Alter! Was geht …?

Zertifikate eröffnen hier beste Anlagemöglichkeiten und Anlagestrategien, denn Zertifikate-Sparpläne eignen sich für diesen Zweck hervorragend. Hier paaren sich die von der Investment-Seite her altbekannten Vorteile einer regelmäßigen, meist festen monatlichen Sparrate mit den besonderen Möglichkeiten, die Zertifikate bieten.

Zwei Faktoren sind dabei vom Anleger vorab zu beachten: Das Zertifikat, z.B. ein Index-Zertifikat, muss auf einen Performance-Index laufen, es müssen also die Dividenden mit im Spiel sein. Ansonsten geht, vor allem bei dividendenstarken Werten bzw. Indices, der Zinseszinseffekt der Dividendenzahlungen verloren. Zum anderen ist bei einem solchen langfristig ausgelegten Sparplan von hoher Bedeutung, auf die absolute Qualität des Emittenten zu achten. Denn schließlich soll dieser auch in 20 oder sogar 30 Jahren noch solvent und nicht das Zertifikat wertlos sein.

Ganz wichtig ist die Auswahl des oder der richtigen Zertifikate. Das muss der Anleger sich nun entsprechend seinen Anlage-Intentionen auf den Leib schneidern. Angeboten werden von den Banken meist eine ganze Reihe von Index-Zertifikaten, Branchen- und Themen-Zertifikaten, oft auch Renten-Zertifikate sowie Strategie-Zertifikate und verschiedentlich auch Hedgefonds-Zertifikate.
Der Anleger selbst bleibt ständig liquide, da seine Zertifikate ja börsennotiert, also täglich veräußerbar sind. Allerdings sollte diese Flexibilität nicht zu spontanen Entnahmen – für ein neues Auto statt für das Alter – verleiten.


(Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband (DDV)

Chancen bei Erneuerbaren Energien

Als Initiator für Windenergie-Projekte sehen wir hier großes Potenzial für die Umsetzung und den Vertrieb weiterer Windparks. Die anhaltenden politischen Unklarheiten aber erschweren eine Planung in die Zukunft hinein. Investoren brauchen daher Lösungen, die sowohl auf die aktuelle Situation zugeschnitten sind als auch langfristig funktionieren.

Am etablierten Onshore-Standort Deutschland bieten vor allem die südlichen Bundesländer noch ausreichend Raum für die wirtschaftlich rentable Nutzung von Windkraft. Bayern beispielsweise verfügt mit 41 GW über das größte Flächenpotenzial für Windenergie in ganz Deutschland, wie der Bundesverband WindEnergie bestätigt. Zum Vergleich: Im für Windenergie bekannten Niedersachsen sind es nur 26 GW. Für eine rentable Windenergie-Erzeugung sorgen dabei die hohen mittleren Windgeschwindigkeiten. In Hochfranken, einer der windreichsten Regionen Bayerns, liegen sie auf Nabenhöhe bei durchschnittlich 6,0 m/s bis 6,8 m/s. Als Windenergie-Standort profitiert die Region darüber hinaus auch durch den großen gesellschaftlichen Rückhalt, wie erst kürzlich die Emnid-Umfrage „Akzeptanz der Windenergie im Landkreis Hof" bestätigte. Sie kam zu dem Ergebnis, dass nur ein Fünftel der Bewohner dem Thema Windkraft im Landkreis "negativ bis sehr negativ" gegenüber stehen.

Die mehrheitlich positive Haltung gegenüber dem weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien bekräftigt auch der Jahresreport Föderal-Erneuerbar 2013. So haben gut 75 % der bayerischen Bevölkerung keine Einwände gegen Erneuerbare-Energien-Anlagen in ihrer Nachbarschaft. In der Region zeigt sich folglich hohes Potenzial, die Energiewende hin zu einer nachhaltig verantwortlichen Energieversorgung auch tatsächlich umzusetzen.

Investoren profitieren über Beteiligungen am weiteren Windenergie-Ausbau, unterstützen das Vorankommen der Energiewende und können ihr Portfolio zudem mit einem nachhaltigen, rentablen Baustein diversifizieren.

(Autor: Ingo Grabowsky, Lacuna AG)
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Mehr als der Spatz in der Hand

Und nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre ist Anlegern der Spatz in der Hand erst recht mehr wert als die Taube auf dem Dach. Aber letztlich geht es um beides, den Spatz und die Taube – um regelmäßige Ausschüttungen oberhalb der Inflationsrate und Kapitalerhalt oder sogar -wachstum.

Welche Möglichkeiten gibt es, beides zu kombinieren? Und das in einem Umfeld, in dem die Zinsen bei klassischen Bareinlagen wie Tagesgeld und Co mittelfristig niedriger sind als die Inflation. Für Anleger, die bereit sind, einen Schritt weiter zu gehen auf der Risikoleiter, sind Anleihe- und Dividendenfonds die Alternative.
Im Niedrigzinsumfeld liegen die Dividenden weltweit oft über der Rendite von hochwertigen Unternehmensanleihen. Europäische Unternehmen haben beispielsweise eine durchschnittliche Dividendenrendite von rund 3,4 %. Auf lange Sicht machen Dividenden zudem einen großen Teil der Gesamtrendite von Aktien aus: Betrachtet man die Wertentwicklung der weltweiten Aktienmärkte seit den 1970er Jahren, tragen Dividenden rund 40 % des Wertzuwachses bei. Wer langfristig in Aktien gesunder Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und nachhaltiger Dividendenausschüttung investiert, kann darauf vertrauen, seine Investition zurückzubekommen. Und er profitiert dank Dividenden von Ausschüttungen, die über dem Zinsniveau von Investment Grade Anleihen liegen.

Bei Anleihen ist es daher sinnvoll, auf einen Mix aus verschiedenen Anleiheklassen zu setzen. Denn trotz Niedrigzinsumfeld bieten Anleihen gute Möglichkeiten, eine angemessene Rendite bei relativ hoher Sicherheit zu erzielen. Wichtig dafür sind eine globale Ausrichtung, eine breite Streuung über verschiedene Anleiheklassen hinweg – von Investment Grade, über Hochzins- bis hin zu inflationsindexierten Anleihen – und vor allem die laufende Anpassung des Anleihemixes an sich verändernde Märkte.

Im Idealfall kombinieren Anleger beides – Anleihen und Aktien. Hierfür gibt es Multi-Asset-Fonds, die speziell auf regelmäßige Ausschüttungen ausgerichtet sind. Sie bündeln bewährte Anlagestrategien und nutzen die unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Investment-Grade-Anleihen, Hochzinsanleihen oder Schwellenländeranleihen für eine möglichst stabile Wertentwicklung und konstante laufende Ausschüttungen. So bekommen Anleger beides: Den Spatz und die Taube.


(Autor: Claude Hellers, Leiter Retail und Wholesale Vertrieb von
Fidelity Worldwide Investment in Deutschland)
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Volatilität zwischen Ukraine-Krise und EZB-Politik

Dazu lohnt ein Blick auf den VDAX, der die erwartete Volatilität der Marktteilnehmer wiedergibt, die in einer fiktiven DAX-Option mit einer Restlaufzeit von 45 Tagen eingepreist wird. Während des bisherigen Ukraine-Konflikts ist dieser Volatilitätsindex in Phasen erhöhter Unsicherheiten sprunghaft in Richtung der 20 Prozentmarke angestiegen. Bei Anzeichen einer Deeskalation ist er dagegen wieder deutlich zurückgegangen. Bei politischen Risiken, wie dem Ukraine-Konflikt, handelt es sich um ein systematisches Risiko, das den gesamten Aktienmarkt in seiner Breite betrifft. Aus dieser Erkenntnis kann der Anleger einen wichtigen Zusammenhang ableiten: Ein Anstieg des VDAX signalisiert den Eintritt oder die Zuspitzung eines systematischen Risikos, das zumindest kurzfristig zu einer erhöhten Risikoaversion der Anleger führt.

Ganz im Unterschied dazu bewirkte die unkonventionelle US-Notenbankpolitik zunächst das Gegenteil: Mit dem Start des „Quantitative Easing III"-Programms im September 2012 ist der VDAX deutlich zurückgegangen. Erst nach der Ankündigung Ben Bernankes im Mai 2013, aus diesem Programm sukzessive auszusteigen, ist der VDAX wieder über die 20 Prozentmarke gesprungen. Aus dieser Beobachtung lässt sich für den Anleger ebenfalls ein wichtiger Zusammenhang ableiten: Eine expansive Geldpolitik der Notenbanken, die die Märkte komfortabel mit Liquidität ausstattet, begünstigt den Rückgang von Volatilität auch an den Aktienmärkten.

Wenn es nun in der Eurozone ein Anleiheaufkaufprogramm durch die EZB nach amerikanischem Vorbild gäbe, käme es zu einer interessanten Konstellation: Dreht Mario Draghi den Geldhahn weiter auf, würde dies durchaus für ein generell niedrigeres Volatilitätsniveau sprechen. Durch den fortdauernden Ukraine-Konflikt, in dem leider weitere Eskalationen nicht ausgeschlossen werden können, dürfte der VDAX dagegen immer wieder sprunghaft ansteigen. Antizyklisch-orientierte Anleger könnten sich in einem solchen Umfeld positionieren: sie könnten dann zugreifen, wenn ein systematisches Risiko, wie die Eskalation eines politischen Konflikts dafür sorgt, dass Aktienanlagen in einem insgesamt aktionärsfreundlichen geldpolitischen Umfeld vorübergehend billiger werden.

Von einer erhöhten Volatilität profitieren auch Discount-Zertifikate. Gerade in Zeiten, in denen der VDAX sprunghaft ansteigt, lohnt zusätzlich ein Blick auf Papiere mit längerer Restlaufzeit, die dem Anleger dann bei hohem Risikopuffer eine vergleichsweise attraktive Rendite bieten.

Doch Vorsicht: Noch ist nicht sicher, ob die EZB ein Staatsanleiheaufkaufprogramm in die Tat umsetzen wird. Sollten sich die Inflationsraten wieder berappeln, dann wird es ein Quantitative Easing in der Eurozone vermutlich nicht geben. Vor dem Hintergrund, dass jedoch auch künftige Ereignisse wie die Europawahl und die Präsidentschaftswahl in der Ukraine am 25. Mai 2014 zu einem erhöhten Volatilitätsniveau führen könnten, lohnt es sich aber, den VDAX im Blick zu behalten.

(Autor: Thomas Wüst, Geschäftsführer Valorvest Vermögensverwaltung)
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Deutschlands wankelmütige Rentenpolitik

Für die mittelfristigen wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands ist das kein gutes Zeichen.
Paradoxerweise könnte es jedoch dazu beitragen, die schwelende Eurokrise zu lindern. Die Einführung eines Mindestlohns und die Energiewende sind zwei Kostenfaktoren, die die deutsche Wirtschaft in der nächsten Zeit bewältigen muss. Die größte Herausforderung wird jedoch die Rentenreform sein, nach der Arbeitnehmende mit 45 Beitragsjahren künftig mit 63 in Rente gehen können. Dies ist eine 180-Grad-Wende zur letzten Reform, mit der das Rentenalter erst vor sieben Jahren von 65 auf 67 angehoben wurde.

Meiner Meinung nach ist diese Reform aus mehreren Gründen eigenartig. Erstens zeigt sie wieder einmal die beinahe karikaturistische Kurzsichtigkeit einiger Politiker. Hier könnte man den Hinweis aus unseren Research-Publikationen zitieren: „Die Entwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für die zukünftige Performance". Nur weil die deutsche Wirtschaft in den letzten Jahren ein gutes Wachstum erzielt und andere Länder in der Eurozone übertroffen hat, heißt das noch nicht, dass sie das weiterhin kann. Nur weil sich Deutschland in den letzten zehn Jahren vom „kranken Mann Europas" zu einer „Exportmacht" gewandelt hat, heißt das nicht, dass das Land diesen Status halten kann. Im Gegenteil: Es ist viel wahrscheinlicher, dass die Rücknahme von Reformen, die es so erfolgreich gemacht haben, den Erfolg zunichte macht.

Zweitens erscheinen die Staatsfinanzen und die Schuldensituation Deutschlands wesentlich besser als die Situation vieler anderer Industrieländer. Mit einer Verschuldungsquote von rund 80 % des BIP liegt Deutschland in der G7-Gruppe in Führung. Andererseits liegt der Wert von 80 % um 20 Prozentpunkte über der im Maastricht-Vertrag (erinnern Sie sich?) festgelegten Obergrenze für den Beitritt zur Eurozone. Zudem sind in diesen 80 % die nicht gedeckten Verpflichtungen des Staats, also alle Versprechungen in dem Gesetz, deren Finanzierung nicht gesichert ist, noch nicht berücksichtigt.
Staatliche Pensionskassen von Ländern mit ungünstiger Bevölkerungsstruktur fallen definitiv in diese Kategorie. In dieser Hinsicht steht Deutschland sehr schlecht da. Mit einem Medianalter von 46,3 Jahren hat das Land jetzt schon die zweitälteste Bevölkerung der Welt (gleich hinter Japan).
UNO-Prognosen zufolge wird dieses Medianalter in den nächsten zwei Jahrzehnten auf 50 steigen, während die Bevölkerung Deutschlands um rund 5 Millionen schrumpfen wird. Der Altersabhängigkeitsquotient (das prozentuale Verhältnis der über 65-Jährigen zur Altersgruppe zwischen 20 und 64) wird bis dahin von heute 35,3 % auf 60,2 % steigen. Man braucht keinen Doktortitel in Volkswirtschaft, um zu verstehen, dass die ungedeckten Verpflichtungen des deutschen Staats mit dieser Reform in die Höhe schießen.

Nicht zuletzt ist da noch die Frage der Führungsrolle Deutschlands in der aktuellen Eurokrise. In fast allen Managementschriften heißt es, dass „Führung durch Vorbild" die beste Methode sei, um andere zu motivieren. Wasser predigen und Wein trinken führt dagegen zu ernsthaften Problemen und kontraproduktivem Verhalten.
Wie kann Deutschland dem Rest Europas Sparmaßnahmen predigen, wenn es sich nicht an seine eigenen Regeln hält? Immerhin hat das Ganze aber wenigstens einen positiven Aspekt. Eine der Hauptursachen für die Eurokrise ist die Heterogenität der Länder in der Eurozone in Bezug auf das Sozialwesen und das Arbeitsrecht. Die EU ist wie eine Klasse mit einem Musterschüler und vielen Sitzenbleibern. Um die nötige Homogenität zu erreichen, müssen sich entweder die schlechten Schüler gewaltig anstrengen, oder der Musterschüler muss zum Mittelmaß abrutschen. Es ist klar zu sehen, was hier passiert.

(Autor: Dr. Andreas Höfert, Chefökonom, Regional CIO Europa, UBS AG)
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Kängurus springen weit

Australien ist weit weg und wird aus Europa leicht übersehen. Zu Unrecht, denn der australische Aktienmarkt bietet Vorzüge, die deutsche Anleger zuhause oft vermissen. Wir sprechen die Gründe für die Zurückhaltung an und geben Einblick, wie gerade auch konservative Anleger aktuell profitieren können.
Australien, Nummer 12 unter den größten Volkswirtschaften der Welt, noch vor Spanien, Südkorea oder der Türkei. Und es ist unter den Top 10 weltweit nach der Aktienmarktkapitalisierung. Dennoch genießt das Land wenig Beachtung bei Deutschlands Anlegern. Nur etwa 10 Aktienfonds stehen für Down Under zur Verfügung. Doch häufig finden sich die attraktivsten Anlagen gerade dort wo die Anleger nicht so genau hinschauen.

Der australische Aktienmarkt ist vergleichsweise konservativ. Langfristig wie auch kurzefristig sind die Schwankungen deutlich niedriger, fallen die Drawdowns geringer aus als beispielsweise für den deutschen oder den globalen Aktienmarkt. So betrug etwa der Rückgang des DAX vom Frühjahr 2001 bis Herbst 2012 über 50 %. Der All Ordinaries fiel dagegen um gerade einmal zehn Prozent. Auch in der Finanzkrise 2008/2009 waren Australiens Aktien deutlich weniger betroffen.
Deutlichen Schwankungen unterliegt dagegen der Australische Dollar gegenüber dem Euro. So verlor der AU-Dollar seit Mitte 2012 etwa ein Drittel seines Wertes. Allerdings war er in den zehn Jahren davor um fast 100 % gestiegen, so dass unterm Strich langfristig immer noch ein erheblicher Währungsgewinn bleibt.

Die Entwicklung des australischen Aktienmarktes verläuft ruhiger und beständiger als die Börse in Deutschland oder der Weltaktienmarkt. In den vergangenen Jahren entwickelte er sich aber auch weniger dynamisch aufwärts.Während allerdings zuletzt die Börsen in Deutschland oder den USA an alten Höchstständen scheiterten und die Rückschlaggefahr wächst, konnte Australien charttechnische Widerstandszonen überwinden. Damit ergibt sich aktuell attraktives Potential, zunächst zumindest bis zu den alten Höchstständen von 2007.

Unser Analysen der letzten 20 Jahre zeigen: Auch in Australien gibt es eine einfache Methodik mit der sich dauerhaft attraktive Renditen erzielen lassen. Schwankungsarme, dividendenstarke Value-Aktien erzielen höhere Renditen bei geringeren Risiken. So haben die 20 % Aktien mit der geringsten Volatilität oder mit der höchsten Dividendenrendite durchschnittlich eine mehr als doppelt so hohe Rendite ermöglicht, nämlich ca. plus zehn Prozent statt plus vier. Zugleich nahmen die jährliche Verlustgefahr und das Ausmaß der höchsten zwischenzeitlichen Rückschläge erheblich ab.
Berücksichtigen wir zudem, dass der AU-Dollar auf einer Marke um die 1,50 AU-Dollar/Euro aktuell ein sehr niedriges Niveau erreicht hat, stellen australische Aktien mit dieser konservativen Strategie derzeit wohl einer der attraktivsten Aktienmärkte weltweit dar.

(Autor: Dr. Ekkehard J. Wiek, Vermögensverwalter und Asien-Fondsmanager, W&M Wealth Managers (Asia) Pte Ltd. in Singapur)
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Target2-Securities: Innovationstreiber oder Konsolidierungsdruck?

Mit der sogenannten „Single Settlement Engine for Europe" wird eine zunehmende Harmonisierung von bestehenden Infrastrukturen und gelebten Marktpraktiken vorangetrieben. All dies bleibt allerdings nicht vollkommen ohne Konsequenzen für die derzeitigen Marktteilnehmer. Der Drang zu einer grenzüberschreitenden Standardisierung bringt auch neue Anforderungen mit sich – wie bspw. an das Message System (SWIFT oder SIA & Colt), die Settlementzeiten (außerhalb von Deutschland gilt häufig noch T+3), die Übertragung von Sicherheiten sowie die Form der technischen Anbindungen an die T2S-Platform. Die Konsequenzen daraus sind nicht immer sofort ersichtlich. Klar ist allerdings: Die Harmonisierungsbestrebungen erhöhen den Konsolidierungsdruck am Markt für Abwicklungsinstitute. Steigende Kosten für die technische Infrastruktur und neue prozessuale Anforderungen erhöhen interne Kosten für die Abwicklung und Übertragung von Wertpapieren. Ferner wird seitens der EZB ein Gebührenmodell für die Einführungsperiode von T2S fest vorgeschrieben, welches es gilt, in die eigene Gebührenstruktur zu integrieren. Abwicklungsinstitute sollten sich überlegen, inwieweit diese Gebühren dazu führen, den Kunden ein neues Modell zu offerieren.

Abwicklungsinstitute, die sich bisher auf den lokalen Markt fokussiert haben, müssen sich Nischen suchen, um durch einen Know-how-Vorsprung bestehende Marktanteile halten zu können. Dennoch ist insbesondere bei den kleinen Instituten derzeit noch eine starke Zurückhaltung zu verzeichnen. Obgleich hier Synergien zu weiteren Investor-Services wie die Abwicklung von Kapitalmaßnahmen (new standards of „Corporate Action Working Group") oder Derivate-Produkten („European Market Infrastructure Regulation") durchaus für spezialisierte Anbieter mit individualisierbaren Lösungen sprechen.

Global agierende Institute können durch die neue T2S-Platform deren Vorteile weiter ausbauen. Hierzu zählen insbesondere die Reduzierung von Abwicklungskosten durch automatisierte Abwicklungsprozesse und Skaleneffekte sowie der länderübergreifende Transfer von Sicherheiten. Ferner ermöglicht T2S ein Abbau vorhandener Liquiditäts- sowie Settlementrisiken und damit eine Entlastung des Eigenkapitals − wie nach Basel II verlangt.

IT-Infrastruktur und Prozesse in der Wertpapierabwicklung gilt es stärker hinsichtlich Innovation und Effizienz auf den Prüfstand zu stellen – anderenfalls wird die Umsetzung von T2S in den nächsten Jahren eine deutliche Marktkonsolidierung erwirken. In anderen Märkten ist dies bereits zur Realität geworden. Während den Abwicklungsmarkt der USA noch wenige Institute dominieren, gibt es in Großbritannien derzeit keinen erwähnenswerten Anbieter mehr. In Europa (außer GB) hingegen zählen derzeit noch eine hohe zweistellige Anzahl an Instituten zu dem Markt der Abwicklungs- und Custody-Services. Insbesondere bei den Ver-wahrstellen werden wir mit T2S einen Verdrängungswettbewerb erleben. Effiziente Geschäftsmodelle werden dabei den Vorrang bekommen und kleine und mittlere Verwahrer vom Markt verschwinden.
Der Countdown läuft! Banken mit Sitz in Deutschland müssen sich bis Mitte 2015 über die Wahl der Anbindung entscheiden. Institute sind gut beraten, sich jetzt über die individuellen Auswirkungen von T2S auf das bestehende Geschäftsmodell die notwendigen Gedanken zu machen, um den Veränderungen aktiv zu begegnen.


(Autor: Norman Nehls, Senior Manager der Severn Consultancy GmbH)
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Schwellenländer – wohin geht die Reise

Damit Aktienengagements in den Schwellenländern nicht zu einem Trauerspiel für den Anleger werden, ist nun eine differenzierte Betrachtung der Märkte wichtig.
Im vergangenen Jahr war Ben Bernanke Ende Mai mit seiner plausiblen Ankündigung, das US-Anleihenkaufprogramm der FED auch einmal wieder zu beenden, der unfreiwillige Geburtshelfer einer neuen Schwellenländer-Generation: den „fragilen Fünf". Nachdem Abkürzungen wie BRICS, MIST und NEXT 11 von Jim O´Neill von Goldman Sachs geprägt wurden, war nun Morgan Stanley an der Reihe und identifizierte Brasilien, Indonesien, Indien, die Türkei und Südafrika als die „fragilen Fünf". Dabei bezog sich die Analyse von Morgan Stanley auf die Devisenmärkte. Es wurden Schwellenländer identifiziert, die aufgrund ihres Leistungsbilanzdefizits am stärksten unter dem Kapitalabfluss gelitten hatten, der nach der Ankündigung Bernankes eingetreten war.

Die direkte Folge des Kapitalabflusses bei den „fragilen Fünf" war 2013 eine kräftige Abwertung der jeweiligen Landeswährung, wodurch sich in diesen Ländern der Effekt der importierten Inflation verstärkt hat. Um diese negativen Effekte zu bekämpfen, wurden in den betroffenen Ländern die Leitzinsen deutlich angehoben und Devisenmarktreserven für Stützungskäufe in der eigenen Währung eingesetzt. Steigende Zinsen sind allerdings Gift für die Wirtschaft und schwindende Devisenmarktreserven machen die Länder noch krisenanfälliger – ein potenzieller Teufelskreis.
Die Gesetze des Finanzmarktes sind in solchen Situationen schonungslos und Warren Buffet prägte in diesem Zusammenhang die Börsenweisheit: Wenn die Ebbe kommt, zeigt sich, wer nackt baden war. Wenn das Vertrauen der Anleger schwindet und Liquidität abgezogen wird, treten Schwächen sehr schnell zu Tage. Auch in der Eurokrise wurde rückblickend sehr schnell offenkundig, welche Länder über ihre wirtschaftlichen Verhältnisse gelebt hatten. Im Unterschied zu der Eurokrise haben aber die Schwellenländer zur Krisenbewältigung einen großen Vorteil: einen flexiblen Wechselkurs.

Daher lohnt es sich nun, die Schwellenländer – jenseits der Abkürzungen – sehr differenziert zu betrachten. Vor dem Hintergrund der jüngsten Devisenmarktentwicklungen haben nun insbesondere Länder mit einem interessanten Exportpotenzial die Chance, gestärkt aus der aktuellen Situation hervorzugehen, zumal diese Volkswirtschaften auch von einem möglichen konjunkturellen Aufschwung in den USA und der Eurozone profitieren werden. Bei einer solchen Analyse fällt der Blick dann auf Länder wie Taiwan oder Thailand, die in keiner der modisch geprägten Abkürzungen enthalten sind. Und wer als antizyklischer Investor auf der Suche nach Aktienmärkten mit einer niedrigen Bewertung ist, wird derzeit nicht mehr in den Industrienationen, sondern eben in ausgewählten Schwellenländern, wie Südkorea aber auch in Russland, Brasilien oder China fündig.
Die jüngsten Ereignisse rund um Russland machen jedoch deutlich, dass bei Schwellenländer-Investments politische Risiken, die auch aus bevorstehenden Wahlen in einigen Ländern resultieren können, beachtet werden müssen. Sicherlich ist eine wichtige Erkenntnis aus dem Krim-Konflikt, dass die Globalisierung der Weltwirtschaft das zusammenhält, was politisch nicht unbedingt zusammengehört. So ist das politische Verhältnis zwischen Europa und Russland durch den Krim-Konflikt aktuell stark gestört; die Gaslieferungen werden aber weiterhin sowohl von den Europäern zur Energieversorgung als auch von den Russen als wichtige Einnahmequelle benötigt.

Fazit:
Aktienengagements in Schwellenländern sollten jenseits der vorhandenen Abkürzungen differenziert betrachtet werden. Aufgrund ihres höheren Risikogehalts sollten Schwellenländerengagements jedoch nur zur Depotbeimischung eingesetzt werden – idealerweise über Fonds, die sich nicht restriktiv an ein BRICS-,MIST- oder NEXT 11-Anlageuniversum halten müssen. Unter diesen Voraussetzungen bieten ausgesuchte Schwellenländer jedoch eine interessante Einstiegschance in Aktienmärkte mit aussichtsreichen Perspektiven bei einer attraktiven Bewertung. Durch die Globalisierung können aus Fragezeichen dann schnell wieder Ausrufezeichen werden!

(Autor: Thomas Wüst, Geschäftsführer Valorvest Vermögensverwaltung)

DAX und ESTOXX50 – Geht ihnen die Energie aus?

Die Krim-Krise überschattet derzeit die europäischen Märkte. Russlands Wirtschaft ist mit der EU deutlich stärker verflochten als mit amerikanischen Unternehmen. Ein Indiz dafür sind die jüngsten Draw-Downs bei den Indices – der ESTOXX 50 büßte 6, der DAX 7 und der S&P500 lediglich 3 % von ihren Hochs in 2014 ein.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Krise dürften Russland stärker treffen als die EU, da Russlands Exporte in die EU laut ifo Institut 15, aber vice versa nur 1 % des BIPs betragen. Trotzdem wäre eine Entwarnung für die europäischen Finanzmärkte verfrüht. Die Ingangsetzung der gefürchteten Sanktionsspirale könnte energieintensive Unternehmen in Deutschland und der EU besonders hart treffen. Derzeit werden 40 % des Gas- sowie 35 % des Ölbedarfs aus Russland importiert. Weiterhin würden Firmen mit hoher Exportorientierung nach Osteuropa unter einer verschärften Krise leiden. Dies beträfe weniger den Nachfragerückgang, sondern eher etwaige Währungsverluste. Gerade die Vorzeigebranchen der deutschen Industrie wären besonders gefährdet, da sie knapp 60 % ihrer Güter- und Dienstleistungen nach Russland exportieren. Hierzu gehören der Maschinenbau sowie die Automobil- und Chemiebranche. Dies könnte den DAX gewaltig ins Trudeln bringen, da allein die drei großen DAX-Automobilwerte knapp 15 % Gewicht auf die Waage bringen.

Der ESTOXX50 wäre daher für den vorsichtigeren Anleger die solidere Alternative.
Neben der Krim-Krise dürfte der weiterhin starke Euro eine Belastung für die heimischen Unternehmen sein. Mit Notierungen über 1,35 USD/EUR ist in den schwachen Ländern der Euro-Zone die Schmerzgrenze überschritten. Der Ausblick der Volkswirte gibt keinen Anlass für einen starken Euro. Zwar wird sich die Wirtschaft in 2014 noch leicht beschleunigen, danach lässt sich der Trend aber nicht fortsetzen. Ein stärkeres Wachstum durch eine Exportausweitung dürfte aufgrund der derzeitigen Euro-Notierungen sehr unwahrscheinlich sein, die Binnennachfrage bleibt vermutlich zukünftig bestenfalls durchschnittlich. Dies könnte die EZB auf den Plan rufen, um mit einer expansiveren Geldpolitik die Euro-Stärke einzudämmen. Der viel diskutierte negative Einlagenzins könnte helfen, um den Euro in die gewünschte Richtung zu drücken. Als Folge dessen sollten europäische Börsen kurzfristig weiter haussieren, da sich immer mehr Anleger im Aktienbereich engagieren. Hier weist Europa ein immer noch attraktives Bewertungsverhältnis auf.

Summa summarum sollte es weiterhin volatil bei den genannten Indizes zugehen. Insbesondere der DAX könnte aufgrund seiner Branchenzusammensetzung stärker ins Wanken geraten. Mutige Anleger können bei Kursrücksetzern zugreifen, um anschließend von einer geldpolitischen Lockerung und einer Entspannung der politischen Lage besonders zu profitieren. Der Investor sollte sich allerdings im Klaren sein, dass die Notenbanken bei Krisen nicht immer als „lender of last resort" fungieren werden und können.


(Autor: Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions GmbH)
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Sorgenfreie Baufinanzierung

Eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital wird auch Vollfinanzierung oder 110-Prozent-Finanzierung genannt. Mittlerweile wird diese Finanzierungsform, bei welcher neben dem Kaufpreis auch die Nebenkosten für Notar und Makler mitfinanziert werden können, von zahlreichen Banken angeboten.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Das Bauvorhaben oder der Kauf einer Immobilie kann sofort umgesetzt werden ohne dass der zukünftige Eigentümer jahrelang sparen muss um Eigenkapital einzubringen. Die Vollfinanzierung eignet sich besonders für Personen mit gesicherten Einkommensverhältnissen, die eine sehr gute Bonität aufweisen.
Darüber hinaus sind die Beschaffenheit und die Lage der Immobilie für die Vergabe einer Vollfinanzierung maßgeblich, da die Immobilie eine Kreditsicherheit für die Bank darstellt. Die Finanzierung ohne Eigenkapital bringt allerdings auch zahlreiche Nachteile mit sich. So verlangen die Banken höhere Zinsen, da das Kreditinstitut ein höheres Risiko trägt. Der Zinsaufwand ist für den Kreditnehmer über die gesamte Laufzeit deutlich höher als bei einer Finanzierung mit Eigenkapitalanteil. So könnte sich der Kauf der Immobilie unter Berücksichtigung der Zinskosten als teuer herausstellen. In diesem Zusammenhang ist es ratsam den Tilgungsanteil der monatlichen Raten nicht zu niedrig anzusetzen, damit über eine zügige Kreditrückführung die Zinsen nicht so lange zum Tragen kommen. Die monatliche Rate sollte dabei aber die Belastbarkeitsgrenze der Darlehensnehmer nicht überschreiten und finanziellen Spielraum lassen. Die persönliche monatliche Belastbarkeit ist durch eine realistische Haushaltsrechnung zu bestimmen.

Entscheidend ist, dass der Traum der eigenen Immobilie nicht schön gerechnet wird und den Kreditnehmer beim Auftreten unvorhersehbarer Ausgaben in Zahlungsschwierigkeiten bringt.
Zusammenfassend können wir feststellen, dass der Traum der eigenen vier Wände unter bestimmten Voraussetzungen auch mit wenig Eigenkapital realisierbar ist. Dennoch raten wir grundsätzlich zu einem Eigenkapitalanteil von mindestens 20 % des Kaufpreises. Die Beratung durch einen unabhängigen Baufinanzierungsberater stellt bei der Ausgestaltung der Finanzierung, den Zinskonditionen und der Finanzplanung einen signifikanten Mehrwert dar, so dass der Traum der eigenen Immobilie nicht zum Albtraum wird.

(Autor: Manuel Peiffer, GVS Financial Solutions GmbH)
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