Es ist an der Zeit mit einem Klischee aufzuräumen.

Wir können nicht unser Publikum beleidigen und darauf hoffen, dass man uns wegen der glänzend gebürsteten Schuhe und des akkuraten Haarschnitts schon verzeihen wird. Wir können beim Bewerbungsgespräch ebenso wenig wie bei der Präsentation vor dem Klienten erwarten, dass man uns den Vorzug vor dem Mitbewerber gibt, nur weil wir erfreulicherweise angenehm riechen und ein gebügeltes Hemd tragen.

Nein, verehrte Damen und Herren, so einfach ist es leider nicht. Enttäuscht? Ich vermute: eher nein. Insgeheim wissen wir doch, dass „Kleider machen Leute" eine Binsenweisheit ist, die nur so lange trägt, wie das geneigte Publikum sich von der glänzenden Hülle blenden lässt. Wer aber jetzt schon die zerrissene Jeans hervorholen wollte, das Jackett mit den Applikationen an den Ellenbogen oder die abgelatschten Schuhe, dem sei jedoch auch dieser Zahn gezogen: Auf eine runde Gesamterscheinung kommt es an, das ist doch klar! Dresscode und Style zahlen aber die Miete nicht allein, gehören aber dennoch dazu.

Welcher Kragen passt zu welchem Krawattenknoten, zu welcher Gesichtsform, zu welchem Anzug, und andererseits: Wann wird Gürtel, wann Weste, wann Hosenträger getragen, was ist Trend und wann darf man den Trend brechen? Die Details sind das A & O. Und eines ist sicher: Je höher in der Hierarchie, desto strenger die Regeln. Ob Politiker, TV-Moderatoren, Spitzenmanager – mittlerweile werden alle professionell beraten, die sich öffentlich zeigen. Meiner Meinung nach ein Riesenfehler. Nicht, dass exponierte Personen sich professionell beraten lassen. Nein, das kann ich nur gutheißen – ist ja letztlich auch gut für mein Geschäft. Was ich für einen Fehler halte: Interner und externer Dresscode sind immer noch viel zu oft strikt getrennt. Da schlurft einer in den in völlig verwatzten Klammotten ins Büro – Macht ja nix: „Wir haben eigentlich kaum Kundenverkehr bei uns im Haus". Ich kenne einen Fall, da ist der Counter-Assistant einer Autovermietung tatsächlich kurz nach Hause gerannt um sich eine Krawatte zu holen, wenn die Geschäftsführung ihren Besuch ankündigte.

Als wäre der Dresscode eine Verkleidung, die ich mal eben überziehe, wenn ich kurz mal „Business Woman" spielen muss. Mal ganz im Ernst: Viele von uns arbeiten mehr Stunden in der Woche als sie ihre Kinder sehen, Bücher lesen und Yoga machen zusammen. Da sollten doch Dresscode & Style im Business zumindest so viel mit uns zu tun haben, dass wir nicht sofort das Bedürfnis haben alles von uns zu schmeißen, wenn uns gerade keiner sieht der uns feuern oder den Urlaub kürzen kann. Zu Hause auf der Couch passt die Strickjacke dann ja auch wieder hin.

Sabina Wachtel,
Gründerin des Labels ManagerOutfit

Eine Woche für Überraschungen

Die Reaktion der internationalen Finanz- und Kapitalmärkte auf dieses neuste Kapital der griechischen (Wirtschafts-)Tragödie fiel zwar erwartungsgemäss negativ aus, hielt sich jedoch im Rahmen. Der Wechselkurs des Euro gegenüber dem Dollar – eine Art Fiebermesser für die Ängste rund um die Euro-Schuldenkrise – notierte im Verlauf des Montags nur unwesentlich schwächer als noch am letzten Freitag. Blickt man zu den anderen Sorgenkindern in der Euro-Peripherie, so sind die Renditen von Italien und Spanien zwar ebenfalls markant angestiegen, die Zinsen liegen jedoch noch immer unter dem Niveau von Mitte Juni. Von Panik kann also keine Rede sein. Zu lange dauern die Schwierigkeiten um Griechenland schon an, als dass diese die Investoren noch gross überraschen können. Damit tut sich aber auch die Möglichkeit auf, dass die Probleme der Griechen zwar weiterhin die Schlagzeilen beherrschen – aber möglicherweise nicht mehr die internationalen Finanz- und Kapitalmärkte. Wenn aber Erstaunen resp. Konsternation über diese griechische Tragödie nachlässt, können sich zwischenzeitlich vergessene Themen wieder in den Vordergrund schieben.

Eines dieser Themen liegt auf der anderen Seite des Atlantiks. Die Zentralbank der USA, das Federal Reserve liess sich an seiner Sitzung Mitte Juni nicht in die Karten blicken und wiederholte die altbekannte Position: Man fasse einen ersten Zinsschritt im Verlaufe der zweiten Jahreshälfte ins Auge, sollte sich die Konjunktur der amerikanischen Wirtschaft und der Arbeitsmarkt weiter verbessern. In den letzten Wochen begann sich langsam abzuzeichnen, dass sich die USA tatsächlich von ihrem Schwächeanfall im Frühjahr erholen. Diese Entwicklung kann in dieser Woche eine weitere wichtige Unterstützung erfahren. Am Donnerstag erscheint der US-Arbeitsmarktbericht für den Juni. Fällt dieser stark aus, könnte das den Markt überzeugen, dass die Vorsitzende des Federal Reserves Janet Yellen tatsächlich bereit ist, die Zinsen zu erhöhen und nicht nur darüber zu reden. Die Chancen auf einen erfreulichen Arbeitsmarkt stehen nicht schlecht. Die wöchentlich erhobenen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe verharrten im Juni auf einem sehr tiefen Niveau und lassen auf eine weitere Verbesserung in der US-Beschäftigung hoffen. Ein starker US-Arbeitsmarkt könnte damit zur eigentlichen Überraschung der Woche werden und damit auch die Spekulationen um das Referendum in Griechenland in den Schatten stellen.


Autor: Alessandro Bee, Ökonom, Bank J. Safra Sarasin AG

Strategischer Portfoliobestandteil oder lediglich taktische Positionen?

Seit der Finanzkrise 2008 / 2009 scheint die Entwicklung in den Emerging Markets nicht mehr so dynamisch und finanziell lukrativ zu sein wie in den Jahren davor. Es gibt vielfältige Gründe dafür: fallende Rohstoffpreise, politische Instabilität, Korruption, ineffiziente Verwaltung, steigende Inflation und Leistungsbilanzdefizite.

Als Folge gab es stärkere Mittelabflüsse und die Börsen der Schwellenländer entwickelten sich deutlich schlechter im Vergleich zu den Industriestaaten. Die „Underperformance" über die letzten fünf Jahre liegt aktuell bei ca. 63 Prozent! Fazit: Die Schwellenländer sind in der Gunst der Anleger weit zurückgefallen.

Aber genau dieser Umstand macht die Emerging Markets auch wieder interessant. Das Sentiment ist negativ, die fundamentalen Bewertungen sind attraktiv und die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern sich. Auch das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit stehen zunehmend auf der Agenda. Darüber hinaus ist es gerade auch aus dem Aspekt der Risikostreuung und Chancenwahrung wichtig, nicht nur in Industriestaaten zu investieren – lege nicht alle Eier in einen Korb. Interessante Länder sind unseres Erachtens zur Zeit Indien, Indonesien, Südafrika und China. Aber auch die unbeliebten Regionen Russland und Brasilien können zukünftig wieder attraktiver werden.

Für den chancenorientierten Anleger bedeutet dies, diese Regionen unbedingt in einem international mit guter Qualität versehenen Portfolio zu berücksichtigen – aber nicht nur ein Land, sondern am Besten einen oder mehrere aktiv verwaltete Emerging Market Fonds, die je nach Marktlage in die attraktivsten Länder und Aktien investieren können.


Autor: Michael Piesche, UNIKAT Vermögensverwaltung GmbH
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Folgen verfassungswidriger Steuergesetze

Diese Aussage des BVerfG aus seinem Erbschaftssteuerurteil läßt sich durchaus verallgemeinern. Was in diesem Zusammenhang zu beachten ist , ist Gegenstand dieses Beitrages.

Es ist immer wieder anzutreffen, daß steuerorientierte Gestaltungen von Finanzämtern nicht anerkannt werden und es deshalb zu erheblichen Steuernachforderungen kommt, auch rückwirkend. Dies wird nicht selten von steuerstrafrechtlichen Ermittlungsmaßnahmen begleitet, die ruf- und imageschädigend sich in den Medien wiederfinden. Der Eindruck, der zurückbleibt, ist der, als ob Finanzämter bzw. Staatsanwaltschaften entscheiden, was Maßstab für rechtmäßiges Verhalten von Steuerpflichtigen ist. Dem ist nicht so.


Lesen Sie den kompletten Beitrag im Downloadbereich!



Dr. Klaus-R. Wagner Rechtsanwalt und Notar, Fachanwalt für Steuerrecht

Notenbankpolitik USA

Seit Wochen hängt der Markt an den Lippen der Notenbank-Chefin Janet Yellen, wann sie nun endlich die erste Zinserhöhung ankündigt. Derweil überraschen die Konjunkturdaten mehrheitlich positiv und zeigen, dass die US-Wirtschaft wieder auf einen soliden Wachstumskurs zurückkehrt. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt, einem für die Notenbank wichtigem Kriterium geht es weiter aufwärts. Für die Zentralbanker spricht daher viel dafür, dass sich die Inflation mittelfristig graduell in Richtung zwei Prozent bewegt.

Den genauen Zeitpunkt ließ Fed-Chefin Yellen jedoch weiter offen. Sie hat dabei wohl nicht nur die US-Wirtschaft, sondern auch die Entwicklung in Europa im Auge sowie die Tatsache, dass die Notenbanken Europas und Japans weiter eine expansive Geldpolitik betreiben.

Die 17 Mitglieder des Offenmarktauschusses rechnen laut einer Auswertung im Mittel mit einem Zins von 0,675 Prozent zum Jahresende. Damit würde die Fed zwei Zinsanhebungen in diesem Jahr vorbereiten. Beobachter stellen sich deshalb nun auf eine erste Zinserhöhung im September sowie eine weitere im Dezember ein. Da Yellen versicherte, die Zinswende ruhig angehen zu lassen, reagiert der Aktienmarkt bisher gelassen. Im Gegensatz zum DAX in Deutschland haben amerikanische Aktien bisher kaum korrigiert. Aber auch der Euro hat gegenüber dem Dollar wieder angezogen. Die Rutschpartie war bei 1,04 erst mal beendet.

Mit der offenen Kommunikation und dem voraussichtlichen Zins-Fahrplan der Fed kann die Börse erst mal gut leben. Kurzfristig besteht somit keine größere Gefahr für einen Abbruch der mittelfristigen Aufwärtstrends. Ein Blick in die Geschichtsbücher offenbart sogar, dass zum Beispiel der deutsche Aktienmarkt nur kurzfristig negativ auf eine Leitzinswende in den USA reagiert hat, danach aber seine Aufwärtsbewegung fast immer fortgesetzt hat. Doch je mehr das Zinsniveau ansteigen sollte, desto schwieriger wird natürlich die aktuell bereits relativ hohe Aktienbewertung besonders in den USA zu rechtfertigen sein. So werden die Marktteilnehmer auch in Zukunft mit Argusaugen auf jede Formulierung von Yellen achten.


Autor: Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München

Die Griechenlandkrise verstellt den Blick auf andere Themen

Auf höchster politischer europäischer Ebene wird darüber beraten, ob Athen seine Staatsfinanzierung über kurzfristige Anleihen ausdehnen darf oder nicht - oder ob griechische Gelder im Bankenrettungsfonds auch für den griechischen Staatshaushalt verwendet werden dürfen. Parallel gibt die EZB, auch auf höchster Ebene, immer neue Notkredite für griechische Banken frei. In der vergangenen Woche alleine wurde der Rahmen schon vier Mal erhöht. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Entscheidungen stellt sich natürlich weiterhin – jedoch mehrt sich auch die Sorge, ob nicht andere wichtige(re) Themen auf höchster Ebene auf der Strecke bleiben.

Politische Ressourcen fehlen an anderer Stelle

Die Kosten der griechischen Durchwurstelei kann sich Europa noch lange leisten, doch die dauerhafte Bindung bedeutender politischen Ressourcen an das Griechenland-Thema kann teuer kommen. Diese Ressourcen fehlen aktuelle zum Beispiel bei der Ausarbeitung von diplomatischen Vorschlägen für den Ukraine-Konflikt oder bei den Beratungen zur Flüchtlingsproblematik oder auch beim Thema Freihandelszone mit den USA. Diese Themen spielen für Europas Schicksal möglicherweise eine größere Rolle als die komplette Grexit-Problematik – mit welchem Ausgang auch immer.

Fehlende Perspektiven verunsichern die Wirtschaft. Verunsicherung bedeutet Stillstand. Der zweite Rückgang des Ifo-Indexes in Folge zeigt die Stimmung an. Sie ist zögerlich und wird dem DAX zu keinem Höhenflug verhelfen, wie auch immer die nächste (kurzfristige) Griechenland-Lösung aussieht. Deshalb wäre es umso wichtiger, die entsprechenden Beratungen auf niedrigere Ebene zu verlagern. Das würde auch der wirtschaftlichen Bedeutung Griechenlands entsprechen. Doch dazu wird es nicht kommen.


Autor: Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK
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Verkaufen Sie Vertrauen!

Noch viel wichtiger ist allerdings Kompetenz. Damit meine ich nicht nur die umfassende Kenntnis der eigenen Produkte, sondern auch ein fundiertes Wissen darüber, was sich in der Branche tut, was beispielsweise die Konkurrenz zu bieten hat. Auskünfte zu all diesen Themen sollten Sie im Schlaf geben können. Falls es hier hakt, wie steht es mit Ihrer Bereitschaft zur Weiterbildung?

Schauen Sie auch ruhig über den Tellerrand Ihrer Branche und lesen Sie gelegentlich einmal eine Statistik oder die Auswertung relevanter soziologischer Forschungen. Daraus können Sie gegebenenfalls neue Kunden-Bedürfnisse erkennen oder Sie verstehen besser, was beim Kundengespräch psychologisch abläuft, und können sich darauf einstellen.

Als nächstes hinterfrage ich hier Ihre Kunden- und Serviceorientiertheit. Dass Sie mit Ihren Kunden nur auf Augenhöhe sprechen, setze ich als selbstverständlich voraus. Doch mal ehrlich: Wie gut schaffen Sie den Spagat zwischen der Erfüllung des Kundenbedürfnisses und Ihrer eigenen Abschlussprovision? Und WANN erledigen Sie den erbetenen Rückruf, WANN verschicken Sie das erbetene zusätzliche Informationsmaterial (Und in welcher Form? Gibt es ein nettes Anschreiben dazu?)?

Zum Service zähle ich auch die eine oder andere unentgeltliche Dienstleistung. Haben Sie schon mal auf einer – sagen wir – Elternversammlung über die elterliche Haftung bei Sachbeschädigungen durch deren Kind gesprochen? Gerade zu diesem Thema kursiert beispielsweise fatales juristisches Halbwissen. Oder wie steht es mit einer Präsentation über betriebliche Altersvorsorge als Mittel zur Mitarbeiterbindung bei der örtlichen IHK oder Handwerkerinnung? (Natürlich unterlassen Sie dabei alles, was nach Werbung für eigene Produkte aussieht.)

Mit solchen öffentlichen Auftritten bringen Sie sich und Ihre Dienstleistungen ins Gespräch. Mehr noch, wenn Sie sich auch nachbarschaftlich/sozial, anderswie ehrenamtlich oder finanziell engagieren. Und getreu dem Motto „Tue Gutes und rede darüber" informieren Sie auf Ihrer Webseite über derlei Aktivitäten und laden Ihre Mitmenschen zum Mitmachen ein.

Apropos Website: Heute gehört es ja insbesondere bei größeren Unternehmen zum guten Ton, ein Leitbild zu haben. Warum formulieren Sie nicht auch für sich, was Ihre persönlichen Ansprüche an sich, Ihre Arbeit und Ihren Umgang mit Kunden und Mitarbeitern sind und veröffentlichen dies auf Ihrer Website und/oder als Aushang in Ihrem Büro? Wenn sich diese Ansprüche auch noch mit Ihren Taten decken und dies für die Leser überprüfbar ist, können Sie weitere Vertrauenspunkte sammeln.

Einen guten Rat an dieser Stelle: Als VerkaufsUnternehmer sind Sie in gewisser Weise eine öffentliche Person, die private gibt es aber auch noch. Je identischer beide sind (je weniger Sie sich quasi „verstellen"), desto leichter ist es auch, den beruflichen Gutmenschen zu leben.

Den Rest erledigt die Mund-zu-Mund-Propaganda. Untersuchungen zufolge verbreiten sich schlechte Nachrichten zwar ungleich schneller und umfangreicher, als gute, doch letztendlich wird auch Ihr Ruf als seriöser und vertrauenswürdiger Verkäufer die Runde machen.

Den zu behalten, erfordert jedoch tägliches MACHEN!

Diskutieren Sie mit sich oder mit Kollegen:
Was tun Sie für Ihren guten Ruf als Verkäufer? Inwieweit empfinden Sie in Ihrer persönlichen Image-Arbeit soziale Kontrolle als Druck und/oder Ansporn? Engagieren Sie sich ehrenamtlich und wenn ja, wobei? Glauben Sie, dass durch Ehrenämter auch neue berufliche Kontakte entstehen können? In welchen Formen bilden Sie sich weiter?

Mit vertriebsorientiertem Gruß

Ihr Jörg Laubrinus
www.laubrinus.de

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Die 7 Todsünden im Falle Griechenlands

Meist hat es nach einem Kompromiss dann doch auch wieder schnell Dissonanzen gegeben und auch diese Woche ist nicht klar, ob eine tragfähige Lösung gefunden werden kann. Klar ist aber, dass es so nicht weitergehen kann. Die internationale Gemeinschaft kann sich nicht permanent nur mit Griechenland beschäftigen. Und so stellt sich die Frage, was alles falsch gelaufen ist und welche Schlüsse gezogen werden sollten. Fehleinschätzungen gab es eine Reihe. Sie lassen sich grob als 7 Todsünden kurzfassen: (1) Naivität – Griechenland hätte nie der Währungsunion beitreten dürfen; (2) Blindheit – über Jahre wurde versäumt, die von Griechenland übermittelten Daten kritisch zu überprüfen und makroökonomisch Anpassungen durchzusetzen; (3) Insolvenzverschleppung – Griechenland wurde 2010 ein Liquiditätsproblem attestiert. Stattdessen war der Staat schon damals pleite und hätte keine neuen Kredite bekommen dürfen. (4) Selbstüberschätzung – die Troika ging davon aus, dass sie Griechenland leicht reformieren könnte sobald sie mittels eines Anpassungsprogramms vor Ort sind. Schliesslich gäbe es ja genug „low hanging fruits" – leichte Reformen, die die Lage dort verbesserten. (5) Regelbruch – im Falle Griechenlands wurden vom Maastricht-Vertrag, dem Stabilitäts- und Wachstumspaktes und allen weiteren haushaltspolitischen Regeln wichtige internationale Abmachungen und Deadlines immer wieder verletzt. (6) Falsche Kommunikation – über Jahre wurde so getan, dass allein der politische Wille für eine funktionierende Währungsunion ausreiche und dass sich die ökonomische Konvergenz schon einstellen würde, ohne dass die Notwendigkeit von ökonomischen Anpassungsprozessen und ihre Gestaltung aktiv diskutiert werden müsste. Wie eine Währungsunion im Krisenfall funktioniert, war in den meisten Ländern daher unbekannt. (7) Faule Kompromisse – die Formel, auf die sich die Anpassungsprogramme stützen, basiert auf dem Prinzip „Geld gegen Reformen" nach der Logik, keine Leistung ohne Gegenleistung. Dies macht Reformen innenpolitisch aber noch schwieriger, da sie als Konzession gegenüber den Geldgebern angesehen werden und nicht als ökonomische Notwendigkeit, um die Handlungsfähigkeit eines Staates wieder herzustellen.

Die Europäische Union sollte aus all diesen Fehlern lernen. Sie sollte erkennen, (1) dass politischer Wille allein nicht für eine erfolgreiche Währungsunion ausreicht; (2) dass die ökonomischen Notwendigkeiten und Anpassungsprozesse klarer diskutiert werden müssen; (3) dass nicht alle Länder wie in den EU-Verträgen vorgesehen, der Währungsunion beitreten sollten; (4) dass ihr Regelwerk zeitinkonsistent und daher sehr fragil ist und (5) dass daher eine Währungsunion von souveränen Staaten immer reversibel sein wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Lehren schnell gezogen werden, bevor die nächste Krise ausbricht.


Autor: Karsten Junius, Chefvolkswirt, Bank J. Safra Sarasin
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Griechenland, die EZB und die Fed machen Investoren nervös

Für Anleiheinvestoren sind derzeit wenig gute Nachrichten in Sicht. Das zumindest sagt Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers: „Im Moment ist die Lage wirklich angespannt. Zunächst einmal ist da Griechenland. Aktuell sieht es aus, als ob die Situation sich noch einmal deutlich verschlechtern könnte, bevor die Probleme zwischen der gegenwärtigen griechischen Regierung und ihren Gläubigern gelöst werden." Dass es zu einem Zahlungsausfall komme, Kapitalverkehrskontrollen eingeführt würden und ein neues Rettungsprogramm scheitere, sei wahrscheinlicher als jemals zuvor. Zwar sei Griechenland rein wirtschaftlich betrachtet mit einem Anteil von zwei Prozent am Bruttoinlandsprodukt nicht sonderlich wichtig, und die aus der Griechenlandkrise resultierenden Risiken für das Finanzsystem seien geringer als noch im Jahr 2011. Dennoch hätte ein „Grexit" nach Iggos Ansicht schwer wiegende Folgen: „Die bedeutendsten Konsequenzen wären für mich der Glaubwürdigkeitsverlust für eine Währungsunion, die eigentlich unwiderruflich sein sollte, und die mit wirtschaftlicher und möglicherweise auch gesellschaftlicher Instabilität in Griechenland einhergehenden Risiken für den östlichen Mittelmeerraum."

Und Griechenland ist nicht der einzige Risikofaktor – auch die Geldpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks bereitet ihm Sorgen. So habe das Quantitative Easing der Europäischen Zentralbank (EZB) viele Investoren auf der Suche nach Rendite in Anleihen mit schlechteren Ratings gedrängt. „Dies hat einerseits zu sehr niedriger Liquidität bei erstklassigen Staatsanleihen mit sehr niedrigen Renditen geführt, andererseits aber auch zu sehr viel Gedränge in Anleihen aus europäischen Peripheriestaaten, Nachranganleihen und High Yield Bonds." Dies könne sich zu einem echten Problem entwickeln, falls viele Investoren auf einmal diese Positionen auflösen wollten. „Vor allem wenn Portfoliomanager das Risiko in ihren Depots herunterfahren, um sich auf mögliche Abflüsse vorzubereiten, könnte daraus auch eine selbsterfüllende Prophezeiung werden", so der Experte. Und schließlich mehrten sich auch die Anzeichen dafür, dass die US-Notenbank Fed früher oder später ernst machen werde mit einer Straffung ihrer Geldpolitik. „Auch dies macht die Anleger nervös", erläutert Iggo. „Sie haben Angst vor höheren Renditen und höheren Spreads."

Diese Nervosität dürfte dazu führen, dass sie Risiken senken und Bargeldbestände aufbauen. „Mein Eindruck ist, dass viele Investoren darauf warten, Mittel wieder anzulegen. Aber sie würden gerne höhere Renditen geboten bekommen, bevor sie das tun", so Iggo. „Ich denke, wir könnten diese höheren Renditen bald sehen – entweder als Resultat einer Zinserhöhung durch die Fed oder als Ergebnis einer Anpassung der Risikopräferenzen im Zuge der Griechenlandkrise."

Unheimliche Ruhe an den Ölmärkten

In der vergangenen Woche hat der Index einen leichten Verlust von 0,8 % verzeichnet, wo Gewinne bei Edel- die Verluste bei Industriemetallen und Agrarrohstoffen nicht ganz auffangen konnten. Der Index der Londoner Metallbörse (LMEX), der die fünf wichtigsten Industriemetalle abbildet, ist vergangene Woche auf ein Sechs-Jahres-Tief gesunken. „Ein Grund dafür sind die jüngsten Versuche der chinesischen Regierung die heimische Wirtschaft anzukurbeln, die bislang jedoch nur zu einer Blasenbildung am Aktienmarkt geführt haben", sagt Hansen.

Der Goldpreis ist in der vergangenen Woche wieder an die Marke von 1.200 US-Dollar pro Feinunze zurückgekehrt. Das Federal Open Market Committee-Meeting in der vergangenen Woche habe die Erwartungen an das Tempo einer US-Zinsanhebung gezügelt und den Goldpreis unterstützt. „Dennoch bedarf es nach wie vor eines klaren Impulses, um das gelbe Metall aus der eingefahrenen Handelsspanne ausbrechen zu lassen", sagt Hansen.

Auch für den Energiesektor war es eine ruhige Woche. „Seit mehreren Wochen schon herrscht eine unheimliche Ruhe an den Ölmärkten. Beide Ölsorten WTI und Brent bewegen sich innerhalb einer sehr engen Handelsspanne", sagt Hansen. Zwar steige die globale Nachfrage, aber mit ihr auch das Angebot aufgrund der Rekordproduktion der Opec-Mitglieder. Sollten die Atom-Verhandlungen mit dem Iran positiv verlaufen, könnte eine Exportsteigerung Irans die Märkte mit weiterem Öl fluten. „Somit bleibt das Aufwärtspotential bei der Sorte WTI und insbesondere bei Brent weiterhin beschränkt", sagt Hansen abschließend.
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