Keep calm and carry on!

Nun gilt es Ruhe zu bewahren und die Sicherheitsmaßnahmen sukzessive zu erhöhen. Natürlich wird dies mit höheren Kosten für die Staatsausgaben verbunden sein, aber jedem dürfte klar sein, dass der Personalabbau bei Polizei und Sicherheitskräften beendet ist. Aber nicht nur die physische Präsenz wird erhöht werden, auch im Bereich der Cyber-Kriminalität werden massive Abwehranstrengungen erforderlich sein, um größere Schäden zu vermeiden. Die in Misskredit geratene Rüstungsindustrie wird wieder mehr zu Ehren kommen, auch wenn viele von einer friedlicheren Welt mit weniger Waffen geträumt haben.

Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen dies alles auf die konjunkturelle Entwicklung haben wird. Wie immer positive und negative. Den Stimmungsbelastungen und einer möglichen Konsumzurückhaltung nach solchen Anschlägen stehen die steigenden Staatsausgaben (Sicherheit etc.) gegenüber. Nach den Anschlägen in Paris trübten sich die Stimmungsindikatoren weit weniger stark ein als befürchtet. Gestern wurden eine Reihe von Frühindikatoren, allen voran der Ifo-Geschäftsklimaindex, mit einer positiven Tendenz veröffentlicht. Die Terroranschläge, die zweifellos fortgesetzt werden, treffen Europa in einer Phase relativer Stabilität und robuster Konjunktur. Kurzfristig sind wenig Auswirkungen zu erwarten. Mittelfristig könnten jedoch stärkere Grenzkontrollen und Konsumzurückhaltung (z.B. Reisen) zu Wachstumsverlangsamungen führen. Deshalb ist zu wünschen, dass die Grundhaltung, auch angesichts der Bedrohung ruhig zu bleiben und weiterzumachen, starke Verbreitung findet.

Autor: Michael Beck,
Leiter Asset Management Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG






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Google streicht Anzeigenplätze und setzt auf eigene Produkte

Etwa zwei Drittel seines letztjährigen Umsatzes von 75 Milliarden US-Dollar erzielte Google dabei durch eingeblendete Onlineanzeigen, die sogenannten AdWords. Im vergangenen Jahr fing man dabei an, die Zahl der Anzeigenpositionen zu reduzieren und gleichzeitig die Preise zu erhöhen. Derzeit – so der Diskussionsstand der Internetszene – will Google sogar die bis zu zehn Positionen in der nur für Anzeigen vorgesehenen rechten Spalte bei den Suchergebnissen streichen, dafür aber vier statt bislang drei Anzeigenpositionen über generisch erzeugten Internetseiten auf der Startseite eines jeweiligen Keywords zulassen. Parallel dazu startete der weltgrößte Internetkonzern im vergangenen Jahr ein eigenes Google-Shopping Werbefenster, das er sehr auffällig oben rechts auf der Startseite positioniert ist und mit dem eigene Produkte und Dienstleistungen angeboten werden. Viele Fachleute fragen sich folgerichtig, welche Entwicklung dies einläutet und wohin die Reise gehen könnte?

Zunächst einmal muss man wissen, dass AdWords im Preis variieren, da sie sich am Angebot und der Nachfrage orientieren. Eine Reduzierung der Positionen führt damit zwangsläufig zu steigenden Preisen und bevorzugt Großunternehmen, die sich derartige Preise überhaupt noch leisten können. Google gibt damit den Preisdruck bei Anzeigen direkt an seine Kunden weiter, die nicht darauf verzichten können, präsent zu sein. Dies gilt beispielsweise für Online-Vermarktungsplattformen. Gleichzeitig tritt Google durch Google Shopping in direkten Wettbewerb zu ihnen, indem man das Prinzip der AdWord-Kampagnen für sich selbst nutzt und eben prominent positioniert. Das Geschäftsmodell sieht dabei Provisionen für erfolgte Umsätze vor und schließt beispielsweise Preisvergleichssportale aus. Google nutzt damit seine Vormacht im Internet geschickt gegen Mitbewerber aus und nimmt diesen den Raum für deren eigene Geschäftsfelder. Hat man der Konkurrenz erst einmal die Werbemöglichkeiten genommen, scheint es nicht abwegig, gleich eigene Dienstleistungen anzubieten. Dies geschieht derzeit beispielsweise durch „Google Flight Search“ und „Google Compare“, Vergleichsseiten im Reise- und Finanzbereich. Hoteliers, Fluglinien, aber auch Banken und Versicherungen müssten Google künftig hohe Provisionen bezahlen, wenn über diese Direktabschlüsse getätigt werden. Ob dies mit dem Nimbus einer Suchmaschine noch im Einklang steht, mag angezweifelt werden. In jedem Fall ist das Werben bei Google dann nur noch eine Spielwiese für Großunternehmen. In weiten Teilen ist sie dies heute schon.

Autorin: Heike Laukat, Geschäftsführerin der Capisol GmbH
Das Unternehmen ist auf Google-Optimierungsmaßnahmen spezialisiert

Vom Berater zum Spitzenverkäufer

“Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.”  Philip Rosenthal Viele dieser Zitate sind zutreffend. Bilden Sie sich weiter. Unsere Gesellschaft wird immer schnelllebiger, unsere Technik immer tiefgründiger. Ich erinnere mich,...

Pfund noch immer keine attraktive Einstiegschance

Der Hauptgrund für die Vorbehalte sind Befürchtungen, dass Brexit sehr viel schneller kommen und härter werden könnte als bisher gedacht. Auch die Kritik von Theres May an der expansiven Geldpolitik der Bank of England...

Denn sie wissen nicht was sie tun … oder wollen sie es nur nicht...

So hält die Fondsbranche beharrlich an der Volatilität als Maß für das Risiko einer Anlage fest, obwohl schon seit Ende der 90er Jahre wissenschaftlich belegt ist, das die Volatilität keine geeignete Risikokennzahl ist. Frank Sortino schrieb bereits 1999 über die Nachteile der Volatilität bei Renditeverteilungen, da diese eine schiefe gewölbte Verteilung aufweisen (Sortino, van der Meer, & Platinga, 1999). Später führt er aus, dass das Downside Risk eine wesentlich bessere Kennzahl für das Risiko ist, da sie nur die unerwünschten Renditen berücksichtigt und nicht, wie die Volatilität, auch positive Renditen als Risiko einbezieht. Platinga findet sogar heraus, dass sich das Downside Risk besser als Prognose für zukünftige Risiken eignet (Platinga, van der Meer, & Sortino, 2001).

Die postmoderne Portfolio-Theorie ist längst erforscht und Kennzahlen wie Sortino Ratio, die das Sharpe Ratio ablösen soll, wurden eingeführt. Der Investor interessiert sich nur für die Volatilität unterhalb der Zielrendite (Rasiah, 2012).

Welche Fehler begeht der Analyst, wenn er die Volatilität als Risikomaß zum Vergleich heranzieht und weshalb?

Die Volatilität ist die Standardabweichung der Renditen. Die Standardabweichung wiederum ist der Abstand vom Mittelwert bis zum Wendepunkt in der Gauß´schen Normalverteilung. Da die Normalverteilung vollkommen symmetrisch ist, ist der Abstand vom Mittelwert zum Wendpunkt auf beiden Seiten gleich groß. Die Normalverteilung beschreibt rein zufällige Verteilungen, wobei die Häufigkeit des Mittelwertes und die Werte nahe des Mittelwerts sehr oft vorkommen, Extremwerte jedoch nicht vorkommen. Die Graphik im Folgenden zeigt dies deutlich:

Histogramm Markt 1Diese Graphik zeigt, wie die Renditen des Aktienmarktes1 verteilt sein müssten, wenn sie normalverteilt wären.


Histogramm Markt 2Diese Graphik zeigt die tatsächliche Verteilung der Renditen des Aktienmarktes1 mit der blauen Kurve.

____________________
1(USA Total Markt nach Größe gewichtet 1926 – 2014)

Aus der Graphik ist eines schnell ersichtlich, nämlich, dass die tatsächliche Verteilung der Rendite an Aktienmärkten nicht normalverteilt ist. Sie ist schief, gewölbt und die Extremwerte kommen viel häufiger vor. Eine positive Schiefe bedeutet dabei, dass Renditen größer als der Mittelwert häufiger vorkommen als Renditen kleiner als der Mittelwert. Eine Wölbung bedeutet, dass die Verteilung mit mittlerem Abstand zum Mittelwert bauchiger ist, also die Renditen mit mittlerem Abstand zum Mittelwert häufiger vorkommen als bei der Normalverteilung.

Besonders Fonds, die ein gutes Management haben, erzeugen schiefe und gewölbte Renditeverteilungen zu Gunsten des Anlegers. Das zeigt die Volatilität allerdings nicht an, da sie von einer Normalverteilung ausgeht.

Besonders riskant ist die Tatsache, dass die Extremwerte häufig vorkommen. Monatsrenditen von -30 % fanden tatsächlich statt und können wieder stattfinden. Dieses Risiko wird mit der Volatilität übersehen. Der Sachverhalt wird „Fat Tail“ Problem genannt und wurden von Prof. Mittnik, Universität München, am Fondskongress in Mannheim 2015 ausführlich erörtert (Mittnik, 2015).

Trotzdem hält die Fondsbranche an der Volatilität fest, obwohl sie damit wissentlich dramatische Fehler eingeht.

Gemäß Gesprächen mit Vertretern aus der Fondsbranche ist diese „Verkrustung“ durchaus schon im Wandlungsprozess. Im Folgenden ein paar Beispiele:

Herr Prof. Werner, Lehrstuhl Vermögensmanagement an der Dualen Hochschule Lörrach, war 20 Jahre bei verschiedenen KAGs im Portfoliomanagement tätig. Er berichtet: „Die Branche kann durchaus innovativ sein. Die von Ihnen aufgeführten Instrumente werden im Portfoliomanagement schon seit über 10 Jahren benutzt. Die Schwierigkeit sehe ich eher in der schwierigen Vermittlung der Theorie und Praxis hin zum Kunden. Den meisten in der Branche ist sehr wohl bewusst, dass es bessere und aussagekräftigere Kennzahlen gibt. Zugunsten einer einheitlichen Darstellung gegenüber den Beratern bleibt man allerdings bei den alten Kennzahlen.“

Auch die FondsKonzept AG, einer der größten Maklerverbunde für Fondsberater, kennt die möglichen Fehlinterpretationen der Volatilität. Die Möglichkeit, das Downside Risk und die Sortino Ratio als zusätzliche Maßstäbe zur Volatilität in die hauseigene Software, Maklerservicecenter, aufzunehmen, ist denkbar. Das bedarf aber, laut Herrn Bretzke, Vorstand der FondsKonzept AG, einer intensiven Schulung der angeschlossenen Partner, da die Kennzahlen und deren Anwendung im Maklerkreis bislang nicht gebräuchlich sind.

Auf Anfrage bei „Das Investment“, die Volatilität in der Fondsstatistik der Printausgabe zu ersetzten, gab Herrn Wachtendorf die folgende plausible Erklärung: „Was die Kennzahlen Volatilität, Downside Risk und Sortino Ratio betrifft, möchte ich folgendes anmerken: Ich bin selbst kein Freund der Volatilität, sie wird aber – weil mit Abstand am bekanntesten – von vielen Nutzern nachgefragt. Zusätzliche Informationen auf dem DIN-A4-Format unterzubringen, ist schwierig. Wir als Medium sind zudem davon abhängig, dass die Datenbanken die Sortino Ratio liefern. Solange das nicht der Fall ist, kann es in unseren Statistiken, allem guten Willen zum Trotz, keine Veränderung geben ...“

Bei Morningstar antwortet Herr Masarwah: „Sie sprechen uns aus der Seele. Wir sehen die Volatilität auch nicht als Maß aller Dinge, im Gegenteil: Ein zentrales Element unseres quantitativen Ratings, das allseits bekannte Morningstar Sterne Rating, fußt auf einer Nutzenfunktion, nach der Verluste überproportional beim Rating „bestraft“ werden. Es geht also dabei um reale Performance-Effekte und nicht um die Schwankung eines Asset-Preises per se. Unserer Berechnung liegt die Annahme zugrunde, dass ein Anleger immer die Wahl hat zwischen Risiko-Asset und risikolosem Asset. Vereinfacht gesagt werden Anleger von Verlusten stärker abgeschreckt, als sie von spiegelbildlichen Gewinnen angelockt werden. Das drückt sich im Morningstar Rating aus. Übrigens gehen unsere Fondsanalysten auch so bei der Erstellung des qualitativen Fondsratings vor. Auch hier bevorzugen wir Fonds bzw. Strategien, die stetige Erträge liefern. Strategien mit hohen Risiken, die in bestimmten Marktphasen dazu tendieren, in starkem Maße nach unten gezogen zu werden, werden auch hier penalisiert.“

Sind also die Fondsberater tatsächlich verkrustet oder nur unzureichend fortgebildet?

In den vielen Gesprächen mit Fondsberatern kommt tatsächlich zu Tage, dass Kenntnisse über Fondskennziffern und statistische Zusammenhänge fehlen. Wenige 34f-Berater nutzen außer der Volatilität zusätzlich andere Kennziffern, um Fonds zu vergleichen. Viele Berater nutzen die Volatilität als Risikomaß aus Mangel an anderen brauchbaren Kennziffern. Außerdem zwingt uns der Gesetzgeber mit der SRRI im KID, die Volatilität als Risikomaß auszuweisen.

Die Fondsberater, mit denen ich bisher gesprochen habe, und die, die Vorträge von Herrn Prof. Mittnik gehört haben, sind ihrerseits jedoch offen für bessere Kennzahlen.

Die Zahl der Finanzberater, die in der Fondsvermittlung aktiv Kennzahlen zur Portfoliogestaltung nutzt, ist mangels einschlägiger Kenntnisse tatsächlich noch recht klein laut Rainer Juretzek, Leiter der Europäischen Akademie für Finanzplanung (EAFP). Und das, obwohl nach der Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) die Verpflichtung besteht, im Beratungsprotokoll die Geeignetheit der Produktempfehlung zu begründen. So dürften einige der Empfehlungen im Schadenfall einer rechtlichen Überprüfung nicht standhalten. Wer fachlich anders aufgestellt ist, wie beispielsweise die Absolventen der Weiterbildung zum Zertifizierten Fondsberater, vermisst jedoch aktuell noch ein breiteres Kennzahlenangebot in den Vergleichsportalen zur Fondsauswahl.

Doch wie lange muss es noch dauern, bis die gesamte Fondsbranche wachgerüttelt wird und erkennt, dass sie veraltete Zahlen benutzt? Muss erst passieren, dass Anleger feststellen, dass ihre Berater 20 Jahre brauchen, bis sie Erkenntnisse aus dem Financial Research wahrnehmen und umsetzen?

Fondsberater müssen hier umdenken und endlich alte Wege überprüfen. Vertreter der Finanzwelt und Wissenschaft, Anwender, Programmierer, Datenlieferanten und Pools sollten sich zusammentun und den Fondsberatern bessere Möglichkeiten des Vergleichs von Fonds liefern und Fortbildungen, Workshops und Schulungen dazu anbieten. Und die Fondsberater ihrerseits sollten sich fortbilden, um neue Erkenntnisse und neues Wissen im Sinne des Kunden anzuwenden.

Das sind wir alle unseren Kunden schuldig!


Autor: Thomas Hupp, MBA Finanzmanagement


Info
Thomas Hupp ist Fundadvicor des Dachfonds MSF-4D-Asset-Oszillators, Lehrbeauftragter an der Dualen Hochschule Lörrach für das Fach Vermögensmanagement II. Er beschäftigt sich seit 1996 mit Investmentstrategien und seit 2008 verstärkt mit saisonalen Effekten ineffizienter Aktienmärkte. www.asset-oszillator.de



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Kein „Schwarzer Schwan“ für die Kapitalmärkte, aber der Europapolitik drohen noch rabenschwarze Tage

Aktuell liegt der Ball wieder im griechischen Spielfeld. Entweder erfolgt eine griechische Vorleistung durch Umsetzung von Reformen binnen 72 Stunden oder es droht das „Aus“.

Nachdem die griechische Regierung in Ignoranz des „Nein“-Referendums, welches sie zuvor in der Bevölkerung selber forciert hatte, pro-aktiv bei der Eurogruppe am Donnerstagabend Reformvorschläge einreichte, war ein schnelles weiteres Hilfspaket nicht unwahrscheinlich. Das mutmaßlich von französischen Politikern diktierte Papier war zu detailliert und zu entgegenkommend, um es pauschal abzulehnen.

Die über das Papier geführten Diskussionen der 19 Eurostaaten in den letzten 48 Stunden offenbarten aber fundamentale Gräben zwischen den Euroländern. Auf der einen Seite Deutschland, die Niederlande, Österreich, Finnland und die Osteuropäer, auf der anderen Seite Frankreich, Luxemburg, Italien und Griechenland. Zwischen den Stühlen die Länder auf erfolgreichem Reformkurs wie Irland, Portugal und Spanien. Die Spaltung in der Eurozone ist Realität – sichtbar dank Alexis Tsipras. Nach sechs Monaten filmreifen Theaters haben er und sein Spieltheoretiker Europa vorgeführt und die Büchse der Pandora geöffnet. Die radikalen linken Parteien in den anderen hochverschuldeten Euroländern haben ihre Helden gefunden und drohen für den Fall von Wahlerfolgen z.B. im Herbst in Spanien mit vergleichbaren Forderungen. Vertrauen wurde zerstört.

Es bedurfte dieses Falles „Griechenland“, um endlich offen über die Konstruktionsfehler des Euro und die unterschiedlichen Zielrichtungen und Philosophien der Euro-Staaten zu debattieren, ohne auf politische Korrektheit Rücksicht zu nehmen. Für die etablierten Eurostaaten geht es um unterschiedliche Europaphilosophien. Die einen, die Regeln und Glaubwürdigkeit der europäischen Idee über alles stellen und im Zweifel die Mitgliederzahl auch reduzieren wollen und die anderen, die den Zusammenbruch der europäischen Vision fürchten, sobald ein Mitglied (egal wie es sich verhält) nicht gehalten wird. Für die Linken geht es sogar um die generelle Systemfrage für Europa irgendwo zwischen Sozialismus und Marktwirtschaft.

In diesen Morgenstunden scheint vorerst ein Kompromiss gefunden, der den Ball zurück nach Griechenland spielt. Um menschliche Katastrophen abzuwenden, müssen die Banken wieder öffnen. Spätestens am 20. Juli fällt hier für Griechenland der Vorhang, wenn die EZB nicht hinreichende Anhaltspunkte hat, den Geldhahn weiter zu öffnen. Allerdings möchte sich die Mehrheit der Eurostaaten nicht auf die neuen griechischen Versprechungen verlassen, die offensichtlich im Gegensatz zu den Parteiprogrammen der Koalition, aber auch im Gegensatz zum Referendum stehen.
Insofern erscheint es sinnvoll, zunächst von Griechenland bis Mittwochnacht die Umsetzung wesentlicher Reformen im Parlament zu verlangen. Dazu gehören z.B. die bis heute nicht erfolgten Rentenreformen der Jahre 2010 und 2012 sowie die Einrichtung eines Treuhandfonds. Für den Fall der parlamentarischen Umsetzung könnten dann erneut Verhandlungen einsetzen.

Aus heutiger Sicht ist unklar, wie das griechische Parlament entscheiden wird. Zumindest scheinen die Anforderungen an Griechenland derart hoch, dass die anderen Eurostaaten zuversichtlich sind, im Falle eines „Ja“ aus Griechenland in heimischen Parlamenten die erforderliche Unterstützung zu finden. Anderenfalls droht der „Grexit“.

In jedem Fall bedarf es großer Anstrengungen, die Gräben zwischen den Eurostaaten zu schließen.

Zumindest die Aktienmärkte honorierten am Freitag nach zuvor heftigen Verlusten die Aussichten auf eine Einigung am Wochenende. Insofern folgt auf die jüngste Party mit Sicherheit der nächste Euro-Kater.


Autor: Thomas Böckelmann, Investmentchef der Vermögensmanagement EuroSwitch

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