Finanzierungskunden profitieren vorerst von EZB-Anleihekaufprogramm

Die EZB fühlt sich dementsprechend in ihrem Kurs bestätigt und setzt auch in den kommenden Monaten auf eine volle Umsetzung des Kaufprogramms mit einem monatlichen Volumen von 60 Milliarden Euro.

Mario Draghi kann auf einen guten Start des Anleihekaufprogramms der EZB zurückblicken. Der Eurokurs verminderte sich wie gewünscht deutlich gegenüber dem Dollar, und die langfristigen Zinsen büßten an Wert ein. Außerdem gelangten Unternehmer einer neuen EZB-Studie zufolge bereits nach der Ankündigung des Rückkaufprogramms zu leichteren Bedingungen an Finanzierungen von Geschäftsbanken.

Während der Leitzins erneut auf seinem Tiefstand von 0,05 Prozent verbleibt und entsprechend wenig Beachtung erfährt, sorgt das Anleihekaufprogramm schon knapp fünf Wochen nach seinem Start für vielfältige Reaktionen vonseiten des Kapitalmarkts und führenden Ökonomen. Während die Kapital- und Anleihenmärkte bisher positiv auf das Kaufprogramm reagierten, wurden erste Expertenstimmen laut, die über eine möglichen Drosselung oder ein vorzeitiges Ende des Kaufprogramms spekulierten. EZB-Chef Draghi ließ sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf derartige Überlegungen ein und machte den Fortgang des Kaufprogramms erneut an der Inflationsentwicklung fest.

Von der Zielsetzung der EZB, einer konstanten Inflation in der Nähe der Preisstabilitätsgrenze von 2,0 Prozent, sind die Verbraucherpreise der Eurozone jedoch noch weit entfernt. Zuletzt stiegen sie im Februar um 0,3 Prozent. Zum Jahresende hin könnten die Chancen auf einen Ausstieg oder eine Drosselung des Programms allerdings zunehmen, da sich dann der starke Einfluss der niedrigen Energiekosten auf die Verbraucherpreise jährt und in der Folge eine stärkere Inflation im Vergleich zum Vorjahr erwartet wird.

Weitere Seitwärtsbewegung der Finanzierungszinsen erwartet

Der Bestzins für Baufinanzierungen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung sank in der zweiten März-Hälfte leicht und tendiert seitdem knapp über der Marke von 1 % seitwärts. Auch Finanzierungskunden profitieren demnach − zumindest vorläufig − vom Anleihekaufprogramm der EZB, das direkt auf die Renditen der Staatsanleihen und in der Folge auf die Renditen für Pfandbriefe und Finanzierungszinsen einwirkt. Angesichts des außergewöhnlich niedrigen Zinsniveaus, das auf lange Sicht ein hohes Zinsänderungsrisiko beinhaltet, hält Dr. Klein an seiner Empfehlung fest, Baufinanzierungen mit einer langfristigen Zinsfestschreibung in Kombination mit hohen Tilgungen abzuschließen. Unsere Empfehlung lautet: Je niedriger der Zins abgeschlossen wird – gerade wenn Kunden kürzere Zinsbindungen abschließen – desto wichtiger ist es, von vornherein eine höhere Anfangstilgung von mindestens zwei Prozent, besser aber noch drei Prozent abzuschließen. Die Dr. Klein Finanzierungsspezialisten stehen Privatkunden zur Seite und ermitteln für ihre Kunden passende Eckdaten für ein ebenso attraktives wie sicheres Finanzierungsprodukt.

Tendenz:
Kurzfristig: schwankend seitwärts
Langfristig: steigend



Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher der Dr. Klein & Co. AG
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Wer braucht ein weiteres Zahlungssystem für Internet und Mobile?

Die deutschen Finanzdienstleister haben dem bislang wenig entgegenzusetzen – auch rund 20 Jahre nach dem Start des E-Commerce haben sie noch immer keine überzeugende Lösung für eine Aufgabe, die doch zu ihren Kernkompetenzen zählen sollte. Da hat man wohl einen Trend komplett verschlafen.

Die Konsumenten haben sich mittlerweile an die unkomplizierten Verfahren, die ihnen Anbieter wie Paypal zur Verfügung stellen, gewöhnt, so dass sich die Frage stellt, wie Banken jetzt noch, als Nachzügler in einem umkämpften Markt, diese Kunden zurückgewinnen wollen. Zwar ist gerade Paypal hinsichtlich der Sicherheit umstritten, aber es ist die Frage, ob das ausreicht, diesem überaus beliebten Dienst doch noch das Wasser abzugraben. Und auch wenn in einschlägigen Foren immer wieder frustrierte Nutzer über sonderbare Geschäftspraktiken und Vertragsgestaltungen murren, genutzt wird der Dienst ja trotzdem. Mehr Sicherheit und kundenfreundlichere AGBs werden wohl kaum ausreichen, um die abgewanderten Kunden zurückzuholen. Hier sollte man realistisch sein: Auf einen weiteren Internet-Bezahldienst wartet außerhalb des Bankensektors kein Mensch.

Nein, die deutschen Finanzdienstleister werden schon etwas mehr liefern müssen, als die bloße Abwicklung von Zahlungsvorgängen. Gefragt sind innovative Ansätze, echte Mehrwertdienste, die dem Kunden mehr bieten als nur den Transfer von Geld von A nach B. Denkbar sind hier etwa direkt in den Bezahldienst integrierte Bonus- oder Gutscheinsysteme. Solche Lösungen müssen für die Kunden natürlich kostenlos sein und vor allem müssen sie in Sachen Datensicherheit und -schutz Standards setzen. Mit einem weiteren Datenmoloch wird man sich nämlich gerade in Deutschland keine Freunde machen. Aber die Banken könnten in einem Bonussystem ihre vorhandene Position als vertrauenswürdige kontoführende Institutionen ausspielen und die Daten ihrer Kunden in eigenen Händen behalten. Relevanz der Angebote und Komfort sind die beiden entscheidenden Erfolgsfaktoren.

Außerdem muss von Anfang an mobiles Bezahlen immer integrierter Bestandteil einer Bezahl-Lösung sein, denn das private Internet verlagert sich zunehmend auf Smartphones und Tablets, also auch der private E-Commerce. Gerade im mobilen Bereich sind die neuen, bankfremden Player selbst noch nicht optimal aufgestellt, hier experimentieren sie selbst noch und versuchen sich gegenseitig Marktanteile abzujagen. Mit einer integrierten mobilen, institutsübergreifenden Lösung könnte man wieder Boden gutmachen – sofern man bereit ist, endlich flexibel und schnell zu agieren. Viel Zeit bleibt allerdings dafür nicht, denn die erwähnten neuen Player sind aus der Web- und IT-Welt, aus der sie kommen, an eine hohe Schlagzahl gewöhnt.


Autor: Paul Rothenberger, Head of Banking Pegasystems
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Umsatzsteuerliche Unschärfen bei Anteilsvermittlung Untervermittlern

Die deutsche Finanzverwaltung und Finanzrechtsprechung vertrat/vertritt die Auffassung, die Anlage- und Kreditvermittlung mit eingeschalteten Untervermittlern sei ein umsatzsteuerpflichtiger Vorgang. Diese Auffassung erreichte auf Vorlage des FG Brandenburg den EuGH, der dazu in seiner Ludwig-Entscheidung vom 21.06.2007 eine gegenteilige Auffassung vertrat, die allerdings bis heute von der Finanzverwaltung und Finanzrechtsprechung bis hin zum BFH negiert wird.

Der EuGH in seiner Ludwig-Entscheidung hatte die Umsatzsteuerfreiheit einer Kreditvermittlung eines Kapitalanlagevertriebs zu beurteilen, der seine Vermittlungsleistung durch von ihm jeweils eingeschaltete Untervermittler erbrachte.


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Dr. Klaus-R. Wagner Rechtsanwalt und Notar, Fachanwalt für Steuerrecht
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Wandelanleihen – eine Alternative für konservative Anleger

Vor allem konservativ ausgerichtete Investoren stehen beim aktuellen Niedrigzinsumfeld vor einer großen Herausforderung. An den Anleihemärkten ist die Verzinsung niedrig und die Anleihekurse von Schuldnern mit guter Bonität, notieren so hoch, dass die Restrendite fast gegen Null tendiert. Außerdem markieren die Aktienmärkte ein Rekordhoch nach dem anderen und ebendiese Unternehmen zahlen zusätzlich Dividenden aus, welche oftmals über den Anleiherenditen liegen. Viele große Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen oder Stiftungen sind jedoch dazu verpflichtet, einen Großteil des Vermögens in Anleihen zu investieren.

Da kommen Wandelanleihen gerade recht, denn diese sind besonders interessant, wenn die Aktienkurse steigen. Bei dieser Anleiheart, welche auch als „Convertibles" bezeichnet wird, handelt es sich um festverzinsliche Anleihen, die von Aktiengesellschaften ausgegeben werden. Wie bei „normalen" Anleihen werden ein Zinskupon, eine begrenzte Laufzeit und ein Nennwert definiert.
Der große Unterschied liegt aber darin, dass die „Convertibles" mit einem Wandlungsrecht für ihren Käufer ausgestattet sind. Mit diesem kann er während oder am Ende der Laufzeit die Wandelanleihe in eine bestimmte, vorher festgelegte Aktienanzahl des emittierenden Unternehmens umtauschen. Wandelanleihen bieten somit die Möglichkeit, von der Entwicklung am Aktienmarkt zu profitieren, begrenzen aber gleichzeitig mögliche Verluste an der Börse, da das Wandlungsrecht nicht ausgeübt werden muss. Die Verzinsung ist aber niedriger als bei klassischen Unternehmensanleihen.

Obwohl das Prinzip der Wandelanleihen auf den ersten Blick unkompliziert erscheint, sollten sich vor allem Privatanleger vor einem Investment intensiv mit der Materie befassen, da die Kursentwicklung und die Ausgestaltung von Wandelanleihen von zahlreichen Faktoren abhängig sind. Darüber hinaus werden Wandelanleihen oft in einer hohen Mindeststückelung von beispielweise 100.000 Euro ausgegeben, sodass es für Privatanleger schwierig ist, solche Anleihen zu kaufen. Sinnvoller ist der Kauf von Wandelanleihen-Fonds oder -ETFs, welche die Anleger problemlos über die Börse kaufen können, um somit vom Besten aus den beiden Welten, nämlich von Anleihen und Aktien, profitieren zu können.


Autor: Manuel Peiffer, Relationshipmanagement, GVS Financial Solutions GmbH

Rendite mit gutem Gewissen

Das ist dann wieder eine Zeit, in der viele Marktteilnehmer vermuten, dass das Thema Nachhaltigkeit auch im Bereich der Anlegerinteressen einen Nachfrageboom auslösen sollte. Aber dem ist nicht so. Sogenannte grüne Investments werden für private Anleger zwar zunehmend wichtiger, aber Nachhaltigkeit ist nur bei vergleichsweise wenigen ein primäres Kaufkriterium.
Den Deutschen Derivate Verband hat somit in seiner monatlichen Trend-Umfrage interessiert, welche Rolle ethische oder ökologische Aspekte bei der Geldanlage von Privatanlegern spielen. Immerhin beteiligten sich an der Umfrage knapp 4.400 Personen. Dabei handelt es sich in der Regel um gut informierte Anleger, die als Selbstentscheider ohne Berater investieren.
Während 60 % der Teilnehmer ethisch-ökologische Kriterien bei ihren Investments nicht oder nur untergeordnet berücksichtigen, ziehen immerhin 30 % sogenannte grüne Geldanlagen wenigstens in Betracht. Lediglich für jeden zehnten Anleger spielt die Nachhaltigkeit der Anlage sogar eine vorrangige Rolle.

Damit gibt es übrigens kaum spürbare Fortschritte: Im August 2011 antworteten noch rund 38 % der Teilnehmer auf die Frage, ob sie bei ihrer Geldanlage ethische oder ökologische Aspekte berücksichtigten, schlicht mit nein. Weitere 30 % der Umfrageteilnehmer gaben an, zwar das Thema Nachhaltigkeit zu berücksichtigen, dennoch stand auch damals die Chance auf eine attraktive Rendite an erster Stelle.

Die Erfahrung aus zahlreichen Gesprächen lässt trotzdem darauf schließen, dass immer mehr Finanzkunden ihr Geld mit einem guten Gewissen investieren wollen. Im Bereich der nachhaltigen Geldanlagen stehen den Investoren mittlerweile auch alle gängigen Finanzprodukte wie Aktien, Anleihen, Fonds oder auch Zertifikate zur Verfügung.

Was fehlt, sind klare und einheitliche Standards. Vielen Privatanleger brauchen eindeutigere Definitionen, welche Kriterien eine nachhaltige Geldanlage erfüllen muss. Nur mit klaren Bestimmungen und Transparenz können Anbieter von grünen Finanzprodukten also Vertrauen bei den Anlegern schaffen, so dass die Kunden tatsächlich in nachhaltige Finanzprodukte investieren.


Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband (DDV)

Mehr Kreativität in der Produktberatung

Der höchste Zins fürs Tagesgeld oder die günstigste Kfz-Versicherung sind mittlerweile nur noch einen Mausklick entfernt.
Kein Wunder, dass auch die Profis aus der Finanz- und Versicherungsbranche verstärkt die Anbieter von Vergleichssoftware und deren Datenbanken nutzen. Makler suchen sich beispielsweise anhand der einschlägigen Portale die billigsten Berufsunfähigkeitsversicherungen und Rentenversicherungen heraus, vielleicht noch selektiert nach Ratings. Diese Ergebnislisten dienen als Grundlage für das Kundengespräch. Nun erfüllen diese Anbieter ohne Zweifel eine wertvolle Funktion: Sie liefern einen schnellen Überblick, sie sparen Zeit und schaffen Transparenz. Aber umso wichtiger ist es, die Grenzen dieser Software zu sehen – das müsste sich eigentlich jeder Versicherungsmakler verinnerlichen wie das Zähneputzen. Sonst läuft der Berufsstand in Gefahr, sich auf Sicht selbst zu schaden. Denn Vergleichssoftware-Anbieter sind bei allen Stärken wie Planierraupen, die Unterschiede einebnen und so zu Uniformität in den Produkten führen. Die Zahl der Auswahlkriterien ist nämlich begrenzt. Die Nutzer sehen nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit. Das ist so, als würde man Filme noch mit einem Schwarz-Weiß-Fernseher schauen. Dabei ist die Welt farbig, wie jeder weiß.

Auch die Versicherungsunternehmen reagieren auf das Korsett der Vergleicher und passen ihre Tarife an. Das bedeutet, die Angebote werden sich immer ähnlicher – aber nicht zwingend besser. Eine Unfallversicherung etwa kann man online nach Prämienhöhe, Versicherungsleistungen oder eingeschlossenen Leistungen sortieren. Aber eine Unfallpolice mit Schadenersatz für alle finanziellen Einbußen? Solche innovativen Angebote gibt es – nur nicht bei den Vergleichssoftware-Anbietern. Das lässt deren Raster nicht zu. Das Beispiel zeigt zugleich die Chancen für Versicherungsvermittler auf: Wer auf Kreativität statt auf Uniformität setzt, wer sich die Mühe macht, Informationen über die optimalen Produkte jenseits der Vergleichssoftware zu sammeln, der kann die individuellen Bedürfnisse seiner Kunden besser erfüllen und wird damit erfolgreicher sein.

Maßgeschneiderte Lösungen statt Standardware heißt deshalb die Antwort zur eigenen Zukunftssicherung. Die Werkzeuge und Produkte sind vorhanden. Es braucht nur ein wenig Kreativität und Einsatzbereitschaft. Der Kunde wird es einem danken. Wer dagegen glaubt, allein mit den Computer-Listen arbeiten zu können, der wird sich auf kurz oder lang selbst überflüssig machen. Denn Vergleichsportale und die Software können die Kunden auch bedienen – wozu bräuchten sie dann künftig noch einen Vermittler?


Martin Gräfer, Vorstand Versicherungsgruppe die Bayerische
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Danke Mario Draghi, danke Ölpreis

Im Wesentlichen sprechen aktuell vier Faktoren für europäische Aktien:

Der günstige Euro: Er ist zum US-Dollar auf ein Elf-Jahres-Tief gefallen, was die exportorientierte Wirtschaft der Eurozone unterstützt. Hiesige Unternehmen erwirtschaften allein rund 20 Prozent ihrer Gewinne in den USA. Es wird geschätzt, dass ein Nachgeben des Euro gegenüber dem US-Dollar um 20 Cent die Gewinne europäischer Unternehmen um rund 5 Prozent steigert.

Der niedrige Ölpreis: Für Konsumenten wirkt er wie eine Steuersenkung, für Unternehmen bedeutet er niedrigere Kosten. Die Erfahrungen aus den Ölpreisschocks von 1986 und 1990 haben gezeigt, dass ein Ölpreisverfall um 10 Prozent die Gewinne europäischer Unternehmen um 2 Prozent erhöht.

Die Politik der Europäischen Zentralbank: Der Kauf von Anleihen in Höhe von 60 Milliarden Euro pro Monat drückt auf die Zinsen. Das sollte einerseits die Nachfrage nach Aktien erhöhen. Andererseits reduziert es die Refinanzierungskosten der Unternehmen und dürfte auch die Kreditnachfrage der privaten Haushalte erhöhen. Das kurbelt die Wirtschaft an.

Die fundamentalen Unternehmensdaten: Den europäischen Unternehmen geht es – andres als vielen Staaten – gut. Die Gewinne liegen im Schnitt konstant über denen der Unternehmen weltweit. Zudem sind die Bilanzen solide. Mit dem steigenden Vertrauen in die Geschäftsentwicklung dürften die Unternehmen wieder anfangen, ihr angehäuftes Kapital zu investieren.


Fazit: Auch wenn sich die Probleme unseres Kontinents nicht in Luft aufgelöst haben, bessert sich der Ausblick. Unsere europäischen Aktienfonds sind daher für einen moderaten Aufwärtstrend positioniert. Allerdings ist nicht der gesamte Markt attraktiv. So sind derzeit Qualitätsaktien günstiger bewertet als Value-Titel. Tatsächlich ist der europäische Aktienmarkt im historischen nicht länger günstig: Wenn wir die Dotcom-Ära herausnehmen, liegen die aktuellen Kennzahlen leicht über dem langjährigen Durchschnitt. Und auch wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis europäischer Aktien mit knapp 17 unter dem weltweiten Durchschnitt von über 18 liegt, gilt es wieder umso mehr, sich jedes Unternehmen im Detail anzuschauen. Das ist der Mehrwert, den nur ein aktives Fondsmanagement bieten kann. Nur mit ihm lassen sich Firmen mit Potenzial für Gewinnwachstum aufspüren.


(Autor: Martin Stenger, Leiter Vertrieb für unabhängige Finanzberater und Versicherungen bei Fidelity Worldwide Investment in Deutschland)


finanzwelt-Tipp: In der aktuellen Printausgabe 02/2015 haben wir ein Expertengespräch zum Thema "Europäische Aktien"
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Im Dunkeln ist schlecht Munkeln – zeigen Sie sich!

Liebe VerkaufsUnternehmer,

ach wie gut das niemand weiß, dass ich Versicherungsexperte heiß!

... so oder so ähnlich waren meine Gedanken, nachdem ich aus Jux und Tollerei die Wörter Versicherungsmakler und Versicherungsvertreter bei Google-Maps eingeben hatte. Auf dem Satellitenfoto meiner Umgebung tummelten sich zwar eine ganze Menge Einträge von Berater X und Makler Y – aber eben bei weitem nicht alle! Ich sah auf Anhieb so manchen weißen Fleck auf der Karte, von dem ich weiß, dass im realen Leben hier ein Versicherungsbüro steht.

Ich verstehe die Kollegen so gut: Diese vielen Kunden. All der Umsatz. Das gute Einkommen, die Selbstbestätigung und Zufriedenheit – Gott nein! Bloß nicht! Viel angenehmer lässt es sich leben und so tun als arbeiten, wenn man schön die Füße stillhält und jammert. Wenn man sein Leid vor sich herträgt und stets darauf verweist, wie schwierig das Geschäft doch in diesen Zeiten sei. Dann diese anspruchsvollen Kunden und überhaupt, die Region gibt wirtschaftlich eh nicht mehr her. Ja, niemand sollte sich so eine Aussicht von Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zunichtemachen lassen. Womöglich kommen noch mehr Kunden vorbei – da munkelt man doch lieber gemütlich im Dunkeln!

Für all die unverbesserlichen, motivierten und ausredenfreien Menschen unter Ihnen präsentiere ich diese Woche dennoch ein paar Denkanstöße, wie man mit ein klein wenig Aufwand und noch weniger Budget Menschen, um nicht zu sagen potenzielle Kunden erreichen kann.

Sie sind nicht allein
Wie viele kleine und mittelständische Unternehmer gibt es in Ihrer Ortschaft oder Region? Jede Wette – jede Menge! All diese Unternehmer stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie Sie: Der Rechtsanwalt, der Weinhändler, der Elektriker und der Fotograf – sie alle wollen im Bewusstsein der Kunden bleiben, bzw. dorthin gelangen. Beispiel: Flyer im jeweiligen Büro, ein gemeinsames Sommerfest, kostenlose Werbung in den jeweiligen Kundennewslettern ... und jede Menge mehr, wenn man nur will und sich ins Zeug legt.

Apropos Kundennewsletter:
Wie, Sie haben keinen? Na dann wird's aber Zeit! Ein Newsletter ist ein effektives Mittel für Zusatzverkäufe und Kundenbindung. Gesetzliche Änderungen, Produktneuheiten etc. – all das kann für Ihre Bestandskunden Grund genug sein, einen neuen Termin zu vereinbaren.

Apropos Kunden:
Wissen Sie, wo diese häufig nachschauen, wenn sie einen Dienstleister suchen? Richtig, im Telefonbuch! Ja, dem gedruckten. Steht Ihr Unternehmen drin?

Und jetzt raten Sie mal ...
... wo Generation X und Y (also Menschen zwischen 15 und 50) sich ihren kompetenten Dienstleister suchen. Jep, im Internet. Ist doch ein alter Hut, ne? Sagen Sie das dem oben erwähnten Kollegen und schauen Sie selbst einmal nach, wer bei Ihnen in der Umgebung alles NICHT in Google-Maps angezeigt wird. Ernsthaft: Wer auf regionale Kundschaft angewiesen ist, der MUSS bei diesem Kartendienst registriert sein. Und zwar bitte inklusive Internet-Adresse (noch so eine häufig missachtete Selbstverständlichkeit) – was gibt es denn besseres, als Besucher auf Ihrer Webseite?

Und dann gibt es da ja noch ...
... die Presse. Die Lokalpresse, um genau zu sein. Mit etwas mehr (aber meistens überschaubaren) Ausgaben verbunden sind Werbeanzeigen. Aber Sie sind doch Unternehmer, da gehört nun einmal auch das Investieren hinzu.

Wnen Sie tätsahclich an die Öfenfltihckiet geehn ...
... dnan slolten Sie acuh Afumreskamkiet erezilen! Ghet gnaz enifcah. Karss, oedr?

Oder aber ...
... Sie produzieren Fachbeiträge für die Presse und glänzen mit Ihrem Expertenwissen. Regionale Anzeigenblätter, Fachzeitschriften, regionale oder thematisch spezialisierte Internet-Portale – oftmals sind die Macher dieser Produkte froh über kostenlose Beiträge. Denn (Web-) Seiten wollen immer wieder aufs Neue gefüllt werden!

Welche Vergleichsportale gibt es eigentlich ...
... für Ihre Branche und Ihren Berufsstand? Bei mir ist es Trainer-Ranking.com(LINK). Und bei Ihnen? Wissen Sie nicht? Komisch, noch günstiger gelangen Sie niemals an Öffentlichkeit und Empfehlungen!

Sie sehen, wenn man sich einen Kopf macht, wenn man sich engagiert und ins Zeug legt, wenn man WILL, dann KANN man auch vieles erreichen. Aber Obacht: Wer sich aus dem Dunkel wagt, wird womöglich auf Neukunden stoßen. In diesem Sinne!

Diskutieren Sie mit sich oder Kollegen: Wie setzen Sie das Web 2.0 für Ihre Öffentlichkeitsarbeit ein? Wie setzen Sie die guten alten Printmedien aus der Steinzeit für Ihr Unternehmen ein? Kooperieren Sie und wenn ja mit wem? Sie finden es toll im Dunkeln? Seit wann ist das so?

Mit willensstarken Grüßen,

Ihr Jörg Laubrinus
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Flugzeuge als Sachwert – was dafür spricht

Die Anbieter von Sachwertbeteiligungen sind angekommen in der neuen regulierten Welt. Immer mehr Emissionshäuser haben eine für die Konzeption von Sachwertfonds notwendige Zulassung als Kapitalverwaltungsgesellschaft, kurz: eine KVG-Lizenz, und bieten nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) konzipierte Beteiligungsmodelle, so genannte Alternative Investmentfonds (AIF) an.

Das sind gute Nachrichten für Anleger – gerade in Zeiten der anhaltenden Zinsflaute und einer Börsenhausse, die langsam unheimlich wird. Denn Sachwerte wie Immobilien, Infrastruktureinrichtungen und Mobilien wie Container, Flugzeuge oder Lokomotiven liefern über Nutzungsgebühren, Miet- oder Leasingeinnahmen stabile und gut kalkulierbare Erträge deutlich oberhalb des Zinsniveaus und sorgen zudem für Stabilität. Schließlich sind ihre Bewertungen nicht wie die von Aktien den täglichen Stimmungsschwankungen der Marktakteure unterworfen. Weil sie sich weitgehend unabhängig von traditionellen Assetklassen entwickeln, sorgen sie zudem für eine Diversifikation des Anleger-Portfolios.

AIF bieten Anlegern Zugang zu einer Vielzahl unterschiedlicher Sachwerte. Dabei sorgt die Regulierung dafür, dass die Vehikel heute deutlich höhere Anforderungen an Risikokontrolle, Bewertung der Vermögensgegenstände und Transparenz erfüllen müssen als die so genannten geschlossenen Fonds vergangener Tage. Damit ist de facto eine neue Anlageklasse entstanden, in der das Risiko minimiert ist, an unseriöse Anbieter oder zweifelhafte Fondskonstruktionen zu geraten.

Der Erfolg einer Sachwertbeteiligung hängt naturgemäß weiterhin vom Sachwert selbst ab. Nur wenn er tatsächlich die erwarteten Erträge bringt und sich am Ende der Laufzeit der Beteiligung wie geplant veräußern lässt, bringt er dem Anleger den prognostizierten Ertrag. Eine konservative Kalkulation durch den Anbieter sorgt dabei für eine gute Grundlage.
Ein Sachwert, bei dem viele Parameter wie die zu erwartenden Leasingeinnahmen bereits im Vorhinein feststehen, ist das Flugzeug. Dabei sind die Betriebsrisiken weitestgehend an die Fluggesellschaft ausgelagert, die das Flugzeug least. Die Airline übernimmt alle laufenden Betriebs- und Wartungskosten inklusive der gesetzlich vorgeschriebenen Checks, trägt das Risiko unvorhergesehener Ausfälle und versichert die Maschinen – auch gegen Flugzeugkatastrophen. Schäden aus etwaigen Konstruktionsfehlern oder –mängeln regeln die Gesellschaften mit den Herstellern, nicht mit den Eignern.

Flugzeugfonds, die ein oder mehrere Flugzeuge kaufen und langfristig an Fluggesellschaften verleasen, zählen daher zu den vergleichsweise defensiven Angeboten. Neben einer sicheren Kalkulationsgrundlage spricht auch das langfristig aussichtsreiche Marktumfeld für sie: Der Luftverkehr ist und bleibt ein Wachstumsmarkt, der Bedarf an Maschinen hoch. Das ist für den Gesamterfolg von Bedeutung, schließlich muss das Flugzeug am Ende der Laufzeit der Beteiligung von zehn oder mehr Jahren verkauft werden. Entscheidend ist hier, dass es sich beim Beteiligungsobjekt um ein marktgängiges Fluggerät handelt, das auch in mehr als zehn Jahren noch gefragt sein wird.
Derzeit spricht alles dafür, dass das beim derzeit größten Passagierflugzeug, dem Airbus A380-800, der Fall sein wird. Heute für viele namhafte Fluggesellschaften Flaggschiff und Publikumsmagnet, verbindet der Langstreckenjet die Metropolen der Welt – bei ständiger Ausweitung des Streckennetzes und immer mehr Flughäfen weltweit, die den Riesenflieger abfertigen können.

Der Zuspruch von Airlines und Passagieren und die höhere Effizienz des Jets im Vergleich zu anderen Maschinen lassen erwarten, dass sich die Maschine vom Typ A380 nach Ablauf des Leasingvertrags gut wird verkaufen oder neu verleasen lassen. Das gilt umso mehr, als dass der A380 insgesamt erst am Anfang seines Produktlebenszyklus steht, wenngleich es aus diesem Grund naturgemäß noch keine Zweitmarkterfahrungen gibt. Immerhin aber schätzen auch Luftfahrtgutachter den Wert gebrauchter A380 heute höher ein als noch vor ein bis zwei Jahren. Daran haben auch die jüngsten Fehlinterpretationen über eine unsichere Zukunft des Airbus-Flaggschiffs nichts ändern können. Zum einen gibt es seitens Airbus ein klares Bekenntnis zum Riesenjet. Zudem werden insbesondere Low-Cost-Carrier angesichts des kontinuierlich steigenden Passagieraufkommens in der Welt Interesse am A380 entwickeln und auf dem Markt für gebrauchte Flieger als Käufer in Frage kommen.


(Autor: Anselm Gehling, Geschäftsführer Dr. Peters Group)
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Kreditaufnahme: Nur wenn es unbedingt sein muss

Einer der Gründe für diese Vorgehensweise ist, dass Family Offices sehr viel Wert auf ihre Unabhängigkeit von Banken legen und die alleinige Kontrolle über den Immobilienbestand wünschen. Dennoch sind die aktuell extrem niedrigen Fremdkapitalzinsen auch für Family Offices verlockend.

Family Offices verhalten sich genau umgekehrt wie Privatinvestoren: Laut dem Dr. Klein-Trendindikator „Baufinanzierung" 01/2015 finanzierten Privatinvestoren ihre Immobilie im Januar 2015 zu 21,91 Prozent aus Eigenmitteln und zu 78,08 Prozent über einen Bankkredit. Family Offices nehmen dagegen in der Regel nur eine Fremdfinanzierung von 20 bis 30 Prozent in Anspruch – bezogen auf das gesamte Immobilienportfolio. Der weitaus größte Teil wird mit Eigenkapital bestritten. Als Maximalgrenze für die Kreditaufnahme fungiert bei den meisten Familien die 50-Prozent-Marke. Ein Teil der Family Offices – schätzungsweise etwa zehn Prozent – finanzieren ihre Immobilien sogar ausschließlich mit Eigenmitteln.
Die Gründe für diesen zurückhaltenden Einsatz von Fremdkapital sind vielfältig. Ein wichtiger Aspekt ist die unterschiedliche Ausstattung mit Eigenmitteln. Während vor allem private Immobilienkäufer oft nur mit Mühe das notwendige Eigenkapital aufbringen können und dafür jahrelang sparen müssen, leiden Family Offices in der Regel nicht an mangelnder Liquidität. Sie verfügen über ausreichend Mittel, um eine Immobilie komplett mit Eigenkapital erwerben zu können.

Neben der höheren Liquidität sind vor allem die größere Unabhängigkeit von Dritten und die höhere Flexibilität wichtige Gründe, auf Fremdkapital zu verzichten. Bei der Kreditvergabe verlangt die Bank in der Regel nicht nur Informationen, sondern auch Mitspracherechte im Krisenfall. Letztere werden durch entsprechende Kreditvertragsklauseln (Covenants) festgelegt und können je nach Kreditvertrag sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Beispielsweise kann die Bank Sondertilgungen verlangen, wenn ein festgelegter Verkehrswert unterschritten wird oder ein wichtiger Mieter auszieht. Schlimmstenfalls könnte die Bank die Zwangsversteigerung einleiten. Daher trachten Family Offices danach, entsprechende Klauseln zu vermeiden. Dies erreichen sie durch die geringen Fremdkapitalquoten. Denn bei einer Fremdfinanzierung in Höhe von 20 bis 30 Prozent des Immobilienwertes ist das Risiko aus Bankensicht deutlich geringer. Daher geben sich die Banken in diesen Fällen meist mit weniger restriktiven Covenants zufrieden.
Ein weiterer Grund für den Verzicht auf Fremdkapital ist der hohe Stellenwert, den Diskretion für Family Offices spielt. Es gibt immer noch Familien, die absolut diskret auftreten und es vorziehen, lieber ganz auf Fremdkapital zu verzichten, als im Rahmen einer Kreditprüfung zu viele Details über sich preisgeben zu müssen. Voraussetzung dafür ist eine exzellente Kapitalausstattung. Ist dies der Fall, können Objekte alleine geprüft und ganz ohne Einbeziehung einer Bank angekauft werden. In diesem Fall bleibt der Informationskreislauf geschlossen und alle Informationen zum Vermögen bleiben intern.

Ein Nachteil dieser konservativen Finanzierungspolitik ist freilich der Verzicht auf Rendite. Die meisten Immobilieninvestoren folgen in der Regel dem wirtschaftlichen Kalkül: Je höher der Fremdkapitaleinsatz, desto höher die Eigenkapitalrendite – sofern die erzielte Gesamtkapitalrendite höher ist als der Fremdkapitalzins. Dies gilt bei Family Offices nur bedingt. Zwar wollen sie mit ihren Immobilien auch Renditen erzielen, doch hat bei ihnen der Vermögenserhalt in der Regel Priorität vor der Renditemaximierung.
Dies hat auch mit dem typischerweise langfristigen Anlagehorizont der Family Offices zu tun. Sie halten Objekte oft deutlich länger als zehn Jahre, und nicht selten kommt es vor, dass Immobilien über Generationen hinweg im Portfolio einer Familie verbleiben. Damit unterscheiden sie sich grundlegend von anderen Akteuren am Immobilienmarkt. Demzufolge arbeiten Family Offices – wenn sie Kredite aufnehmen – auch mit vergleichsweise langen Laufzeiten von oft mehr als zehn Jahren. Entsprechend verhalten sie sich auch beim Thema Zinsbindung: Die derzeitigen Rekord-Niedrigzinsen werden so lange wie möglich festgeschrieben.

Allerdings bewegen sich Family Offices nicht im luftleeren Raum. Auch sie können sich dem Lockruf der Zinsen, die derzeit ein historisches Tief erreicht haben, nicht ganz verschließen. Sie müssen ihre Balance zwischen dem Erhalt der maximalen Unabhängigkeit und ihrem Renditestreben neu justieren.
Ein Ende der Niedrigzinspolitik der EZB ist derzeit nicht in Sicht. Daher wird sich unserer Meinung nach die Neigung der Family Offices zu einem leicht höheren Fremdkapitaleinsatz fortsetzen. Mit einer generellen Änderung ihrer sehr konservativen Herangehensweise beim Thema Fremdkapital rechnen wir jedoch nicht. Die finale Entscheidungsmacht über den Einsatz von Fremdkapital wird ohnehin von der Familie selbst getroffen.

(Autor: Hans Hünnscheid, Geschäftsführer Famos Immobilien)
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