Das Beste zweier Welten

Frederik G. Hildner, Portfoliomanager Salm-Salm & Partner GmbH / Foto: © Salm-Salm & Partner

Denjenigen, die eine Anlagelösung im Universum von Anleihen und Aktien suchen, bieten sich Wandelanleihen an. Im exklusiven finanzwelt-Talk erläutert Frederik G. Hildner, Portfoliomanager Salm-Salm & Partner GmbH, die Vorteile dieser Assetklasse und gibt einen Rück- und Ausblick.

Frage: Inwiefern sind Wandelanleihen in diesen anspruchsvollen Zeiten eine sinnvolle Alternative zum Rentenmarkt?

Hildner: Der große Vorteil von Wandelanleihen gegenüber nicht wandelbaren Unternehmens- oder Staatsanleihen liegt in ihrer deutlich geringeren Zinssensitivität, die als „Rho“ bezeichnet wird. Das Rho von Wandelanleihen liegt bei einer typischen fünfjährigen Restlaufzeit bei rund 2,5% für 1% Zinsänderung. Der korrespondierende Wert für vergleichbare nicht wandelbare Unternehmensanleihen (Modified Duration) beträgt bei gleicher Laufzeit fast das Doppelte. Das bedeutet: konventionelle Anleihen reagieren – aufgrund der geringen Kuponzahlungen während der Laufzeit – fast linear auf Änderungen im Zinsniveau oder den Credit Spreads. Wandelanleihen hingegen vollziehen bei Ausweitungen von Zins- oder Spread diese Bewegung nur zur Hälfte nach. Diese Tatsache war in der ersten Jahreshälfte 2016 – aufgrund des weiter fallenden Zinsniveaus – ein Vorteil für Unternehmensanleihen. Sofern die Zinsen nicht weiter massiv fallen, ist das Kurs- und Ertragspotential für nicht wandelbare Anleihen allerdings sehr begrenzt. Für Renten-Investoren haben Wandelanleihen den Charme, dass sie einerseits Anleihen sind, aber dennoch die Chance auf eine höhere Rendite bieten, sofern die Aktienkurse steigen. Aus diesem Grund sind Wandelanleihen auch die einzigen Anleiheinstrumente, die einen Zinsanstieg kompensieren oder sogar überkompensieren können.

Frage: Auslöser für einen möglichen Kursrutsch am Rentenmarkt ist die spürbare Angst vieler Bondanleger vor einer baldigen Zinserhöhung in den USA. Wann rechnen Sie mit einer Fortsetzung der Zinswende in den USA? Was bedeutet ein Zinsschritt für die Anleihenmärkte?

Hildner: Die Datenlage spricht in der Tat für baldige, homöopathisch dosierte Zinserhöhungen in den USA. Die FED hat ihre Entscheidungen bewusst an die Entwicklung von Arbeitsmarkt, Inflation und Konjunktur geknüpft. Um nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren, wird sie handeln müssen, wenngleich der daraus resultierende, den US-Dollar stärkende Effekt auch konjunkturhemmend wirken kann.

Viel wichtiger als die kurzfristige Entwicklung der Leitzinsen ist für die Anleihemärkte aber die mittel- und langfristige Erwartungshaltung. Die Märkte implizieren heute deutlich höhere, mittelfristige Inflationserwartungen als noch vor einigen Wochen; auch aufgrund der von den Republikanern angekündigten Deregulierung und Fiskalstimuli. Diese Erwartung führte unmittelbar nach der US Wahl – und in der Konsequenz folgerichtig – zu steigenden Zinsen und fallenden Preisen für Staatsanleihen. Investoren verlangen bei höheren erwarteten Inflationsraten naturgemäß höhere nominale Zinsen von ihren Investitionen, um weiterhin reale Renditen zu generieren.

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