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Paukenschlag: Die EZB senkt überraschend die Zinsen!

Vor einer Woche wurde bekannt, dass die Inflationsrate in der Eurozone nur noch 0,7% beträgt. Das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 2009. Damit bleibt die Teuerungsrate deutlich unter dem Zielwert von 2%. Aber es fällt auf, dass die Werte innerhalb der Eurozone sehr unterschiedlich ausfallen. In den südeuropäischen Ländern ist das Wirtschaftswachstum sehr schwach, während in Deutschland die Wirtschaft aufgrund des starken Exports brummt. Hierzulande ist aber die Inflation deutlich höher.

Deshalb war die Zinsentscheidung auch innerhalb der EZB umstritten. Was für die südeuropäischen Ländern einen zusätzlichen Inflations- und Wachstumsimpuls bringen soll, könnte für Deutschland vermutlich zuviel des Guten sein. Aber die EZB muss die gesamte Eurozone im Blick haben, und darf sich nicht nur auf einzelne Länder konzentrieren. Auf der anderen Seite fällt auf, dass sich die EZB zunehmend auf andere Ziele konzentriert und nicht nur die Geldwertstabilität im Blick hat. Mir fällt auf, dass die EZB auch ein starkes Signal zur Ankurbelung der Wirtschaft setzen möchte und zum anderen auch den Wechselkurs im Blick hat. Denn innerhalb von wenigen Minuten nach Bekanntgabe der Zinsentscheidung gab der Euro zum USD deutlich nach und hat sich inzwischen wieder auf 1,34 eingependelt. Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft hängt auch vom Wechselkurs ab.

Was sind die Auswirkungen? Ich erwarte von der Zinssenkung wenig praktische Impulse. Warum? Die Kreditvergabe der Banken hängt nicht allein vom Zinssatz ab, sondern vor allem von der Kreditwürdigkeit und den Sicherheiten des Schuldners und zum zweiten von der Bereitschaft der Banken, Kredite vergeben zu wollen oder zu können. "Man kann die Pferde zwar zur Tränke führen. Man kann sie aber nicht zwingen, das Wasser zu saufen", so der Ausspruch von John Meynard Keynes, dem bekannten Ökonom und Politiker. Er hat recht. Die Zinssenkung allein wird wenig bewirken. Europa muss vielmehr die angefangenen Reformen voranbringen und eine einheitliche Finanz- und Steuerpolitik sowie einen einheitlichen für die Wirtschaftspolitik in der Eurozone schaffen. Die Zinssenkung der EZB setzt ein deutliches Signal in diese Richtung und zeigt ihre Bereitschaft zum Handeln, wenn es darauf ankommt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass die Politiker die Botschaft von Mario Draghi verstehen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen, denn das Pulver der EZB ist nunmehr weitgehend verschossen.


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Auch Gewohnheitstiere müssen sich der Evolution anpassen

Anleger müssen auf diese Evolution reagieren anstatt an alten Zöpfen festzuhalten und damit nach Abzug der Inflation Geld zu verlieren. Das hat mittlerweile sogar die Mehrheit der Deutschen akzeptiert: 52 Prozent gehen davon aus, dass die Zinsen auf Bundesanleihen frühestens in drei Jahren wieder über der Inflationsrate liegen werden. Immerhin, der erste Schritt ist mit dieser Erkenntnis getan. Jetzt müssen Anleger nur noch handeln. Aber wie? So verzichtet ein Drittel der Deutschen, die Geld angelegt haben, auf eine Anpassung ihrer Anlagen auf die neue Situation, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen.

Zwar gibt es heute keine risikofreie Rendite über Inflationsniveau mehr. Dennoch ermöglicht der globale Anleihemarkt trotz Niedrigzinsumfeld eine angemessene Rendite bei einem gut kontrollierbaren Risiko. Wichtig ist eine Kombination aus globaler Ausrichtung und Streuung über unterschiedliche Anleihesegmente hinweg. Vor allem aber ist eine fortlaufende Anpassung des Anleiheportfolios an sich ändernde Wirtschafts- und Finanzmärkte entscheidend. Staatsanleihen erstklassiger Bonität liefern Sicherheit und Liquidität. Anleihen von Unternehmen sowie Schwellenländer- und Hochzinsanleihen eröffnen höhere Renditechancen. Gerade im Hochzins- und Schwellenlandbereich müssen die Anleihen sorgfältig ausgewählt werden, da es hier große Schwankungen in der Qualität und damit im Risiko für den Anleger gibt. Es macht Sinn, die Auswahl einem Profi zu überlassen. Zusätzlich schützen inflationsindexierte Anleihen die Kaufkraft des Vermögens bei steigender Inflation und sollten daher ein weiterer Pfeiler eines sicherheitsorientierten Anleiheportfolios sein. Zwar bereiten Inflationssorgen derzeit keine schlaflosen Nächte. Aber es sind die künftigen Auswirkungen einer Geldentwertung, die Anleger im Blick haben müssen, nicht der heutige Preisauftrieb. Denn die extrem lockere Geldpolitik der US Notenbank und der Bank von Japan ist eine Gefahr.

Fazit: Die Evolution der Anleihe- und Zinsmärkte zwingt Anleger zum Umdenken. Absolute Sicherheit bei Zinsen deutlich über der Inflationsrate gibt es nicht mehr. Die Alternative? Ein flexibel gemanagtes Portfolio aus unterschiedlichen globalen Anleiheklassen. Dank einer guten Balance aus Sicherheit und Rendite ist es ein Basisinvestment auch für sicherheitsbewusste Gewohnheitstiere.


Autor: Claude Hellers, Leiter Retail / Wholesale Vertrieb bei Fidelity Worldwide Investment in Deutschland

Nein zu einer gesetzlichen Provisionsdeckelung

Der Versicherungsmarkt befindet sich in einem umfassenden Umbruch. Um die Qualität von Beratung und Angebot zu verbessern, reglementieren gesetzliche Rahmenbindungen wie IMD II, MIFID, Vorgaben zur Provisionsberechnung oder Solvency II zunehmend die Arbeit von Versicherungen und Beratern. Der Verwaltungsaufwand hat sich damit in den vergangenen Jahren enorm erhöht, die Haftungszeit verlängert. Das hat nicht nur einen konkreten Einfluss auf die Tätigkeit eines Versicherungsmaklers an sich, sondern auch auf dessen betriebswirtschaftliche Situation.

Ist eine weitere finanzielle Einschränkung von Seiten des Gesetzgebers demzufolge angemessen?

Nein, denn qualifizierte Beratung hat ihren Preis – übrigens auch in den Augen der Mehrheit der Verbraucher. Und eine gute Beratung ist heute wichtiger denn je: In der öffentlichen Wahrnehmung wird zunehmend und in einseitiger Darstellung der Sinn privater Vorsorge über Versicherungslösungen in Frage gestellt. Auch staatlich geförderte Produkte wie die „Riester-Rente" oder aktuell der „Pflege-Bahr" geraten in die Kritik – und das selbst bei einigen der Initiatoren. Im Ergebnis fühlen sich Kunden zunehmend verunsichert. Trotz des ständig steigenden Bedarfs stagniert die private Altersvorsorge, vor allem bei den flexiblen Produkten der dritten Schicht.

Und schon heute können Berater und Kunden beispielsweise die unterschiedliche Komplexität der Beratung durch entsprechend angepasste Preismodelle berücksichtigen. So bietet die Bayerische hier eine große Varianz und ermöglicht somit dem Berater, gemeinsam mit seinem Kunden die Frage der eingerechneten Abschlusskosten in einem erheblichen Maße zu beeinflussen. Und das ganz ohne gesetzliche Regulierungen.

Dem kritischen Trend gerade in der öffentlichen Wahrnehmung und damit verbunden auch in der Entwicklung des Absatzes privater Vorsorge gilt es entgegenzuwirken. Und das kann nur durch qualifizierte Beratung erfolgen. Denn erst die Beratungsleistung der Vermittler macht aus guten Produkten und innovativen Ideen passende und kundenorientierte Lösungen – und aus unsicheren Kunden zufriedene Kunden.

Eine entsprechende Entlohnung ist also nur fair. Dabei sollten Berater und Verbraucher auch in Zukunft selbst entscheiden dürfen, welche Form der Vergütung sie bevorzugen. Die aktuelle Vergütung durch in das Produkt eingerechnete Provisionen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten jedenfalls immer wieder bewährt.

Martin Gräfer, Vorstand Vertrieb und Service der Bayerischen

Türkei: Kapitalmarkt bleibt vorerst gefährdet

Noch vor wenigen Monaten galt die Türkei als Starperformer der Region, der internationalen Anlegern satte Gewinne sicherte und dank einer jungen, dynamischen und konsumfreudigen Bevölkerung als Hoffnungsträger für langen wirtschaftlichen Aufschwung betrachtet wurde. Der Schwäche (West-)Europas trotze die Türkei mit guten Handelsbeziehungen zum Nahen Osten, und die hohe Liquidität an den Finanzmärkten ermöglichte es dem Staat, sein steigen-des Leistungsbilanzdefizit mit (vorwiegend kurzfristigem) Geld zu finanzieren. Solide Fun-damentaldaten brachten dem Land zusätzlich zwei Investment-Grade-Ratings und lockten – bei vergleichsweise hohen Renditen – erstmals viele institutionelle Anleger in türkische Staatsanleihen.

Doch Proteste – zunächst gegen ein Einkaufszentrum im Istanbuler Gezi-Park und später gegen das harsche Vorgehen der Regierung gegen die Demonstranten – vor allem aber die Ankündigung eines Taperings (Drosselung der Anleihekäufe) seitens der Fed und die damit verbundenen steigenden Renditen, haben den türkischen Kapitalmarkt im Frühsommer des Jahres tief erschüttert und starke Abflüsse in Gang gesetzt. Abflüsse, die zwar in keinem Verhältnis zu den enormen Zuflüssen der Jahre davor stehen, die aber eine Dynamik auslösen könnten, die das Land ins Trudeln bringt. Ein Tapering der USA – eventuell im Dezember diesen Jahres – könnte für die Türkei, die ein hohes Leistungsbilanzdefizit aufweist, massiv von ausländischem Kapital abhängig ist und wirtschaftlich gerade etwas an Fahrt verliert, gravierende Folgen hinsichtlich Finanzierbarkeit und Währungsstabilität haben. Das zeigt schon die bloße Ankündigung des Taperings.

Die türkische Notenbank, die vor allem einen weiteren Abschwung der Wirtschaft verhindern möchte, hat auf diese Entwicklung bis dato nicht erwartungsgemäß reagiert: Anstatt mit deutlichen Zinserhöhungen gegenzuhalten – was die Lira-Abwertung abgebremst hätte aber andererseits die Wirtschaft schwächen und das Wachstum weiter reduzieren würde – nimmt sie höhere Inflation in Kauf.

Derzeit scheint das nach der Verschiebung des Taperings und der darauf folgenden guten Marktstimmung zu funktionieren: die Renditen sind von den Stress-Niveaus zurückgegangen, die Lira und der Aktienmarkt haben sich stabilisiert. Doch der unorthodoxe Kurs der türkischen Notenbank ist riskant, denn gute Wachstumsraten in den USA bei höheren Renditen würden die Kapitalabflüsse aus der Türkei verstärken. Das Land könnte sich in einer Situation wie im Jahr 2006 wiederfinden, als der Leitzins in einem Schritt um 4 Prozentpunkte angehoben werden musste.

Sollte die Fed ihre Anleihekäufe zügig reduzieren, könnte die Türkei ernsthafte Probleme bekommen. Moderate Zinserhöhungsschritte und eine Kommunikation, in der die Bereitschaft signalisiert wird, bei Marktverwerfungen gegebenenfalls energisch entgegenzuhalten, würde das Land für die Marktteilnehmer wesentlich kalkulierbarer machen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet heuer für die Türkei ein BIP-Wachstum von 3,8 %, ähnlich dürfte sich die Wirtschaft auch 2014 entwickeln. Anhaltendes Wirtschaftswachstum ist für die regierende islamisch-konservative Regierungspartei von Recep Erdogan auch deshalb sehr wichtig, da dies bei den Wahlen im nächsten Jahr positive Effekte bringen wird. Da Erdogan nach drei Regierungsperioden seit 2003 als Ministerpräsident dieses Amt selbst nicht mehr ausüben darf, gilt als wahrscheinlichstes Szenario ein „Ämterwechsel" zwischen Staatspräsident Abdullah Gül und Erdogan, wobei ein Machtausbau des Präsidentenamtes im Raum steht.

Langfristig ist die Türkei mit ihrem guten demografischen Bild einer jungen, aufstrebenden Bevölkerung und einem hohen Potenzial-Wirtschaftswachstum für Investoren noch immer einer der attraktivsten Märkte weltweit. Kurz- bis mittelfristig droht dem Land aber die Abkehr vieler Investoren. Von der Türkischen Notenbank wird hier nicht weniger als eine Meisterleistung erforderlich sein, um die Balance zwischen Währungsstabilität und Wachstum zu halten und Investoren die Berechenbarkeit des Marktes zu vermitteln.
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USA: Gouvernment SHUTDOWN !

Um dies zu verhindern, finden ebenso regelmäßig Grabenkämpfe zwischen Regierung und Opposition statt, immer unter Androhung der katastrophalen Folgen des „Gouvernment Shutdowns", eben eines dieser so dramatischen Begriffe, weshalb meist eine Einigung in letzter Minute stattfindet, verbunden mit Kompromissen in anderen Bereichen.

Dieses Jahr wollte die konservative Opposition Obamas Gesundheitsreform einkassieren, anderenfalls das „Ja" zu höheren Schulden verweigern – Obama war nicht kompromissbereit und daher gilt seit dem 01.10. der „Gouvernment Shutdown", ca 800.000 Staatsbedienstete haben nun unbezahlten Zwangsurlaub. Am 17.10. tritt dann die komplette Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika ein... wenn sich bis dahin keine Einigung finden lässt.

Aber was bedeutet dies nun wirklich für die Bürger und die Wirtschaft?
Glaubt man den Märkten, lassen diese sich von diesem alljährlichen Theater nicht weiter verrückt machen, die als Drohkulisse aufgebauten weltweiten Turbulenzen sind nicht nur ausgeblieben, der DAX beispielsweise handelt sogar höher als vor dem Shutdown.

Am direktesten betroffen sind sicher die beurlaubten Staatsangestellten und die, die auf ihre Arbeit nun verzichten müssen. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um Polizei oder Gefängniswärter, auch nicht um die Flugsicherheit und schon gar nicht um Soldaten, sondern vielmehr um Angestellte z. B. im kulturellen Bereich. Touristen, die in diesen Tagen die USA besuchen, müssen daher vielerorts auf Museums- oder Zoobesuche verzichten, Sehenswürdigkeiten bleiben geschlossen. Traurig aber nicht tragisch.

Bedeutender schon der wirtschaftliche Schaden. Einnahmeausfälle und die verhalteneren Konsumausgaben der beurlaubten Staatsdiener führen bei einem einmonatigen „Shutdown" zu einem auf 55Mrd. US$ geschätzten volkswirtschaftlichen Verlust. Zum Vergleich: Die diesjährigen Flutschäden in Deutschland verursachten Kosten i. H. v. ca. 2 Mrd. Euro.

In Summe bleibt es daher bei der anfänglichen Feststellung der Dramatisierung, hier nur nicht zur Heroisierung amerikanischer Taten, sondern als Druckmittel auf die verantwortlichen Politiker. Niemand glaubt ernsthaft an die dauerhafte finanzielle Handlungsunfähigkeit der USA, daher, sollte nicht gerade jetzt eine kulturelle USA-Reise anstehen, wird der Einfluss dieses „Shutdowns" auf unser tägliches Leben und unsere Wirtschaft minimal bleiben. Die USA müssen sich vielmehr überlegen, ob sie der Welt dieses alljährliche Theater, diesen schlechten Film, dessen Ausgang jeder vorher kennt, weiterhin zumuten wollen oder zu moderneren Methoden zur Lösung solcher Konflikte übergehen wollen.

Zu guter Letzt: Beim letzten Shutdown wurden an „neuralgischen Punkten" kostenlose studentische Hilfskräfte eingesetzt ... unter anderem eine gewisse Monica Lewinsky!

(Stefan Müller)


 
Stefan Müller, Analyst und Prokurist DEH GmbH, ist langjähriger Experte in der Analyse und Beratung von Unternehmen sowie der Betreuung von Investoren in „nach- und werthaltigen" Sektoren und dem Börsenhandel. Seine Stationen waren u. a. Bankhaus Sal. Oppenheim, Equinet AG, Dresdner Kleinwort Benson und Dresdner Bank, wo er jeweils in führenden Positionen tätig war.
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