Vorsicht Mitfahrer!

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Eine Studie der Allianz zeigt, dass die Ablenkung durch Mitfahrer ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr darstellt. Experten fordern aufgrund fehlender rechtlicher Möglichkeiten die Förderung von Assistenzsystemen.

Seit 1. Februar 2001 ist in Deutschland das Telefonieren am Steuer verboten und die Strafe bei einem Verstoß wurde inzwischen auf 100 Euro erhöht. Wenn es wegen der Handynutzung zu einem Unfall kommt, beträgt die Strafe sogar 200 Euro. Nicht verboten, und rechtlich wohl nur schwer nachzuweisen und damit zu sanktionieren, ist hingegen die Ablenkung durch Mitfahrer. Dabei stellt diese auch eine große Gefahrenquelle im Straßenverkehr dar, wie Untersuchungen aus dem Allianz Zentrum für Technik (AZT) zeigen.

So gaben in einer repräsentativen Umfrage 85 % der Fahrer an, in der einen oder anderen Form durch ihre Mitfahrer abgelenkt zu werden. Die Gründe für die Ablenkung sind vielfältig: Streit über Stau, persönliche Diskussionen oder zankende Kinder um nur einige zu nennen. 35 % aller Befragten gaben zudem an, dass sie sich von ihren Mitfahrern bei der Fahrt gestört fühlen, bspw. weil diese alkoholisiert sind. Aber auch zu sehr verliebte Mitfahrer sind für viele Autofahrer zu viel des Guten: So gaben 12 % der männlichen und 7 % Befragten an, dass es sich ablenkt, wenn sich ihre Mitfahrer küssen.

Ebenfalls als störend wird empfunden, wenn die Mitfahrer während der Fahrt telefonieren. Das erlebt jeder zweite Autofahrer regelmäßig. Besonders junge Fahrer unter 24 Jahren haben damit ein Problem und sind deshalb doppelt so häufig in Unfälle verwickelt wird ihre Altersgenossen ohne eine solche Störung.

„Das Auto ist kein neutraler Ort und kein klinisches Labor, in dem Störfaktoren ausgeschaltet sind. Der Alltag fährt mit, und Gefühle und Stimmung beeinflussen die Fahrerleistung“, so Dr. Jörg Kubitzki, Unfallforscher am AZT. Da es rechtlich kaum zu regeln ist, wie sich Mitfahrer verhalten sollen, setzt die Allianz auf Überzeugungsarbeit. „Ablenkung durch Mitfahrer ist nur schwer zu beeinflussen. Aber die Fahrzeugführer müssen sich bewusst sein, dass sie rechtlich die Verantwortung für die Sicherheit tragen. Sie sind es, die für Art und Ausmaß der Aktivitäten aller anderen Personen im Wagen verantwortlich sind.“ Die Experten aus dem AZT fordern zudem, dass Assistenzfunktionen mit nachgewiesener Sicherheitswirkung verstärkt gefördert werden. So könnten ihrer Meinung nach Notbrems- und Spurhaltesysteme helfen, ablenkungsbedingte Fehler der Fahrer zu kompensieren. (ahu)

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