Euro: Dollar-Parität? Das war wohl nix!

Dr. Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München / Foto: © Dr. Lux & Präuner

Im Januar dieses Jahres schien es nur noch eine Frage von Tagen, dass Euro und US-Dollar wieder eine zu eins getauscht werden konnten. Goldman Sachs hatte schon einige Monate vorher, die Parität als Ziel ausgerufen und gewichtige Argumente auf seiner Seite: Die Euphorie um Trump war noch frisch und seine Versprechen, die amerikanische Wirtschaft anzukurbeln, sprachen für den Greenback.

Die europäische Wirtschaft hingegen zeigte noch wenig Dynamik und ein niedrigerer Euro-Dollar-Kurs lag auch ganz im Interesse des EZB-Chefs Draghi, um europäische Exporte zu unterstützen. Das Hauptargument pro starker Dollar war jedoch die amerikanische Notenbank, die weitere Zinserhöhungen angekündigt hatte. Eine ausweitende Zinsdifferenz zugunsten der USA würde mittelfristig für den Dollar sprechen.

Im Nachhinein kann man der Prognose von Goldman Sachs zugutehalten, dass zumindest zeitweise die Abwärtstendenz richtig vorgegeben wurde und die Parität schon sehr nahe kam. Erreicht wurde sie jedoch nicht. Nur in den Jahren 2000 bis Ende 2002 stand der Euro mal auf der Parität oder tiefer. Meist war er deutlich mehr wert als der Dollar.

Bei 1,03 war jedoch kein Weiterkommen mehr für den Dollar. Ab April bog der Euro scharf nach Norden ab – so scharf, dass jeder in Dollar-Anlagen investierte Anleger trotz steigender Kurse an den amerikanischen Aktienmärkten keine Freude mehr hatte. Innerhalb von fünf Monaten schoss der Euro ohne nennenswerte Korrektur um gut 20 Prozent nach oben.

Zum Vergleich stieg der Dow Jones Index seit Jahresanfang immerhin um stolze 15 Prozent, aber für Euro-Anleger bleibt es ein Minus-Geschäft. Wer auf den Trump-Effekt gesetzt hat, wurde somit doppelt enttäuscht: Von einem Präsidenten, der außer marktschreierischen Ankündigungen nichts auf die Reihe bekommt und die ganze Welt gegen die USA aufhetzt, sowie von der Währungsseite, die sämtliche Kursgewinne zunichte machte – übrigens nicht nur im Aktienbereich, sondern auch bei den Edelmetallen und Rohstoffen.

Unsere Einschätzung: Wider den günstigen Rahmenbedingungen für den Dollar, stehen die Chancen gut, dass der Euro mittelfristig eher weiter steigt, zumindest Richtung 1,25. Nach ökonomischen Gesichtspunkten gilt der Euro ohnehin immer noch als unterbewertet gegenüber dem Dollar. Und sollte es sich um den Beginn einer Aufwertungswelle des Euro handeln, so eröffnet das noch viel Luft nach oben. In der Vergangenheit wertete der Euro gerne über zwei Jahre hinweg auf.

Kolumne von Dr. Marc-Oliver Lux, Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München