„Indoor-Aquakultur ist der am stärksten wachsende Markt“

Hans Acksteiner, Projektleitung Deutsche Edelfisch / Foto: © DEG

Wer nachhaltige und trotzdem renditestarke Geldanlagen sucht, ist bei ihm richtig: Hans Acksteiner baut Indoor-Aquakulturanlagen in Mecklenburg-Vorpommern. Die erste Anlage ist bereits mit einem Instutionellen Anleger realisiert. Nun soll die zweite folgen. Im finanzwelt Interview erklärt er, warum Anleger und Vertriebspartner auf den Trend Aquakultur setzen sollten.

finanzwelt: Herr Acksteiner, warum ökologische Fischzucht und nicht Immobilien wie alle anderen?
Hans Acksteiner: Jeder sollte das machen, was er am besten kann. Und wir können Indoor-Aquakultur, der am stärksten wachsende Markt im Bereich Lebensmittelproduktion. Außerdem ist der Immobilienmarkt wie fast alle Anlageprodukte gewissen Schwankungen ausgesetzt, während die Indoor-Aquakultur stabile Steigerungsraten für Jahrzehnte verspricht. Auch in Zeiten fallender Aktienkurse wollen die Leute schließlich essen. Diese neue Technologie ist das nächste Google in der Offline-Welt.

finanzwelt: Was machen Sie anders als die anderen?
Acksteiner: Bei uns ist für die Wachstumsbranche Aquakultur so viel Fachkompetenz versammelt, wie sie selten anzutreffen ist. Die Herausforderung ist die Reinigung des Abwassers, das bei der Fischzucht entsteht. Hier haben wir Zugang zu patentierten Lösungen, für die wir nebenbei den alleinigen Vertrieb für Westeuropa wahrnehmen. Fischzucht ohne Abwasserreinigung, wie sie in Teichen oder in Netzgehegen im Meer stattfindet ist ökologisch nicht zu vertreten. Der Verbraucher verlangt zunehmend nachhaltig produzierte Lebensmittel. Das Beste daran: Indoor-Aquakultur wie wir sie betreiben ist nicht teurer als andere Produktionsmethoden.

finanzwelt: Erklären Sie bitte den Unterschied zwischen Aquakultur im Meer, klassische Fischzucht in Teichen, Seen oder Flüssen und Ihrem Modell?
Acksteiner:Aquakultur in Netzgehegen im Meer ist ein Irrweg. Sie würden ja auch keine Pfahlbausiedlung mehr im Bodensee bauen, aus der die Abwässer ungeklärt ins Wasser gehen. Die Fäkalien von Millionen Zuchtfischen plus Antibiotika einfach ins Meer zu entlassen wird über kurz oder lang verboten werden. Dies gilt auch für Fischwirtschaft in Teichen und Seen. Bestehende Teiche haben Bestandsschutz, aber neue Seen werden nicht mehr genehmigt, da auch hier das Abwasser nicht gereinigt werden kann. Das Wichtigste aber: das System Indoor-Aquakultur macht es nicht nur überflüssig, sondern sogar unmöglich, Antibiotika oder andere Medikamente einzusetzen. Der Verbraucher bekommt also ein garantiert ökologisches Bioprodukt.

finanzwelt: Wie viel Anlagen gibt es denn davon in Deutschland?
Acksteiner: Die beiden wichtigsten Anlagen sind die Forschungsanlagen in Hohen Wangelin und auf dem Darß an der Ostsee. Hier wird in Zusammenarbeit mit der Universität Rostok nicht nur bestehendes Wissen umgesetzt, sondern auch an neuen Techniken geforscht. Dieses Wissen ist uns uneingeschränkt zugänglich. Kleinere kommerzielle Anlagen gibt es sehr viele, in denen einfach zu züchtende Fische wie Karpfen oder Wels gehalten werden. Die bringen dann aber auch wenig bis keinen Gewinn beim Verkauf. Edelfische wie Stör, Zander oder Egli werden bisher nur sehr vereinzelt in sehr kleinen Anlagen gezüchtet, weil in den meisten Fällen einfach das Fachwissen nicht vorhanden ist. Große Anlagen im industriellen Maßstab wie wir sie planen, kann man schon in Holland und in Dänemark besichtigen.

finanzweltWarum arbeiten mit dem Modell nicht mehr Unternehmen?
Acksteiner: Wie schon gesagt, jeder Fischwirt würde wohl gern einen teuren Fisch wie den Zander züchten. Aber wenn man nicht so genau weiß, wie’s geht, lässt man es lieber bleiben! In anderen Ländern wie Holland oder Dänemark, die traditionell im Fischfang sehr aktiv waren, wird wegen sinkender Fangquoten bereits umgedacht. Indoor-Aquakultur hat dort schon einen anderen Stellenwert als bei uns. Während man in Holland mit Billigfischen wie Tilapia und Wels schon gute Erfahrungen gesammelt hat, wird in Dänemark bereits mit dem Bau der ersten großen Anlage für Zander begonnen, eine Mastanlage für Lachse ist schon in Betrieb. Der Wettbewerb schläft nicht, umso wichtiger ist es, jetzt ganz vorn mit dabei zu sein!

finanzweltWenn es zur Verschärfung der Umweltgesetze kommt, sind Sie dann fein raus?
Acksteiner:
Allerdings. Diese unsäglichen Zustände, die von Netzgehegen im Meer verursacht werden, können und werden auf Dauer nicht akzeptiert. Schon seit Jahren werden von Umweltverbänden Bedenken lauter, die Meere weiter durch Aquakulturen zu verschmutzen. Auch Foodwatch hat schon auf Rückstände von Medikamenten und Antibiotika in Lachsen hingewiesen. So etwas ist mit unseren Anlagen systembedingt unmöglich.

finanzwelt: Wie sieht es um die Förderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern aus?
Acksteiner: Von Seiten des Landes gibt es jede Unterstützung, die man sich wünschen kann. Erst kürzlich hat auf der Agrarmesse „Eurotier“ der Referatsleiter des Landwirtschaftsministeriums in Mecklenburg-Vorpommern, Herr Martin, verkündet, dass man bis 2023 die Produktion von Aquakultur im Land verfünffachen möchte. Ich denke, da haben wir noch einiges vor. Und Fördermittel stehen ja in Brüssel reichlich zur Verfügung. Für die Beantragung dieser Fördermittel stellt das Landwirtschaftsministerium unterstützenden Rat zur Verfügung.

finanzweltWie sieht es mit dem Absatz der Edelfische aus?
Acksteiner: Über den Absatz teurer Edelfische muss man sich keine großen Gedanken machen, der ist garantiert. Mit einem Anruf bei „Deutsche See“ oder einem vergleichbaren Großhändler kann jeder selbst überprüfen, wie die Marktlage ist. Je größer die Menge ist, die man anbieten kann, desto besser. Das ist ja auch das Problem der kleineren Züchter, die nicht die gewünschte Menge liefern können. Interessant ist für die Zukunft auch der Direktvertrieb an den Endverbraucher. Da lassen sich wesentlich höhere Margen erzielen und die Lieferung innerhalb 24 Stunden ist heutzutage ja kein Problem mehr.

finanzweltWoher kommen jetzt die Fische, bei der derzeitigen Nachfragelage?
Acksteiner: Es gibt ja nicht genug frische Edelfische wie Zander oder Egli, der beliebteste Speisefisch in der Schweiz. Genau das ist doch der Ansatz! Was den Zander betrifft, so ist der Verbrauch in Deutschland seit Jahren stark rückläufig. Nicht, weil den Zander niemand mag, sondern weil frischer Zander praktisch nicht lieferbar ist. Wenn Sie den wollen, müssen Sie es schon bei den Fischern direkt vor Ort am See probieren. Was bei uns im Supermarkt auf der Fischtheke landet, kommt aus Kasachstan und ist entweder aufgetaut oder noch gefroren.

finanzwelt: Herr Acksteiner, vielen Dank für das Interview

Weitere Informationen unter: www.edelfisch.eu