Trumps Steuerreform ohne Rücksicht auf die Spätfolgen

Axel D. Angermann, Chefvolkswirt von FERI / Foto: © FERI

Am Ende eines turbulenten Jahres zeichnet sich doch noch ein innenpolitischer Erfolg für die regierenden Republikaner und Präsident Trump ab: Bis zum Jahresende wird voraussichtlich eine umfassende Steuerreform verabschiedet, und wenn die vorliegenden Entwürfe nicht mehr allzu sehr verändert werden, wird es eine große Reform mit erheblichen Entlastungen für die Unternehmen und nicht ganz so großen Entlastungen für die Bürger sein. Nachdem die USA mehr als zwei Jahrzehnte lang am globalen Steuer-Wettbewerb nicht teilgenommen hatten, verschaffen sie nun ihren Unternehmen auf einen Schlag einen spürbaren Gewinn an Wettbewerbsfähigkeit.

So sehr die Reform von ihren Befürwortern gefeiert wird, sie könnte zum falschen Zeitpunkt kommen. Steuerliche Entlastungen sind für sich genommen geeignet, der Wirtschaft einen spürbaren Wachstumsimpuls zu geben. Aber: dieser Impuls kommt im Spätstadium eines bereits lange andauernden Aufschwungs, der demnächst ins zehnte Jahr geht und damit schon jetzt zu den längsten der Nachkriegsgeschichte gehört. Je später die Steuerreform in Kraft tritt, desto problematischer könnten die Folgen sein.

Die US-Wirtschaft zeigt aktuell zwar keine Überhitzungstendenzen, stößt aber zunehmend an Kapazitätsgrenzen. Bei einer Arbeitslosenquote von nur noch 4 Prozent wird es für Unternehmen, die aufgrund geringerer Steuern ihre Produktionskapazitäten in den USA ausweiten wollen, zunehmend schwierig, die benötigten Arbeitskräfte zu rekrutieren. Zu erwarten wären also stärker steigende Löhne. Dies wiederum dürfte die Inflation nach oben treiben und mit ihr die Inflationserwartungen. Die Notenbank würde bei lehrbuchgemäßem Vorgehen darauf mit einer schärferen Gangart reagieren, und dies wiederum hätte schneller steigende Zinsen zur Folge. Die Frage, wo sich der konjunkturneutrale Zins befindet, ist nicht exakt zu beantworten. Angesichts einer weiterhin hohen Verschuldung und eines im Vergleich zu früheren Zyklen geringeren Produktivitätswachstums ist aber anzunehmen, dass dieser Zins deutlich geringer sein dürfte als vor dem Jahr 2008. Die Gefahr steigt also, dass die Notenbank überzieht und steigende Zinsen dem Aufschwung ein Ende bereiten. Die Option, dass die Notenbank sich mit Zinserhöhungen zurückhält, ist kaum besser: Dann würden steigende Inflationsraten über eine Schmälerung der Kaufkraft dem ursprünglich positiven Impuls entgegenwirken.

Noch ist es sicher zu früh, das Ende des laufenden Aufschwungs auszurufen. Möglicherweise profitieren auch die Aktienmärkte zunächst noch von den Aussichten auf steigende Unternehmensgewinne. Aber die Unsicherheiten über eine Fortsetzung des Aufschwungs nehmen infolge der beabsichtigten Steuerreform eher zu. Ein Grund mehr, dem Aktienjahr 2018, allen positiven Aussichten zum Trotz, mit einer gesunden Portion Skepsis zu begegnen.

Marktkommentar von Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der FERI Gruppe