Märkte gespannt auf Frankreich-Wahl

–        Seit Anfang des Jahres 2016 verzeichneten europäische Aktien starke Abflüsse. Dies hing mit dem Brexit-Referendum zusammen, welches Investoren dazu ermutigte, Abstand von politischen Risiken zu nehmen. Auch wenn es in den letzten Wochen eine leichte Trendwende in Bezug auf die Mittelzuflüsse gab, wurden US-Investoren durch die Umbrüche in Europa abgeschreckt. Sollte die französische Präsidentschaftswahl nicht von einem Frexit-Befürworter gewonnen werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich der politische Horizont plötzlich zumindest für die nächsten Monate sehr viel klarer zeigt, was zu einer Umschichtung in europäische Aktien führen könnte. Die Bundestagswahl in Deutschland erscheint als relativ risikofrei.

Sollte ein französischer Präsident gewählt werden, der ein Referendum im Hinblick auf den Verbleib in der Europäischen Union anstrebt, würde das den europäischen Aktienmarkt ins Wanken bringen. Obwohl die vergangenen politischen Risiken bezüglich der Präsidentschaftswahlen in den USA und dem Brexit einer starken Fehleinschätzung unterlagen, sollte die französische Wahl nicht unterschätzt werden. Schließlich war der Wahlkampf bisher immer für eine Überraschung gut – demnach wird die Zeit bis zum Wahlergebnis noch lang.

Auch wenn die Märkte vergleichsweise positiv auf das Brexit-Voting und Donal Trump’s Wahlsieg reagiert haben, bezweifelt Benjamin Melman, dass ein Sieg eines populistischen französischen Präsidenten genauso begrüßt würde. „Aus diesem Grund sind wir nur leicht in europäischen Aktien übergewichtet und halten am US-Dollar fest – als Absicherung“, so Melman. „Wir sind aber vorbereitet auch hier zu reagieren, falls sich Risiken oder Chancen entwickeln.“

Marktkommentar von Benjamin Melman, Leiter Asset Allocation und Sovereign Debt bei Edmond de Rothschild Asset Management