asienkrise: Sie haben alles mitgemacht. Wie hält man so etwas aus?
Homm:
Krisen sind immer eine fantastische Chance an großen Abwärtsbewegungen in recht kurzer Zeit ein erhebliches Vermögen aufzubauen. In diesen Baisse-Phasen können große Vermögen entstehen, wie zum Beispiel das Soros oder JP Morgan Vermögen. Diese Baisse Spekulationen sind mir auch mehrmals gelungen und bleiben mein Fachgebiet. In diesem Bereich gibt es wenig erstklassige Konkurrenz, da alle immer nach oben schauen und in ihrer Euphorie und Gier vergessen, dass jede Blase seit 6.000 Jahren immer irgendwann platzt. Darauf kann man sich gut vorbereiten. Wenn Sie aber immer auf steigende Kurse setzen, dann werden Sie früher oder später Haus und Hof verlieren. In so einer Phase befinden wir uns jetzt. Das kann zwar noch etwas dauern, aber nicht mehr als ein paar Jahre.

finanzwelt: Was ist da Ihre Strategie oder wie wappnen Sie sich dagegen?
Homm: Mir machen die Schwankungen am Markt relativ wenig aus. Ich interessiere mich prinzipiell für enorm unterbewertete und sehr dynamische Unternehmen, die nenne ich Wertschöpfer, und überteuerte Schrottpapiere, die ich als Wertzerstörer bezeichne. Das bedeutet, ich freue mich über Crashs sowie extrem optimistisch bewertete Märkte, wie zur Zeit. Dazwischen langweile ich mich furchtbar.

finanzwelt: Was können unsere Leser von Ihnen in solchen Situationen lernen?
Homm: Lernen Sie ständig dazu. Das sagen auch Warren Buffet, Bill Gates und Mark Zuckerberg. Angst, Geiz und Gier sind die schlechtesten Berater. Verlieben Sie sich niemals in Aktien, Objekte oder Sachwerte. Alles ist austauschbar, nur nicht die guten Menschen in ihrem Leben und in ihrem Umfeld. Investment sollten Sie mit Begeisterung betreiben aber ohne Emotion, also kaltschnäuzig und logisch investieren. Wenn Sie wie die Masse agieren, werden Sie nie ein großes Vermögen aufbauen und eher draufzahlen. Das bedeutet lateral, konträr denken und agieren. Gelegentlich gegen den Strom schwimmen. Vor allem sollten Sie immer versuchen ein Chancen / Risiko Verhältnis bei ihren Investments zu kalkulieren und mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten. Vieles steht in meinen Büchern zum Thema investieren: Die Kunst des Leerverkaufes oder auch in Endspiel. Der aktuelle Bestseller Erfolg im Crash ist der relevanteste, weil wir auf sehr spezifische Investment Ideen eingehen.

finanzwelt: Was können unsere Leser von Ihnen in den Hausse-Phasen lernen?
Homm: Die Hausse-Phasen, also 1990 bis 2000, 2009 bis 2017 oder eventuell auch bis 2019, die aufgrund massiver Markt- und Zinsmanipulation beruhen, können oft wesentlich länger anhalten, als es orthodoxe und dogmatisch veranlagte Marktkommentatoren und Analysten für möglich halten. Deswegen haben wir in Endspiel 2016 auch gesagt, dass die Märkte erst einmal neue Hochs erleben müssen, bevor Sie zwischen 2017 und Ende 2019 fallen werden. Übrigens, was haben die Zeitfenster USA 1929-1954 und 1966-1982, sowie Japan 1990-2017 gemeinsam? Da hätten Sie mit Index-Zertifikaten, nach Inflation, ein Vermögen verbraten. Baisse-Phasen wie der kommende Crash oder eine Art japanische Wirtschaft- und Börsensklerose können locker mehr als eine Generation andauern. Überlegen Sie sich bitte sehr genau, ob das aktuelle Klima sich für eine Buy and Hold-Strategie eignet.

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