Mut zum finalen Irrsinn

Unmittelbar nach dem Schuldenverzicht seitens der EZB darf jedes Land entscheiden, ob es im Euro verbleiben will oder nicht. Wer gehen möchte, darf gehen und macht mit seiner eigenen Währung weiter. Parallel dazu legt die Politik für sämtliche verbleibenden EU-Staaten knallharte Regeln für Neu- und Höchstverschuldung fest. Wer sich hieran nicht hält, bleibt zukünftig sich selbst überlassen und fliegt aus dem Euro.

Ist so eine verrückt erscheinende Lösung denkbar? Vor 10 Jahren sicherlich nicht, heute durchaus. Diese Lösung ist nicht verrückter als die derzeitige Party-Lösung. Sie geht nur einen Schritt weiter und nutzt die Tatsache, dass die Kapitalmarktteilnehmer heute bereit sind, Lösungen zu akzeptieren, die früher an der Kontrollinstanz des Marktes gescheitert wären. Was spricht in einer derart verfahrenen Situation dagegen, eine Lösung umzusetzen, die – so verrückt sie auch ist – letztlich allen nutzt?

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  1. Die Staatshaushalte werden schmerzlos saniert.
  2. Wir zahlen nicht für die zahlreichen Fehler der vergangenen Jahrzehnte.
  3. Die EU hat die Chance sich neu und frei von Altlasten zu positionieren.
  4. Die Spannungen zwischen den Ländern des Euroraums lösen sich auf.
  5. Die Systeme der Altersvorsorge werden massiv entlastet.
  6. Wirtschaftliche und politische Unruhen (und Frisurenclowns) werden vermieden.

Nachteile? Wenige. Die Märkte würden kurzfristig nochmals massiv mit Liquidität seitens der EZB geflutet. Inflationäre Tendenzen könnten die Folge sein. Diesen ließe sich im Zweifel jedoch durch höhere Zinsen und durch die zeitweise Einführung staatlicher Preisbremsen begegnen. Daneben wären die Auswirkungen auf die Währungsentwicklung des Euro schwer vorhersehbar. Die höheren Zinsen und die Bereinigung des Schuldenproblems ließe auf einen festen Euro schließen. Die an sich verrückte Lösung könnte aber auch zu einer Schwächung des Euro führen.

Insgesamt sind dies jedoch allesamt Nachteile, die sich besser verkraften lassen als der böse Kater, der am Ende auf die derzeit laufende Party-Lösung folgt. Also, worauf warten wir? Auf in den finalen Irrsinn.

Kolumne von André Kunze, Geschäftsführender Gesellschafter der Prometheus Vermögensmanagement GmbH