Bei der EZB sind Zinssenkungen zurück auf dem Tisch

Draghi erklärte vor der versammelten Presse, dass die EZB an der nächsten Sitzung am 3. Dezember das heute bestehende Programm überprüfen möchte. Gleichzeitig wies er auf Abwärtsrisiken für die Euro-Wirtschaft hin. Zusammen bilden diese zwei Aussagen ein ideales Sprungbrett für eine weitere geldpolitische Ausweitung im Dezember. Währenddessen präsentiert sich die Situation in der Eurozone aber keineswegs besorgniserregend. Die Einkaufsmanagerindizes für den Oktober zeigten optimistische Unternehmen und das Wachstum im dritten Quartal dürfte sich als robust erweisen. Die wirtschaftliche Situation heute scheint befriedigend, aber wahrscheinlich nicht stark genug um die Inflationsrate mittelfristig wieder auf das EZB-Ziel von knapp 2 % zu heben. Deshalb erwarten wir eine Verlängerung des Anleihenankaufprogramm der EZB über den heute bekannten Zeitrahmen hinaus. Die Eurozone braucht nicht einen noch stärkeren monetären Stimulus, aber wahrscheinlich den bestehenden Stimulus ein wenig länger.

Mario Draghi erwähnte an der Sitzung letzte Wochen auch, dass sich der EZB-Rat über eine weitere Reduktion der Zinsen auf der Einlagefazilität (die heute bei -0,2 % liegt) unterhalten habe. Lange Zeit wollte die EZB von einem solchen Schritt nichts wissen, weil sie befürchtete, dass eine weitere Zinssenkung den Geldmarkt ins Trudeln bringen könnte. Die positiven Erfahrungen anderer Zentralbanken mit deutlich negativen Zinsen (Dänemark, Schweden und die Schweiz) haben nun anscheinend zu einem Umdenken innerhalb der europäischen Zentralbank geführt. Eine weitere Zinssenkung hätte sicherlich einen Einfluss auf den Wechselkurs, sind doch die Zinsdifferenzen zwischen den einzelnen Wirtschaftsräumen die wichtigsten Treiber für die Währungen. Draghi könnte sich zu einem solchen Zinsschritt gezwungen sehen, falls der Aussenwert des Euro in den nächsten Wochen zulegt, insbesondere gegenüber dem US-Dollar. Aber in diesem Fall ist das Schicksal des Euro nicht nur an die EZB, sondern auch an die US-Notenbank Fed geknüpft. Steigt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in den USA, schwächt das den Euro – sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes der US-Notenbank, steigt die europäische Einheitswährung. In den letzten Wochen hat sich der Euro jedoch von einem Niveau bei fast 1,15 auf knapp 1,10 Euro pro Dollar abgeschwächt. Bleibt der Euro auf diesem Niveau oder setzt sich der Abwärtstrend weiter fort, dürfte die EZB ihr Anleihenankaufprogramm ausdehnen, aber auf eine Zinssenkung verzichten.


Autor: Alessandro Bee, Ökonom, Bank J. Safra Sarasin AG


Das Phänomen der Aufmerksamkeit

Seit den Zeiten von:

AIDA – attention * interest * desire * action
(Aufmerksamkeit, Interesse, Drang, Aktion)

...buhlen wir um Aufmerksamkeit für unsere Dienstleistungen, unsere Produkte, für uns selbst. Aufmerksamkeit ist angeblich die Voraussetzung für erfolgreiche Verkäufe. Die Ansprache soll Aufmerksamkeit erregen, die Website den Kunden fesseln, das Angebot sexy wirken – alles dreht sich um die "Einschaltquote", nicht nur das Fernsehen.

Dabei ist die Aufmerksamkeit ein scheues Reh, das schnell entschwindet oder gestört werden kann. Nehmen Sie nur mal folgendes Beispiel, in dem Sie nur nur die Farben nicht die Wörter benennen sollen.

ROT   GRÜN   BLAU   GELB   ROT   SCHWARZ   BLAU
GELB   ROT   WEISS   ROT   GRÜN   BLAU   ROT

Übrigens: Ist Ihnen aufgefallen, dass im Satz vor den bunten Wörtern das Wörtchen "nur" zweimal vorkam? Wenn nicht, ist das Ihrer geschätzten Aufmerksamkeit entgangen.

Zurück zu den Farben. Es ist offensichtlich gar nicht so einfach, seine Aufmerksamkeit zu steuern, wie das Beispiel zeigt. Das Auge liest ganz automatisch das Wort, während das Farbzentrum eine widersprüchliche Information ans Sprachzentrum sendet.

Damit überfordern wir unser Gehirn, weil die Signale aus ganz unterschiedlichen Gehirn-Arealen kommen, die noch dazu nicht kongruent sind. Gleichzeitig beantwortet das im Übrigen auch den Mythos des Multitaskings:

Wir können unsere Aufmerksamkeit nicht auf zwei oder gar mehr Dinge gleichzeitig richten. Wenn Sie gleichzeitig telefonieren, eine E-Mail verfassen und die Teletext-News der Börse verfolgen, springt der Focus lediglich zwischen den einzelnen Aufgaben hin und her.
Im Ergebnis werden Sie dabei nicht schneller, nur schlechter.

Andererseits ist das Gehirn zu ganz besonderen Leistungen fähig. So knöenn Sie deiesn Staz lseen, ohoblwl die Bcuthsbaben vtcheruast sind. Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät, ist es nchit witihcg in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, ist dsas der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als gseatems.
Ehct ksras! Das ghet wicklirh!

Warum wir uns darüber Gedanken machen? Viele, ganz wichtige Dinge, laufen ja komplett ohne unsere direkte Aufmerksamkeit ab. Atmung und Herzschlag zum Beispiel. Oder bekannte Situationen, die wir quasi ohne unser Zutun erledigen.
Wer ist nicht schon mit dem Auto zur Arbeit gefahren und war so in Gedanken, dass er gar nicht merkte, dass er Auto gefahren ist?

Mitunter laufen selbst Verkaufsgespräche fast unbewusst ab. Sie wissen ja: Gewohnheiten sind starke Magneten! Wenn Sie Ihre Verkaufsgespräche jedes Mal nur ganz routiniert abspulen, wüssten Sie danach nicht, wie Ihr Gesprächspartner angezogen war, ob er Dialekt sprach, wie seine Stimmung oder Tonlage war – kurzum, Sie waren nicht wirklich aufmerksam!

Wenn Sie künftig von jemandem Aufmerksamkeit wollen, drehen Sie das Ganze um. Schenken Sie zuerst Ihre eigene Aufmerksamkeit. Das kostet nichts, aber wenn Sie ganz bei sich und Ihrem Gegenüber sind, so ganz im Hier und Jetzt, werden Sie feststellen, dass Ihre Gespräche wie von Zauberhand viel besser laufen. Das nennt sich Kontemplation - Achtsamkeit. Es geht nicht darum, um die Aufmerksamkeit seiner Kunden zu bitten, sondern selber achtsam zu sein.

Da wir Ihre Aufmerksamkeit letzte Woche auf das Thema "Fragestellungen" gelenkt haben, gehen wir heute im neuen Kapitel Vertriebsmethodik noch etwas konkreter auf die Fragestellungen ein.

Vertriebsmethodik / Heute: Fragestellungen

Um sich neue Verhaltensweisen aneignen zu können, muss man zuerst bestehende Muster erkennen, um sie dann verändern zu können. Richten Sie in den nächsten Wochen deshalb Ihre Achtsamkeit ganz besonders darauf, wie Sie Ihre Gespräche beginnen.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen gute Erkenntnisse und viel Erfolg.

Auf Ihr Urteil und rege Rückinfo sind wir gespannt. Nur so können wir gezielt auf Ihre Wünsche eingehen.

Autor: Kai Falkenberg, Schittly-Trainer-Team

Schlummerndes Potential ist gigantisch

Modi setzte unverzüglich ein Reformprogramm auf, das Indien in einen modernen Staat mit einer funktionierenden Wirtschaft transformieren soll. Die Anfangseuphorie ist mittlerweile der Einsicht gewichen, dass nachhaltige Änderungen Zeit brauchen. So vielfältig wie das Land sind auch die Probleme. Aber das Potential für die Zukunft ist gigantisch.

In den Jahren vor der Regierung Modis hat das Land deutlich an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Schlechte Infrastruktur, hohe Inflation und Zinsen, eine schwache Währung, hohes Budgetdefizit, ein überfordertes Bildungssystem und ein angespanntes Bankensystem standen stellvertretend für die Misere. Indien hat im Vergleich zu anderen Schwellenländern nach wie vor einen niedrigen Industrialisierungsgrad. Obwohl der Subkontinent in den vergangenen Jahrzehnten einen bemerkenswerten Aufstieg hinter sich hat, blieb die produzierende (Export)-Industrie weit zurück.

Modi hat viele Initiativen auf den Weg gebracht: Er lockerte die Budgetdisziplin und Steuerreformen wie etwa die Absenkung des Unternehmenssteuersatzes von 30 auf 25 Prozent in den nächsten vier Jahren. Zudem soll die Einführung einer nationalen Umsatzsteuer im Frühjahr 2016 die Wirtschaft ankurbeln. Neben einem umfassenden Privatisierungsprogramm sollen auch die Bundesstaaten mehr Autonomie und einen höheren Anteil an den Steuereinnahmen erhalten.

Wer schon mal in Indien war, kennt ein weiteres essentielles Problem: Die katastrophale Infrastruktur. Hier sollen künftig gewaltige zusätzliche Ausgaben und ein nationaler Infrastrukturfonds helfen. In Planung sind zudem 50 Millionen neue Häuser und 100 sogenannte Smart Cities.

Mindestens genauso wichtig sind Modis Initiativen zur digitalen Transformation. Programme wie etwa „Make in India“ oder „Digital India“ sollen das Land in eine neue digitale Zukunft führen. Ähnlich wie in China entstehen auch in Indien millionenfach Unternehmen, die in erster Linie im Bereich Dienstleistung digitale Lösungen anbieten. Vor einigen Wochen traf sich Modi im Zuge einer USA-Reise mit den CEOs von Google, Apple und Facebook, um über Indiens digitale Infrastruktur zu diskutieren.

Die ersten Erfolge sind sichtbar. Das Programm „Make in India“ hat dazu geführt, dass 2015 mehr ausländische Direktinvestitionen nach Indien flossen als nach China bzw. in die USA. Erst kürzlich war Bundeskanzlerin Merkel auf Indienreise, um die Wirtschaftsbeziehungen in Schwung zu bringen und Investments deutscher Unternehmen in Indien zu vereinfachen.

Doch es gibt noch einiges zu tun. Modis absolute Mehrheit reicht nicht immer aus, um seine Pläne durchzusetzen. Auch das Bildungswesen ist stark verbesserungswürdig und beim Thema Korruption und Vetternwirtschaft ist noch einiges aufzuarbeiten.

Aus Börsensicht kann man bereits einen gewissen Modi-Effekt erkennen. Während die europäischen und asiatischen Börsen heute etwa zwischen 15 und 40 Prozent unter ihren Höchstständen aus dem April notieren, steht Indien mit einem Minus von nur 9 Prozent relativ gut da. Sollte Premierminister Modi mittelfristig seinen Kurs fortsetzen können, werden die Unternehmen und die Wirtschaft davon profitieren. Das sollte sich dementsprechend auch an der Börse durch höhere Kurse niederschlagen.


Autor: Klaus Martini, Geschäftsführer Plückthun Asset Management

EZB geht in eine neue geldpolitische Runde

Besorgt ist die EZB vor allem über die Wachstumsaussichten in den Schwellenländern, woraus sich Abwärtsrisiken für den Konjunkturausblick und die Inflationsentwicklung in der Eurozone ergeben können. Dadurch erhöhen sich die Risiken, dass die Inflationsrate in der Eurozone zu lange zu niedrig sein könnte.

Wir erwarten im Dezember eine Senkung des Einlagenzinssatzes und eine Verlängerung des Ankaufprogramms für Anleihen bis Mitte 2017, möglicherweise werden auch die monatlichen Ankaufvolumina moderat angepasst. Bis jetzt ist das Programm auf insgesamt 1,14 Billionen Euro konzipiert. Hinzu kämen nach unseren Überlegungen mindestens weitere 500 Mrd. Euro. Dies entspräche knapp 5 % des BIP und würde damit leicht über dem QE2-Programm der Fed liegen.

SENKUNG DES EINLANGENZINSSATZES UND VERLÄNGERUNG DES ANKAUFPROGRAMMS ZU ERWARTEN

Die EZB ist immer für einen Paukenschlag gut. Auf der gestrigen Sitzung hat die EZB die Tür für weitere geldpolitische Lockerungen weit aufgemacht, und zwar konkret für den Monat Dezember. Es soll dann eine Neubewertung der geldpolitischen Ausrichtung erfolgen, wobei alle geldpolitischen Instrumente auf dem Tisch liegen. Mario Draghi betonte – ähnlich wie die US-Notenbank vor wenigen Wochen – vor allem die Sorgen über die Wachstumsperspektiven in den Schwellenländern, die Abwärtsrisiken für den Konjunkturausblick und die Inflationsentwicklung in der Eurozone. Bereits im September hat die EZB ihre Projektionen für die Inflationsrate der kommenden zwei Jahre nach unten revidiert. Doch die Risiken aus den Schwellenländern bringen die Gefahr mit sich, dass es länger dauern kann, bis die Inflationsrate wieder in Richtung des EZB-Inflationsziels von „unter, aber nahe 2 %“ unterwegs sein wird. Damit käme es zu einer zeitlich noch ausgeprägteren Verfehlung des Mandats. Bereits Anfang 2015 war die Sorge vor einer unerwünscht langen Zielverfehlung der Anlass, in das QE-Programm einzusteigen.

WAS PASSIERT IM DEZEMBER?

Schon mit Auflage des quantitativen Lockerungsprogramms haben wir betont, dass es keinem expliziten Verfallsdatum unterliegt, sondern datenabhängig gestaltet ist. Spätestens die erneute Abwärtsrevision der Projektionen im September hat unseres Erachtens die EZB unter Handlungsdruck gesetzt, das mögliche Programmende im September 2016 zu überdenken. Wie auch in den vergangenen Monaten hat Mario Draghi auch gestern betont, dass alle Elemente des Wertpapierankaufprogramms – also monatliches Ankaufsvolumen, die Wertpapierarten und die Dauer – als Aktionsparameter in Frage kommen. Dabei erscheint uns eine isolierte Erhöhung des monatlichen Ankaufprogramms weniger wahrscheinlich als seine Verlängerung. Würde die EZB ab Januar bis September 2016 die Ankaufvolumina um 10 Mrd. Euro pro Monat aufstocken, ergäbe sich daraus eine Bilanzausweitung von insgesamt 90 Mrd. Euro.

Eine Ausdehnung der Laufzeit des QE-Programms in aktueller Ausprägung um 12 Monate hätte eine Erhöhung der EZB-Bilanz um 720 Mrd. Euro zur Folge. Um denselben Effekt mit einer Aufstockung der monatlichen Läufe zu erzielen, müsste sie diese mehr als verdoppeln. Dies erscheint uns vor dem Hintergrund der Liquiditätsverfassung der Rentenmärkte im aktuellen Niedrigzinsumfeld und auch im Hinblick auf andere technische Aspekte schwer durchführbar. Wir erwarten, dass wenn sich die EZB zu einer weiteren geldpolitischen Lockerung entschließt, Nägel mit Köpfen gemacht werden und mit einer längerfristigen Orientierung und einem größeren Volumen zu rechnen ist. Daher erwarten wir eine Verlängerung des Ankaufprogramms bis mindestens Mitte 2017. Dies würde bei dem derzeitigen Ankaufvolumen eine Ankaufsumme von mindestens 500 Mrd. Euro beinhalten. Ein solcher Schritt würde den Marktteilnehmern aber auch Investoren Sicherheit geben, dass die Geldpolitik auf absehbare Zeit sehr expansiv bleiben wird. Damit eröffneten sich Kanäle, die sich nochmals dämpfend auf das ohnehin schon sehr niedrige Zinsniveau auswirken könnten. Sie sind unseres Erachtens vor allem nachhaltiger als eine alleinige Aufstockung der Ankaufvolumina ohne Programmverlängerung. Denkbar ist für uns, dass der Impuls einer zeitlichen Streckung des Programms noch durch eine moderate Erhöhung der monatlichen Aufkäufe verstärkt wird.



WEITERE MÖGLICHE AKTIONSPARAMETER

Auf der Einkaufsliste der EZB stehen theoretisch auch Unternehmensanleihen. Wir denken jedoch, dass allein aufgrund der sehr heterogenen Struktur innerhalb der Eurozone dieses Instrument im Dezember nicht auf dem Programm stehen wird.

Kein Thema dürfte auch der Ankaufschlüssel sein. Bisher kauft die EZB entsprechend der Kapitalanteile der EWU-Länder. Eine Änderung wird immer wieder vor dem Hintergrund einer möglichen Knappheit, insbesondere von Bundesanleihen, in die Diskussion gebracht. Vor allem aus politischen Gründen ist dies unserer Meinung nach nicht umsetzbar.

Überraschend steht die Senkung des Einlagenzinssatzes wieder zur Disposition. Nach verschiedenen Äußerungen der Notenbankmitglieder in den letzten Monaten wurde allgemein keine Anpassung mehr erwartet. Dies ändert sich jetzt: Mario Draghi erwähnte sie ausdrücklich als eine geldpolitische Option für die Entscheidung im Dezember. Bereits auf der gestrigen Sitzung waren einige Notenbanker für eine Senkung. Der Einlagenzins liegt derzeit bei -0,2 % und stellt auch die Obergrenze für den Ankauf von Staatsanleihen dar. Konkret bedeutet dies, dass die Notenbank keine Anleihen mit einer tieferen Rendite als den Einlagenzinssatz erwirbt. Ein noch niedriger Einlagenzins würde das potenzielle Volumen der erwerbbaren Staatsanleihen erhöhen. Auf Basis der Erfahrungen anderer Notenbanken erscheint uns eine Senkung unter das Niveau von -0,5 % aber wenig wahrscheinlich. Zusammen mit einer Verlängerung der Ankäufe könnte aber auch eine geringe Senkung eine weitere Abwertung des Euro vorantreiben. Zwar hat die EZB erneut betont, dass der Wechselkurs kein explizites Ziel der Notenbank ist, der Eindruck, dass ein schwächerer Euro-Wechselkurs dennoch willkommen wäre, lässt sich aber nicht von der Hand weisen. Jedenfalls räumte der EZB-Präsident Draghi ein, dass die jüngste Aufwertung des handelsgewichteten Wechselkurses auch die Abwärtsrisiken für die konjunkturelle Entwicklung erhöht hätte.

FAZIT: AUSDEHNUNG DES ANKAUFPROGRAMMS

Ähnlich wie die US-Notenbank haben wir mehr und mehr den Eindruck, dass sich die EZB als Risikomanager versteht. Die Transmission eines geldpolitischen Impulses in die Realwirtschaft braucht auch unter normalen Bedingungen Zeit. Aufgrund der noch nicht gelösten Probleme im Bankenbereich und infolge anderer Verkrustungen, die noch auf die Finanzkrise zurückgehen, dürfte es zu längeren Wirkungsverzögerungen kommen. Seit Beendigung des Stresstests im vergangenen Jahr ist eine kontinuierliche Verbesserung in der Kreditentwicklung zu erkennen, sodass immerhin der Schrumpfungsprozess zu Ende geht. Positiv stimmt auf jeden Fall die gestiegene Bereitschaft der Banken, Kredite zu vergeben, und die kontinuierliche Verbesserung der Nachfrage. Dies lässt auf eine zumindest moderate Belebung des Kreditgeschäfts hoffen. Dieser Hoffnungsschimmer soll nicht durch externe Risiken im Keim erstickt werden. Daher schätzt die EZB die Risiken, die aus den Schwellenländern über eine schwächere Auslandsnachfrage auch in die Euroregion getragen werden könnten, offenbar als so bedeutsam ein, dass sie – wie wir erwarten – noch im Dezember eine weitere geldpolitische Lockerung vornehmen wird. Die Erfahrungen mit den jüngsten Entscheidungen der EZB zeigen eine Tendenz, die Märkte hinsichtlich der Dimensionierung positiv zu überraschen. Dies spricht für eine weitere signifikante Ausdehnung ihrer Bilanzsumme: Die von uns veranschlagte Mindestsumme von 500 Mrd. Euro entspräche knapp 5 % des BIP und würde damit leicht über dem QE2 der Fed liegen.


Autorin: Ulrike Kastens, Volkswirtin bei Sal. Oppenheim

Europäische Marktführer im aktuellen Börsenumfeld bevorzugt

Denn vieles, was nun als Chance zum Einstieg angepriesen wird, ist bei näherer Betrachtung keinesfalls eine günstige Gelegenheit zum (Nach)Kauf. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt derzeit bei 15,7 und damit leicht über dem langjährigen Durchschnitt von 12,58. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Europäische Anleger unterschätzen aktuell, welchem Länder- bzw. Branchenrisiko sie unterliegen. Allerdings gibt es auch etwas Gutes: Aus dem aktuellen Börsenumfeld mit seiner unklaren Richtung, dürften die Spitzenreiter in den jeweiligen Sektoren als Gewinner hervorgehen und den Abstand zur Konkurrenz vergrößern können. Diese Marktführer gilt es zu identifizieren und langfristig davon zu profitieren.

Börsenschwankungen legen versteckte Länderrisiken offen
China befindet sich in einem bemerkenswerten gesamtwirtschaftlichen Sinkflug. Auch viele andere Emerging Markets sind aktuell keine wirkliche Option. Jedoch unterschätzen viele Investoren, dass sie indirekt eben doch der ökonomischen Situation dieser Länder ausgesetzt sind. Denn 26,4 % des europäischen BIPs gehen in den Export, nur 1,8 % des gesamten BIPs nach China. Jedoch sind einige Branchen hier überproportional engagiert. Aus diesem Grund halten wir seit fast einem Jahr – als sich die ersten Probleme in China andeuteten – keine Aktien von Automobilherstellern mehr. Es ergibt sich eine paradoxe Situation: Viele Anleger wählen derzeit bewusst einen home-bias bei Aktien, um ggf. Risiken aus anderen Regionen zu umgehen. Doch je nach Branche ist der home-bias de facto gar keiner, sondern beinhaltet nur versteckt andere Risiken. Wichtiger als das Herkunftsland ist also aktuell die Frage, wo ein Unternehmen seinen Umsatz generiert.

Medizintechnik- und IT-Sektor interessant
Wir suchen in erster Linie Unternehmen, die eine marktführende Position in ihrem Bereich einnehmen, langfristiges Wachstum generieren und ein gutes Management aufweisen.Eine grobe Faustregel ist hier: Ein Wachstum um ca. 5 % pro Jahr ist für einen Marktführer eines Bereichs ein guter Indikator, dass sich das Unternehmen besser als der Wettbewerb behaupten könnte. In Deutschland ist für uns daher insbesondere Zalando interessant. Das Unternehmen dürfte in den nächsten Jahren seine Spitzenposition im e-commerce weiter ausbauen. Ein weiterer interessanter Sektor ist der Healthcare- bzw. Medizintechnikbereich, welcher sich relativ unabhängig von gesamtwirtschaftlichen Zyklen entwickelt. Der Marktführer bei Plasmaprodukten Grifols beispielsweise dürfte von einem jährlichen Wachstum des Sektors in Höhe von 6-8 % pro Jahr profitieren. Langfristig orientierte Anleger kommen zudem kaum um die Marktführer im IT-Bereich herum. Hier fällt insbesondere Dassault Systems auf. Der französische Anbieter von intelligenter Software hilft seinen Kunden aus den Bereichen Zivilluftfahrt, Automobil oder Medizintechnik, die Kosten für Forschung und Entwicklung zu reduzieren. Beim vielgerühmten Konsumgütersektor empfehlen wir ein konzentriertes Vorgehen, da der Sektor insgesamt mit einem KGV von durchschnittlich 22 relativ teuer ist. Dennoch, ein Marktführer wie Reckitt Benckiser mit seinem breit aufgestellten Portfolio dürfte den Wettbewerbern gegenüber deutliche Vorteile haben – und somit trotz höheren Kursniveaus immer noch Luft nach oben haben.

SRI nach diversen Skandalen unumgehbar
Viele größere und kleinere Skandale in der Vergangenheit haben eindrucksvoll vor Augen geführt, dass der Erfolg eines Unternehmens nicht nur auf seiner Profitabilität beruht. Unternehmen müssen heutzutage den Blick über die Finanzkennzahlen hinaus erweitern und mögliche Umwelt-, Sozial- und Führungsrisiken in den Griff bekommen. Diese sog. SRI-Faktoren werden immer wichtiger, eine Nichtbeachtung kann teuer werden und zeitweise die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.Um sich vor unerwünschten negativen Effekten für das eigene Portfolio zu schützen, sollten Investoren daher auch nicht-finanzielle Attribute bei Investmententscheidung berücksichtigen. Sie können Investitionsrisiken minimieren und zu einer Verringerung der Volatilität sowie zur langfristigen Steigerung der Rendite beitragen.

Zinsanstieg wird Spreu vom Weizen trennen
Abzuwarten bleibt, wie die Reaktion der Märkte bei einer Zinserhöhung ausfällt. Jedoch ist klar, dass bei großen Unternehmen mit marktführender Stellung die Abhängigkeit von Entscheidungen der Notenbanken erheblich sinkt. Der Grund: Insofern Unternehmen aus den hinteren Reihen eines Sektors in den letzten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnen konnten, dürfte dies zu einem erheblichen Teil den Zinsen auf Tiefstniveau zu verdanken sein. Wachstum war und ist immer noch relativ günstig zu erkaufen. Ein Zinsanstieg würde somit helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen.


Autor: Jean-Charles Belvo, Fondsmanager des Echiquier Major bei La Financière de l’Echiquier

Dividendenerhöhungen von 9 % sind zu erwarten

Jan Sobotta Swisscanto"Um eine Dividendenstrategie umzusetzen, gilt es jene Aktien zu identifizieren, die attraktive Dividendenkennzahlen aufweisen. Dabei ist nicht nur die Höhe der aktuellen Dividendenrendite wichtig, sondern es müssen auch Kriterien wie das Dividendenwachstum oder die Konstanz der Dividendenzahlungen über die Jahre hinweg berücksichtigt werden. Zusätzlich sind das Geschäftsmodell und die Geschäftslage einer eingehenden Bewertung zu unterziehen. Erst wenn eine Aktie auch dabei mit guten Kennzahlen und einer Unterbewertung im Vergleich zum Marktdurchschnitt aufwarten kann, sollte sie Teil der Dividendenstrategie werden", so Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland bei Swisscanto Asset Management International S.A.

Hoher Dividendenanteil am Gesamtertrag in Europa

Je nach Region ist der Anteil, den Dividenden zum Gesamtertrag von Aktien beitragen, unterschiedlich. Beim Betrachten des Zeitraums von 31. Dezember 1997 bis zum 31. Mai 2014 zeigt sich, dass dieser Anteil in Europa besonders hoch war. Von 137 Prozent Gesamtrendite bei europäischen Aktien trugen 94 Prozent Dividendenausschüttungen bei. Im Vergleich dazu trugen bei US-Aktien Dividendenzahlungen "lediglich" 70 Prozent zur Gesamtrendite von 168 Prozent bei (Quelle: Datastream).

"Zudem sind europäische Aktien im internationalen Vergleich, insbesondere auch nach den Kurseinbußen im August und September, immer noch relativ günstig bewertet. Daher kombinieren wir im Portfolio unseres europäischen Dividendenfonds das Potenzial attraktiver Dividenden und vorhandener Unterbewertung ganz gezielt. Die Dividendenrendite unseres Fondsportfolios liegt derzeit bei rund 3,5 Prozent und ist im Vergleich zu den niedrigen Zinsen, die am Geld- und Kapitalmarkt gezahlt werden, sehr attraktiv ", sagt Peter Brändle, Manager des Swisscanto (LU) Equity Fund Top Dividend Europe.

Europäische Unternehmen effizient aufgestellt

Zur aktuellen Strategie meint Brändle: "Wir setzen auch auf kleinkapitalisierte Titel, die agiler auf ihren Märkten handeln können als große Mitbewerber und eher als Übernahmekandidaten gelten. Ebenso werden Substanzwerte bevorzugt, denn wir erachten sie im Vergleich zu Wachstumstiteln als günstig bewertet. Den Telekombereich sehen wir dank der anlaufenden Konsolidierung in Europa weiterhin als attraktiv an - zudem werden dort hohe Dividenden ausgeschüttet. Übergewichtet sind wir in den günstigen Finanztiteln: Banken, selektiv gerade auch aus den peripheren Märkten und Versicherungen. Zyklische Industrien werden vom allmählich einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung in Europa profitieren. Zudem wird der starke USD Exporte erleichtern. Auch die Bereiche Software und Medien erachten wir als günstig. Trotz der hohen Dividendenrendite sind wir bei Versorgern nur neutral gewichtet, denn politische Interventionen sind an der Tagesordnung."

Abschließend meint Brändle: "Positiv zu Buche schlägt zudem, dass in den vergangenen Jahren viele Unternehmen ansehnliche freie Cashflows generiert haben, die zur Schuldentilgung, für Aktienrückkaufprogramme oder für Akquisitionen verwendet werden. Wir rechnen zudem mit Dividendenerhöhungen von jeweils neun Prozent in den beiden kommenden Jahren. Viele europäische Unternehmen sind nach wirtschaftlich herausfordernden Jahren effizient aufgestellt, wodurch sie von einem Aufschwung überdurchschnittlich profitieren sollten."

PI Swisscanto  LU  EF Top Dividend Europe 10 2015

Gedanken zur Marktvolatilität

Wir alle haben von den Herausforderungen, vor denen China steht, ebenso gehört oder darüber gelesen wie von deren möglichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Allerdings geht es dabei um mehr als lediglich die Frage, wie China und die Industriestaaten mit dem unvermeidlichen Konjunkturabschwung in China umgehen. Bisher hat der MSCI World-Index (in USD auf Gesamtertragsbasis gerechnet) im III. Quartal 8,3 Prozent verloren, obwohl es sich angesichts der heftigen Kursverluste in einigen Sektoren manchmal sogar noch schlimmer anfühlt.

Je nachdem, von welchem Ausgangspunkt aus man die Dinge betrachtet, sind seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise mittlerweile sieben oder acht Jahre vergangen. Wenn Sie mich fragen, so hat die Krise mit der Gewinnwarnung der HSBC im Februar 2007 begonnen. Damals senkte die Bank ihre Gewinnprognosen, weil die Zahl der „Problemkredite“ bei ihrer kurz zuvor übernommenen US-Tochter für Subprime-Hypotheken Überhand nahm. Obwohl es noch bis 2008 dauerte, bis die Krise schließlich mit voller Wucht ausbrach, spricht die Vergangenheit dafür, dass wir uns zurzeit eher am Beginn des nächsten Abschwungs als am Ende der zurückliegenden Abwärtstendenz befinden. Das Problem besteht darin, dass die etablierten Volkswirtschaften trotz einer extrem lockeren Geldmarktpolitik (mit einem Zinsniveau von 0 Prozent und einer infolge der weltweit ergriffenen quantitativen Lockerungsmaßnahmen im Überfluss vorhandenen Liquidität) momentan bestenfalls ein mäßiges Wirtschaftswachstum vorlegen. Wir gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2016 um lediglich 3,5 Prozent und damit wesentlich moderater wachsen wird als die Industriestaaten. In den USA, dem besten aller etablierten Märkte, bleiben die Wachstumsprognosen unter Druck, wodurch der Spielraum der Behörden, das Zinsniveau allmählich wieder zu normalisieren, eingeschränkt wird. In Europa wiederum könnte das Wachstum im nächsten Jahr zwar wieder anziehen, aber auf lediglich 1,5 Prozent – und das trotz umfassender monetärer Ankurbelungsmaßnahmen, eines wesentlich schwächeren Euros sowie eines deutlichen Rückgangs der Energiepreise. Sogar in Japan, wo die quantitativen Lockerungsmaßnahmen mittlerweile 14 Prozent des jährlichen BIP entsprechen, sind Wachstum und Inflation nur sehr schwer zu erreichen. So dürfte die Wirtschaft Japans im kommenden Jahr um höchstens 1,5 Prozent wachsen.

Aus diesen Gründen sind die Entwicklungen in China auch von so großer Bedeutung, denn sie sind für das derzeit lediglich schleppende Wachstum maßgeblich verantwortlich. Da die kreditfinanzierten Investitionsausgaben zwangsläufig sinken müssen und letztlich sogar völlig zum Stillstand kommen könnten, wird dies gravierende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und das globale Finanzsystem haben. Was die Rohstoffpreise betrifft, so sind die Preise für Öl und Industriemetalle zuletzt bereits massiv eingebrochen, weil der entsprechende Verbrauch zurückgegangen ist. Da immer neue Ölquellen erschlossen werden und die OPEC nicht bereit ist, die Förderung zu drosseln, ist der Ölpreis inzwischen auf ein Niveau gesunken, das man sich in der Vergangenheit nur schwer vorstellen konnte. Obwohl dies für die Verbraucher in den westlichen Industriestaaten im Endeffekt einer dringend benötigten Steuererleichterung gleichkam, scheinen sie das dadurch eingesparte Geld bisher aber eher auf die hohe Kante zu legen als auszugeben. Für ölfördernde Länder könnte diese Entwicklung allerdings katastrophale Folgen haben, weil ihre Staatshaushalte dadurch unter enormen Druck geraten, so dass zunehmend teure (und mittlerweile teilweise sogar unerschwingliche) Sozialhilfeprogramme in den Fokus rücken. Dies wiederum hat die Währungen vieler Schwellenländer belastet, so dass eine große Zahl dieser Volkswirtschaften nun gezwungen ist, eine pro-zyklische Zinsstrategie umzusetzen, um ihre Währungen vor dem endgültigen Kollaps zu bewahren. Alle diese Faktoren beeinträchtigten aber das Weltwirtschaftswachstum und ziehen damit auch das Finanzsystem in Mitleidenschaft. Gleichzeitig lässt sich zwar nur schwer vorhersagen, wie sich die Lage in Zukunft entwickeln wird, es ist aber klar, dass die Prognosen für das Weltwirtschaftswachstum weiter nach unten korrigiert werden.

Warum die etablierten Industriestaaten trotz der vielfältigen geldmarktpolitischen Ankurbelungsmaßnahmen ein derart mäßiges Wachstum vorlegen, lässt sich nur schwer erklären. Vielleicht verbirgt sich dahinter ja die unsichtbare Kraft des Schuldenabbaus, da wir aktuell mit der übermäßig hohen Verschuldung zu kämpfen haben, die während der sogenannten „Nullerjahre“ aufgehäuft worden ist. Vielleicht sind es aber auch die ungünstige demografische Entwicklung oder das Fehlen von Produktivitätssteigerungen. Wie dem auch sei: Ein Abschwung der chinesischen Wirtschaft ist immer eine schlechte Nachricht, weil das Wachstum in diesem Land letztlich so wichtig ist. Außerdem ist zu befürchten, dass die Behörden nicht mehr viel tun können, um die Wirtschaft anzukurbeln, falls das Weltwirtschaftswachstum tatsächlich unter Druck geraten sollte. Schließlich liegen die Zinsen ja bereits bei 0 Prozent, während sich die QE-Maßnahmen als nur begrenzt erfolgreich erwiesen haben. Und nicht zuletzt werden die Staaten auch durch ihre Haushaltsdefizite eingeschränkt, Geld in die Hand zu nehmen, um sich aus dieser misslichen Lage zu befreien. Ganz grundsätzlich gehen wir davon aus, dass sich das BIP-Wachstum Chinas auf (immerhin noch) 5 Prozent p.a. abschwächen könnte. In diesem Fall müssten wir nicht abwarten, welche geldmarktpolitischen Schritte Peking als nächstes tun wird, da womöglich gar keine weiteren umfassenden Ankurbelungsmaßnahmen erforderlich sind. Unabhängig davon, wie das Ganze letztlich ausgehen wird, scheint jedoch klar zu sein, dass die Zinsen wohl noch längere Zeit niedrig bleiben werden. Außerdem dürften die Zinsen insgesamt nicht so stark ansteigen wie in früheren Zyklen.

Bevor man jetzt aber in allzu großen Trübsinn verfällt: Es gibt in diesem Zusammenhang auch ein paar gute Nachrichten. Nachdem aktive Manager zuletzt über Jahre hinweg Marktanteile an Anbieter passiver Anlagelösungen verloren haben, kämpfen sie sich jetzt wieder zurück. So hat der durchschnittliche aktive Manager in Europa und Großbritannien in diesem Jahr den entsprechenden Index um rund 3 bis 5 Prozent übertroffen, und unsere eigenen Fonds haben sich größtenteils sogar noch besser entwickelt. Unter Berücksichtigung unserer zurückhaltenden Positionierung und unseres vorsichtigen Anlagestils sind wir in marktbreiten Energie- und Rohstofftiteln sehr stark untergewichtet. So konnten wir als unbeteiligte Zuschauer beobachten, wie die Aktienkurse vieler einstmals mächtiger Unternehmen unter der Last immer neuer Gewinnherabstufungen eingebrochen sind. Und für jene Firmen, die gleichzeitig auch noch schlecht finanziert sind, könnte sich die Lage sogar noch verschlimmern, so dass in Zukunft mit einigen Insolvenzen zu rechnen ist. Dies spiegelt sich in den Zinsdifferenzen bereits wider, denn die Spreads von Hochzinsanleihen gegenüber britischen Staatsanleihen (Gilts) haben von einem Tief von 300 BP aus dem Jahr 2014 zuletzt auf fast 600 BP ausgeweitet. Unserer Meinung nach werden robuste Prozesse bei der Einzeltitelselektion, beim Risikomanagement sowie bei der Portfoliostrukturierung deshalb auch in Zukunft entscheidend sein, da sich das Umfeld zusehends eintrübt.

Dankenswerterweise handelt es sich dabei um Bereiche, in denen wir brillieren können. Obwohl wir es derzeit mit dem wohl schwierigsten volkswirtschaftlichen und marktspezifischen Umfeld seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise zu tun haben, sind wir fest davon überzeugt, dass wir gut aufgestellt sind, um für unsere Kunden auch weiterhin gute Ergebnisse zu erzielen. Gleichzeitig sind wir mit unserer Performance im Vergleich zu unseren Mitbewerbern sehr zufrieden, zumal sich bei uns nur einige wenige Segmente schwach entwickelt haben. Allerdings ist aktuell ein besonders hohes Maß an Konzentration und Umsicht gefragt. Dem werden wir beim Portfoliomanagement auch in Zukunft stets Rechnung tragen.


Autor: Mark Burgess, CIO EMEA and Global Head of Equities bei Columbia Threadneedle Investments
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Guten Appetit mit dem Preis-Sandwich!

Doch dann bin ich – wie es meine Profession nun einmal verlangt – auf einer Veranstaltung, in einem Meeting oder im Seminar und es kommt wie es wohl kommen muss: Manch einer kennt die alten Hüte nicht. Vielleicht hat ja die junge Generation vor lauter Facebook-Marketing und Co. (nicht abwertend gemeint) den Blick für die alten Basics verloren, denke ich mir dann manchmal? Ist übrigens eine ernstgemeinte Frage. Wer Antworten hierzu hat – ich freue mich auf Ihre Beiträge im Forum!

Nun gut, die „alten Hasen“ mögen mir das Aufwärmen des nächsten Ganges verzeihen: Heute lernen wir, wie man einen leicht-bekömmlichen Preis-Sandwich zubereitet, an dem sich der Interessent von heute und Kunde von morgen auch ja nicht verschluckt.

Es geht immer ums Gleiche – ums Geld!

Es ist ja nun einmal so, dass niemand gerne Geld bezahlt. Wir wollen einen neuen Fernsehen zur WM und sind hierfür bereit, Geld zu bezahlen. Noch lieber würden wir ihn allerdings umsonst und gratis mitnehmen. So ein schönes Sümmchen auf dem (Firmen-) Konto beruhigt ja schließlich ungemein. Der Gedanke, die EC-Karte zücken zu müssen, die Scheine aus dem Geldbeutel zu holen oder einen Kaufvertrag zu unterschreiben – innerlich zuckt da jeder von uns zusammen.

Und damit dieses Zusammenzucken nicht in einer kauffeindlichen Schockstarre endet, hat man den Preis-Sandwich erfunden. Mit dieser Methode gelingt es in Windeseile, die Gedanken vom entsetzlichen Preis des Produktes auf dessen verzückenden Vorzüge (zurück zu) lenken. Alles was Sie hierfür tun müssen ist, sich ein positives Produktmerkmal – gewissermaßen als Ihren persönlichen Joker – für den Schlussteil des Verkaufsgesprächs aufzubewahren. Nämlich für den Moment, wo es ungemütlich wird: beim Preis des Produktes.

Der Preis-Sandwich hat seinen Namen deshalb erhalten, da man hierbei den Preis schön schmackhaft verpackt: Mehrere positive Produktmerkmale von unten, eine letztes macht den Deckel drauf und dazwischen liegt – gut verpackt wie eine Frikadelle – der Preis. Den merkt man beim Kauen quasi gar nicht!

Preis-Sandwich zubereiten – so geht’s:
  1. Wiederholen Sie die genannten Vorzüge des Produktes. Argumentieren Sie nutzenorientiert und greifen Sie die vom Interessenten genannten Wünsche auf.

    Beispiel: Sie sagten, Sie haben Angst davor sich teuren Zahnersatz später einmal nicht leisten zu können und dann Zahnlücken zu haben. Mit dieser Zahnzusatzversicherung sind sämtliche Kosten, die Ihre Krankenkasse nicht trägt, abgedeckt. Darüber hinaus: Wenn Sie eine Füllung benötigen, so müssen Sie nicht an Ihrer Gesundheit sparen, Keramikfüllungen kosten Sie beispielsweise keinen Cent extra.

  2. Jetzt geht’s ans Eingemachte, den Preis des Produktes.

    Dieses Rundum-Sorglos-Paket für Ihre Zähne erhalten Sie für 35 Euro pro Monat.

  3. Bevor sich Ihr Interessent nun womöglich ausrechnet, was ihn das im Jahr kostet, schieben Sie schnell Ihren Joker hinterher:

    Aber wissen Sie was: Die Erfahrung zeigt, dass die Inhaber dieses Versicherungsschutzes häufig die gesünderen Zähne haben. Das liegt womöglich daran, dass sie auch für professionelle Zahnreinigung keinen Cent bezahlen müssen. So werden Karies und Co. wirksam bekämpft, bevor sie überhaupt da sind.
Sie sehen: Manche alten Hüte sind im Handumdrehen zubereitet und schmecken vorzüglich. Viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung!

Diskutieren Sie mit sich oder Kollegen: Preis-Sandwich und Co – nur etwas für alte Hasen? Welche Verkaufs-Basics wenden Sie bis heute an? Wie machen Sie Ihren Kunden und Interessenten den Preis schmackhaft?

Mit willensstarken Grüßen,

Ihr Jörg Laubrinus

Jörg Laubrinus ist Vertriebscoach und Geschäftsführer der Mission Freiheit GmbH
www.dervertriebscoach.de


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Einmal der geldpolitischen Versuchung widerstehen

Wenn am Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB) tagt, sind die Erwartungen der Finanzwelt klar: Sie werden auf Hinweise warten, ob und wann die EZB ihr QE-Programm ausweitet. EZB-Präsident Draghi hatte bereits auf der letzten Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass Volumen, Zusammensetzung und Länge des Programms zur Diskussion stehen. In den letzten Wochen haben verschiedenen EZB-Ratsmitglieder dazu Stellung genommen. Der Österreicher Nowotny hat Sympathie signalisiert andere haben sich teilweise kritisch geäussert. So halten Direktoriumsmitglieder Mersch und Coeure die Diskussion für verfrüht. Der Litauer Vasiliaukas sieht gar keine Notwendigkeit für eine weitere Lockerung und in die gleiche Richtung argumentiert die Deutsche Bundesbank. Aber das Thema bleibt auf dem Tisch, wohl auch weil Draghi mehr oder weniger ausgeschlossen hat, dass die derzeit bei -0,2 % liegenden Einlagezinsen nochmals reduziert werden könnten. Eine weitere Zinssenkung würde nun seine Glaubwürdigkeit beschädigen und vermutlich lediglich dazu führen, dass auch andere europäische Notenbanken wie die der Schweiz, von Dänemark und Schweden ihre Zinsen nochmals senkten oder wie im Fall UK erst später erhöhten. Für den Wechselkurs bliebe eine Zinssenkung daher ziemlich wirkungslos. Zu befürchten wäre das aber auch, wenn jetzt eine Ausweitung des QE-Programms beschlossen würde. Die Marktzinsen sind bereits extrem niedrig und stellen nicht den Grund für die schwache Kreditentwicklung dar. Diese wäre auch dann nicht dynamischer, wenn die EZB beschlösse statt 60 Mrd. Euro pro Monat 80 Mrd. Euro an Wertpapieren zu kaufen.

Fiskalpolitik in Deutschland hat noch Spielraum

Konjunkturelle Impulse sollten stattdessen von einer Kombination von expansiver Fiskalpolitik gekoppelt mit Strukturreformen kommen. Deutschland hat auf beiden Gebieten noch viel Potenzial. Reformen würden das mittelfristige Wachstumspotenzial erhöhen und das Vertrauen in eine nachhaltige Wirtschaftspolitik stärken. Sie gehen in der kurzen Frist aber auch häufig mit Belastungen einher, weswegen sie von expansiven fiskalpolitischen Impulsen begleitet werden sollten. Bei einem ausgeglichenen Haushalt besteht dafür ausreichend Potenzial. Und die EZB? Sie muss akzeptieren, dass es extrem schwierig und kostspielig wäre, wenn sie allein versuchte die Konjunktur- und Strukturprobleme Eurolands zu lösen. Statt einer vorschnellen Erhöhung ihrer monatlichen Ankäufe, könnte sie aber im nächsten Jahr beschließen, den Ausstieg aus dem QE-Programm fließender zu gestalten. Denkbar wäre beispielsweise, dass sie nach September 2015 ihre Käufe sukzessive um monatlich 10 oder 5 Mrd. Euro senkt und so das Programm um 5 oder 11 Monate bzw. 150 oder 330 Mrd ausweitet. Welche der beiden Größen sie wählt, kann sie durchaus konjunkturabhängig entscheiden. Eine solche Verlängerung würde die Finanzmärkte schonen. Ob sie aber die Inflationsentwicklung beflügeln, darf auch nach den bisherigen Erfahrungen bezweifelt werden.


Autor: Karsten Junius, Chefvolkswirt, Bank J. Safra Sarasin
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Reformen für China eröffnen Chancen für eine Markterholung

Dies könnte dazu beitragen, Sorgen wegen der Wachstumsperspektiven, der Gewinnaussichten der Unternehmen sowie der Kreditrisiken in China zu lindern.

„Die jüngsten Kursschwankungen an den chinesischen Aktienbörsen haben zu einer Flut politischer Aktionen geführt, um die Märkte zu stützen. Unserer Ansicht nach könnte die Regierung zudem ihre Hilfen für den Finanzsektor verstärken, sollten sich die Anzeichen verdichten, dass Ansteckungsrisiken für die Volkswirtschaft bestehen“, sagt Markus Ackermann, Produktspezialist Emerging Markets bei HSBC Global Asset Management (Deutschland) GmbH.

Mit Blick auf die Gesamtregion bleiben für den HSBC-Experten die Bewertungen der asiatischen Aktienmärkte weiterhin attraktiv.

Markus Ackermann zu den asiatischen Teilmärkten:
  • China: „Die chinesischen Aktienmärkte haben im September weiter nachgegeben, weil viele Anleger einen Konjunkturabsturz befürchten. Diese Sorgen dürften eher überspitzt sein, zumal die Regierung fest entschlossen ist, gegenzusteuern. Damit eröffnen sich langsam gute Chancen für eine Markterholung.“
  • Hongkong: „Der Aktienmarkt in Hongkong ist auch im Berichtsmonat unter Druck. Die Sorgen wegen der Konjunkturentwicklung in China dominieren das Marktgeschehen. Allerdings weisen erste Frühindikatoren auf eine Erholung hin. Somit empfehlen sich zinssensible Titel, um von einer weiteren Lockerung der Geldpolitik zu profitieren.“
  • Indien: „Die indischen Aktienmärkte haben sich im September im Vergleich zum turbulenten Vormonat wieder stabilisiert. Die Inflation war ebenfalls konstant. Die Notenbank überraschte die Märkte mit einer kräftigen Leitzinssenkung um 50 Basispunkte. Für langfristige Anleger ergeben sich Einstiegschancen.“
  • Südkorea: „Der koreanische Aktienmarkt hat im Berichtsmonat deutlich besser abgeschlossen als die übrigen Börsen in der Region und sogar wieder leicht zugelegt. Die Abwertung der Landeswährung verlangsamte sich. Exportwerte profitierten von der Won-Schwäche und Telekomtitel von der Nachfrage nach defensiven Aktien.“
  • Thailand: „Der thailändische Aktienmarkt ist auch im September nicht von Kursverlusten verschont geblieben. Die Notenbank sprach von Konjunkturrisiken. Der Preisverfall hielt an. Angesichts fallender Unternehmensgewinne ist die thailändische Börse weiter mit Vorsicht zu genießen.“

Den ausführlichen Kommentar zu den einzelnen Aktienmärkten finden Sie im Downloadbereich.
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