Im Rückblick wieder ein gutes Aktienjahr 2018?

Jan Meister, Geschäftsführer Meritum Capital Managers GmbH

Die vergangenen Tage und Wochen haben manchem Investor einiges abverlangt. Ist die Hausse an den Aktienmärkten vorüber? Berater sind gefragt, was nun zu tun ist. Ein sehr differenziertes Bild zeichnet Jan Meister, Geschäftsführer Meritum Capital Managers in Frankfurt.

finanzwelt:  Herr Meister, mit welcher Erwartungshaltung gehen Sie in ein sicher spannendes Kapitalmarktjahr 2018?

Meister: Die ersten Wochen des Jahres haben gezeigt, wie spannend 2018 in der Tat ist. Dabei überwiegen die guten Nachrichten. Dazu gehört in erster Linie, dass die Weltwirtschaft über fast alle Regionen hinweg gut wächst und Unternehmen ihre Gewinne steigern und gleichzeitig investieren können. Wegen der guten Arbeitsmarktsituation ist auch die Endnachfrage unterstützend. Das Risiko, das uns das Jahr über begleiten wird, ist aber, dass die Inflations- und Zinserwartungen im Markt noch zu niedrig sind. Anfang Februar haben wir bereits gesehen, dass eine Korrektur an den Rentenmärkten auch erhebliche Auswirkungen auf die Aktienmärkte haben kann. Insbesondere in der Eurozone steht die Geldpolitik der EZB in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Stärke der Region. Letztlich sollten wir am Jahresende wahrscheinlich auf ein gutes Aktienjahr 2018 zurückblicken, das aber durch eine höhere Volatilität gekennzeichnet ist. An den Rentenmärkten heißt es vor allem, Verluste zu vermeiden.

finanzwelt: Zuletzt gab der deutsche Aktienmarkt, nach einer sehr guten Wertentwicklung im vergangenen Jahr, nach. Reduzieren Sie nun Ihren Aktienanteil im Meritum Capital – Accumulator, der bei 37 % liegt? Welche Regionen (Europa, USA, Emerging Markets) sind denn aktuell bewertungstechnisch am „attraktivsten“?

Meister: In der Tat lag unser Aktienanteil Ende Januar noch bei 37 %, unsere Liquiditätsquote lag aber auch bei knapp 20 %. Dies lag vor allem an unserer Sorge, dass eben die Zinserwartungen im Markt zu niedrig sind und der Markt durchaus einer gewissen Korrekturgefahr unterlag. Wir haben nun diese Korrektur genutzt, um die Liquidität etwas abzubauen und bei Aktien wie auch Anleihen zuzukaufen. Somit liegt unsere Aktienquote aktuell bereits bei knapp 39 % und die Liquidität konnte auf knapp 15% reduziert werden. Unter Bewertungsgesichtspunkten halten wir nach wie vor Aktien der Eurozone und Schwellenländerinvestments, auf der Aktien- wie auch Rentenseite, für attraktiv. Hier wurde auch am meisten Geld investiert. In der Eurozone mischen wir auch gezielt Bankenwerte im Portfolio bei, weil diese von steigenden Zinsen in der Eurozone profitieren sollten. Auch Nebenwerte in Europa halten wir noch unter Wachstumsgesichtspunkten für interessant. In Schwellenländern mögen wir z.B. indische Aktien.

finanzwelt: Einige Marktteilnehmer sprechen momentan von einem neuen Aufwärts-Zyklus bei Rohstoffen. Teilen Sie diese Ansicht?

Meister: Diese Ansicht teile ich nur sehr bedingt. Zweifellos verhilft das gute Wirtschaftswachstum weltweit zu einer robusten Nachfrage nach den meisten Rohstoffen. Es muss auch anerkannt werden, dass die Rohstoffproduzenten über die letzten Jahre eine gewisse Investitionsdisziplin gezeigt haben und somit kaum ein großes Überangebot auf dem Markt ist. Allerdings kann die Rohstoffförderung schnell wieder nach oben angepasst werden. Am extremsten ist dies im Öl- und Gasmarkt, wo vor allem die US-Produzenten ihre Produktion recht flexibel und schnell nach oben anpassen können, wenn der Preis für Öl steigt. Dies sollte dazu führen, dass das Kurspotenzial in diesem Bereich begrenzt ist. Auch in anderen Rohstoffbereichen kann die Förderung wieder gesteigert werden, wenn die Nachfrage entsprechend vorhanden ist. Gleichzeitig werden die Wachstumsraten in China eher etwas zurückgehen und das chinesische Wirtschaftswachstum sollte zukünftig etwas weniger ressourcenintensiv werden. Unterm Strich halte ich einen neuen Superzyklus für Rohstoffe daher für unwahrscheinlich. Andererseits macht eine kleinere Beimischung von Rohstoffen in einem Portfolio dennoch Sinn. Sollten Rohstoffe nämlich wider meiner Erwartung schneller und anhaltender steigen, wäre dies inflationsfördernd und nicht gut für die Wirtschaft. Dann schadet es nicht, ein wenig Rohstoffe als Diversifikator im Portfolio zu haben.