Das Internet verschiebt die Kräfte – auch an der Börse

Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen AG / Foto: © Bayerische Vermögen AG

Am so genannten Single-Tag sprengte der Online-Händler Alibaba alle Verkaufsrekorde. Seit die chinesischen Online-Händler 2009 diesen besonderen Tag einfach erfunden haben, ist der 11. November zu einem Konsumfest der Chinesen geworden. Der Technologiezug nimmt immer mehr Fahrt auf. Das Internet der Dinge, der Online-Handel, die Kommunikation über Netzwerke verändern die Welt.

Von den zehn größten Firmen der Welt kommen acht aus den USA und zwei aus China. Sieben der zehn gehören zu den neuen Internetgiganten. Die Unternehmen, die aus dieser neuen Welt stammen, erreichen Wachstumszahlen, die für große Unternehmen der alten Welt nicht zu schaffen sind. Nur noch die Bank JPMorgan, der Konsumgütergigant Johnson & Johnson und die Ölfirma Exxon sind aus der alten Industrie unter den Wirtschaftsriesen.

Alibaba, Amazon, Alphabet, Apple, Facebook, Mircosoft und Tencent erreichen immer neue Höchstmarken bei Umsatz und Börsenbewertung. Die Chancen stehen gut, dass diese Zuwachsraten hoch bleiben. Typisch im Internetzeitalter: Eine kleine Anzahl „Superstar“-Firmen vereint immer mehr Marktmacht. Der abnehmende Wettbewerb wird durch den High-Tech-Sektor angetrieben im Speziellen und die Globalisierung im Allgemeinen.

Die liquiden Mittel der Internetgiganten schaffen diesen Firmen Freiräume. Apple, Microsoft und Alphabet verfügen über mehr als 500 Mrd. Euro Cash in der Bilanz. Neue innovative Firmen, die zur Konkurrenz werden, können einfach aufgekauft werden. Wenn die Monopolmacht zunimmt, steigen die Gewinne. Hohe Gewinnmargen versus schwache Investitionen dürften aber ein nachhaltig niedriges Zinsniveau bedeuten.

Ein Investment in die Superstar-Firmen bleibt interessant. Dennoch: Wir wissen in einer sich schnell verändernden Zeit nicht, ob in zehn Jahren die genannten Firmen noch ganz oben stehen. Wird RTL durch Netflix ersetzt? Kauft man noch einen BMW oder doch ein Apple-Auto? Wird es Facebook noch geben?

Ob Online-Händler wie Alibaba in das Depot passen, muss jedoch jeder Anleger für sich entscheiden. Das Risiko auf verschiedene Branchen, Regionen und Anlageklassen zu streuen, bleibt das Rezept für die Zukunft. Und sicher ist, dass wir in zehn Jahren immer noch die Produkte des täglichen Bedarfes – Essen, Trinken, Hygiene – brauchen werden. Hier gibt es gute Unternehmen, die vielleicht langweilig wirken, aber im Langfristdepot weiterhin nicht fehlen sollten.

Kolumne von Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen AG, München