Russland ist nicht Osteuropa

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Die neue Runde von US-Sanktionen hat die dortigen Finanzmärkte hart getroffen, denn die USA zielen jetzt auf die mit dem russischen Präsidenten Putin verbandelten Oligarchen und deren Unternehmen. Der Hebel: Der Handel mit Aktien oder Anleihen der betroffenen Unternehmen ist nach US-Auffassung nicht mehr statthaft. Da die US-Behörden auch keine Scheu haben, die US-Vorgaben auch bei ausländischen Unternehmen durchzusetzen, hat dieses formell nur nationale US-Verbot weitreichende Folgen. So wurden die Schweizer Märkte und der Franken ordentlich durchgeschüttelt, weil in der Schweiz nicht große Beträge dubioser russischer Herkunft nicht nur verwaltet werden, sondern teilweise auch direkt in Schweizer Unternehmen wie etwa den Maschinenbauer Sulzer investiert waren oder noch sind.

Vor allem aber brachen die Aktienkurse in Moskau ein, der RTS-Index verlor innerhalb weniger Tage rund 25 % und steht nahe dem Ausgangspunkt von vor einem Jahr, rechnerisch ergeben sich +0,3 %. Zudem gab der Rubel noch einmal rund 10 % gegenüber Dollar und Euro ab.

Das schlägt natürlich auch in die Osteuropa-Fonds durch – wobei eine klare Trennlinie zu beachten ist. Betroffen sind eben nur Fonds, die auch Russland mit abdecken. Dabei sind die aktuellen Verluste doppelt schmerzhaft, weil russische Titel ein relativ hohes Gewicht in diesem Rahmen haben. Demgegenüber blieben die meisten Fonds der Klasse Osteuropa ex Russland auf der Gewinnerseite, die drei wichtigen Börsen in Warschau, Prag und Budapest liegen im Vergleich über 12 Monate im Plus, Prag und Budapest jeweils mit rund 17 %. Polens Aktien leiden dagegen unter den Auseinandersetzungen mit der EU (hier könnte es tatsächlich zu Sanktionen kommen) und liegen nur noch rund 3 % über dem Stand von vor einem Jahr.

Letztlich steht hinter der Differenzierung Osteuropa cum oder ex Russland die Frage der Konvergenz gegenüber der EU: Die Osteuropäer im engeren Sinne orientieren trotz sich politischer Differenzen weiter klar Richtung EU und profitieren davon. Demgegenüber bleiben Russland und der ganze Bereich der GUS sehr viel stärker Rohstoffgeschäft abhängig, folgen also ganz anderen Trends der globalen Wirtschaft. Russische Titel und die Fonds mit entsprechendem Schwerpunkt sind nur dann attraktiv, wenn die Rohstoff-Konjunktur Gewinne verspricht.  (mk)