China sticht Griechenland

Die Nachrichten aus China sind nämlich wesentlich wichtiger und leider bedrohlicher. Dort kam es in den letzten Wochen zu einer sich beschleunigenden Abwärtsbewegung der zuvor exorbitant gestiegenen Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen. Dieser Ausverkauf strahlte in den letzten Tagen nun auch auf die Indizes in Hongkong aus, welche diese Woche ebenfalls zweistellig verloren. Trotz massenhafter Handelsaussetzungen, Limit-down-Bewegungen, des Stopps von Neuemissionen und staatlicher Stützungsmaßnahmen sind die Indizes an den beiden innerchinesischen Börsen nun am Mittwoch bis auf die 200-Tage-Linie zurückgefallen. Von dort sollte es nun zumindest eine technische Erholung geben.

Die ohnehin deutlich verlangsamte Dynamik der chinesischen Wirtschaft sorgt nun zusammen mit dem Einbruch bei den Aktien für eine schmerzhafte Stimmungseintrübung nicht nur in China. Die Folgen sind bereits an dem Rückgang des Automobilabsatzes in China und den schwachen Exporten von Taiwan und Korea sichtbar. Für mutige Anleger sind solche Ausverkaufstage aber die Chance, sich den einen oder anderen – auch chinesischen – Qualitätswert günstig ins Depot zu legen. Auch die von Chinesen zur Liquiditätsbeschaffung verkauften Edelmetalle locken zum Einstieg.


Autor: Helmut Kurz, Leiter Immobilienaktien / REITs und Makrostrategie Institutional Banking,
Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG
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Konsequenzen des Referendums für die Wirtschaft und Finanzmärkte verkraftbar

Stattdessen muss nun mit einem Grexit gerechnet werden, der auch zu einem Zahlungsausfall der bestehenden Schulden führt. Die ersten Finanzmarktreaktionen sind allerdings nur verhalten negativ, reflektiert, dass die Erwartungen bezüglich einer positiven Entwicklung in Griechenland bereits sehr gering waren und die Auswirkungen auf den Rest der Währungsunion begrenzt sein dürften. Leiden wird allerdings die griechische Wirtschaft und Bevölkerung.

Man mag erstaunt sein, dass die griechische Bevölkerung ihrer Regierung bei dem Referendum den Rücken so deutlich gestärkt hat und die Reformvorschläge der „Institutionen“ abgelehnt hat. Genauso erstaunt konnte man sein, dass es zu dem Referendum überhaupt kam, obwohl die Positionen der griechischen Regierung und der Institutionen gar nicht mehr so weit von einander entfernt lagen. In einem Punkt gab es allerdings unüberbrückbare Unterschiede: Die Koordination von Wirtschaftspolitik, genau wie die Teilnahme an einer Währungsunion und erst Recht der Antrag für ein Anpassungsprogramm mit den Institutionen führt zu einem gewissen Souveränitätsverzicht eines Landes. Dieser limitiert die politischen Optionen einer Regierung, ganz egal mit welcher Mehrheit sie in ihrem Land auch gewählt sein mag. Die Möglichkeiten für eine unabhängige Regierungspolitik sind zusätzlich dadurch eingeschränkt, dass Vorgängerregierungen internationale Vereinbarungen im Namen des Landes abgeschlossen haben, an die auch jede neue Regierung gebunden ist. Die von den letzten Regierungen beschlossenen Vereinbarungen mit den internationalen Geldgebern wie die des Anpassungsprogramms stellen daher eine genauso verbindliche Restriktion für die griechische Regierung dar, wie die Rückzahlung von Staatsschulden, die von früheren Regierungen aufgenommen wurden. Diese internationalen Vereinbarungen und Konventionen zu akzeptieren, stellte die griechische Regierung als Erpressung, als undemokratisch und würdelos dar. Realistischer Weise hätte sie stattdessen ihre Wahlversprechungen auf Basis bestehender Restriktionen aufbauen müssen. Es ist anders gekommen und nun auch nicht mehr zu ändern. Klar ist jedoch, dass das griechische Volk und seine Regierung keinen Souveränitätsverzicht möchte. Damit sind auch die Aussichten auf die Einigung auf ein Hilfsprogramm, das die Liquidität des griechischen Staates und seiner Banken sichert, auf ein sehr geringes Maß gesunken. Die griechische Wirtschaft wird in eine noch tiefere Rezession abgleiten, was mit zunehmenden Konkursen einhergehen wird. Diese werden die Solvenz der Banken weiter belasten. Ohne Aussicht auf ein Anpassungsprogramm mit den Institutionen und bei schlechteren ökonomischen Rahmenbedingungen, müsste die EZB konsequenterweise die Notfallliquidität für die griechischen Banken weiter einschränken. Aber selbst bei konstanter Liquiditätsversorgung ist es nur eine Frage der Zeit, bis den Banken die Liquidität ausgeht. Und ob der Staat seine Zahlungsverpflichtungen aus eigenen Mitteln lange bestreiten kann, ist ebenfalls zweifelhaft. Ein Grexit wird so immer wahrscheinlicher – über die Zeit hat er aber auch seinen Schrecken verloren.


Autor: Karsten Junius, Chefvolkswirt, Bank J. Safra Sarasin

Klares Ergebnis, neue Verhandlungsrunde

Das Nein, mit dem die Griechen die Konditionen der Gläubiger für eine Rettung abgelehnt haben, ist mit einer Mehrheit von 61 Prozent deutlich ausgefallen und wird nicht angefochten. Anders als von vielen Analysten und auch uns selbst vor dem Referendum angenommen, hat die griechische Regierung dadurch allerdings eine stärkere Verhandlungsposition zur Wiederaufnahme von Gesprächen mit den Euroraum-Gläubigern gewonnen. Dass das Nein eine derart große Mehrheit finden würde, hätten wir nicht gedacht. Daher müssen die vor dem Referendum getroffenen Annahmen an die neue Realität angepasst werden.

Zum Teil ist dies schon erfolgt: Der griechische Finanzminister Varoufakis ist auf Verlangen des Premierministers zurückgetreten und hat damit eindeutig guten Willen bewiesen. Außerdem wird die Bank von Griechenland womöglich an den Verhandlungen beteiligt, was ebenso guten Willen beweist. Viel Verhandlungsspielraum besteht aber weder auf der einen, noch auf der anderen Seite. Wenn die griechische Regierung den Eindruck gewinnt, dass Änderungen des ursprünglichen Gläubigervorschlags lediglich kosmetischer Natur sind, wird sie diese ablehnen. Und sie wird massiver denn je auf einem Schuldenschnitt als Teil eines umfassenden Pakets beharren. Auf Seiten der Gläubiger werden die Regierungen und Parlamente nur dann ihre Zustimmung zu neuen Krediten für Griechenland geben, wenn fiskalische und strukturelle Reformen glaubwürdig gewährleistet sind. Zudem werden sie als Gegenleistung für einen Schuldenerlass wahrscheinlich Reformen fordern.

Eine Einigung ist immer noch möglich, aber sofern sie erfolgt, wird sie weder einfach noch schnell erreicht werden.

Wie geht es weiter?

Diese Woche: Griechische Banken geschlossen
Die griechischen Banken werden nach Angaben des griechischen Bankenverbandes bis mindestens Mittwochabend weiter geschlossen bleiben. Wenn die Banken wieder öffnen, dürfen die Griechen weiterhin maximal 60 Euro am Tag von ihren Konten abheben. Unterdessen hält die Europäische Zentralbank (EZB), auch nach dem „Nein“ der Griechen, die Notkredite für die griechischen Banken auf dem aktuellen Stand von knapp 90 Milliarden Euro. Damit setzt die EZB ihren vorsichtigen, vor dem Referendum eingeschlagenen Kurs fort – und zwar vermutlich so lange, bis eine Einigung mit Griechenland erzielt wurde.

Vor dem 20. Juli: Verhandlung eines ESM-Überbrückungskredits oder eines dritten Rettungspakets

Das zweite Rettungspaket lief offiziell am 30. Juni aus und kann nicht verlängert werden. Eine sofortige Aufnahme von Gesprächen über ein drittes Rettungsprogramm ist schwierig, weil unter anderem der Bundestag und andere Parlamente zustimmen müssen. Ganz zu schweigen von den Hürden, die zu überwinden wären, um bis zur Fälligkeit der von der EZB gehaltenen Anleihen im Gegenwert von 3,5 Milliarden Euro, am 20. Juli eine umfassende Einigung zu erzielen. Auch wenn grundsätzlich nichts unmöglich ist, wenn nur der politische Wille groß genug ist, erscheint ein Abschluss der Verhandlungen über ein drittes Rettungspaket äußerst ambitioniert, besonders wenn es einen an Bedingungen geknüpften Schuldenerlass beinhalten soll.

Daher könnten sich die Parteien zunächst auf einen Überbrückungskredit konzentrieren, mit dem Griechenland seine Schulden über einen begrenzten Zeitraum von mehreren Monaten bedienen könnte. Dann wäre Zeit für Gespräche über ein drittes Rettungsprogramm. Auch an den Brückenkredit wären Bedingungen geknüpft, aber sie wären nicht so drakonisch wie die des zweiten Rettungspakets. Der Kredit wäre auf etwa 20 Milliarden Euro begrenzt. Ein solcher Überbrückungskredit des permanenten Rettungsschirms ESM müsste von diversen Parlamenten genehmigt werden und würde es der EZB erlauben, das griechische Bankensystem während der Verhandlungen über Wasser zu halten.

Wird keine Einigung erzielt und kann Griechenland die fällige Rückzahlung an die EZB am 20. Juli nicht leisten, dann muss die EZB die Notkredite stoppen und eingestehen, dass die griechischen Banken insolvent sind. Vielleicht gibt es noch eine kurze „Gnadenfrist“, bevor die griechischen Banken offiziell als insolvent gelten, aber ein solcher Zahlungsausfall dürfte wohl in direkter Linie zu einem Grexit führen.

Mittelfristig: Grexit ist durchaus denkbar

Dass eine Einigung über ein drittes Rettungspaket gelingt, ist keinesfalls garantiert. So dürfte Deutschland wohl kaum von seiner strategischen Position der letzten Wochen abrücken, die da heißt: Griechenland im Euroraum ja, aber nicht um jeden Preis. Womöglich sind die deutsche Öffentlichkeit und der Bundestag nun sogar noch weniger zu Zugeständnissen bereit, weil der Wunsch der griechischen Bevölkerung – nach dem Verbleib im Euro aber unter Ablehnung der daran geknüpften Bedingungen – jetzt noch widersprüchlicher ist als noch im Januar. Frankreich seinerseits scheint kompromissbereiter zu sein, wenn man den Andeutungen von Präsident Hollande in der vergangenen Woche Glauben schenken mag. Vermutlich einigen sich die französischen und deutschen Regierungschefs heute Nacht auf eine gemeinsame Position, aber die Märkte werden genau verfolgen, wie sich die einzelnen Regierungen ab Aufnahme der Verhandlungen in Stellung bringen. Die USA werden im Interesse eines Kompromisses wahrscheinlich versuchen, als „befreundeter Staat“ den Druck auf Deutschland zu erhöhen. Im griechischen Kabinett wiederum könnte sich nach der Jubelstimmung Katzenjammer breitmachen, weil der überwältigende Sieg nur wenig Spielraum zur Verhandlung von Bedingungen lässt.

Aktuell ist ein Grexit ebenso denkbar wie ein drittes Rettungsprogramm. Letztendlich wird eine politische Entscheidung getroffen. Das war von Anfang an klar. Wenn sich die Hardliner durchsetzen, steuert die Griechenland Krise auf einen neuen Höhepunkt zu. Aber bis zur nächsten Etappe in der Griechenlandkrise vergeht vermutlich noch viel Zeit, es sei denn, die Parteien können sich bis zum 20. Juli nicht auf einen Überbrückungskredit verständigen.

Märkte: keine großen Verwerfungen, Volatilitätsrisiko definitiv gestiegen

Auf das Referendum haben die Märkte kaum reagiert: Der Euro hat lediglich 1 Prozent verloren, und die Renditedifferenzen von Peripherieanleihen sind nur marginal gestiegen, während besonders die deutschen Renditen gesunken sind. Vermutlich halten sich die Marktakteure zurück, bis sich ernsthafte Verhandlungen über einen Brückenkredit oder ein drittes Rettungsprogramm abzeichnen. Wenn die Volatilität steigt, beruhigen sich die Märkte erst wieder, wenn eine Absprache zustande gekommen ist, d.h. vermutlich nicht vor dem 20. Juli. Ist eine Einigung in Sicht, werden sich die Märkte auf das nächste wichtige Thema konzentrieren: die Haltung der Fed. Wenn allerdings entweder Unstimmigkeiten zwischen Deutschland und Frankreich sichtbar werden oder, was noch schlimmer wäre, Griechenland am 20. Juli keine Zahlungen leistet, würden der Euro und Risikopapiere einschließlich Peripherieanleihen so lange abstürzen, bis die EZB und die Politiker im Euroraum klarmachen, wie es künftig weitergehen soll.


Autoren: Eric Chaney und das RIS Team von AXA IM

Strukturierte Wertpapiere sind ein „Muss“ für die Altersvorsorge

Der Altersvorsorgereport: Deutschland 2014 als auch eine aktuelle Studie der Postbank fördern hierzu fast schon erschreckende Erkenntnisse zu Tage. Einerseits ist sich der weitaus größte Teil der Bevölkerung darüber im Klaren, dass es ohne rechtzeitige private Vorsorge nicht geht. Andererseits werden nur unzureichende oder gar keine Schlüsse aus dieser Notwendigkeit gezogen. Dabei ist die Produktvielfalt, auch und speziell bei Zertifikaten, immens und lässt kaum einen Wunsch offen.

Ein Umdenken muss einsetzen und das in vielerlei Hinsicht. Laut der Postbank-Studie lassen mehr als 70 Prozent die Finger von Aktien und anderen Wertpapierinvestments. Ein sehr ernüchternder Befund in Zeiten der Niedrigzinsen. Zwar erkennen viele die sich bietenden Rendite-Chancen mit einem Investment an der Börse, jedoch verzichtet die überwältigende Mehrheit der Befragten auf Wertpapiere, da sie das Risiko dieser Anlage scheut. Da gilt es anzusetzen. Das Chance-Risiko-Profil der verschiedenen Investmentanlagen muss im aktuellen Marktumfeld neu justiert werden. Zertifikate bieten Lösungen für jedes Anlageproblem. Schauen wir uns die Fakten doch in Ruhe an.

Staatsanleihen bester Bonität sorgen derzeit für einen realen Vermögensverlust. Gleichzeitig wachsen die Bedenken jener Investoren, bei denen angesichts des Griechenland-Dramas und der langen Hausse am Aktienmarkt die Alarmglocken zunehmend schrillen und die daher einem Direktinvestment in die Aktie mit Skepsis gegenüberstehen. Für diese Zielgruppe sind Zertifikate ein Türöffner, um mit dem „richtigen“ Produkt dem Auf und Ab an der Börse relativ gelassen zuzuschauen. Wichtig ist zunächst die eigene Marktmeinung. Anleger, die angesichts des DAX-Stands von aktuell 11.000 Punkten eher seitwärts tendierende oder moderat fallende Kurse erwarten, könnten sich beispielsweise Discount-Zertifikate näher anschauen. Sie steigen damit billiger (Discount) in den Basiswert ein. Dafür ist allerdings die Gewinnchance nach oben (Cap) begrenzt und die maximale Performance des Discount-Zertifikats bereits bei Emission bekannt. Die grundlegende Idee dieser Zertifikate-Gattung ist keineswegs neu. Das erste Discountzertifikat kam bereits im Sommer 1995 auf den Markt.

Wie immer Sie sich auch entscheiden, die eigene Altersvorsorge sollte thematisch zunehmend in den Fokus rücken. Für Investoren, die sich zunächst vorsichtig der Aktie nähern möchten, können Zertifikate oft die bessere Alternative sein. Ein bunter Blumenstrauß, der für jede Marktlage etwas bietet.


Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband (DDV)
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Kommentar zum griechischen Referendum

Damit drücken die Bürger des bankrotten Staates aus, dass Sie an Reformen und einer konstruktiven weiteren Zusammenarbeit mit ihren Gläubigern nicht interessiert sind. Die Länder der Euro-Gruppe werden dadurch gezwungen, ihre Fehleinschätzungen zur Reformfähigkeit Griechenlands zu korrigieren und ihren seit Jahren andauernden Rettungskurs zu verändern. Griechenland sollte nun konsequenterweise eine eigene Landeswährung schaffen und den Euroraum verlassen. Sofern die Europäische Zentralbank ihre Zahlungen an Griechenland einstellt ist der Grexit vollzogen. Für eine fortgesetzte Staatsfinanzierung fehlt der EZB das Mandat. Die offenen Forderungen gegen Griechenland müssen realistischerweise als uneinbringlich angesehen werden, sodass die Finanzminister die an Griechenland vergebenen Kredite der verschiedenen Rettungstöpfe auf null abschreiben sollten, wie das in Unternehmen üblich wäre. Der deutsche Finanzminister darf sich auf einen Zahlungsausfall von mindestens 90 Milliarden Euro einrichten.

Griechenland selber fällt zurück in einen Schwellenländerstatus und muss versuchen, mit Hilfe einer neuen Währung Güter und Dienstleistungen zu günstigen Kosten zu produzieren und - wenn möglich - zu exportieren. Zugleich muss das dysfunktionale Staats-, Verwaltungs-, und Steuerwesen vollkommen restrukturiert werden, um im Verlauf von ein bis zwei Generationen die Chance zu haben, wirtschaftlich zu den Staaten der EU aufzuschließen. Die Regierungskoalition aus links- und rechtsradikalen Parteien hat in Athen jetzt das Mandat erhalten, ohne die Hilfe der europäischen Partner an die Aufräumarbeiten der verkorksten letzten dreißig Jahre zu gehen.

Für die Börsen gleicht die Entwicklung, abgesehen vom Schock der ersten Überraschung, einem ´Non-Invent´, denn Griechenland spielt weder an den Zins-, noch an den Aktien und Währungsmärkten eine ökonomisch wahrnehmbare Rolle. Entsprechend erwartet das LOYS Fondsmanagement eine alsbaldige Rückbesinnung der Finanzmärkte auf die drängenderen Probleme der globalen Wirtschaft. Dabei dürfte der Frage hohe Aufmerksamkeit zukommen, ob die im Frühjahr begonnene Zinswende am langen Ende der Zinsstrukturkurve eine Fortsetzung findet. Zudem spricht manches dafür, dass die amerikanische Notenbank zum Ende des Jahres die Leitzinsen leicht anheben wird. Folglich wird man die Wachstumsentwicklung der USA im zweiten Quartal sehr sorgsam analysieren müssen, nachdem es zuletzt eher schwache Konjunktursignale aus Nordamerika gab.
Ebenfalls von Interesse ist der jüngste Börseneinbruch in China nach vorangegangener Superhausse. Wenngleich die Entwicklung lediglich die chinesischen Inlandsbörsen betrifft und Hongkong untangiert lässt, empfiehlt es sich, die Lage im Reich der Mitte sorgfältig im Auge zu halten.

Demgegenüber kann sich Europa auf eine Fortsetzung der Dauernullzinspolitik der EZB einrichten. Die Aktienmärkte, die seit geraumer Zeit durch die niedrigen Zinsen Unterstützung erhalten, erfahren durch die niedrigen Rohstoffpreise und den seit vielen Monaten schwächelnden Euro zusätzlichen Rückenwind. Wahrscheinlich werden sich die Rotationstendenzen raus aus Anleihen und rein in Eigenkapitaltitel in den vor uns liegenden Monaten verstärken. Hinzu kommt, dass in wenigen Tagen die Quartalsberichtssaison der Unternehmen beginnt und sich die Aufmerksamkeit sodann auf die Unternehmen fokussieren dürfte.

Die europäische Einheitswährung Euro dürfte in den kommenden Wochen und Monaten aufwerten, sofern das schwächste Glied der Eurokette – Griechenland – den Währungsraum verlässt.

Das Fondsmanagement hat in allen LOYS Fonds Liquiditätspuffer aufgebaut, die ein opportunistisches Zukaufen kurzfristig unter Druck geratener Qualitätsaktien erlauben.

Chicago und Frankfurt am 6. Juli 2015


Autoren: Dr. Christoph Bruns und Ufuk Boydak

„Griechenland hat sich de facto gestern von der Eurozone verabschiedet.“

Damit ist Griechenland einem Ausstieg aus der Europäischen Union beziehungsweise der Eurozone und einem Staatskonkurs einen Schritt näher.

Wie es nun weitergehen soll ist unklar. Die Formel der Gläubiger, dass es nur dann ein drittes Hilfsprogramm gibt, wenn Reformen versprochen werden, bleibt sicherlich aufrecht. Ohne Hilfszahlungen kann Griechenland aber nicht nur seine Schulden nicht bedienen, sondern auch die Ausgaben nicht bestreiten. Mittlerweile dürfte die Primärbilanz, also das Staats-budget exklusive Zinszahlungen, wieder negativ sein. Zudem kann die Europäische Zentralbank die griechischen Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit für die Notkredite akzeptieren.

Unmittelbar ist also eine Entscheidung nötig, ob die Staaten der Eurozone bzw. der EU die griechischen Staatsanleihen garantieren, damit die EZB weiter Notkredite vergeben kann. So oder so wird die griechische Regierung bald ihre Ausgaben mit Gutscheinen bestreiten. Das ist dann de facto eine Parallelwährung zum Euro, die aber ziemlich rasch an Wert verlieren wird, wenn sie nicht im Verhältnis 1:1 in Euro getauscht werden kann.

Die griechischen Banken bleiben bis auf weiteres geschlossen und die Kapitalverkehrskontrollen bleiben aufrecht. Ohne Hilfszahlungen mit einem zum Stillstand gekommenen Finanz-system und ohne eigene Währung wird die griechische Wirtschaft abermals in eine schwere Rezession fallen. Funktionierende Banken sind für den Wirtschaftskreislauf eine notwendige Voraussetzung. Ohne eine Erholung der Wirtschaft und ohne Notkredite der EZB bleibt nur noch die Umwandlung der Sparguthaben in Eigenkapital übrig, um die Banken zu stützen. Oder es folgt ein Währungsreform, d. h., eine Umwandlung des Euro-Bargelds, der Euro-Bankguthaben und der Euro-Verbindlichkeiten in eine neue Währung.

De jure wird Griechenland auf absehbare Zeit Teil der Eurozone bleiben. Aufgrund der Kapitalverkehrskontrollen und der wahrscheinlichen Einführung einer Parallelwährung hat sich Griechenland aber de facto gestern von der Eurozone verabschiedet.

Das Steuer kann noch herumgerissen werden. Die griechische Regierung hat nie die Bedin-gungen des ausgelaufenen Hilfsprogramms nie akzeptiert. Sie hat auf einen Schuldenschnitt bestanden, der nicht Teil des Programms war. Ebenso wenig waren Maßnahmen vorgesehen, die das Wirtschaftswachstum und damit die Stimmung der Griechen unmittelbar unterstützen. Wenn die Gläubiger und Griechenland guten Willens sind, kann ein Kompromiss zwischen Reform und Hilfe gefunden werden.


Autor: Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management
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Was bringt die zweite Jahreshälfte 2015?

Geringer Treibstoff für weiter steigende Aktienmärkte
Grundsätzlich gibt es drei Treiber für steigende Aktienmärkte: günstige Bewertungen, solides Wachstum und expansive Liquidität. Angefangen mit der Liquidität ist eine große Divergenz zwischen den Wirtschaftsräumen zu beobachten. Während die EZB und Bank of Japan die Märkte mit Liquidität fluten (die EZB wird mindestens 1,14 Billionen Euro über Staatsanleihekäufe dem Markt zuführen - fast so hoch, wie das gesamt Bruttoinlandsprodukt Spaniens), bereitet die US-amerikanische Zentralbank FED eine Zinserhöhung in 2015 vor. In Summe bleibt damit die globale Liquidität weiter hoch, sinkt aber im relativen Vergleich. Insbesondere für die US-Wirtschaft bedeutet dies Gegenwind.

Wachstum bleibt mau
Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für 2015 ein globales Wachstum von 3,5% und im Folgejahr von 3,8%. Die USA soll mit 3,1% die weltweite Konjunkturlokomotive sein, während die Eurozone wieder einmal mit 1,5% hinterherhinkt. Zahlen, die zusammen genommen ein positives Bild aufzeigen, aber mit Vorsicht zu genießen sind. Denn das Wirtschaftswachstum nach Ausbruch der Finanzkrise wurde durch massive Kreditausweitung der einzelnen Staaten und nie dagewesene monetäre Unterstützung der Zentralbanken finanziert. Trotzdem fiel das Wachstum im historischen Vergleich sehr gering aus. Ob daraus in den USA schon ein selbsttragender Aufschwung geworden ist, wie viele Analysten glauben, bleibt abzuwarten. Zusätzlich droht der konjunkturelle Gegenwind aus starkem US-Dollar und restriktiverer Geldpolitik für eine Enttäuschung zu sorgen. Erste Anzeichen geben die schwachen Zahlen der US-Industrieproduktion, die sich seit Jahresbeginn in einem Abwärtstrend befinden.
In der Eurozone werden die expansive Zinspolitik der EZB und der schwache Euro konjunkturell stützend wirken, aufgrund struktureller Probleme mehrerer Euro-Mitgliedsstaaten bleibt das Wachstum aber auch hier im historischen Vergleich unterdurchschnittlich. Wir gehen – trotz der jüngsten dramatischen Entwicklung in Griechenland - davon aus, dass die Ausstrahleffekte auf die übrigen Peripheriestaaten wie Portugal und Spanien begrenzt bleiben werden. Anders als im Jahr 2011 steht die EZB mit ihrem juristisch gestärkten Waffenarsenal bereit, einen Flächenbrand in der Eurozone zu verhindern. Jedoch führt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung auch hierzulande dazu, dass Unternehmen mit Zurückhaltung bei Investitionsausgaben reagieren.

Bewertungen eher teuer als billig
Das zyklisch adjustierte Kurs-Gewinn-Verhältnis (Shiller KGV) des US-amerikanischen Leitindex S&P 500 liegt aktuell über 27. Das ist ein Wert, der in den letzten 130 Jahren nur zwei Mal überschritten wurde: 1929 vor der Weltwirtschaftskrise und 1999/2000 vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Derartige Bewertungen mahnen zur Vorsicht, liegt doch historisch die reale Renditeerwartung in den Folgejahren deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. In Europa sind die Aktien im Vergleich dazu günstig bewertet – hier liegt das Shiller-KGV ungefähr im langjähren Durchschnitt.
In diesen Tagen ist vielfach zu lesen, dass deutlich höhere Bewertungen angesichts des Niedrigzinsniveaus gerechtfertigt sind. Wir halten diese Sichtweise für gefährlich. In der Vergangenheit hat dies über kurz oder lang stets zu schmerzhaften Kursrückgängen geführt, wenn der Traum einer schönen, neuen Welt zerplatzt ist.

USA eher defensiv - Europa noch offensiv
In unserem Zyklusmodell, welches auf stabilen Zusammenhängen der Zins- und Börsenentwicklung beruht, mehren sich die Anzeichen einer späten Phase des Konjunktur- und Börsenzyklus in den USA. Die mehrjährige Aktienmarktrally nähert sich dem Ende. Momentan stützt noch das Wachstum der USA eine positive Aktienkursentwicklung. Die Faktoren Bewertung und Liquidität sprechen aber gegen eine Übergewichtung der US-amerikanischen Aktien. Spätestens bei ersten Zinsschritten der US-Notenbank sollte defensiv in diesem Markt agiert werden. Spiegelbildlich ist der US-Anleihemarkt zu sehen, wo die Renditen bei aufkeimenden Konjunktursorgen sinken dürften.
In Europa, die der US-Entwicklung hinterherhinkt, dürfte sich - dank EZB Unterstützung und schwachem Euro - der Aktienmarkt in der zweiten Hälfte 2015 noch weiter positiv entwickeln. Die Lage in Griechenland kann zwar eine erhöhte Schwankung der Märkte verursachen, letztlich die Entwicklung in der Eurozone jedoch nicht nachhaltig beeinflussen. Weiterhin negativ sind wir für deutsche Bundesanleihen gestimmt. Deren Renditen dürften sich angesichts steigender Inflationszahlen nach oben bewegen.

Björn Siegismund
Chief Investment Officer der
LARANSA Private Wealth Management GmbH


Es ist an der Zeit mit einem Klischee aufzuräumen.

Wir können nicht unser Publikum beleidigen und darauf hoffen, dass man uns wegen der glänzend gebürsteten Schuhe und des akkuraten Haarschnitts schon verzeihen wird. Wir können beim Bewerbungsgespräch ebenso wenig wie bei der Präsentation vor dem Klienten erwarten, dass man uns den Vorzug vor dem Mitbewerber gibt, nur weil wir erfreulicherweise angenehm riechen und ein gebügeltes Hemd tragen.

Nein, verehrte Damen und Herren, so einfach ist es leider nicht. Enttäuscht? Ich vermute: eher nein. Insgeheim wissen wir doch, dass „Kleider machen Leute" eine Binsenweisheit ist, die nur so lange trägt, wie das geneigte Publikum sich von der glänzenden Hülle blenden lässt. Wer aber jetzt schon die zerrissene Jeans hervorholen wollte, das Jackett mit den Applikationen an den Ellenbogen oder die abgelatschten Schuhe, dem sei jedoch auch dieser Zahn gezogen: Auf eine runde Gesamterscheinung kommt es an, das ist doch klar! Dresscode und Style zahlen aber die Miete nicht allein, gehören aber dennoch dazu.

Welcher Kragen passt zu welchem Krawattenknoten, zu welcher Gesichtsform, zu welchem Anzug, und andererseits: Wann wird Gürtel, wann Weste, wann Hosenträger getragen, was ist Trend und wann darf man den Trend brechen? Die Details sind das A & O. Und eines ist sicher: Je höher in der Hierarchie, desto strenger die Regeln. Ob Politiker, TV-Moderatoren, Spitzenmanager – mittlerweile werden alle professionell beraten, die sich öffentlich zeigen. Meiner Meinung nach ein Riesenfehler. Nicht, dass exponierte Personen sich professionell beraten lassen. Nein, das kann ich nur gutheißen – ist ja letztlich auch gut für mein Geschäft. Was ich für einen Fehler halte: Interner und externer Dresscode sind immer noch viel zu oft strikt getrennt. Da schlurft einer in den in völlig verwatzten Klammotten ins Büro – Macht ja nix: „Wir haben eigentlich kaum Kundenverkehr bei uns im Haus". Ich kenne einen Fall, da ist der Counter-Assistant einer Autovermietung tatsächlich kurz nach Hause gerannt um sich eine Krawatte zu holen, wenn die Geschäftsführung ihren Besuch ankündigte.

Als wäre der Dresscode eine Verkleidung, die ich mal eben überziehe, wenn ich kurz mal „Business Woman" spielen muss. Mal ganz im Ernst: Viele von uns arbeiten mehr Stunden in der Woche als sie ihre Kinder sehen, Bücher lesen und Yoga machen zusammen. Da sollten doch Dresscode & Style im Business zumindest so viel mit uns zu tun haben, dass wir nicht sofort das Bedürfnis haben alles von uns zu schmeißen, wenn uns gerade keiner sieht der uns feuern oder den Urlaub kürzen kann. Zu Hause auf der Couch passt die Strickjacke dann ja auch wieder hin.

Sabina Wachtel,
Gründerin des Labels ManagerOutfit

Eine Woche für Überraschungen

Die Reaktion der internationalen Finanz- und Kapitalmärkte auf dieses neuste Kapital der griechischen (Wirtschafts-)Tragödie fiel zwar erwartungsgemäss negativ aus, hielt sich jedoch im Rahmen. Der Wechselkurs des Euro gegenüber dem Dollar – eine Art Fiebermesser für die Ängste rund um die Euro-Schuldenkrise – notierte im Verlauf des Montags nur unwesentlich schwächer als noch am letzten Freitag. Blickt man zu den anderen Sorgenkindern in der Euro-Peripherie, so sind die Renditen von Italien und Spanien zwar ebenfalls markant angestiegen, die Zinsen liegen jedoch noch immer unter dem Niveau von Mitte Juni. Von Panik kann also keine Rede sein. Zu lange dauern die Schwierigkeiten um Griechenland schon an, als dass diese die Investoren noch gross überraschen können. Damit tut sich aber auch die Möglichkeit auf, dass die Probleme der Griechen zwar weiterhin die Schlagzeilen beherrschen – aber möglicherweise nicht mehr die internationalen Finanz- und Kapitalmärkte. Wenn aber Erstaunen resp. Konsternation über diese griechische Tragödie nachlässt, können sich zwischenzeitlich vergessene Themen wieder in den Vordergrund schieben.

Eines dieser Themen liegt auf der anderen Seite des Atlantiks. Die Zentralbank der USA, das Federal Reserve liess sich an seiner Sitzung Mitte Juni nicht in die Karten blicken und wiederholte die altbekannte Position: Man fasse einen ersten Zinsschritt im Verlaufe der zweiten Jahreshälfte ins Auge, sollte sich die Konjunktur der amerikanischen Wirtschaft und der Arbeitsmarkt weiter verbessern. In den letzten Wochen begann sich langsam abzuzeichnen, dass sich die USA tatsächlich von ihrem Schwächeanfall im Frühjahr erholen. Diese Entwicklung kann in dieser Woche eine weitere wichtige Unterstützung erfahren. Am Donnerstag erscheint der US-Arbeitsmarktbericht für den Juni. Fällt dieser stark aus, könnte das den Markt überzeugen, dass die Vorsitzende des Federal Reserves Janet Yellen tatsächlich bereit ist, die Zinsen zu erhöhen und nicht nur darüber zu reden. Die Chancen auf einen erfreulichen Arbeitsmarkt stehen nicht schlecht. Die wöchentlich erhobenen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe verharrten im Juni auf einem sehr tiefen Niveau und lassen auf eine weitere Verbesserung in der US-Beschäftigung hoffen. Ein starker US-Arbeitsmarkt könnte damit zur eigentlichen Überraschung der Woche werden und damit auch die Spekulationen um das Referendum in Griechenland in den Schatten stellen.


Autor: Alessandro Bee, Ökonom, Bank J. Safra Sarasin AG

Strategischer Portfoliobestandteil oder lediglich taktische Positionen?

Seit der Finanzkrise 2008 / 2009 scheint die Entwicklung in den Emerging Markets nicht mehr so dynamisch und finanziell lukrativ zu sein wie in den Jahren davor. Es gibt vielfältige Gründe dafür: fallende Rohstoffpreise, politische Instabilität, Korruption, ineffiziente Verwaltung, steigende Inflation und Leistungsbilanzdefizite.

Als Folge gab es stärkere Mittelabflüsse und die Börsen der Schwellenländer entwickelten sich deutlich schlechter im Vergleich zu den Industriestaaten. Die „Underperformance" über die letzten fünf Jahre liegt aktuell bei ca. 63 Prozent! Fazit: Die Schwellenländer sind in der Gunst der Anleger weit zurückgefallen.

Aber genau dieser Umstand macht die Emerging Markets auch wieder interessant. Das Sentiment ist negativ, die fundamentalen Bewertungen sind attraktiv und die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern sich. Auch das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit stehen zunehmend auf der Agenda. Darüber hinaus ist es gerade auch aus dem Aspekt der Risikostreuung und Chancenwahrung wichtig, nicht nur in Industriestaaten zu investieren – lege nicht alle Eier in einen Korb. Interessante Länder sind unseres Erachtens zur Zeit Indien, Indonesien, Südafrika und China. Aber auch die unbeliebten Regionen Russland und Brasilien können zukünftig wieder attraktiver werden.

Für den chancenorientierten Anleger bedeutet dies, diese Regionen unbedingt in einem international mit guter Qualität versehenen Portfolio zu berücksichtigen – aber nicht nur ein Land, sondern am Besten einen oder mehrere aktiv verwaltete Emerging Market Fonds, die je nach Marktlage in die attraktivsten Länder und Aktien investieren können.


Autor: Michael Piesche, UNIKAT Vermögensverwaltung GmbH
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