Packen wir es an!

Berlin was calling. Vor dem Kamin des Soho House Clubs sitzt Nader Maleki und spricht mit finanzwelt Redakteur Lenard v. Stockhausen über Fintech und warum Banker, Makler und Vermittler sich damit auseinander setzen müssen. Der Präsident des International Bankers Forum e.V. weiß wovon er redet, hat sich doch die Maleki Group auf Finanzkommunikation in Europa spezialisiert. Als gebürtiger Iraner kommt er auch auf neue Chancen traditioneller Beziehungen zwischen Deutschland und dem Iran zu sprechen. Aufbruchstimmung herrscht bei beiden Themen. Also höchste Zeit es anzu- packen.

finanzwelt: Die Euro Finance Week beschäftigt sich mit den aktuellsten Themen der Branche. Was sind für Sie die Faktoren, welche die Zukunft verändern werden?

Dr. Maleki: Es hat sich in der letzten Zeit gezeigt, dass die Digitalisierung zentrales Thema ist. Das wird die Finanzwirtschaft sehr verändern, hat sie bereits verändert. Eine starke Globalisierung steht uns auch hier bevor. Marktakteure, die vorher nicht im direkten Wettbewerb standen mit den deutschen Institutionen, kommen auf den deutschen Markt, wie zum Beispiel Bank Santander und die Bank of China. Zudem kommen Veränderung durch die Bankenunion und die Kapitalmarktunion. Es schwirren unglaublich hohe Mittel um den Globus und gleichzeitig machen niedrige Zinsen den Banken das Leben schwer. Auch das Thema Regulierung hat durch die Finanzkrise sehr an Bedeutung gewonnen. Die europäische Zentralbank hat über die SSM rund 120 Banken unter ihre direkte Aufsicht gestellt. Das alles sind Dinge, die vorher nicht vorstellbar waren und heute doch Realität geworden sind.

finanzwelt: Dem Thema Fintech widmen Sie einen ganzen Tag. Wie wird die neue Technologie die Branche verändern?

Dr. Maleki: Grundlegend und fundamental. Evolutionär bis revolutionär. Bei einer unserer Veranstaltungen waren die teilnehmenden Fintechs sehr selbstbewusst und davon überzeugt, dass sie einen großen Teil des Geschäfts der etablierten Banken übernehmen würden. Das hat sich inzwischen relativiert, denn viele der Fintechs versuchen heute zu kooperieren statt mit den Banken in Wettbewerb zu treten. Denn die Banken haben immer noch das gros der Kunden und nicht die Fintechs. Und die Fintechs haben die Lösungen, die eigentlich von den Banken kommen müssten, aber die Banken sind eben nicht so innovativ. Deswegen gehen beide Seiten pro aktiv aufeinander zu und kooperieren. Eine Konkurrenz ist deswegen aus meiner Sicht nicht mehr gegeben.

finanzwelt: Banken sind sehr an der Blockchain Technologie, wie sie auch Kryptowährungen wie OneCoin und BitCoin verwenden, interessiert. Wird das eine ernstzunehmende Konkurrenz für die etablierten Banken und deren Zahlungssysteme werden?

Dr. Maleki: Ja. Blockchain hat in den letzten Monaten stark an Bedeutung gewonnen. Aktuelles Beispiel ist die Zusammenarbeit der Deutschen Börse mit der Bundesbank. Die Bundesbank ist sicherlich kein Institut, das große Abenteuer wagt, sondern nur auf fundierte Erkenntnisse setzt. Aber diese Entwicklung beweist, dass Blockchain ernst zu nehmen ist und sich in der Tat dadurch Prozesse verändern werden. Das Faszinierende daran ist zu beobachten, in welcher Geschwindigkeit das geht. Finanzdienstleister sollten diese Entwicklung stark im Auge behalten.

finanzwelt: Manche befürworten den Verzicht von Bargeld zugunsten digitaler Zahlungssystemen. Werden wir zukünftig nur noch mit paypal und Handy zahlen?

Dr. Maleki: Die Bundesrepublik gehört zu den Ländern, die auf Bargeld auch weiterhin nicht verzichten wollen. Aber es bleibt eine Generationsfrage. Denn die jüngeren Menschen, die ihr Smartphone über alles auf der Welt lieben und auch in jeglicher Funktion ausreizen, sind die Vorreiter für digitales Geld. Dagegen halten die älteren Menschen an ihrem gewohnten Kaufverhalten mit Bargeld fest. Beide Systeme bestehen weiterhin parallel, solange es für beides Angebot und Nachfrage gibt. Langfristig kann sich das natürlich ändern.

finanzwelt: Wird Banking, Trading und der Abschluss von Finanz- und Versicherungsprodukten nur noch online stattfinden?

Dr. Maleki: Nein, nicht nur, sondern auch! Es gibt beratungsintensive Produkte, die immer einen Berater brauchen werden. Wie zum Beispiel beim Haus- oder Wohnungskauf.

finanzwelt: Aber bei so großer Konkurrenz durch Fintech stellt sich doch die Frage, ob die persönliche Beratung durch Banker und Makler nicht auf der Strecke bleibt?

Dr. Maleki: Antwort mit einer Gegenfrage: Warum sollte sie auf der Strecke bleiben, solange es für die persönliche Beratung eine so starke Nachfrage gibt? Es gibt so viele individuell unterschiedliche oder erklärungsbedürftige Produkte, die Kunden nur einmal im Leben abschließen.

finanzwelt: Warum muss man als Finanzdienstleister sich mit FinTech auseinander setzen?

Dr. Maleki: Generell sollte man Neuem gegenüber aufgeschlossen sein und sich damit auseinandersetzen. Alleine um mitreden zu können und seinen Kunden darüber zu informieren. Denn der informierte Kunde lässt sich nicht so schnell irgendwas im Internet aufschwatzen.

finanzwelt: Zur Zeit beschäftigen auch andere Themen die Branche: Die Wahl Trumps, die anhaltende Flüchtlingskrise, der Konflikt im Nahen Osten. Als gebürtiger Iraner haben Sie da sicher eine eigene Sicht auf die Dinge. Wie sehen sie die außenpolitischen Faktoren, speziell im Nahen Osten, Irak und Iran?

Dr. Maleki: Der Iran ist ein wichtiger Sicherheitsfaktor für die ganze Region. Weiterhin mit Risiken aber auch gleichzeitig mit großen Chancen. Für mich ist der Iran ein wichtiger Eckpfeiler für die politische Stabilisierung. Dazu kommen wirtschaftliche Fortschritte größeren Ausmaßes, finanzielle Sanierung, neue Arbeitsplätze und damit einhergehend Beschäftigung und Wohlergehen für die Bürger. Und was viele nicht wissen: Sie können, ohne Sorge oder Angst zu haben, in den Iran reisen. Es ist eines der sichersten Länder und mit 80 Millionen Einwohnern auch eines der größten in der Region. Ich glaube, dass Europa gut beraten ist, die ausgestreckte Hand des Irans zu ergreifen. Diese Chance sollte man nutzen.

finanzwelt: Inwieweit hätte das direkte Auswirkungen auf Deutschland, die Wirtschaft und den Finanzmarkt?

Dr. Maleki: Die Handels- und Finanzbeziehungen zwischen Iran und Deutschland waren in der Vergangenheit immer sehr gut. Und auch heutzutage hätten sie ein immenses Potenzial.
Voraussetzung wäre allerdings die Wiederherstellung des Euro Zahlungsverkehrs aus und in den Iran.

finanzwelt: Was können wir tun, um die Beziehungen zwischen uns und dem Nahen Osten wieder zu verbessern?

Dr. Maleki: Das Problem des Irans ist der nicht funktionierende Zahlungsverkehr zwischen ihm und Europa. Das ist eine der wesentlichsten Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Ich würde den europäischen Banken raten, mutiger zu sein und mit dem Iran Geschäfte zu machen. In der Vergangenheit mussten einige Banken hohe Strafen zahlen, weil sie angeblich die Sanktionen unterlaufen haben. Das schreckt natürlich ab. Im Augenblick kann aber Europa Geschäfte mit dem Iran machen, nur die Amerikaner dürfen es noch nicht. Aber ich bin mir ganz sicher, dass die USA es nicht lange den Europäern überlassen werden und dann an dem großen Kuchen mit partizipieren wollen. Wir wünschen uns, dass diese positive Entwicklung nach dem Ende der Sanktionen auch unter der neuen US Regierung weiter vorangetrieben wird. Auf allen Ebenen: die der Staaten, der Institutionen und der Bürger – Packen wir es an!

finanzwelt: Was für Chancen warten bei einer verbesserten Zusammenarbeit?

Dr. Maleki: Wir spielen bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Iran in vielen Segmenten in der Champions League: Energie, Infrastruktur, Transport, Maschinenbau, Immobilien, Hospitality und Bildung. Für mich kommen jetzt die Chancen, auf die ich als gebürtiger Iraner mein Leben lang gewartet habe.

FW, Sebastian Hartung