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Ex-Chefetage der BayernLB auf der Anklagebank

(fw/ah) Die Staatsanwaltschaft ist sich dahingehend sicher, dass die Topmanager die Kärntner HGAA völlig überteuert gekauft und die bayerische Landesbank damit um 550 Millionen Euro geschädigt haben sollen. Daher der Vorwurf der Untreue.
Die österreichische Nationalbank hatte damals vor erheblichen Unregelmäßigkeiten gewarnt, doch die Vorstände sahen laut Anklage darüber hinweg, weil sie unbedingt die Geschäftsaktivitäten der BayernLB gen Osten ausweiten wollten. Das Sprungbrett nach Osteuropa wurde zum Milliardengrab.

Interessant auch, dass der Verwaltungsrat der Bayern LB prominent besetzt war. Hier gaben sich regionale und überregionale Politikgrößen die Klinke in die Hand und schauten scheinbar nicht so genau hin...
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Ab 1.950 Euro wird geklagt

(fw/hwt) Erst ab einem durchschnittlichen Streitwert von 1.950 Euro ist ein Bundesbürger bereit, ein Gerichtsverfahren in Kauf zu nehmen. Das hat ROLAND Rechtsschutz in seinem aktuellen Rechtsreport 2014 veröffentlicht. Für den Rechtsreport wurden in diesem Jahr zum einen 1.563 Bürger interviewt und zum anderen erstmals auch 1.770 Richter und Staatsanwälte befragt. Die jährliche Umfrage führte das Institut für Demoskopie in Allensbach durch.

Im Ergebnis bringt die Bevölkerung den deutschen Gerichten ein recht großes Vertrauen entgegen. Während dies 2011 nur 60 % der Befragten angaben, waren es zuletzt 71 %. Defizite sah vor allem die Bevölkerung bei der durchschnittlichen Länge der Verfahren (79 %). Und 73 % der Bürger halten die Gerichte für überlastet, was im Übrigen auch 56 % der Richter und Staatsanwälte so sehen. Was außerdem hervorsticht: Finanzielle Möglichkeiten fördern die Erfolgsaussichten vor Gericht. 63 % der Bürger glauben, dass ein guter Anwalt die Chancen steigert und 57 % sind davon überzeugt, dass finanziell Bessergestellte einen Vorteil vor Gericht haben. Das finanzielle Risiko ist deshalb auch einer der Hauptgründe, warum die meisten Deutschen einen Gerichtsprozess lieber vermeiden wollen. Für den Vorstandsvorsitzenden der ROLAND Rechtsschutz-Versicherungs-AG Gerhard Horrion bedeutet das: „Der Rechtsstaat und die Gesellschaft müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und Zugang zum Recht für alle Bürger sicherstellen."
Eine weitere Option, hohe Gerichtskosten zu vermeiden, wäre eine gesetzlich geregelte Mediation. Und immerhin schon 48 % der befragten Bundesbürger halten dieses Instrument grundsätzlich für geeignet, um Streitigkeiten beizulegen.

Bei den gebeutelten Richtern und Staatsanwälten glauben sogar 85 %, dass gerade bei Nachbarschaftsstreitigkeiten die Mediation geeigneter ist, als ein Gerichtsverfahren. Insgesamt fällt diese Gruppe ein äußerst positives Urteil gegenüber dem deutschen Rechtssystem: 98 % halten es für gut (69 %) oder sehr gut (29 %). Dennoch steigt In diesem Berufsstand die Unzufriedenheit. Druck durch Medien und Öffentlichkeit, was die Unabhängigkeit der Gerichte gefährden könnte, und eine als unzureichend empfundene Bezahlung seien die Hauptursacche.

www.roland-konzern.de
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Weg frei für liberalere Vergütungsmodelle

(fw/hwt) Hintergrund des Urteils ist eine Klage einer Versicherungsvertreterin, die beim Verkauf einer Nettopolice – also eine Police ohne Provisionsanteil – eine gesonderte Vergütungsvereinbarung mit ihrer Kundin getroffen hatte. Nach 13 Monatsraten hatte die Kundin die Zahlungen eingestellt, woraufhin die Vermittlerin klagte.

Der BGH stellt mit seinem Urteil nun klar, dass auch Versicherungsvermittler ebenso wie Versicherungsmakler eine gesonderte Honorarvereinbarung treffen können. Zwar seien Makler wegen ihrer Unabhängigkeit von einer Versicherungsgesellschaft grundsätzlich „im Lager der Kunden", während Vermittler „im Lager des Versicherers" seien. Dennoch hätte die Neufassung der Versicherungsvertragsgesetzes 2008 auch den Vermittlern umfangreiche Beratungs-, Hinweis- und Dokumentationspflichten auferlegt. Wenn es also um die Eigenschaften des angebotenen Produktes geht und ob dieses zu den Bedürfnissen des Kunden passt, würden sich die Pflichten eines Vertreters nicht von denen eines Maklers unterscheiden. Schutzwürdige Interessen des Kunden sieht der BGH mit einer separaten Vergütungsvereinbarung nicht tangiert. Einzig in der deutlich größeren Anzahl an Verträgen, zu denen ein Makler beraten kann, sieht der BGH einen Unterschied zum Vermittler. Dies gilt es in einem eventuellen Streit über eine angemessene Höhe einer Vergütung zu berücksichtigen.

Für Norman Wirth von der auf Vermittler-, Versicherungs- und Kapitalrecht spezialisierten Kanzlei Wirth-Rechtsanwälte kann das Urteil in seiner Relevanz deshalb auch nicht hoch genug eingeschätzt werden: „Ob es nun um die Frage des erheblichen Wertes der Maklertätigkeit oder um die weitere Liberalisierung der Vergütungsmodelle im Versicherungsbereich geht, in beiden Punkten haben wir jetzt höchstrichterlich äußerst spannende Aussagen erhalten, die für Bewegung in der Branche sorgen werden." Außerdem hofft er, dass auch der GDV bei seiner Betrachtung der Provisionsdeckelung die Aussagen des BGH zur Maklerleistung zur Kenntnis nehmen wird.

www.wirth-rechtsanwaelte.com
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Top-Noten bei ÖKO-TEST

(fw/hwt) Der Tarif TOP-STAR mit Spezial-Straf-Rechtsschutz und erweiterten Leistungen erreicht die höchste Gesamtpunktzahl, die zweithöchste Punktzahl erreicht TOP-STAR mit Spezial-Straf-Rechtsschutz ohne erweiterte Leistungen. Beide Tarifvarianten erhalten die Bestnote »1. Rang«.

Die getestete Tarifgeneration startete zum Oktober 2013 als konsequente Weiterentwicklung der auch bisher hervorragend bewerteten Produktlösungen der RECHTSSCHUTZ UNION. Zu den verbesserten Leistungen zählen zum Beispiel: die Übernahme von Mediations-Kosten bis zu 3.000 € ohne Anrechnung auf gerichtliche Verfahren, die Stärkung des Ehrenamtes, der Ausbau des Opfer-Rechtsschutzes, Lösungen für Freizeitsportler auch im Verkehrsbereich, die praxisgerechte Absicherung von Photovoltaikanlagen sowie neue Vorsorgeregelungen im Gewerbebereich. Als Service-Versicherer unterstützt die ALTE LEIPZIGER die Rechtsschutz-Kunden auch beim Thema Urlaub und Reise durch eine spezielle Anwaltshotline »Reise-Recht am Telefon«.

www.alte-leipziger.de

Canada Life mit neuem Chefjuristen

(fw/hwt) Der Volljurist begann seine Karriere bei Coopers & Lybrand, jetzt PwC, wo er auch die Prüfung zum Steuerberater ablegte. In den letzten elf Jahren leitete Magnus Baumhauer die Rechts- und Steuerabteilung bei der Delta Lloyd-Gruppe in Wiesbaden. In seiner neuen Funktion bei Canada Life berichtet er direkt an Declan Bolger, den Managing Director der Canada Life.

www.canadalife.de
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BGH-Urteil: PKV-Kündigung wirksam ohne Nachweis der Folgeversicherung

(fw/ah) Der Vater war Mitglied einer privaten Krankenversicherung. Auch für seinen Sohn hatte er eine Police abgeschlossen, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht volljährig war. Nach Erreichen der Volljährigkeit erhöhte der Versicherer den Beitrag um 120 %. Das aber wurde dem Vater zu viel und er kündigte den Versicherungsvertrag für seinen Sohn zum 31.12.2011.

Der Versicherer verlangte daraufhin den Nachweis über eine lückenlose Anschlussversicherung. Der Kläger beharrte auf der Rechtmäßigkeit der Kündigung der Krankenversicherung für seinen Sohn. Bei einer mitversicherten Person sei kein Nachweis über eine Folgeversicherung notwendig, wenn der Mitversicherte bereits volljährig ist.

Sowohl die Berufung vor dem Oberlandesgericht Köln als auch die Revision vor dem Bundesgerichtshof fiel zugunsten des Vaters aus. Die Richter waren der Meinung, dass es nicht zulässig sei, wenn eine private Krankenversicherung die Kündigung der Mitversicherung eines volljährigen Kindes nur beim Nachweis einer Folgeversicherung akzeptiere.


www.davvers.de

Befugnisse des Versicherungsombudsmanns gestärkt

(fw/hwt) Die Mitgliedsunternehmen des Vereins Versicherungsombudsmann haben die Position der unabhängigen Schlichtungsstelle gestärkt und ihre Befugnisse erweitert. Schon bisher konnte sie bei einer falschen Entscheidung des Versicherers gegen ihn und für den Kunden bis zu einer Höhe von 10.000 Euro eine verbindliche Entscheidung aussprechen. Künftig wird der Verein Versicherungsombudsmann bei Bedarf auch während eines anhängigen Gerichtsverfahrens außergerichtlich zwischen den Parteien vermitteln dürfen. Die Unternehmen stimmten auf ihrer Mitgliederversammlung der dafür nötigen Änderung der Verfahrensordnung zu.

Diese Erweiterung der Befugnisse hat einen konkreten Hintergrund. 2012 war die Zivilprozessordnung geändert worden. Seitdem ist es den Gerichten erlaubt, den Streitparteien eine außergerichtliche Konfliktbeilegung vorzuschlagen. Entscheiden sie sich dafür, ordnet der Richter das Ruhen des Verfahrens an. Der Versicherungsombudsmann konnte in diesen Fällen bislang jedoch nicht aktiv werden. Denn laut alter Verfahrungsordnung durfte er nur eingreifen, wenn der Fall nicht gleichzeitig vor Gericht anhängig war. Da die Klage auch bei Ruhen des Verfahrens anhängig bleibt, musste die Verfahrensordnung entsprechend angepasst werden, damit der Ombudsmann bei einem ruhenden Gerichtsverfahren vermitteln kann.


www.versicherungsombudsmann.de


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EuGH-Urteil: Sturm im Wasserglas

(fw/hwt) Von 1994 bis 2007 wurden Lebensversicherungen nach dem so genannten Policenmodell abgeschlossen. Die Kunden erhielten Versicherungsbedingungen und Verbraucherinformationen zusammen mit der Police und nicht wie seitdem vorgeschrieben bereits mit ihrer Vertragserklärung. Der Versicherungsvertrag kam zustande, wenn der Versicherungsnehmer nicht innerhalb der seit Ende 2004 geltenden Widerspruchsfrist von 30 Tagen ab Überlassung der Unterlagen widersprach. Ob er über diese Frist informiert worden war oder überhaupt keine Unterlagen erhalten hatte, spielte spätestens ein Jahr nach der ersten Prämienzahlung keine Rolle mehr. Dann erlosch das Widerspruchsrecht in jedem Fall.

Hiergegen hatte ein bei der Allianz versicherter Kunde geklagt, der zum Dezember 1998 eine private Rentenpolice abgeschlossen und rund neun Jahre später wieder gekündigt hatte. Er wollte seinen Vertrag mangels erforderlicher Aufklärung inklusive Zinsen rückabgewickelt sehen. Vor dem Land- und dem Oberlandesgericht blitzte er damit ab. Der danach angerufene Bundesgerichtshof reichte den Fall wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung an den EuGH weiter. Dieser solle bitte prüfen, ob das Policenmodell überhaupt mit europäischem Recht vereinbar war. Und der kam am 19. Dezember zu einem zunächst spektakulär wirkenden Spruch (Az.: C-209/12): Das Gericht er-klärte die seinerzeit geltende gesetzliche Frist nach § 5 Abs.2 S.4 VVG a.F. für europarechtswidrig. Jetzt muss der BGH dies in einem Urteil umsetzen.

Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg gab schon am selben Abend im Fernsehen zu Protokoll, es könnten nun Policen im hohen Milliardenwert rückabgewickelt werden müssen. Der GDV sieht die Sache entspannter: „Das EuGH-Urteil betrifft nicht automatisch alle nach dem Policenmodell abgeschlossenen Versicherungsverträge, sondern allenfalls nur solche Fälle, bei denen der Kunde nicht die Verbraucherinformation oder die Widerspruchsbelehrung erhalten hatte. Der GDV geht davon aus, dass Lebensversicherungskunden auch in der Zeit von 1994 bis 2007 die vorgeschriebenen Vertragsunterlagen regelmäßig vollständig erhalten haben und sie auch ordnungsgemäß über das Widerspruchsrecht belehrt wurden."

Auch die Allianz selbst zeigt sich in einer Erklärung überaus gelassen: „Die Entscheidung des EuGH, dass der deutsche Gesetzgeber im Jahr 1994 europäische Richtlinien zur Lebensversicherung nicht korrekt umgesetzt hat, überrascht. Unmittelbare Auswirkungen auf die nach dem Policenmodell abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge ergeben sich jedoch nicht. Die einjährige Ausschlussfrist hat nur dann Bedeutung, wenn der Versicherungsnehmer die Versicherungsbedingungen und die Verbraucherinformationen nicht oder nicht vollständig erhalten hat oder er nicht ordnungsgemäß über sein Widerspruchsrecht informiert wurde. Allianz Leben hat ihren Kunden auch in den Jahren von 1994 bis 2007, in denen Verträge nach dem Policenmodell abgeschlossen wurden, regelmäßig die vorgeschriebenen Vertragsunterlagen vollständig übersandt und sie ordnungsgemäß über das Widerspruchsrecht belehrt. Dies wurde inzwischen in mehreren Gerichtsentscheidungen bestätigt."


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In Wirtschaftsprozessen nicht auf Augenhöhe

(fw/hwt) Aber: Personalmangel an den Gerichten, eine als unzureichend empfundene Bezahlung, die Weisungsbefugnis der Justizminister gegenüber Staatsanwälten sowie Druck durch Medien und Öffentlichkeit sorgen für Unzufriedenheit. Neun von zehn Befragten sehen die hohe Qualität der Rechtsprechung in Gefahr, wenn der Personalbestand in der Justiz nicht spürbar verbessert wird. Acht von zehn Richtern und Staatsanwälten geben an, eine zu hohe Arbeitsbelastung zu spüren. Zudem haben zwei Drittel der Richter und sogar vier von fünf Staatsanwälten nach eigenem Empfinden nicht genügend Zeit für ihre Rechtsfälle. Das sind Ergebnisse des Sonderberichts zum ROLAND Rechtsreport 2014, bei dem im Auftrag der ROLAND Rechtsschutz-Versicherungs-AG erstmals bundesweit 1.770 Richter und Staatsanwälte zum deutschen Rechts- und Justizsystem befragt wurden. Durchgeführt hat die Studie das Institut für Demoskopie Allensbach in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Richterbund.

„Mit ihrer täglichen Arbeit gestalten Richter und Staatsanwälte unser Rechts- und Justizsystem und prägen so maßgeblich unsere Gesellschaft und unser Miteinander. Mit der Studie zum ROLAND Rechtsreport leisten wir einen Beitrag zur Sicherung unseres Rechtssystems und liefern wichtige Erkenntnisse", sagt Gerhard Horrion, Vorstandsvorsitzender der ROLAND Rechtsschutz-Versicherungs-AG.

In Wirtschaftsstrafrecht-Fällen sehen sich Staatsanwälte oftmals in der schwächeren Position gegenüber angeklagten Managern und Unternehmen, die von zum Teil hoch spezialisierten und durch Mitarbeiterstäbe unterstützten Anwälten verteidigt werden. 73 % fühlen sich hier im Nachteil, lediglich 24 % sehen sich auf Augenhöhe. Generell zeigen sich in Strafprozessen Richter und Staatsanwälte mehrheitlich als Befürworter von Verständigungen bei der Urteilsfindung zwischen Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern. Zwar sehen 34 % die Möglichkeit zu solchen sogenannten Deals kritisch, 63 % befürworten diese aber. Im Zuge des Bundesverfassungsgerichtsurteils zu Verständigungen in Strafverfahren wurde die Rolle von Absprachen auch in der Öffentlichkeit zuletzt verstärkt diskutiert.


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Der Kunde muss im Zentrum stehen!

Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts halten knapp 9 Millionen Anleger, also nur etwa jeder neunte Bundesbürger, Aktien direkt oder in Form von Investmentfonds. Das sind deutlich weniger als in 2001. Von einer Aktien-/Investmentkultur sind wir hierzulande noch weit entfernt. Dabei sollten wir nicht aus dem Auge verlieren, dass die Geldanlage in Investmentfonds zahlreiche Vorteile und Möglichkeiten eröffnet, speziell für die eigene Altersvorsorge. Aber der Schatten der Lehman-Pleite liegt auf der Branche und erschwert, neben den Regularien, das Neugeschäft.

Daneben bewegt die angestoßene Diskussion um Honorarberatung die Gemüter. Anlageberatung in Deutschland wird hauptsächlich in Form der provisionsgestützten Beratung erbracht. Etwa 300.000 provisionsabhängigen Beratern stehen nur etwa 1.500 Honorarberater gegenüber. Das soll sich ändern und die Beratung soll eine bessere werden. Der Kunde und seine persönlichen Interessen stehen schließlich im Vordergrund. „Nur Banken und Berater, die diesen Grundsatz berücksichtigen, werden langfristig auf dem Anlagemarkt erfolgreich sein können", sagte die ehemalige Bundesministerin für Verbraucherschutz Ilse Aigner.

finanzwelt befragte Branchenexperten zu den Herausforderungen im
Fondsvertrieb und in der Beraterlandschaft. Unsere Gesprächspartner:

Thomas Haas, Geschäftsführer Johannes Führ Vermögensverwaltung GmbH
Frank Huttel, Leiter Portfoliomanagement FiNet Asset Management AG
Philipp Graf von Königsmarck, Leiter Vertrieb Family Offices und Vermögensverwalter Fidelity Worldwide Investment
Andreas Rau, Leiter Vertrieb BCA AG

finanzwelt: Die deutsche Fondsbranche sammelte zuletzt netto 3,4 Mrd. Euro ein. Davon 0,8 Mrd. Euro in Publikumsfonds. Im laufenden Jahr summieren sich die neuen Gelder auf insgesamt 62,4 Mrd. Euro. Gleichwohl gelten Investmentfonds als schwer vermittelbar. Woran liegt das?

Huttel: Investmentfonds und insbesondere Aktienfonds gehören zu den renditestärksten Altersvorsorgemöglichkeiten. Der Grund dafür ist, dass besonders Aktienfonds in reale Sachwerte und nicht in nominelle Versprechen wie Anleihen investieren. Dafür sind sie aber auch mit einem höheren Risiko behaftet, was einige Anleger abschreckt. Über Investmentfonds können aber auch Kleininvestoren in Vermögensgegenstände und Märkte investieren, die ihnen ansonsten verschlossen blieben. Leider stellen wir fest, dass Investmentfonds bis auf wenige Top-Seller kaum aktiv vom Kunden nachgefragt werden. Der Berater muss dies initiieren. Hinzu kommt, dass Kunden und Berater angesichts des Marktumfelds und der Krisen nach wie vor gelähmt sind und entsprechend agieren.

Rau: Ein neues Nachdenken über den Vertrieb von Investmentfonds ist erforderlich. Es ist schon sehr schade mit anzusehen, dass mit Aktien eine Form der Geldanlage oftmals geradezu ignoriert wird, die ein Vielfaches an Ertrag bringen kann. Auch wenn viele private und institutionelle Investoren in den vergangenen Jahren der Aktie den Rücken gekehrt haben, führt unter Renditeaspekten kein Weg mehr an Aktien vorbei. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass die Verbände zu wenig in die Waagschale werfen, um eine nachhaltige Investmentkultur hierzulande zu etablieren. Informationsbroschüren müssen besser auf die echten Kundenbedürfnisse zugeschnitten und der Prozess der Informationsvermittlung einfacher gestaltet sein.

finanzwelt: Der Fondsvertrieb im schwierigen Marktumfeld. Wie reagieren die Gesellschaften?

von Königsmarck: Die Fondsbranche muss das abstrakte Gut Investmentfonds greifbarer machen. Ziel muss es sein, den Kunden langfristig entsprechend seinen Bedürfnissen und Risikoeinschätzungen zu betreuen. Dies erfolgt über eine verbesserte Informationsbereitstellung. Dabei gehen wir auch neue Wege und haben eine App für Berater entwickelt, die die Möglichkeiten nutzt, die das iPad eröffnet. Zusätzlich zur besseren Informationsaufbereitung sind auch neue Produktlösungen entscheidend. So steigt zum Beispiel die Nachfrage nach Portfoliolösungen mit individuellem Vermögensmanagement, die – wie unsere Lösung SAM – die Beratung, den Aufbau und das Management des Investments, die Depotverwaltung, die Dokumentation und das Reporting beinhalten. Die Beratungsqualität wird damit gewährleistet und die Haftungssicherheit für Berater erhöht.

Haas: Die Anforderungen an Investoren und Fondsgesellschaften steigen beständig. Hohe Kursausschläge sowie starke Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Anlageklassen erschweren zunehmend das Investment. Für ihre komplexen Anlageentscheidungen erwarten Investoren dann die passenden Investmentideen und einfach umsetzbare Lösungen für ihr Portfolio. Nach meiner Meinung hat die Investmentindustrie in den vergangenen Jahren zu viele komplexe Lösungen und Anlageideen auf den Markt geworfen, die letztlich das eigentliche Ziel – im weitesten Sinne die Altersvorsorge – konterkarieren. Wenn das Nachdenken über die Fondsindustrie zu Verbesserungen führen soll, muss das in erster Linie auf eine bessere Qualifizierung aller Beteiligten abzielen.

finanzwelt: Die Fondsindustrie und Beraterlandschaft sehen sich einigen Herausforderungen gegenüber. Ein Vorwurf lautet, dass es in erster Linie nicht mehr um den Nutzen für den Kunden gehe. Honorarberatung soll der „Schlüssel zum Erfolg" sein. Ist man mit Honorarberatung gut beraten?

Rau: Wir begrüßen die gesetzliche Verankerung der Finanzberatung auf Honorarbasis als eine zusätzliche Möglichkeit neben der provisionsbasierten Beratungsform. Honorarberatung ist aber nur eine von mehreren Vergütungsformen. Grundsätzlich gilt, dass auch eine Honorarberatung nicht zwangsläufig in einer guten Beratung mündet. Damit Kunden keine bösen Überraschungen erleben, sollten sie beispielsweise mit ihrem Honorarberater ein Vorgespräch führen. Die Qualität der Beratungsleistung gilt es darüber hinaus zu fördern.

von Königsmarck: Wir sprechen uns auch für die Koexistenz verschiedener Vergütungsformen aus. Alternative Geschäftsmodelle wie etwa die Honorarberatung werden sich jedoch nicht so schnell etablieren, um dem Fondsvertrieb einen Schub zu verleihen. Taugt das britische Modell als Vorbild? Seit Jahresbeginn gilt die „Retail Distribution Review" (RDR), die Provisionen bei Vorsorge- und Investmentprodukten für Makler abschafft. Die ersten Monate zeigen, dass einerseits die Zugangsschwellen für Investoren zur Finanzberatung höher geworden sind, also weniger Kunden aktiv beraten werden. Andererseits ist die Beratung für die Anleger seither teurer geworden. Das kann nicht das Ziel sein.

Huttel: Die Anlageberatung wurde in den vergangenen vier Jahren mit Tempo reguliert und neu aufgestellt. Ziel sollte eine gesteigerte Qualität der Finanzberatung und eine bessere Information der Verbraucher sein, um für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit von Finanzprodukten zu sorgen. Leider ist der Gesetzgeber mit seinen Maßnahmen über das Ziel hinausgeschossen. Diejenigen, die für ihre Altersvorsorge eine Beratung benötigen, werden sich diese Dienstleistung nicht mehr leisten können. Letztlich haben wir es dann im Ergebnis mit einer Zweiteilung des Marktes zu tun.

Haas: Es geht darum, für welche Leistung Berater bezahlt werden und von wem. Kümmern sich Berater um ihre Kunden scheinbar kostenfrei, verdienen sie trotzdem an Provisionen, die bei Abschluss eines Vertrags für ein Finanzprodukt fließen. Die gesamte Branche muss sich die Frage stellen, was in der Vergangenheit schief gelaufen ist. Wir suggerieren, dass Beratung nicht mit Kosten verbunden ist. Der Mentalität der deutschen Investoren entspricht es nicht, für eine Finanzberatung zu zahlen. Aufklärung und Wissensvermittlung auf Seiten der Berater und Investoren dürfen bei der gesamten Regulierungsmaschinerie nicht zu kurz kommen.

finanzwelt: Sich mit dem Thema Geld und Geldanlage auseinanderzusetzen, ist nicht gerade prickelnd. Hilft ein Schulfach „Private Finanzen", um den Stellenwert der Altersvorsorge und deren Produkte zu verdeutlichen?

Rau: Die Vermittlung von Finanzwissen ist ein ganz zentrales Thema. In den Bildungsstätten wird zu wenig getan, um junge Menschen für das Thema Altersvorsorge und Fonds zu begeistern. Führungskräfte sollten öfter in Schulen gehen und über Wirtschafts- und Finanzfragen reden und den Dialog suchen. Das ist dringend notwendig. Aber all dies wird nichts daran ändern, dass man auch am Lehrplan ansetzen muss. Wirtschaft und Finanzen müssen zu Pflichtfächern in der Schule werden.

Huttel: Das Thema finanzielle Bildung führt in der Schule nach wie vor ein Schattendasein. Biologie, Chemie etc. sind verpflichtend, aber wie viel Prozent der Menschen haben in ihrem späteren Berufsleben etwas damit zu tun? Geld jedoch betrifft jeden. Daher entstehen Aussagen wie „Der Finanzmarkt werde immer intransparenter". Selbst viele Eltern können nicht helfen und stempeln dann noch die Fondsindustrie als böse ab. Initiativen wie „Handelsblattmacht Schule" und andere müssen intensiviert werden.

finanzwelt: Kommen wir noch einmal auf den Berater und seine Dienstleistung gegenüber dem Kunden zurück. Welche Funktion nimmt er heute ein und inwiefern hat sich der Berateralltag gewandelt? Welche Lösungen gibt es?

Haas: Beim Thema Geldanlage haben die Young Professionals einen großen Vorteil gegenüber dem Rest der Bevölkerung: Sie verfügen – nach eigenem Bekunden – über ein gutes Finanzwissen und informieren sich im Netz. Viele treffen Entscheidungen zu den persönlichen Finanzen ohne fremde Hilfe.

von Königsmarck: Es kommt verstärkt darauf an, dass der Berater die Art seiner eigenen Beratungsleistung dem veränderten Kundenverhalten anpasst und zunehmend als Sparringspartner eines stärker informierten Kunden agiert. Außerdem ist es wichtig, dass der Berater nicht nur eine Anlagestrategie gemäß den Bedürfnissen seines Kunden ermittelt und das Portfolio entsprechend zusammensetzt – er muss es darüber hinaus auch laufend betreuen.

Rau: Die Regulierung hat bis dato nicht gezeigt, dass die Beratungsleistung eine bessere geworden ist. Kundenbedürfnisse und deren Umsetzung klaffen zum Teil weit auseinander. Aufgrund des gestiegenen administrativen Aufwands ist die Verlockung groß, dem Investor standardisierte Lösungen anzubieten, obwohl Individualität gefragt ist. Nichtsdestotrotz suchen Berater nach Lösungen, um ihr Geschäftsmodell und die Beratungsleistung zu standardisieren. Strategieportfolios können hier ein probates Mittel sein.

Huttel: Dabei hat die Qualität der Beratung auch Auswirkung auf die Kundenbindung. Eine hohe Fachkompetenz, ein fester Ansprechpartner sowie eine vertrauensvolle, partnerschaftliche Zusammenarbeit sind extrem wichtig. Dem Berater hilft ein Clustern seiner Kunden, so dass er im konkreten Fall abwägen kann, zu wem eine standardisierte Lösung passt und wer individuell abgestimmte Konzepte braucht. Vermögensverwaltende Produkte sind in diesem Zusammenhang ein Schritt in die richtige Richtung. Ergänzend möchte ich noch anmerken, dass nach unserer Ansicht Fondsvergleiche wenig hilfreich sind, da der Investor sich in diesem Begriffsdschungel alleine wenig zurechtfinden kann.

von Königsmarck: Wir müssen die langfristigen Kundenbedürfnisse und damit den kontinuierlichen Kundenkontakt in den Fokus stellen. Das ist entscheidend für ein nachhaltiges Beratungsgeschäft. Für den Kunden muss klar ersichtlich sein, dass die Beratung einen ebenso kontinuierlichen Mehrwert liefert. Es muss eine fortlaufende Betreuung stattfinden in dem Sinne, dass die Zusammensetzung der Portfolien regelmäßig überprüft wird. Dies beinhaltet auch eventuelle Umschichtungen, sodass das gewählte Risikoprofil nicht verzerrt wird. Wenden Berater diesen Prozess an, haben sie ihr Geschäftsmodell nachhaltig gesichert.

Fazit
Die Beraterlandschaft muss ihre ureigenste Aufgabe, das Beraten der Investoren, seriös und fachmännisch wahrnehmen. Die Finanzbranche, insbesondere der Finanzvertrieb, kann einiges dafür tun, dass die Menschen selbstbewusst, aufgeklärt und ohne falsche Scheu und Bescheidenheit mit dem Thema umgehen. Davon profitieren letzten Endes beide: der Investor und die Fondsbranche.

(Das Gespräch führte Alexander Heftrich)
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