Dax und Euro außer Rand und Band

15.03.2015

10.000 im Januar, 11.000 im Februar, 12.000 im März!? Beim deutschen Aktienindex purzeln momentan die Tausender, dass einem schwindlig wird. Das Aktienbarometer ist außer Rand und Band. Über 20 Prozent Plus seit Jahresanfang, fast 40 Plus Plus seit dem Tief bei 8.500 Punkten im Oktober!

Jeder kleine Konsolidierungsversuch wird sofort wieder gekauft. Der massive Aufwärtsdruck überrascht viele Experten. Viel zu konservativ haben die Bankauguren mal wieder die Marktaussichten für dieses Jahr eingeschätzt.

Die Effekte des Anleihenkaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) sind doch viel größer als gedacht. In den deutschen Aktienmarkt fließt Unmengen an Liquidität, auch von außerhalb Europas. So haben amerikanische Anleger ihre Geldströme nach Europa umgeleitet, denn die Perspektiven daheim sind angesichts der drohenden Zinskeule der US-Notenbank gebremst. Seitdem die EZB ihr Liquiditätsprogramm nun tatsächlich in die Tat umsetzt, nimmt die DAX-Rallye sogar nochmal so richtig Fahrt auf. Offensichtlich war der EZB-Effekt nicht so eingepreist, wie manch Marktteilnehmer vermutete.

Anders in den USA: Der Dow Jones schwächelt seit einigen Wochen. Seit Jahresanfang konnte der amerikanische Blue-Chip-Index gerade mal um drei Prozent steigen; nur für Euro-Anleger sieht die Performance besser aus, dank Dollar-Aufwertung. Auch auf der Währungsseite passiert zurzeit sehr viel. Ungläubige Kommentare kassierte die Investmentbank Goldman Sachs, als sie Ende letzten Jahres für Ende 2015 eine Euro-Dollar-Parität (1:1) voraussagte. Der Euro-Kurs ist auf dem besten Weg da hin; bis auf zeitweise unter 1,05 ist die europäische Währung innerhalb weniger Monate abgestürzt, die Dollarparität also sogar noch in diesem Quartal möglich, wenn das Tempo anhält.

Es wäre nur im Sinne von EZB-Chef Draghi, der damit die Exportindustrie in Europa stützen will. Ob der Effekt allerdings wirklich so groß ist, mag bezweifelt werden, denn selbst die international gut aufgestellte deutsche Industrie liefert wesentlich mehr Güter in die Euro-Zone als in Dollar-Länder. Zudem konterkariert der Euro-Verfall den Ölpreis-Rückgang, denn hier wird wiederum in Dollar abgerechnet.

In einigen Monaten werden wir wissen, ob Draghis Plan aufgeht und ob seine außergewöhnlichen Maßnahmen von Erfolg gekrönt sind. Zur Zeit schwingt viel Psychologie und Hoffnung mit, Skeptiker werden – siehe DAX – niedergetrampelt. Für alle Beteiligte ist klar, dass wir uns momentan in einer absoluten Schönwetterphase an der Börse bewegen. Die größte Überhitzung seit 15 Jahren bahnt sich an. Der Markt ist im DAX vollkommen überkauft. Allerdings war die Übertreibung Anfang 2000 zu New-Economy-Zeiten teilweise noch größer. Zudem könnte die Überhitzungsphase noch länger anhalten. 15.000 im DAX klingen heute nicht mehr so utopisch wie kurz nach der Finanzkrise. Es wäre jetzt „nur" noch 27 Prozent entfernt.

(Autor: Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG)