„Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Rendite“

04.05.2018

Frederik G. Hildner, Portfoliomanager Salm-Salm & Partner GmbH / Foto: © Salm-Salm & Partner

Zinsängste verleihen der Anlageklasse Wandelanleihen weiteren Rückenwind. Mitunter schauen sich Berater und Anleger bei der Suche nach Renditequellen hier näher um. Frederik Hildner, Leiter Portfoliomanagement bei der Salm-Salm & Partner GmbH, bilanziert die ersten Monate des laufenden Jahres und erläutert, was es mit der Kombination von Nachhaltigkeit und Wandelanleihen auf sich hat.

finanzwelt: Gerade vor dem Hintergrund steigender Zinsen sollte das Interesse an Wandelanleihen zunehmen. Wie fällt Ihr Fazit zum ersten Quartal aus?

Hildner: Ja, in der Tat, das Interesse steigt, aber die Anlageklasse ist erklärungsbedürftig und das braucht seine Zeit.

Wandelanleihen verkörpern eine verzinsliche Unternehmensanleihe, die mit einem Wandelrecht in Aktien ausgestattet ist. Einziger Preis für das Wandelrecht ist ein im Vergleich geringerer Zinskupon. Ihr asymmetrisches Auszahlungsprofil erlaubt eine nichtlineare Teilhabe an den Kursbewegungen der zugrundeliegenden Aktien. Diese Konvexität der Erträge ist bedingt durch das in Wandelanleihen verbriefte Recht, in Aktien wandeln zu dürfen (Option). Die ebenfalls verbriefte Rückzahlung zum Nennwert verleiht der Wandelanleihe ihre Sicherheit, falls das Wandlungsrecht sich während der Laufzeit als nicht profitabel erweisen sollte.

Im Gegensatz zu klassischen Wandelanleihen gibt es die Gattung der Zwangs- oder Pflichtwandelanleihen (Mandatory Convertibles und Contingent Convertibles, letztere insbesondere bei der Bankenrefinanzierung gerne genutzt). Diese Papiere besitzen ein konkaves bzw. negativ asymmetrisches Auszahlungsprofil, da sie kein Recht enthalten, sondern eine Pflicht zur Wandlung in Aktien verbriefen. Als Gegenleistung für das Eingehen des Risikos, gewandelt zu werden, erhält der Anleger höhere Zinskupons als dies marktüblich wäre.

Die Anlagestrategie von Salm-Salm & Partner zentriert sich um Kapitalerhalt und die Optimierung der Asymmetrie. Aus diesem Grund kommen für uns nur traditionelle Wandelanleihen in Betracht.

Zum Ende des ersten Quartals notierte der MSCI World Index (Euro hedged) bei minus 2,78%, während Unternehmensanleihen mit minus 2,02% aufgrund des gestiegenen Zinsniveaus in den USA nicht viel besser abschnitten. Wandelanleihen konnten sich gut behaupten und notierten nur 0,28% leichter (Thomson Reuters Global Focus Convertible Index Euro hedged).

finanzwelt: Wird die EZB, nach Ihrer Meinung, die Zinswende (weiter) beschreiten und noch in 2018 die Zinsen leicht anheben?

Hildner: Im Euroraum ist die Arbeitslosigkeit zuletzt weiter rückläufig und beträgt aktuell noch 8,5%. Gleichzeitig stiegen die Verbraucherpreise (Inflation) im April gegenüber dem Vorjahr um mäßige 1,2%, während die Kerninflation (Verbraucherpreise ex Nahrung und Energie) mit +0,7% weiterhin stagniert. Der tatsächliche inflationäre Druck für höhere Zinsen ist demnach quasi nicht existent. Da sich die EZB bereits festgelegt hat und ihre Anleihekäufe in Höhe von 30 Mrd. EUR pro Monat bis September 2018 fortsetzen wird, ist bis dahin sicherlich nicht mit Zinserhöhungen zu rechnen. Darüber hinaus wird die Zentralbank den Pfad zur Normalisierung der Geldpolitik immer von den volkswirtschaftlichen Rahmendaten abhängig machen, weshalb uns eine Prognose auf Basis heutiger Daten wenig zielführend erscheint. Dennoch besteht durchaus die Wahrscheinlichkeit mittelfristiger Zinserhöhungen. Diese sollten allerdings sehr graduell ausfallen, auch um den Außenwert des Euro nicht zu befeuern, was wiederum unsere Exporte belasten und die Wirtschaft ausbremsen könnte.

In Zukunft könnten sich, für den Fall steigender Renditen und steilerer Zinsstrukturkurven, Wandelanleihen als idealer Anleiheersatz erweisen. Die Sensitivität von Wandelanleihen gegenüber steigenden Zinsen ist sehr viel geringer als bei klassischen Unternehmens- oder Staatsanleihen. So können, und dies war in den vergangenen 20 Jahren im US-Markt ausnahmslos der Fall, Wandelanleihen den negativen Effekt steigender Zinsen dank ihrer Optionskomponente sogar überkompensieren. Voraussetzung ist, dass die zugrundeliegenden Aktien positiv tendieren. Keine andere klassische Anlageklasse kann dies bewerkstelligen. Deshalb erachten wir Wandelanleihen als adäquates Investment für das vorherrschende Anlageumfeld und die Optimierung bestehender Portfolios. Der Investor sollte jedoch einen Anlagehorizont von mindestens drei bis fünf Jahren haben, um in den vollen Genuss der asymmetrischen Chance-Risiko-Verteilung zu kommen.

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