Deutsche Aktien sind fundamental nach wie vor sehr günstig

Uwe Eilers

Aktuell erleben wir turbulente Zeiten an den Aktienmärkten. Der DAX ist im Rückwärtsgang, die Volatilität steigt und über allem lauern politische Spannungen und Handelsstreitigkeiten. Wie geht es weiter? Uwe Eilers, Geschäftsführer FV Frankfurter Vermögen GmbH, geht im finanzwelt-Interview den Dingen auf den Grund.

finanzwelt: Dem deutschen Aktienindex ist in den zurückliegenden Wochen etwas die Puste ausgegangen. Geht es Ihrer Meinung nach mit den Kursen weiter abwärts oder ist jetzt schon der Zeitpunkt für Nachkauf?

Eilers: Wir haben an den Aktienmärkten eine lange überfällige Korrektur gesehen. Derzeit gibt es für die künftige Entwicklung Argumente für beide Seiten. Die Aktien in Deutschland sind fundamental nach wie vor sehr günstig. Dies ist erst recht der Fall, wenn man noch die nachhaltig erzielbaren Dividendenrenditen in Relation zu den Anleiherenditen setzt. Da die deutsche Wirtschaft weltweit sehr gut aufgestellt ist, werden auch irgendwelche zusätzlichen Zölle die Unternehmensgewinne nicht beeinträchtigen.

Die Gefahr lauert vielmehr in einer noch stärkeren Abwärtsbewegung der US-Aktienmärkte. Diese sind nicht nur fundamental erheblich höher bewertet, sondern die Zinsen steigen in den USA bereits deutlich an. Aufgrund der immer weiter ausufernden Schulden in den USA und der weniger aufnahmebereiten Haupt-Gläubigerländer China und Japan könnten die Zinsen weiter steigen. Dies wäre Gift für die teils deutlich verschuldeten Unternehmen.

finanzwelt: Nicht zuletzt politische Spannungen bewegen derzeit die Gemüter. Handelsstreitigkeiten belasten; Rubel und türkische Lira gehen auf Talfahrt. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage?

Eilers: Die Handelsstreitigkeiten werden sicherlich bald gelöst werden. Der Druck aus der US-Industrie auf Trump zu einer vernünftigen Einigung ist bereits jetzt sehr hoch. Bei zu hohen chinesischen Zöllen, die Gegenmaßnahmen zu den US-Zöllen darstellen können, würden Unternehmen die Produktion aus den USA heraus verlagern, was tausende Arbeitsplätze kosten würde.

Der Rubel wird wohl nur kurzfristig durch die neuen Sanktionen gegen die Oligarchen in Mitleidenschaft gezogen werden. Langfristig sind stabile Ölpreise erheblich wichtiger für den Rubel. Auch die türkische Lira dürfte nicht von Handelsstreitigkeiten betroffen sein. Dort lastet eher die weiter zunehmende Zurückhaltung ausländischer Investoren auf die Währung. Aufgrund der hohen Inflationsrate in der Türkei und dem politisch verordnetem Nichtstun durch die Notenbank, also eine längst nötige Zinserhöhung durchzuführen, fällt die Lira immer weiter. Dies wird verschlimmert durch das hohe Handelsbilanzdefizit der Türkei mit hohen Importen und einer wenig wettbewerbsfähigen Exportwirtschaft.

finanzwelt: Experten sehen mitunter Zeiten der erhöhten Volatilität. Wie sollten Anleger und Berater damit umgehen?  

Eilers: Die Nervosität und die damit verbundene Volatilität an den Kapitalmärkten werden wahrscheinlich anhalten. Anleger sollten sich auf die Schwankungen einstellen. Wichtig ist eine breite Diversifikation des Portfolios, sowohl in verschiedene Anlageklassen als auch in verschiedenste Regionen, Länder und Branchen.

finanzwelt: Wie zufrieden sind Sie mit dem Geschäftsverlauf im ersten Quartal 2018?

Eilers: Aufgrund unserer breiten Diversifikation sind unsere Kunden sehr gut durch die aktuell schwierige Phase gekommen. Unsere Kunden sind somit zufrieden und wenn sie es sind, sind wir es auch.