Hohe Volatilität beherrscht türkischen Aktienmarkt

09.01.2014

**"finanzwelt" titelte diese Woche Türkei: „Vom Top zum Flop" – Investoren wenden sich ab. In der Tat ist das Land am Bosporus derzeit häufig in den Schlagzeilen, meistens im negativen Kontext. **Gökhan Kula, Managing Partner und CIO von MYRA Capital, gibt einen aktuellen Kommentar zur Kapitalmarktsituation in der Türkei.

Der Monat Dezember war ein Härtetest für Türkei-Investoren und bezeichnend für das negative Anlagejahr 2013 am Bosporus. Die Türkei wird seit dem 17. Dezember von einem Korruptionsskandal erschüttert, der zur Regierungskrise gewachsen ist und Premier Erdogan unter Druck gesetzt hat. Der Kapitalmarkt hat entsprechend stark reagiert und sowohl am Aktienmarkt als auch in der türkischen Lira zu herben Verlusten geführt. Der türkische Aktienmarkt hat das Jahr 2013 somit mit einer Wertentwicklung von -33 % (in EUR) abgeschlossen – als einer der weltweit schlechtesten des vergangenen Jahres.

2013 war auch für den türkischen Ministerpräsidenten und seine AKP Regierung kein gutes Jahr. Die erste Krise kam in den Sommermonaten durch die Proteste im Gezi-Park, die sich mittlerweile wieder beruhigen konnten. Aber jetzt die nächste Hiobsbotschaft: der größte Korruptionsskandal der jüngsten türkischen Geschichte und die Regierung und Erdogans AKP-Partei mittendrin statt nur dabei.

Als Reaktion darauf erklärten zunächst drei Minister, deren Söhne in Untersuchungshaft sitzen, ihren Rücktritt. Nur wenige Stunden nach deren Rücktritt hat Erdogan sein Kabinett in großem Umfang umgebildet: Zehn Minister wurden neu ernannt. Dies kann als Erdogans Versuch gewertet werden, einen Neuanfang seiner Regierung zu initiieren und damit wieder in die Position des aktiven Gestalters zu kommen. Die Reaktion war deutlich und erinnert an das politische Vorgehen von Putin: die Regierung hat innerhalb kürzester Zeit hunderte ermittelnde Polizisten entlassen beziehungsweise versetzt. Die Affäre ist zu einem Machtkampf zwischen der Regierung mit Justiz und Polizei geworden, dessen Ausgang ungewiss ist.

Wir erwarten vor diesem Hintergrund eine anhaltende Volatilität am türkischen Kapitalmarkt bis zu den Kommunalwahlen im März 2014. Sicherlich ist durch den massiven Kursverlust viel Negatives bereits in die türkischen Aktienkurse und die türkische Lira eingepreist, sodass risikobewusste und antizyklische Anleger erste Positionen aufbauen können. Das Jahr 2013 hat wieder deutlich unter Beweis gestellt, wie wichtig eine flexible Anpassung der Investitionsquoten ist, um Verluste für Investoren zu minimieren.