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Target2-Securities: Innovationstreiber oder Konsolidierungsdruck?

Mit der sogenannten „Single Settlement Engine for Europe" wird eine zunehmende Harmonisierung von bestehenden Infrastrukturen und gelebten Marktpraktiken vorangetrieben. All dies bleibt allerdings nicht vollkommen ohne Konsequenzen für die derzeitigen Marktteilnehmer. Der Drang zu einer grenzüberschreitenden Standardisierung bringt auch neue Anforderungen mit sich – wie bspw. an das Message System (SWIFT oder SIA & Colt), die Settlementzeiten (außerhalb von Deutschland gilt häufig noch T+3), die Übertragung von Sicherheiten sowie die Form der technischen Anbindungen an die T2S-Platform. Die Konsequenzen daraus sind nicht immer sofort ersichtlich. Klar ist allerdings: Die Harmonisierungsbestrebungen erhöhen den Konsolidierungsdruck am Markt für Abwicklungsinstitute. Steigende Kosten für die technische Infrastruktur und neue prozessuale Anforderungen erhöhen interne Kosten für die Abwicklung und Übertragung von Wertpapieren. Ferner wird seitens der EZB ein Gebührenmodell für die Einführungsperiode von T2S fest vorgeschrieben, welches es gilt, in die eigene Gebührenstruktur zu integrieren. Abwicklungsinstitute sollten sich überlegen, inwieweit diese Gebühren dazu führen, den Kunden ein neues Modell zu offerieren.

Abwicklungsinstitute, die sich bisher auf den lokalen Markt fokussiert haben, müssen sich Nischen suchen, um durch einen Know-how-Vorsprung bestehende Marktanteile halten zu können. Dennoch ist insbesondere bei den kleinen Instituten derzeit noch eine starke Zurückhaltung zu verzeichnen. Obgleich hier Synergien zu weiteren Investor-Services wie die Abwicklung von Kapitalmaßnahmen (new standards of „Corporate Action Working Group") oder Derivate-Produkten („European Market Infrastructure Regulation") durchaus für spezialisierte Anbieter mit individualisierbaren Lösungen sprechen.

Global agierende Institute können durch die neue T2S-Platform deren Vorteile weiter ausbauen. Hierzu zählen insbesondere die Reduzierung von Abwicklungskosten durch automatisierte Abwicklungsprozesse und Skaleneffekte sowie der länderübergreifende Transfer von Sicherheiten. Ferner ermöglicht T2S ein Abbau vorhandener Liquiditäts- sowie Settlementrisiken und damit eine Entlastung des Eigenkapitals − wie nach Basel II verlangt.

IT-Infrastruktur und Prozesse in der Wertpapierabwicklung gilt es stärker hinsichtlich Innovation und Effizienz auf den Prüfstand zu stellen – anderenfalls wird die Umsetzung von T2S in den nächsten Jahren eine deutliche Marktkonsolidierung erwirken. In anderen Märkten ist dies bereits zur Realität geworden. Während den Abwicklungsmarkt der USA noch wenige Institute dominieren, gibt es in Großbritannien derzeit keinen erwähnenswerten Anbieter mehr. In Europa (außer GB) hingegen zählen derzeit noch eine hohe zweistellige Anzahl an Instituten zu dem Markt der Abwicklungs- und Custody-Services. Insbesondere bei den Ver-wahrstellen werden wir mit T2S einen Verdrängungswettbewerb erleben. Effiziente Geschäftsmodelle werden dabei den Vorrang bekommen und kleine und mittlere Verwahrer vom Markt verschwinden.
Der Countdown läuft! Banken mit Sitz in Deutschland müssen sich bis Mitte 2015 über die Wahl der Anbindung entscheiden. Institute sind gut beraten, sich jetzt über die individuellen Auswirkungen von T2S auf das bestehende Geschäftsmodell die notwendigen Gedanken zu machen, um den Veränderungen aktiv zu begegnen.


(Autor: Norman Nehls, Senior Manager der Severn Consultancy GmbH)
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Schwellenländer – wohin geht die Reise

Damit Aktienengagements in den Schwellenländern nicht zu einem Trauerspiel für den Anleger werden, ist nun eine differenzierte Betrachtung der Märkte wichtig.
Im vergangenen Jahr war Ben Bernanke Ende Mai mit seiner plausiblen Ankündigung, das US-Anleihenkaufprogramm der FED auch einmal wieder zu beenden, der unfreiwillige Geburtshelfer einer neuen Schwellenländer-Generation: den „fragilen Fünf". Nachdem Abkürzungen wie BRICS, MIST und NEXT 11 von Jim O´Neill von Goldman Sachs geprägt wurden, war nun Morgan Stanley an der Reihe und identifizierte Brasilien, Indonesien, Indien, die Türkei und Südafrika als die „fragilen Fünf". Dabei bezog sich die Analyse von Morgan Stanley auf die Devisenmärkte. Es wurden Schwellenländer identifiziert, die aufgrund ihres Leistungsbilanzdefizits am stärksten unter dem Kapitalabfluss gelitten hatten, der nach der Ankündigung Bernankes eingetreten war.

Die direkte Folge des Kapitalabflusses bei den „fragilen Fünf" war 2013 eine kräftige Abwertung der jeweiligen Landeswährung, wodurch sich in diesen Ländern der Effekt der importierten Inflation verstärkt hat. Um diese negativen Effekte zu bekämpfen, wurden in den betroffenen Ländern die Leitzinsen deutlich angehoben und Devisenmarktreserven für Stützungskäufe in der eigenen Währung eingesetzt. Steigende Zinsen sind allerdings Gift für die Wirtschaft und schwindende Devisenmarktreserven machen die Länder noch krisenanfälliger – ein potenzieller Teufelskreis.
Die Gesetze des Finanzmarktes sind in solchen Situationen schonungslos und Warren Buffet prägte in diesem Zusammenhang die Börsenweisheit: Wenn die Ebbe kommt, zeigt sich, wer nackt baden war. Wenn das Vertrauen der Anleger schwindet und Liquidität abgezogen wird, treten Schwächen sehr schnell zu Tage. Auch in der Eurokrise wurde rückblickend sehr schnell offenkundig, welche Länder über ihre wirtschaftlichen Verhältnisse gelebt hatten. Im Unterschied zu der Eurokrise haben aber die Schwellenländer zur Krisenbewältigung einen großen Vorteil: einen flexiblen Wechselkurs.

Daher lohnt es sich nun, die Schwellenländer – jenseits der Abkürzungen – sehr differenziert zu betrachten. Vor dem Hintergrund der jüngsten Devisenmarktentwicklungen haben nun insbesondere Länder mit einem interessanten Exportpotenzial die Chance, gestärkt aus der aktuellen Situation hervorzugehen, zumal diese Volkswirtschaften auch von einem möglichen konjunkturellen Aufschwung in den USA und der Eurozone profitieren werden. Bei einer solchen Analyse fällt der Blick dann auf Länder wie Taiwan oder Thailand, die in keiner der modisch geprägten Abkürzungen enthalten sind. Und wer als antizyklischer Investor auf der Suche nach Aktienmärkten mit einer niedrigen Bewertung ist, wird derzeit nicht mehr in den Industrienationen, sondern eben in ausgewählten Schwellenländern, wie Südkorea aber auch in Russland, Brasilien oder China fündig.
Die jüngsten Ereignisse rund um Russland machen jedoch deutlich, dass bei Schwellenländer-Investments politische Risiken, die auch aus bevorstehenden Wahlen in einigen Ländern resultieren können, beachtet werden müssen. Sicherlich ist eine wichtige Erkenntnis aus dem Krim-Konflikt, dass die Globalisierung der Weltwirtschaft das zusammenhält, was politisch nicht unbedingt zusammengehört. So ist das politische Verhältnis zwischen Europa und Russland durch den Krim-Konflikt aktuell stark gestört; die Gaslieferungen werden aber weiterhin sowohl von den Europäern zur Energieversorgung als auch von den Russen als wichtige Einnahmequelle benötigt.

Fazit:
Aktienengagements in Schwellenländern sollten jenseits der vorhandenen Abkürzungen differenziert betrachtet werden. Aufgrund ihres höheren Risikogehalts sollten Schwellenländerengagements jedoch nur zur Depotbeimischung eingesetzt werden – idealerweise über Fonds, die sich nicht restriktiv an ein BRICS-,MIST- oder NEXT 11-Anlageuniversum halten müssen. Unter diesen Voraussetzungen bieten ausgesuchte Schwellenländer jedoch eine interessante Einstiegschance in Aktienmärkte mit aussichtsreichen Perspektiven bei einer attraktiven Bewertung. Durch die Globalisierung können aus Fragezeichen dann schnell wieder Ausrufezeichen werden!

(Autor: Thomas Wüst, Geschäftsführer Valorvest Vermögensverwaltung)

DAX und ESTOXX50 – Geht ihnen die Energie aus?

Die Krim-Krise überschattet derzeit die europäischen Märkte. Russlands Wirtschaft ist mit der EU deutlich stärker verflochten als mit amerikanischen Unternehmen. Ein Indiz dafür sind die jüngsten Draw-Downs bei den Indices – der ESTOXX 50 büßte 6, der DAX 7 und der S&P500 lediglich 3 % von ihren Hochs in 2014 ein.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Krise dürften Russland stärker treffen als die EU, da Russlands Exporte in die EU laut ifo Institut 15, aber vice versa nur 1 % des BIPs betragen. Trotzdem wäre eine Entwarnung für die europäischen Finanzmärkte verfrüht. Die Ingangsetzung der gefürchteten Sanktionsspirale könnte energieintensive Unternehmen in Deutschland und der EU besonders hart treffen. Derzeit werden 40 % des Gas- sowie 35 % des Ölbedarfs aus Russland importiert. Weiterhin würden Firmen mit hoher Exportorientierung nach Osteuropa unter einer verschärften Krise leiden. Dies beträfe weniger den Nachfragerückgang, sondern eher etwaige Währungsverluste. Gerade die Vorzeigebranchen der deutschen Industrie wären besonders gefährdet, da sie knapp 60 % ihrer Güter- und Dienstleistungen nach Russland exportieren. Hierzu gehören der Maschinenbau sowie die Automobil- und Chemiebranche. Dies könnte den DAX gewaltig ins Trudeln bringen, da allein die drei großen DAX-Automobilwerte knapp 15 % Gewicht auf die Waage bringen.

Der ESTOXX50 wäre daher für den vorsichtigeren Anleger die solidere Alternative.
Neben der Krim-Krise dürfte der weiterhin starke Euro eine Belastung für die heimischen Unternehmen sein. Mit Notierungen über 1,35 USD/EUR ist in den schwachen Ländern der Euro-Zone die Schmerzgrenze überschritten. Der Ausblick der Volkswirte gibt keinen Anlass für einen starken Euro. Zwar wird sich die Wirtschaft in 2014 noch leicht beschleunigen, danach lässt sich der Trend aber nicht fortsetzen. Ein stärkeres Wachstum durch eine Exportausweitung dürfte aufgrund der derzeitigen Euro-Notierungen sehr unwahrscheinlich sein, die Binnennachfrage bleibt vermutlich zukünftig bestenfalls durchschnittlich. Dies könnte die EZB auf den Plan rufen, um mit einer expansiveren Geldpolitik die Euro-Stärke einzudämmen. Der viel diskutierte negative Einlagenzins könnte helfen, um den Euro in die gewünschte Richtung zu drücken. Als Folge dessen sollten europäische Börsen kurzfristig weiter haussieren, da sich immer mehr Anleger im Aktienbereich engagieren. Hier weist Europa ein immer noch attraktives Bewertungsverhältnis auf.

Summa summarum sollte es weiterhin volatil bei den genannten Indizes zugehen. Insbesondere der DAX könnte aufgrund seiner Branchenzusammensetzung stärker ins Wanken geraten. Mutige Anleger können bei Kursrücksetzern zugreifen, um anschließend von einer geldpolitischen Lockerung und einer Entspannung der politischen Lage besonders zu profitieren. Der Investor sollte sich allerdings im Klaren sein, dass die Notenbanken bei Krisen nicht immer als „lender of last resort" fungieren werden und können.


(Autor: Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions GmbH)
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Sorgenfreie Baufinanzierung

Eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital wird auch Vollfinanzierung oder 110-Prozent-Finanzierung genannt. Mittlerweile wird diese Finanzierungsform, bei welcher neben dem Kaufpreis auch die Nebenkosten für Notar und Makler mitfinanziert werden können, von zahlreichen Banken angeboten.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Das Bauvorhaben oder der Kauf einer Immobilie kann sofort umgesetzt werden ohne dass der zukünftige Eigentümer jahrelang sparen muss um Eigenkapital einzubringen. Die Vollfinanzierung eignet sich besonders für Personen mit gesicherten Einkommensverhältnissen, die eine sehr gute Bonität aufweisen.
Darüber hinaus sind die Beschaffenheit und die Lage der Immobilie für die Vergabe einer Vollfinanzierung maßgeblich, da die Immobilie eine Kreditsicherheit für die Bank darstellt. Die Finanzierung ohne Eigenkapital bringt allerdings auch zahlreiche Nachteile mit sich. So verlangen die Banken höhere Zinsen, da das Kreditinstitut ein höheres Risiko trägt. Der Zinsaufwand ist für den Kreditnehmer über die gesamte Laufzeit deutlich höher als bei einer Finanzierung mit Eigenkapitalanteil. So könnte sich der Kauf der Immobilie unter Berücksichtigung der Zinskosten als teuer herausstellen. In diesem Zusammenhang ist es ratsam den Tilgungsanteil der monatlichen Raten nicht zu niedrig anzusetzen, damit über eine zügige Kreditrückführung die Zinsen nicht so lange zum Tragen kommen. Die monatliche Rate sollte dabei aber die Belastbarkeitsgrenze der Darlehensnehmer nicht überschreiten und finanziellen Spielraum lassen. Die persönliche monatliche Belastbarkeit ist durch eine realistische Haushaltsrechnung zu bestimmen.

Entscheidend ist, dass der Traum der eigenen Immobilie nicht schön gerechnet wird und den Kreditnehmer beim Auftreten unvorhersehbarer Ausgaben in Zahlungsschwierigkeiten bringt.
Zusammenfassend können wir feststellen, dass der Traum der eigenen vier Wände unter bestimmten Voraussetzungen auch mit wenig Eigenkapital realisierbar ist. Dennoch raten wir grundsätzlich zu einem Eigenkapitalanteil von mindestens 20 % des Kaufpreises. Die Beratung durch einen unabhängigen Baufinanzierungsberater stellt bei der Ausgestaltung der Finanzierung, den Zinskonditionen und der Finanzplanung einen signifikanten Mehrwert dar, so dass der Traum der eigenen Immobilie nicht zum Albtraum wird.

(Autor: Manuel Peiffer, GVS Financial Solutions GmbH)

Alles im Rahmen

Wenn es um den aktiven Vertrieb von Zertifikaten geht, gilt folgendes: Strukturierte Produkte mit hohen Risiken wie Optionsscheine, werden im Beratungsgeschäft der Banken nicht vertrieben. Hier gilt es sehr genau zu unterscheiden. Zum einen gibt es die Anleger, die im Rahmen einer Anlageberatung eher defensive Finanzprodukte erwerben, und zum anderen sogenannte Selbstentscheider, die ohne Beratung selbständig investieren.

Spannend ist nun die Frage danach, wie risikobereit sich Zertifikate-Anleger in Deutschland selbst einschätzen. Um darauf eine Antwort zu finden, haben wir im Internet Anleger danach gefragt, wie sie sich selbst auf einer fünfstufigen Skala von sicherheitsorientiert bis spekulativ einschätzen. Bei den Umfrage-Teilnehmern handelt es sich in der Regel um gut informierte Anleger, die als Selbstentscheider ohne Berater investieren.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Risikobereitschaft der Privatanleger große Unterschiede aufweist. An der Umfrage, die gemeinsam mit sechs großen Finanzportalen durchgeführt wurde, beteiligten sich rund 3.500 Personen. 35 % hielten sich für sicherheitsorientiert oder begrenzt risikobereit. Mehr als jeder Fünfte zeigte eine mittlere Risikobereitschaft. 15 % hielten sich für vermehrt risikobereit. 29 % gehen die Risiken einer spekulativen Anlage ein und ordneten sich der höchsten Risikoklasse zu.

Die Ergebnisse unterstreichen einmal mehr, dass es den einen Typus Kleinanleger nicht gibt und auch nicht geben kann. Privatanleger unterscheiden sich eben auch in ihrer Risikoneigung erheblich voneinander. Das sollten Politiker und Verbraucherschützer bei all ihren nachvollziehbaren Bemühungen rund um den Anlegerschutz respektieren und berücksichtigen. Anleger, die bereit sind, für höhere Renditechancen auch größere Risiken einzugehen, dürfen nicht bevormundet werden.

(Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband)
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Starker Euro belastet Wirtschaft

Seit geraumer Zeit sendet die europäische Wirtschaft wieder positive Signale und das verhilft unserer Gemeinschaftswährung zu immer neuen Höchstständen. Nicht nur gegenüber den Währungen der Emerging Markets, die im letzten Jahr stark unter die Räder gekommen sind, wertete der Euro massiv auf. Die Euro-Stärke zeigt sich in der Breite: Vom Greenback hat sich der Euro in den letzten zwei Jahren um ca. 15 % abgesetzt. Und auch nordeuropäische Währungen müssen sich seit Beginn 2013 dem Euro deutlich geschlagen geben.
Doch kann das so weitergehen? Die Wirtschaftslage hat sich aufgehellt, doch mittlerweile sind im Euro-Wechselkurs sehr optimistische Erwartungen eingepreist. Eine weitere Steigerung der Exportleistung Europas ist eher unwahrscheinlich und die Binnennachfrage schwächelt. Die Peripheriestaaten können nicht allein durch eine Wirtschaftsbelebung aus ihren Schulden herauswachsen. Um die Situation nachhaltig zu verbessern, müssen die Sparanstrengungen weiter vorangetrieben werden und können somit die Wachstumsdynamik bedrohen.
Auch der starke Euro beschränkt die Exportleistung und die Wachstumsaussichten für Europa. Dies dürfte besonders dem Exportmotor Deutschland zu schaffen machen und noch in diesem Jahr die EZB mit einer expansiveren Geldpolitik auf den Plan rufen. Im Kampf um tragbare Zinsen zur Bedienung der Schuldenlast und der Stützung der Wirtschaft hat sich diese im Gegensatz zur amerikanischen Fed bisher zurückgehalten. Diese Haltung könnte sich noch in diesem Jahr ändern und den Höhenflug des Euro beenden.

Wer Währungschancen wahrnehmen will, muss im Moment nicht unbedingt in den Schwellenländern suchen. In den Industrieländern bietet beispielsweise der US-Dollar eine interessante Einstiegsmöglichkeit. Die Kaufkraftparität zwischen Euro und US-Dollar liegt bei 1,30. Um diesen Wert sollte der Wechselkurs langfristig pendeln. Für eine Einengung des aktuellen Aufschlags spricht derzeit Einiges. Die wirtschaftliche Entwicklung in Amerika schreitet schneller voran, als in Europa. Dazu tragen die billige Fracking-Energie und der anziehende Binnenkonsum bei. Sinkende Arbeitslosenzahlen und Einkaufsmanagerindizes belegen die positive Entwicklung. Dies sollte den Tapering-Kurs der Fed und einen festeren US-Dollar unterstützen.
Auch die norwegische Krone scheint auf aktuellem Niveau wieder interessant. Auf der Suche nach Sicherheit flüchteten die Anleger bis 2012 in die nordische Währung und trieben deren Wert überproportional in die Höhe. Nach einer Korrektur um ca. 13 % scheint die Übertreibung nun verdaut und die vergleichsweise höheren Zinsen machen ein Investment wieder attraktiver.
Bei Investitionen in Schwellenländerwährungen müssen sich Anleger nach wie vor auf einen schwankungsreichen Verlauf einstellen. Das Tapering in den USA und Wahlen in fünf wichtigen Schwellenländern - Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und Türkei - könnten kurzfristig noch weiteren Druck auf die Währungen erzeugen. Langfristig befinden sich viele Währungen jedoch wieder auf einem interessanten Einstiegsniveau, denn viele Länder sind wirtschaftlich robuster aufgestellt als in vergangenen Krisen und könnten nun von der Abwertung ihrer eigenen Währung profitieren. Die Heterogenität der einzelnen Länder ist eine Chance für Anleger, denn auch solide Staaten wie zum Beispiel Mexiko wurden im letzten Jahr mit abgestraft.

(Autor: Susanne Woda, Portfoliomanagerin bei GVS Financial Solutions GmbH)
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Forschungsproduktivität und Patentlaufzeiten sind Treiber der Arzneimittelindustrie

Wertvernichtung durch Patentabläufe

Der aggressive Ersatz von patentfreien Original-Präparaten durch preiswerte Generika – vorangetrieben durch US-Krankenversicherer - mit einer entsprechend schnellen Erosion der Umsätze des Originalpräparates schreckte Industriebeobachter erstmalig am Beispiel von Eli Lillys Blockbuster-Produkt Prozac auf, das in wenigen Wochen 80 % seines Umsatzes in den USA einbüßte. In den folgenden Jahren bis Ende 2012 verloren Produkte mit Jahresumsätzen von insgesamt fast 200 Mrd. USD ihre Patente. Dies traf die zuvor erfolgsverwöhnte Pharmaindustrie unvorbereitet, denn den laufenden Patentverlusten standen nur leere Pipelines gegenüber.

Biotech-Industrie als Retter

Die finanzstarke Pharma-Industrie musste ihre Pipelinelücken durch Einlizensierungen und Zukäufe auffüllen. Innovationen und zukünftiges Wachstum gab es nur in der Biotech-Industrie. Seit 2002 übernahm sie daher Biotech-Unternehmen mit einer gesamten Marktkapitalisierung von über 150 Mrd. USD. Seit dem Patentklippenjahr 2012 zeigten sich erste Früchte dieser Strategie. Insbesondere die Aussicht auf eine Reihe neuer Produkte wie den immuntherapeutischen Krebsmedikamenten führte wieder zu einer Erholung der Bewertungen, so dass der aggregierte Wert der Industrie auf 1.700 Mrd. USD stieg, bescheidene 13 % über dem Wert von 2001.

Die Biotech-Industrie hingegen blieb beständig auf ihrem innovativen Wachstumspfad. Trotz der Übernahme einer Vielzahl ihrer führenden Unternehmen durch die Pharma-Industrie erreichte sie zum Jahresende 2013 eine aggregierte Marktkapitalisierung von ca. 700 Mrd. USD und konnte damit ihren Wert gegenüber 2001 mehr als verdoppeln. Angesichts des Beginns eines neuen Innovationszyklus und der Zulassung von ca. 100 neuen Produkten seit 2011 durch die US-Arzneimittelbehörde FDA sind die Aussichten mit jährlichen Wachstumsraten von über 20 % bis 2017 exzellent. Umsatz- und Wertverluste durch Generika bzw. Biosimilars spielen noch keine Rolle, sind jedoch noch vor 2020 zu erwarten.

Investieren in den beständigen Innovationsnachschub

Die Pharma-Industrie und bald auch die großen Unternehmen der Biotech-Industrie brauchen einen beständigen Zufluss innovativer Medikamente, denn nicht nur Patentabläufe sondern auch durch den Innovationswettbewerb veraltete Medikamente bedrohen Umsatz und Bewertungen. Die langfristige Anlagestrategie des Medical BioHealth-Trends wird diesem dringenden Bedarf nach Innovation gerecht. Dieser Fonds investiert schwerpunktmäßig in junge Arzneimittelunternehmen, deren Produktinnovationen letztlich die Basis für Wachstum und Wertsteigerung der Industrie bilden.


(Autor: Harald Schwarz, Geschäftsführer bei Medical Strategy Healthcare Investment Advisors)
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Schwieriger Jahresauftakt

Krise der Schwellenländer?

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos waren die Schwellenländer, nicht nur die Asiens, eines der beherrschenden Themen. Sorgen bereiteten nicht zuletzt die verstärkten Kapitalabflüsse aus Ländern wie Indien, Thailand und Indonesien, aber auch aus der Türkei, Argentinien und Brasilien. IWF-Chefin Christine Lagarde mahnte beschleunigte Reformen in den Volkswirtschaften der Schwellenländer an – ein vollkommen neuer Tonfall. Bislang waren Experten davon ausgegangen, dass vor allem der Kurswechsel der amerikanischen Notenbank Hauptverursacher der Währungsturbulenzen in den Schwellenländern sei. Denn fundamental ist die Situation zumindest in Südostasien immer noch recht komfortabel. Das Wachstumstempo ist nach wie vor hoch, der Bankensektor ist stabil und die Aktienbewertung ist niedrig. Doch gute Fundamentaldaten sind noch keine Garantie für steigende Börsen. Auch muss man aktuell die politische Großwetterlage in Asien berücksichtigen. China fährt außenpolitisch einen aggressiveren Kurs, auf den Japan ebenfalls einzuschwenken scheint, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel sind nach wie vor gegeben, Indien und Thailand kommen aktuell nicht zur Ruhe.

Chinas Wachstum bleibt im Blickpunkt

Die BIP-Zahlen Chinas aus dem vierten Quartal wurden von den Investoren unterschiedlich beurteilt. Während die einen den Rückgang um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal betonten, sahen die anderen das Land auf einen nunmehr nachhaltigen Wachstumskurs um die sieben Prozent. Die zweitstelligen Wachstumsraten der Vergangenheit waren nicht zuletzt auch durch Infrastrukturmaßnahmen erkauft worden, welche die Bildung von Blasen, etwa im Immobiliensektor, begünstigt hatte. Einhellig positiv wurde die Inflationsentwicklung gesehen, die zuletzt mit 2,5 Prozent unter der Zielsetzung von drei Prozent geblieben war und auch auf Jahressicht mit 2,6 Prozent erfreulich niedrig blieb. Sorgen bereiten die rückläufige Entwicklung der Industriepreise sowie die Einkaufsmanagerdaten, die nach 49,5 Punkten im Januar auf 48,3 Punkte im Februar gefallen sind. Vor allem Hongkong und Japan quittierten die neuerliche Eintrübung der Wachstumsdaten mit kräftigen Verlusten, die chinesischen Festlandbörsen reagierten nicht ganz so heftig.

Japan nach neuen Hochs im Korrekturmodus

Der Nikkei und der marktbreitere Topix erwischten ebenfalls einen schwachen Jahresstart. Der Aufwärtstrend des Yen gegenüber dem Dollar machte den großen Exportwerten Toyota, Honda, Panasonic oder Sony zu schaffen. Nachdem der Nikkei bei 16.800 Punkten ein neues Hoch gesetzt hatte, kam es zu deutlichen Gewinnmitnahmen. Zwar setzte bei 14.000 Punkten Anfang Februar eine Gegenbewegung ein, die den Index wieder über die Marke von 15.000 Punkten führte, trotzdem dürfte die weitere Entwicklung volatil bleiben. Ein erneuter Rückgang um fünf bis zehn Prozent ist kurzfristig durchaus vorstellbar.

Breiter Markt ohne klare Tendenz

Für die Randmärkte ist bisher noch keine klare Richtung zu erkennen. Während Korea, Indien, Singapur und Malaysia im Januar seitwärts/abwärts tendierten, zeigten sich die Börsen Thailands, der Philippinen und Indonesiens freundlich. Neuseeland konnte seinen seit einem Jahr bestehenden Aufwärtstrend fortsetzen und auch in Australien ist der positive Trend intakt.
Wir raten auch im neuen Jahr gerade in Asien zu Stockpicking. Die heterogenen Märkte der Region sind nach wie vor prädestiniert für die Suche nach unterbewerteten Substanztiteln.

(Autor: Dr. Ekkehard J. Wiek, Vermögensverwalter und Asien-Fondsmanager, W&M Wealth Managers (Asia) Pte Ltd. in Singapur)
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Dividendenaktien – es lauern Gefahren!

Die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009 hat die Notenbanken weltweit dazu gezwungen, die Leitzinsen auf bisher nicht gesehene Niveaus zu senken. In der Folge fielen auch die Renditen für risikoarme Anlagen auf kaum vorstellbare Werte. Anleger, die auf kontinuierliche, hohe Zinseinkünfte angewiesen sind, schichteten bei entsprechender Risikotoleranz von Staatsanleihen über Unternehmensanleihen in High Yield um. Mit den fallenden Renditen für Anleihen wurde für eine Vielzahl dieser Investoren die Aktie, und hier insbesondere Aktien mit hoher Dividendenrendite, immer attraktiver. Zu Beginn war bei niedriger Bewertung und attraktiver Dividendenrendite das Risiko vergleichsweise gering. Der Erfolg der Unternehmen und auch der Investoren mit diesem Ansatz zog weitere Anleger und Gelder an. Die Gewinne der Unternehmen stiegen und auch die Ausschüttungen wurden mit der Erholung angehoben. Die Dividendenrendite blieb für viele Lieblingsaktien dieser Anleger nahezu gleich, trotz deutlich gestiegener Kurse und auch Bewertungen. Schaut man in die Details, so erkennt man teilweise aktives und auch passives Herdenverhalten.

Die Popularität von ETFs führt dazu, dass häufig ein Dividendenindex nachgebildet wird. Diese Indices werden überwiegend nach der Dividendenrendite einer Aktie zusammengesetzt und zusätzlich über die Marktkapitalisierung von Aktiengesellschaften gewichtet. Aktive Portfoliomanager haben teilweise gleiche Verhaltensweisen und folgen entsprechenden Trends (Momentum). Dies wird insbesondere am US-Aktienmarkt deutlich. Aktien aus vermeintlich defensiven Sektoren haben so sehr hohe Bewertungen erreicht. Die Prognosen zu den Gewinnen und auch Dividenden in den kommenden Jahren mögen dies rechtfertigen, doch muss man sich diese sehr genau ansehen. In Europa haben wir teilweise eine ähnliche Situation bei einigen Sektoren und Aktien, die aufgrund des defensiven Charakters in den vergangenen Jahren sehr beliebt waren. Gefahr lauert von zwei Seiten:

1. Analysten neigen dazu, Gewinnentwicklungen fortzuschreiben. Dies ist zu hinterfragen. Viele der Lieblingsaktien werden das Gewinnwachstum nicht in der Höhe fortsetzen können. Erste enttäuschende Meldungen wurden bereits bekannt.
2. Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Gefahr sind die neuen Dividendeninvestoren. Getrieben von den niedrigen Renditen bei Anleihen werden sie die ersten sein, die die Party verlassen. Einen ersten Vorgeschmack haben wir hierzu im vergangenen Jahr gesehen. Als sich im Rahmen der Tapering-Diskussion die Renditen für Staatsanleihen innerhalb kurzer Zeit nahezu verdoppelten, zeigten einige Sektoren mit hohen Dividendenrenditen und einer gewissen Sensitivität zu den Renditen am Anleihemarkt empfindliche Verluste. Wann genau der Anleihemarkt der bessere Aufenthaltsort für die neuen Gäste sein wird, ist nicht klar, dürfte aber etwas über den im vergangenen Jahr gesehenen Höchstständen der Anleiherenditen der Fall sein.

Was bedeutet dies für den klassischen Dividendeninvestor? Der Blick sollte nicht immer auf die erste Reihe gerichtet sein. Ein flexibler Ansatz bei der Allokation von Sektoren und auch der Marktkapitalisierung ist notwendig. Häufig gibt es in der zweiten und dritten Reihe attraktiv bewertete Aktien mit guter Dividendenrendite. Des Weiteren zahlen auch viele Aktien aus nicht gerade typischen High Dividend Sektoren wie z.B. dem Technologiesektor durchaus ansehnliche Dividenden. Vor Jahren noch nahezu unvorstellbar.
Achten Sie während der Party darauf, den richtigen Aufenthaltsort zu haben. Die Tanzfläche ist vielleicht nicht der richtige Platz, denn der Weg zum Ausgang könnte zu weit entfernt sein.

(Autor: Thomas Meyer, Country Head Germany Institutional Asset Management Petercam S.A.)
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Buy & Hold 2.0 mit Laufzeitfonds

Ähnlich sieht es bei Festgeld und Co. aus. Dennoch sind viele Menschen mit Minizinsen zufrieden, solange sie kein Risiko eingehen müssen. Dabei gibt es für risikoscheue Anleger Produkte, die ein hohes Maß an Verlässlichkeit bei einer positiven realen Rendite bieten.
Eine bewährte Lösung sind Laufzeitfonds. Ihre Besonderheit: Sie investieren in Anleihen, die bis zum Ende ihrer Laufzeit gehalten werden. So werden Kursverluste der Anleihen vermieden und ihre Rückzahlung zu 100 Prozent angestrebt. Während der Laufzeit sind zudem jährliche Ausschüttungen möglich. Anleger wissen also schon beim Kauf des Fonds genau, womit sie rechnen können. So können Laufzeitfonds Sparern als Einstiegsanlage am Kapitalmarkt dienen und sind ein effektives Mittel, den schleichenden Wertverlust des Vermögens zu verhindern.

Laufzeitfonds sind keine neue Erfindung. Anfang der 90er Jahre waren sie in Mode, um Zinserträge in die Zukunft zu verschieben, wenn der Sparer das Rentenalter erreicht und einen tieferen Steuersatz hatte. Derzeit gewinnt das Konzept wieder an Aktualität – wenn auch nicht aus Steuergründen. Heute stellen Laufzeitfonds durch ihre Planbarkeit in Bezug auf die Laufzeit, die Ausschüttung und die Rückzahlung eine Alternative für konservative Anleger dar, die der Niedrigzinsfalle entkommen wollen.
Allerdings reicht es heute aus Renditesicht auch bei Laufzeitfonds nicht mehr, auf Staatsanleihen bester Bonität zu setzen. Und selbst ein ausschließlicher Fokus auf Investment-Grade-Unternehmensanleihen ist nicht sehr attraktiv. Auch Manager von Laufzeitfonds müssen somit das Portfolio mischen und Anleihen mit einem höheren Risikoprofil ins Kalkül ziehen.

Was heißt das konkret? Unser Research hält im aktuellen Umfeld mit Blick auf ein ausgewogenes Chance-Risiko-Profil eine globale Mischung von bis zu 40 Prozent Hochzinsanleihen und 60 Prozent Investment-Grade-Unternehmensanleihen für sinnvoll. Natürlich müssen Fondsmanager, die sich im Rendite-Risiko-Spektrum nach oben bewegen, ihr Risikomanagement anpassen. Einerseits ist eine gezielte Auswahl der einzelnen Anleihen notwendig. Es reicht nicht, ein Portfolio per Click danach auszuwählen, dass die Ratingstruktur passt. Andererseits ist ein aktives Fondsmanagement auch bei Laufzeitfonds notwendig. Der Manager muss, sollte eine Anleihe sich während der Laufzeit verschlechtern, reagieren und gefährdete Titel falls nötig verkaufen. Für Anleger jedoch bleibt der Gedanke des Kaufens und Liegenlassens bis zum Laufzeitende des Fonds erhalten. Damit verfolgen die neuen Laufzeitfonds sozusagen den Ansatz Buy & Hold 2.0.


(Autor: Claude Hellers, Leiter Retail und Wholesale Vertrieb von Fidelity Worldwide Investment in Deutschland)
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