Aktien USA: Die Tech-Aktien-Falle

Dr. Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München / Foto: © Dr. Lux & Präuner

Die internationale Finanzwelt spricht von einer inzwischen neun Jahren anhaltenden Aktien-Hausse und damit eine der längsten Aufwärtsbewegung in der Börsen-Geschichte. Der Grund ist aber nicht, weil sich die Märkte gegenseitig nach oben gepusht hätten, der Hauptverdienst gilt der Wall Street. Hier wird das meiste Geld umgesetzt.

Der weltweit wichtigste Börsenindex, der S&P mit den 500 größten amerikanischen Unternehmen, schaffte auf Sicht eines Jahres zehn Prozent und in den vergangenen drei Jahren sogar 24 Prozent, und das sogar ohne jährliche Dividenden, die nicht in den Index eingerechnet werden. Auch wenn für Euro-Anleger aufgrund der Euro-Aufwertung weniger hängengeblieben ist, entwickelten sich die amerikanischen Aktien summa summarum deutlich besser als zum Beispiel der deutsche Aktienindex DAX. Und das, obwohl die US-Werte nach allen Bewertungskriterien teurer sind als die deutschen Titel.

Wer nach den Gründen sucht, stößt auf die Aktien von fünf Technologiefirmen. Sie haben in den vergangenen zwölf Monaten ihren Börsenwert um eine Billion auf 3,5 Billionen Dollar gesteigert. Das entspricht mehr als dem doppelten Wert aller 30 DAX-Konzerne. In nur einem Jahr schafften Alphabet (Google), Apple und Facebook gut 20 Prozent, Microsoft 40 und Amazon gar 60 Prozent Kurszuwachs.

Diese nach Börsenwert fünf größten Unternehmen der Welt stehen inzwischen für 15 Prozent des Börsengewichts aller 500 größten US-Konzerne. Mit ihrer Größe treiben Sie jetzt – und in der Zukunft – maßgeblich den weltweit wichtigsten Börsenindex. Selbst Anleger, die gar nicht speziell auf Technologie-Aktien, sondern auf den breiten S&P-Börsen-Index setzen wollen, machen sich stark abhängig vom Wohl und Wehe dieser fünf Highflyer.

Diese Abhängigkeit hat weitreichende Konsequenzen. Verlieren Anleger das Vertrauen in Amazon und Co., droht nicht nur den fünf Technologieunternehmen der Absturz, sondern abgeschwächt dem gesamten Index – und damit auch vielen anderen Börsen, allen voran der deutschen. Der DAX folgte in der Vergangenheit stets besonders stark dem Auf und Ab an der Wall Street. Denn mehr als die Hälfte aller Aktien im DAX wird letztlich von ausländischen Investoren gehalten, die eher einen globalen Blickwinkel haben als speziell einen auf Deutschland oder den EU-Binnenmarkt.

Ein Vorgeschmack auf ein drohendes Börsenbeben, wenn nur eine der fünf Technologiefirmen wackelt, bekamen Anleger mit dem Datenskandal bei Facebook. Weil die britische Softwarefirma Cambridge Analytica unrechtmäßig die Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern abgriff, um sie im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zu benutzen, verlor Facebook viel an Vertrauen. Der Kurs brach innerhalb von nur sieben Handelstagen um 20 Prozent ein, und mit ihm sanken auch die Kurse vieler anderer Technologiefirmen. Denn die Anleger fürchten nun stärkere Regulierung auch bei Unternehmen wie Google und Amazon, die genauso wie Facebook millionenfach persönliche Daten sammeln und damit Geschäfte machen.

Das wohl größte negative Vorbild für Kettenreaktionen an der Börse liefert die geplatzte Dotcom-Blase. Kurz nach der Jahrtausendwende waren die Aktienmärkte weltweit abgestürzt, weil Anleger das Vertrauen in Technologie-Aktien verloren hatten. Zwar hinkt der Vergleich etwas, weil damals die gehypten Internet-, Medien-, und Telekom-Firmen nur wenig oder gar kein Geld verdienten. Doch ganz abwegig ist der Vergleich nicht.

Die Kurse der heutigen Börsenstars legten in den vergangenen Jahren sehr viel schneller zu, als die Unternehmen ihre Gewinne steigern konnten. Das macht Facebook, Google und Microsoft, gemessen an ihren Erträgen, inzwischen sehr teuer, Amazon ist vollkommen überteuert. Einzig Apple ist mit seinem 48-Milliarden-Dollar-Gewinn im abgelaufenen Jahr fast über alle Bewertungszweifel erhaben.

Unsere Einschätzung: Beide Entwicklungen – die rasant gestiegenen Aktienkurse der fünf großen US-Technologiefirmen, vor allem aber der Vertrauensverlust um Facebook – mahnen zur Vorsicht. Dem DAX mögen, abgesehen von SAP, namhafte Technologieunternehmen zwar fehlen, aber Daimler, Henkel, Siemens und Co. werden sich einem von Amerika ausgehenden Vertrauens- und Kursverlust mittelfristig nicht entziehen können.

Kolumne von Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München